| Stuermisches Wachstum der Bautaetigkeit in Russland | | Drucken | |
Bau von Wohnungen, Handels- und Logistikzentren boomt / Zahlreiche Großprojekte / Änderungen am Städtebau- und LandkodexMoskau (bfai) - Russlands Bauwirtschaft steht auch im Jahr 2007 unter Volldampf. Die hohen Rohstoffpreise bescheren dem Land nach wie vor Rekordeinnahmen aus dem Export, die in neue Großprojekte des Wohnungs-, Wirtschafts- und Infrastrukturbaus fließen. Für Bauunternehmen und Zulieferer rund um die Bauindustrie bietet der Boom beste Geschäftschancen. Gute Neuigkeiten für deutsche Firmen: Bei den Bauherren ist das Qualitätsbewusstsein ist gestiegen, nachdem die anfangs von türkischen und osteuropäischen Firmen billig errichteten Gebäude die ersten Schäden aufweisen. Mit einem Volumen von 2.247 Mrd. Rubel (82,6 Mrd. US$, Jahresdurchschnittskurs 2006: 1 US$ = 27,2 Rubel) hat der Wert der erbrachten Bauleistungen 2006 real um 15,7% zugelegt. Für 2007 wird ein neuer Rekord erwartet. Fast ein Viertel des russischen Baumarktes entfällt immer noch auf den Großraum Moskau, doch die Regionen holen ordentlich auf. So wurden 2006 in der rohstoffreichen Oblast Tjumen 9,4% des russischen Bauvolumens abgewickelt. Sankt Petersburg und das umliegende Gebiet kamen auf 8,8%. Immer mehr Kräne drehen sich zudem in der Schwarzmeerregion sowie in den Wolgametropolen und im Ural. Wegen des zunehmenden Grundstückmangels in Moskau und den exorbitanten Preisen, aber auch angesichts der steigenden Kaufkraft im Hinterland wird sich das Wachstum der Bauwirtschaft immer mehr in die Regionen verlagern. Der Bedarf zieht sich dabei durch alle Segmente - vom Wohnungs-, Büro- und Handelsimmobilienbau bis hin zu Lagern, Logistikzentren, Ver- und Entsorgungsleitungen, Industriegebäuden und natürlich Verkehrsinfrastruktur. Da die einheimische Wirtschaft die Baunachfrage keinesfalls allein bewältigen kann, winken ausländischen Zulieferern und Anbietern von Bauleistungen lukrative Aufträge. Das stürmische Wachstum führt zu ersten Engpässen bei der Versorgung mit Baustoffen und Baumaterialien. So berichteten Baufirmen aus der Region Nowosibirsk, dass 2006 ein Drittel der benötigten Ziegelsteine und 15% des Zements nicht geliefert werden konnten. Auch die oft zu langsame Erschließung der Grundstücke mit Strom-, Telekom-, Wasser- und Abwasserleitungen hemmt die Entwicklung der Branche.
Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik (Rosstat; http://www.gks.ru)
Jahresdurchschnittskurse: 2004: 1 Euro = 35,82 Rubel; 2005: 1 Euro = 35,16 Rubel Quelle: Ratingagentur Expert WohnungsbauDas Regierungsprogramm "Erschwinglicher und komfortabler Wohnraum" soll den Wohnungsbau auf Touren bringen. Der Staat subventioniert unter anderem Hypothekenkredite und verteilt an bestimmte Berufsgruppen (wie Militärangehörige) Wohnungszertifikate, die zum Erwerb der eigenen vier Wände eingesetzt werden können. Bis 2010 ist die Fertigstellung von jährlich 80 Mio. qm neuen Wohnraums vorgesehen. Davon ist Russland bislang weit entfernt. Laut Statistikbehörde Rosstat wurden 2006 rund 605.000 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 50,2 Mio. qm übergeben (+15% im Vergleich zu 2005). Für 2007 wird ein Wert von 56 Mio. qm angestrebt.
