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Weltbank-Tochter fördert Energieeffizienz in Russland | Drucken |

Energiesparmaßnahmen zunehmend gefragt / Sachsen am Programm beteiligt / Von Waldemar Lichter

Moskau (bfai) - Russland wird in den nächsten Jahren einige Chancen für Anbieter von Technologien und Ausrüstungen zur Energieeinsparung bieten. Noch profitiert die Industrie zwar von billiger Energie, und die Neigung, zu investieren, ist gering. Das wird sich aber bald ändern, denn die Energiepreise werden auch in Russland deutlich steigen. Der Druck, energieeffizienter zu werden, wird zunehmen. Die Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) will die Umstellung mit 100 Mio. US$ fördern. Sachsen hat das Programm schon für sich entdeckt.

Die Weltbanktochter IFC will Russland in den nächsten drei Jahren bis zu 100 Mio. US$ für Investitionsvorhaben zur Verbesserung der Energieeffizienz zur Verfügung stellen. Das sagte Miles Stump, der bei IFC das Sonderprogramm "Russia Sustainable Energy Finance Program" in Moskau leitet. IFC vergibt die Gelder dabei nicht unmittelbar an russische Unternehmen, sondern über Banken. Russische Finanzinstitute, die Interesse an dem Programm haben, können das Geld nutzen und ihrerseits (günstige) Kredite zur Finanzierung von Vorhaben russischer Unternehmen im Bereich Energieeffizienz vergeben.

Das Programm läuft seit Anfang 2006. Bisher sind einige Millionen Dollar geflossen. Einer der Empfänger war die ZentrInvest Bank (Rostow am Don), die von der IFC eine Kreditlinie von 4 Mio. US$ erhielt. In deren Rahmen wurden Darlehen unter anderem an die Unternehmen Lemaks (Taganrog), UNK-Agroprodukt und die Süßwarenfabrik Kuban vergeben - meist zur Modernisierung von Anlagen im Hinblick auf die Energieeffizienz. Eine Kooperation wurde auch mit der tatarischen Tatfondbank vereinbart. Die IFC will das Programm künftig auch bei anderen russischen Banken bewerben und die Finanzinstitute beraten.

Das Programm bietet auch ausländischen Beratern und Anbietern von Technologien und Anlagen im Bereich Energieeffizienz einige Chancen. Zugang zu dem Förderprojekt kann entweder über die IFC selbst gesucht werden, oder über russische Banken, die das Programm in Anspruch nehmen, beziehungsweise über die potenziellen Kunden - russische Unternehmen, die entsprechende Investitionen planen. Interessenten sollten sich bei der IFC melden, empfiehlt Stump. Das Programm wird über Büros in Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg, Rostow am Don und Nishnij Nowgorod geführt.

Der Freistaat Sachsen ist über seine Wirtschaftsfördergesellschaft mit der IFC an dem Programm beteiligt. Gegründet wurde in diesem Zusammenhang ein spezieller IFC-Treuhandfonds. Ziel ist, sächsischen Beratungsfirmen eine Möglichkeit zu geben, ihr Know-how in diesem Sektor einzubringen. Einerseits soll damit der russische Markt und dessen Potenzial erschlossen werden. Andererseits erhalten die meist noch jungen sächsischen Firmen, die nur wenige Referenzen vorweisen können, den Zugang zur IFC. Schwerpunkt der Arbeit ist dabei die russische Wolga-Region. Auch Unternehmen aus anderen Bundesländern können sich beteiligen - sofern es Partnerschaften oder Verflechtungen mit sächsischen Firmen gibt.

Jüngstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine Studie über den Markt für Infrarot-Gasheizungen in Industriehallen. In drei Fallstudien wurden mit Hilfe sächsischer Consultants Untersuchungen über Möglichkeiten für den Einsatz dieser Technik in konkreten Unternehmen vorgenommen. In einem weiteren Projekt will der sächsische IFC-Treuhandfonds das Thema "Cleaner Production" in der Wolga-Region anpacken. Dabei wird es um die Bereiche Gießereien, Petrochemie und Zementindustrie gehen.

Energieintensität des Bruttoinlandsprodukts in Russland und ausgewählten Ländern (2003, in kWh/US$ BIP)
Land Energieintensität des Bruttoinlandsprodukts 2003
Ukraine 39,2
Russland 24,3
Polen 6,2
Kanada 4,0
USA 3,6
Deutschland 2,1
Dänemark 1,5

Quelle: IFC, Miles Stump, IEA-Report 2004

Die IFC möchte mit dem Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz vor allem Aufklärungsarbeit leisten und die Finanzierbarkeit solcher Projekte in Russland demonstrieren. Das ist auch dringend nötig. Denn bei der Energieeffizienz schneidet die russische Wirtschaft im internationalen Vergleich schlecht ab. Das ist zum Teil systembedingt: Die Energiekosten drücken nicht so sehr, wie in anderen Ländern. Strom und Gas sind auf dem Binnenmarkt vergleichsweise billig zu haben.

So müssten Verbraucher in Russland für Erdgas nur 45 US$ pro 1.000 cbm berappen. In Schweden seien es mehr als zehn Mal so viel, berichtet Stump von der IFC. Auch die Strombezüge sind im Schnitt mit 1,1 Rbl/kWh etwa ein Drittel billiger als in Westeuropa. Hinzu kommt, dass die Industrieanlagen überaltert und die betrieblichen Abläufe nicht optimal sind. Anreize zur sparsameren Umgang mit Energie gibt es aber bisher kaum.

Bald wird es jedoch mit den "paradiesischen" Bedingungen für die lokale Industrie vorbei sein. Die russische Regierung will die Erdgas- und Strompreise auf dem Binnenmarkt bis zum Jahr 2011 liberalisieren. Um im In- und Ausland wettbewerbsfähig zu bleiben, wird die russische Industrie einiges tun müssen, um die Kosten zu drücken und weniger energieintensiv zu arbeiten. Das Einsparpotenzial ist riesig. Vertreter des Industrieministeriums bezifferten dieses auf insgesamt 360 Mio. bis 430 Mio. t Brennstoffäquivalent (tons of fuel equivalent).

In einer Befragung von über 600 meist mittelgroßen Unternehmen aus fünf verschiedenen Industriezweigen (Fleisch/Milch, Back-/Süßwaren, Holz- und Metallverarbeitung, Leichtindustrie) versuchte die IFC nun festzustellen, warum das Thema Energieeffizienz bisher nicht systematisch angegangen wurde. Das Ergebnis: Die meisten sehen zwar das Problem, unterschätzen jedoch die möglichen Einsparungen. Ein Beispiel: Das Einsparpotenzial bei den Kosten durch energiesparende Technik (Kälte, Wärme, Wasser, Strom, Gas etc.) wurde auf zwischen 8% und 10% geschätzt. Die weltweite Praxis habe aber gezeigt, dass tatsächlich zwischen 16% und 30% möglich wären, berichtet IFC-Vertreterin Jana Gorbatenko.

Ein weiteres wichtiges Problem: Die meisten Firmen wollen die Projekte aus eigener Kraft finanzieren und bemühen sich nur selten um Kredite. Das Ergebnis: Entweder hat ein Unternehmen genügend Eigenmittel, dann wird das Vorhaben realisiert - oder es hat die Mittel nicht, dann findet es nicht statt. Dabei sind russische Finanzinstitute inzwischen nicht abgeneigt, auch für solche Vorhaben Geld zu geben. Unternehmen, die um Kredite für Energieeffizienz nachgesucht hatten, bekamen zum größten Teil das Geld, so die IFC-Studie.

An dieser Stelle will die IFC ansetzen. Das Programm soll Aufklärungsarbeit leisten: Einerseits über die Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz, andererseits darüber, dass solche Vorhaben finanzierbar sind. Die Banken werden einen Anreiz erhalten, dieses Finanzprodukt aktiver anzubieten. Ob der geplante Rahmen von 100 Mio. US$ am Ende tatsächlich ausgeschöpft wird, hänge allein von der Nachfrage der Banken ab, so Stump. Für russische Banken ist dieses Produkt noch relativ neu. Anders als in der Ukraine, wo die Umstellung der Gaspreise Anfang 2006 einen Lerneffekt hatte. Kredite für Energieeffizienzprojekte seien für ukrainische Banken deshalb kein Neuland mehr, so der IFC-Manager.

 
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