Die Baukosten zur Errichtung von Wohnungen lagen 2006 laut Baubehörde Rosstroy bei durchschnittlich 13.700 Rubel (504 US$) je Quadratmeter. Am teuersten ist der Wohnungsbau in den Regionen Tschukotka (80.000 Rubel), Magadan (36.200 Rubel) sowie im Autonomen Bezirk der Nenzen (34.000 Rubel). In Moskau (26.700 Rubel) lagen die Erstellungskosten deutlich über denen in Sankt Petersburg (16.800 Rubel).
Trotzdem ist der Wohnungsbau in Moskau besonders lukrativ, denn die Verkaufspreise für Eigentumswohnungen haben Ende 2006 ein Rekordniveau von durchschnittlich 4.200 US$/qm erreicht (+88% gegenüber Ende 2005). Da die Baukosten lediglich bei einem Viertel dieser Summe liegen, können Investoren satte Gewinne einstreichen. Trotzdem wächst der Wohnungsbau in Moskau nur schwach, weil Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, Grundstücke knapp werden und die Erschließung der Bauplätze zu langsam vorangeht. Laut russischer Statistikbehörde wurden 2006 in der Metropole 4,8 Mio. qm Wohnraum fertig gestellt (+3,4% gegenüber 2005). Für ein großes Volumen, aber recht geringe Wachstumsraten sorgt Russlands zweitgrößte Stadt Sankt Petersburg. Dort wurden 2006 etwa 2,4 Mio. qm Wohnfläche übergeben. Die Planungen für die nächsten Jahre - 2007: 2,4 Mio. qm, 2008 und 2009: bis zu 2,6 Mio. qm. Die Stadtregierung hofft auf ein Engagement des neu in der Metropole registrierten Konzerns GazpromNeft im Wohnungsbau. Das langsame Bautempo lässt die Preise für Wohnungen in der Newa-Metropole ebenfalls auf Rekordniveau steigen: ein Quadratmeter kostete 2006 im Durchschnitt 2.500 US$. Für 2007 wird ein weiteres Plus von 25 bis 30% prognostiziert.
Viel dynamischer entwickelt sich die Erstellung neuer Wohnviertel in den Regionen. Besonders hohe Zuwächse beim Wohnungsbau erzielten 2006 die Regionen Kaliningrad (+88%), Iwanowo (+67%), die Altai-Republik (+59%), Nowosibirsk (+52%), Sachalin (+47%) und Archangelsk (+41%). Allein die Stadt Nowosibirsk plant für die kommenden drei Jahre die Errichtung von 3 Mio. qm zusätzlichen Wohnraum. Für mehr reichen die Kapazitäten der lokalen Baufirmen nicht aus. Als interessante Marktentwicklung bezeichnen deutsche Unternehmen in Russland den Boom bei Eigenheimen und Blockhäusern im Moskauer Umland. Das jährliche Verkaufsvolumen liegt laut Schätzungen inzwischen bei 8,5 Mrd. US$. Für die nächsten Jahre werden auf dem sogenannten Cottage-Markt Wachstumsraten von mindestens 15% prognostiziert. Die Nachfrage nach Häusern der Economy-Klasse übersteigt das Angebot derzeit um 50%. Neue Siedlungsprojekte im Moskauer Oblast lassen auch den Bedarf an neuen Straßen sowie an Ver- und Entsorgungsleitungen steigen. Geschäftschancen in Moskau versprechen darüber hinaus die laufenden Abrissarbeiten an den fünfstöckigen "Chruschtschowki", stark verschlissene Gebäude aus den 50er und 60er Jahren. Bis 2009 werden jährlich 1 Mio. qm zurückgebaut und dafür 17-stöckige Neubauten errichtet. Anschließend ist der Abriss von 9-stöckigen Plattenbauten vorgesehen, die durch 25-etagige Häuser ersetzt werden sollen. Das verlangt zugleich zusätzliche Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten oder Parkhäuser. Die höhere Verdichtung des Wohnraums verschärft allerdings die Verkehrs- und Umweltbelastungen in Moskau, so dass auch hier neue Lösungen nötig sind. Nur langsam in Gang kommen in Moskau die Sanierungsarbeiten an den Plattenbauten aus sowjetischer Zeit, was vor allem an den schwierigen Eigentumsverhältnissen liegt (die Wohnungen sind meist privatisiert, Grundstück und Gebäude gehören aber der Kommune). Immerhin wurden nach Angaben der Stadtregierung 2006 rund 370.000 qm Fassaden und 140.000 qm Dachflächen saniert. Von den 169 Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern in Russland haben 25 Gemeinden neue Generalpläne zum Stadtumbau in Angriff genommen, in 69 Kommunen steht die Verabschiedung solcher Pläne demnächst an. Teilweise sollen ganze Stadtviertel (Mikrorajony) neu entstehen, unter anderem im Moskauer, Swerdlowsker und Brjansker Oblast, in der Republik Tschuwaschien und bei Stawropol. Besonders bemerkenswert sind die Vorhaben Kudrowo und Bolschoje Domodedowo (siehe Tabelle "Großprojekte"). HypothekenfinanzierungFür 2007 sind Gesetzesänderungen zur vereinfachten Emission von Hypothekenpfandbriefen geplant. Das soll den Banken die Forderungsabsicherung erleichtern. Insgesamt spielen Hypothekarkredite beim Wohnraumerwerb in Russland immer noch eine geringe Rolle. Ihr Anteil an den landesweiten Geschäftsabschlüssen betrug im 1. Halbjahr 2006 lediglich 6%. Die Steigerungsraten bei der Ausgabe von Hypothekarkrediten sind aber beachtlich: Im Jahresverlauf 2006 vervierfachte sich das Gesamtvolumen auf 220 Mrd. Rubel. Überdurchschnittlich häufig kommen Hypothekarkredite in der Uralregion und in sibirischen Städten zum Einsatz. Dagegen spielt die Kreditfinanzierung in Moskau und Sankt Petersburg beim Wohnungskauf kaum eine Rolle. Die Hypothekenzinsen liegen derzeit in Abhängigkeit von Laufzeit und Pfandwert zwischen 11 und 14% pro Jahr. Daneben ist ein Gesetzesprojekt über die Gründung von Bausparkassen in Arbeit. Vorgesehen ist, dass der Staat die Ersparnisse zum Wohnraumerwerb mit einer Prämie von 20% fördert. Experten rechnen damit, dass Bausparkassen in Russland innerhalb von zwei Jahren etwa 30 Mrd. Rubel Spareinlagen ansammeln könnten. WirtschaftsbauNach Schätzungen von Cushman&Wakefield/Stiles&Riabokobylko wurden 2006 in Russland rund 4 Mrd. US$ in den Bau von Büro-, Lager- und Handelsflächen investiert (2005: 1,5 Mrd. US$). Davon entfielen 44% auf Einkaufszentren, 34% auf den Office-Bereich, 12% auf Logistikbauten und 10% auf Hotels. Die Experten erwarten noch mindestens fünf Jahre eine Fortsetzung des Booms. Bis 2010 könnten die jährlichen Investitionen in Gewerbebauten auf 10 Mrd. US$ hochschnellen. HandelsbautenIm Gewerbebau dominiert die Errichtung neuer Handelszentren. Beliebtestes Format sind dabei große Shopping Malls mit 30.000 bis 80.000 qm und einem Hypermarkt als Ankermieter. Das Wachstum des russischen Einzelhandels lag 2006 mit real 13% weit über dem Wachstum der Gesamtwirtschaft. Die Umsätze erreichten nach Angaben des Statistikamtes einen Wert von rund 8.630 Mrd. Rubel (317 Mrd. US$). Größter Markt bleibt Moskau, wo 2006 rund 1 Mio. qm neuer Handelsflächen entstanden sind. Die Renditen für Handelsimmobilien in der Hauptstadt sollen bei jährlich 20% liegen. Der Markt wird auch in den nächsten Jahren stürmisch wachsen, neue Einkaufszentren schießen im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden. Da der Einzelhandel in Russland bevorzugte Branche ausländischer Investoren ist, strömt entsprechend viel Kapital in den Sektor, was die Entwicklung deutlich beschleunigt. Zwar wird der Drang in die Regionen durch administrative Hürden (verzögerte Baugenehmigungen, Gegenwehr lokaler Händler) und durch erschwerte Grundstückserschließungen (Strom, Telekommunikation) erschwert. Doch der Trend weg von Moskau ist nicht mehr aufzuhalten. Allein in Sankt Petersburg sollen 2007 rund 850.000 qm neue Handelsflächen entstehen. Ikea, Metro, Obi, Ramstore oder Auchan treiben die regionale Expansion voran. Wal-Mart oder Carrefour stehen kurz vor einem Markteintritt in Russland. Ebenso hegen russische Unternehmen ehrgeizige Ausbaupläne und verfügen inzwischen auch über den Zugang zu westlichen Kapitalmärkten. So plant die Marta-Holding bis 2008 die Eröffnung von 200 neuen Grossmart-Märkten in einer Größenordnung zwischen 200 und 5.000 qm. BüroflächenNach Angaben von Immobilienmaklern wurden 2006 in Russland mehr als 5 Mio. qm Büroflächen übergeben. Schwerpunkt der Bautätigkeit ist traditionell die Hauptstadt Moskau, auf die ein Fünftel des Volumens entfällt. Hier erreichen die Mietpreise in Kremlnähe inzwischen Rekordwerte von 1.500 US$ pro Quadratmeter und Jahr. Die Stadtverwaltung will den Bau neuer Büroflächen in der City einschränken, um so die Zahl der Berufspendler Richtung Zentrum zu verringern. Das hat einerseits den Preisauftrieb für Innenstadtlagen beschleunigt, andererseits aber den Trend Richtung Peripherie und Moskauer Umland verstärkt. Immer häufiger entstehen große Bürokomplexe am äußeren Moskauer Autobahnring. Zwar sollen allein 2007 in Moskau 1 Mio. qm neue Büroimmobilien hinzu kommen. Doch das Angebot an hochwertigen Flächen deckt noch lange nicht die Nachfrage, so dass die Mietpreise für Objekte der Klasse A weiter steigen werden (2006: zwischen 15 und 20%). Allerdings führt die zunehmende Konkurrenz auf der Anbieterseite dazu, dass neue Services wie ökologische Büros oder Intelligent Offices mit besonders leistungsfähiger IT-Ausstattung immer häufiger Beachtung finden. Auch in den Regionen steigt die Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen. Für Sankt Petersburg erwarten Immobilienmakler 2007 den Neubau von 660.000 qm der Klassen A und B. Lager- und LogistikflächenMit dem Boom beim Einzelhandel wächst der Bedarf an Logistikzentren. Rund um Moskau und Sankt Petersburg, aber auch an wichtigen regionalen Knotenpunkten wie Nowosibirsk oder Jekaterinburg, entstehen derzeit riesige Lagerkomplexe. Hier ergeben sich wegen des Defizits noch auf Jahre hinaus sehr gute Geschäftsmöglichkeiten. Analysten berichten, dass die für 2007 anstehenden Fertigstellungen im Raum Moskau schon im Herbst 2006 komplett vermietet waren. In Objekten der Klasse A sollen die Mietpreise 2007 bis zu 150 US$/qm erreichen. Die Baukosten für diese Lager liegen laut Branchenexperten bei rund 800 US$/qm. Ein Schwerpunkt für die Logistikbranche könnte der geplante, fast 500 km lange Autobahnring rund um Moskau werden, an dem sich mehrere ausländische Anbieter von Logistikdienstleistungen ansiedeln wollen. In Domodedowo südlich von Moskau entsteht der größte Lagerkomplex Europas mit über 1 Mio. qm Fläche. Ein erster Bauabschnitt wird im Sommer 2007 übergeben, das gesamte Projekt könnte 2009 fertig sein (geschätzte Investitionssumme: über 600 Mio. US$). In Sankt Petersburg wird sich 2007 der Bestand an Lagerflächen der Klassen A und B durch die starke Bautätigkeit voraussichtlich auf 1 Mio. qm verdoppeln. Selbst dieses hohe Neubauvolumen wird jedoch den Bedarf an modernen Logistikzentren nicht decken. Groß ist der Mangel in anderen Regionen. Laut Consultingagentur Knight Frank gibt es zum Beispiel in Rostow am Don zurzeit nur rund 20.000 qm Lagerhallen der Klassen A und B. Doch allein der heutige Bedarf liege bereits bei 160.000 qm. Abhilfe ist in Sicht: Die National Logistics Company errichtet den Logistikpark "Batajsk" (Projektentwickler: RosEwroDevelopment, Plan: 500.000 qm neue Lagerflächen). In der sibirischen Metropole Nowosibirsk entsprechen nur 5% aller Lagerflächen dem A-Standard. Laut Analysten braucht die Region fast 1 Mio. qm neuer, moderner Flächen. Moskauer und Sankt Petersburger Unternehmen haben die Marktlücke erkannt: Die Handelsgruppe Eldorado investiert in der Region 125 Mio. US$ in ein neues Logistikzentrum (250.000 qm), Sib-Agrozentr 40 Mio. US$. Multinational Logistics Partnership, das auf die Entwicklung von Logistikobjekten spezialisiert ist, plant ein Lagerprojekt für 100 Mio. US$. HotelsDer Hotelbau gilt als einer der perspektivreichsten Geschäftsfelder für Projektentwickler. Allein in Moskau sollen zwischen 2007 und 2010 über 200 Herbergen mit etwa 90.000 Betten entstehen. In Sankt Petersburg sind 125 Bauprojekte mit einer Gesamtkapazität von fast 11.000 Betten in Planung. Auffallend ist, dass immer mehr internationale Hotelketten nach Russland drängen. Besonders die Touristenklasse gerät dabei ins Blickfeld, da bei 3- und 4-Sterne-Häusern enormer Nachholbedarf besteht. Die Moskauer Renova-StroiGroup hat Anfang Januar 2007 den Bau von 50 Drei-Sterne-Hotels mit jeweils 200 Zimmern in den Millionenstädten angekündigt und will dafür mehr als 1 Mrd. US$ investieren. Neben den beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg sind die Schwarzmeerregion um Sotschi und die altrussischen Städte des "Goldenen Rings" Schwerpunkte des Hotelbaus im Land. InfrastrukturbauRussland wird beim Infrastrukturbau in Zukunft verstärkt auf Public Private Partnerships (PPP) setzen. Ausländische Investoren sind dabei mit Kapital und Know-how willkommen. Wichtiges Instrument für die ambitionierten Vorhaben der Zukunft ist der prall gefüllte Investitionsfonds, in den Teile der Rohstoffeinnahmen fließen. Die neun Projekte, die 2006 zur Kofinanzierung aus diesem Topf ausgewählt wurden, versprechen der Bauwirtschaft lukrative Großaufträge: 1. Entwicklung der Region Nishneje Priangarje (Gebiet Krasnojarsk), Gesamtkosten: 360 Mrd. Rubel. Zum Projekt gehören ein Wasserkraftwerk, eine Aluminiumhütte sowie ein Zellstoff- und Papierkombinat. Gebaut werden auch Stromübertragungsnetze, Straßen, eine Brücke über die Angara sowie eine Eisenbahnlinie; 2. Petrochemiekomplex Nischnekamsk (Republik Tatarstan), Gesamtkosten: 130 Mrd. Rubel. Aus dem Investitionsfonds sollen unter anderem eine 117 km lange Erdölpipeline und eine 128 km lange Rohrleitung für Ölprodukte sowie 28,5 km Bahnstrecken finanziert werden; 3. Mautschnellstraße "Zapadnyj Skorostnoj Diametr" (Nord-Süd-Querung im Westen Sankt Petersburgs), Gesamtkosten: 84 Mrd. Rubel. Der Bau der 46 km langen Schnellstraße läuft seit Herbst 2005, Fertigstellung für 2010 geplant; 4. Teilstrecke der Mautautobahn Moskau-Sankt Petersburg; 5. Ausbeutung der Metallerzvorkommen im Gebiet Tschita und Errichtung der benötigten Transportinfrastruktur (Eisenbahn). Gesamtkosten: 141 Mrd. Rubel; 6. Neuer Anschluss zwischen dem Moskauer Autobahnring MKAD und der Fernstraße M1 (Richtung Minsk) mit Streckenführung nach Odinzowo; 7. Bau des Orlowskij-Tunnels unter der Newa in Sankt Petersburg; 8. Bau einer Mautautobahn Krasnodar-Abinsk-Kabardinka; 9. Zwei Teilabschnitte der Mautautobahn M-4 "Don" von Moskau nach Noworossijsk. Neben diesen Vorrangvorhaben läuft bis 2010 ein föderales Zielprogramm zur Modernisierung der Transportsysteme im Land. Dafür sind insgesamt Investitionen von über 800 Mrd. Rubel vorgesehen, die zum Teil von privaten Kapitalgebern aufgebracht werden sollen. Ziel ist es, von den internationalen Transitströmen künftig mehr zu profitieren. Zu den größten Infrastrukturbauten der nächsten Jahre gehören eine Mautautobahn und eine Schnellbahntrasse von Moskau nach Sankt Petersburg, ein weiterer Autobahnring rund um Moskau sowie der Ausbau der drei Moskauer Großflughäfen. Allein das dritte Terminal mit neuer Start- und Landebahn in Scheremetjewo kostet rund 300 Mio. US$. Landesweit wird die russische Regierung in den Jahren 2007 bis 2010 etwa 40 Mrd. Rubel in den Ausbau von Flughäfen investieren. Private Betreiber dürften mindestens noch einmal so viel mobilisieren. Das Geld fließt in neue Start- und Landebahnen, Leittechnik sowie Passagier- und Güterterminals. Schwerpunkte der Bautätigkeit sind neben dem Drehkreuz Moskau die Flughäfen Sankt Petersburg, Nowosibirsk, Krasnojarsk, Irkutsk und Sotschi. Die deutsche Hochtief hat bereits mehrere Aufträge für den Flughafenausbau in Russland bekommen. Sehr gute Geschäftschancen verspricht der Straßenbau in Moskau. Laut Stadtregierung stehen dafür 2007 fast 62 Mrd. Rubel zur Verfügung. Pro Jahr werden in der Metropole etwa 20 km neue Straßen gebaut, was allerdings nicht ausreicht, um den wachsenden Mobilitätsgrad der Bewohner auszugleichen. Derzeit wird eine der Hauptverkehrsadern vom Zentrum in Richtung Flughafen Scheremetjewo verbreitert, kreuzungsfrei gemacht und teilweise unter die Erde verlegt. Ein ähnliches Projekt soll 2008 auch am Nowy Arbat beginnen. Für rund 1 Mrd. US$ werden dort drei Tunnel mit einer Länge von 1.200 m sowie Tiefgaragen gebaut. Außerdem plant die Verwaltung bis 2013 einen vierten Transportring im Stadtgebiet, um dem wachsenden Pkw-Verkehr Herr zu werden (Gesamtlänge: 74 km, ampelfrei, acht Fahrspuren). Auch bei diesem Vorhaben wird besonders Tunnelbau- und Brückentechnik benötigt. Ein weiterer Schwerpunkt der Bautätigkeit ist die Errichtung von Parkplätzen. Für 2007 sind etwa 134.000 neue Stellflächen im Stadtgebiet geplant. Die französische Vinci Park will in den nächsten Jahren laut Presseberichten 300 Mio. US$ in 20 Tiefgaragen investieren. Industriebau/KraftwerksbauAllmählich schlägt der Wirtschaftsboom auch auf die Errichtung von Industriegebäuden und Kraftwerken durch. Besonders die Energieversorgung bleibt die Achillesferse der russischen Konjunktur, weil der Stromverbrauch stärker steigt als die Kapazitäten zunehmen. Strommonopolist RAO EES hat daher im Februar 2007 seine Investitionspläne aktualisiert. Statt 23,4 GW, wie ursprünglich geplant, müssten bis 2010 neue Kraftwerksblöcke mit 41 GW Leistung geschaffen werden. Zwischen 2010 und 2015 sollen weitere 60 GW hinzukommen. Zum Vergleich: Von 1991 bis 2005 sind insgesamt nur 23,3 GW in Betrieb genommen worden. Das Investitionsprogramm wird nach Schätzungen von RAO EES fast 120 Mrd. US$ kosten und soll vor allem über Börsengänge von Tochtergesellschaften finanziert werden. Aber auch in anderen Wirtschaftszweigen boomt der Industriebau. Es entstehen neue Raffinerien, Anlagen zur Flüssiggaserzeugung, Chemiebetriebe und natürlich Automobilfabriken. Das VW-Werk bei Kaluga ist bereits in Bau, Mitsubishi und Peugeot-Citroen prüfen ebenfalls eine eigene Montage in Russland. Außerdem bauen immer mehr Kfz-Zulieferer eigene Fertigungen im Land auf.
Quelle: bfai-Recherchen Änderungen in der GesetzgebungZum 1.1.2007 ist das Gesetz Nr. 232 in Kraft getreten, das Änderungen am Städtebau- und Landkodex regelt. Wichtigstes Ziel ist es, den bürokratischen Aufwand zum Erhalt von Baugenehmigungen zu verringern. Die Zahl der Prüfinstanzen und die Genehmigungsdauer sollen sich nach dem Willen des Gesetzgebers deutlich verringern. Die Baubehörde RosStroy will eine einheitliche Anlaufstelle für die Prüfung von Bauanträgen schaffen. Bislang müssen Gutachten von 20 verschiedenen Ämtern eingeholt werden. Für Wohnbauten soll die Genehmigungsdauer künftig nicht länger als 45 Tage dauern, für sonstige Gebäude maximal drei Monate. Es ist vorgesehen, das neue Verfahren noch im Frühjahr 2007 einzuführen. Dank des Gesetzes Nr. 232 ist es für Städte und Gemeinden außerdem einfacher, landwirtschaftliche Nutzflächen zu Baugrundstücken umzuwidmen, sofern diese zum Gebiet der Kommune gehören. Die Regierung geht davon aus, dass allein dank der Regelungen dieses Gesetzes das Bauvolumen im Land um ein Viertel ansteigen wird. Sie hofft vor allem auf einen Boom beim privaten Wohnungsbau in Form von Eigenheimsiedlungen in den Randgebieten großer Städte. Um die Zahl der Bauruinen zu verringern, plant die Staatsduma zudem Änderungen am Insolvenzrecht. Demnach sollen Arbitragegerichte auf Antrag von Regional- oder Föderalverwaltungen das Insolvenzverfahren gegen Bauherren für ein Jahr aussetzen können. In dieser Zeit sollen dann neue Investoren zur Fertigstellung der begonnenen Baumaßnahmen oder zur finanziellen Gesundung des bankrotten Unternehmens gesucht werden. Außerdem wollen die Abgeordneten privaten Wohnungskäufern helfen, wenn deren Bau ausführende Firma pleite geht. Ihre Forderungen als Gläubiger sollen beim Insolvenzverfahren künftig vorrangig bedient werden, so Pläne des Parlaments. Das russische Finanzministerium plant zum 1.1.2009 eine neue Immobiliensteuer, welche die bislang geltende Vermögensteuer für natürliche Personen ersetzen soll. Berechnungsgrundlage sollen die jeweiligen Marktpreise der Immobilienobjekte sein. Für den Sommer 2007 ist die Aufhebung des bisherigen Lizenzierungsschemas für die Bauindustrie geplant. Dann soll nicht mehr der Staat die Baubranche beaufsichtigen, sondern ein Selbstregulierungsorgan der Bauindustrie. Aktuell sind in Russland 240.000 Lizenzen für die Ausübung von Bautätigkeiten vergeben. Ein Problem in der Branche war, dass sich viele Firmen nach Abschluss der Bauarbeiten wieder auflösten und für Reklamationen nicht verfügbar waren. Künftig ist eine Haftpflichtversicherung für Baufirmen und ein Kompensationsfonds vorgesehen, in den alle Branchenunternehmen einzahlen. (S.Z.) |
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