| Siegeszug auslaendischer Pkw auf dem russischen Markt | | Drucken | |
Wachsendes internationales Engagement in Russland / Nachfrage nach Nutzfahrzeugen steigt kräftigMoskau (bfai) - Die Konsumfreude der russischen Bürger heizt die Nachfrage nach Autos an. Der gesamte Pkw-Absatz erreichte 2006 geschätzte 1,95 Mio. Einheiten. Das entspricht einer Steigerung um rund 7% gegenüber dem Vorjahr. Besonders beliebt sind ausländische Modelle, deren Produktion vor Ort künftig kräftig steigen wird. Auch in der Kfz-Zulieferindustrie ist ein zunehmendes Engagement ausländischer Unternehmen zu verzeichnen. Die gute Wirtschaftskonjunktur sorgt außerdem für einen wachsenden Bedarf bei Lastkraftwagen und Bussen. Der russische Pkw-Markt wird Prognosen der Regierung zufolge bis 2010 ein Volumen von 30 Mrd. US$ erreichen (2005: 22 Mrd. US$). Der Absatz von gebrauchten und neuen Fahrzeugen wird auf 2,6 Mio. bis 2,8 Mio. Stück steigen (2005: 1,7 Mio.; 2004: 1,6 Mio.). Nach dem Beitritt Russlands zur WTO, erwartet für Ende 2007 oder Anfang 2008, wird Marktzugang schrittweise liberalisiert. Innerhalb von sieben Jahren sollen die Einfuhrzölle für neue Pkw von 25 auf 15% gesenkt werden.
Quelle: Ministerium für Industrie und Energie der Russischen Föderation
1) darunter auch Pkw des Joint Venture GM-AwtoWAZ, unter anderem Chevrolet Niva, Schätzungen; 2) inklusive Lexus, eigene Angaben; 3) inklusive leichte Vielzweckfahrzeuge, wie z.B. Renault Kangoo, Citroen Jumper Quellen: Zeitung "Business", Assocation of European Businesses (AEB) Die Lage der russischen Pkw-IndustrieGewinner der Entwicklung auf dem russischen Markt sind ausländische Pkw. Der Absatz neuer und gebrauchter Importfahrzeuge hat sich von 128.000 im Jahr 2002 auf fast 1 Mio. Einheiten im Jahr 2006 mehr als versiebenfacht. Die Zahl und der Anteil der direkt in Russland produzierten ausländischen Pkw-Modelle (eigene Werke ausländischer Autokonzerne plus Lizenzfertigung) werden aber kräftig steigen. Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass deren Produktion in Russland 2009 rund 500.000 Pkw und 2010 rund 800.000 Pkw erreichen wird. Für die nächsten vier Jahre wird mit ausländischen Direktinvestitionen in dem Zweig von mehr als 2 Mrd. US$ gerechnet.
Quellen: Zentrales Forschungsinstitut der Automobil- und Motorenindustrie NAMI, Ministerium für Industrie und Energie, AwtoWAZ Der Beschluss der Regierung Nr. 166 von 2005 (über industrielle Montage) zur Förderung größerer Investitionen in der Automobilindustrie (einschließlich der Zulieferindustrie) trägt damit erste Früchte. Gewährt werden Zollvergünstigungen (Einfuhrzölle für Komponenten: 0 bis 3% statt 5 bis 15%). Im Gegenzug müssen die Autobauer bestimmte Produktionsvolumina und einen hohen Lokalisierungsanteil zusagen. Beides ist innerhalb einer festgelegten Anzahl von Jahren zu realisieren. Bis März 2007 sind zwölf Investitionsabkommen dieser Art vereinbart worden, darunter mit Sewerstal-Awto und AwtoWAZ. Weitere stehen für 2007 noch aus, darunter auch für Vorhaben in der Zulieferindustrie. Den Bau eigener Montagewerke in Russland prüfen Pressemeldungen zufolge unter anderem Mitsubishi Motors und PSA Peugeot Citroen. Nach dem WTO-Beitritt wird der Abschluss neuer Abkommen dieser Art (laut Beschluss Nr. 166) allerdings nicht mehr möglich sein, weil die dort zugestandenen Vergünstigungen den WTO-Regeln nicht ganz entsprechen. Die bestehenden Verträge behalten aber für die vereinbarte Laufzeit ihre Gültigkeit.
SUV - sports utility vehicle Quelle: Ministerium für Industrie und Energie Neue Vorhaben für die Lizenzmontage ausländischer Pkw-Marken in Russland verfolgen auch ukrainische Unternehmen. Die Firma Bogdan und das Autowerk Zaporoshje (beide Ukraine) planen über ihre gemeinsame Gesellschaft OOO UTTECH ein neues Montagewerk für rund 160.000 Pkw pro Jahr (Modelle Chevrolet "Lanos", "Aveo" und "Sens"), für 80.000 Dieselmotoren für mittlere Nfz und für 6.000 Busse (Marke "Isuzu") am Standort Bor (Gebiet Nishnij Nowgorod). Eine entsprechende Vereinbarung mit der Regierung von Nishnij Nowgorod über Investitionen von 600 Mio. US$ ist Ende 2006 unterzeichnet worden. Der Baubeginn ist für 2007 vorgesehen. Die volle Kapazität soll 2011 erreicht werden. Die Unternehmen Irito und ZAO Awtomobili i Motory Urala (AMUR) verfolgen Vorhaben mit Automobilherstellern aus der VR China. Irito beabsichtigt, die Montage des Pkw BYD Flyer (Kapazität: 25.000 Fahrzeuge pro Jahr) im Rayon Ramenskoje bei Moskau aufzunehmen (Investition: 50 Mio. US$). AMUR (Nowouralsk, Gebiet Swerdlowsk) plant, mit Beteiligung der Chinesen Pkw der Marke "Geely" und SUV der Marke "ZX Landmark" von Zhongxing ZX-Auto zu montieren (Investition: 30 Mio. US$). Den Bau eines neuen Automobilwerkes für 50.000 Pkw pro Jahr fassen ferner Great Wall Motors und die Republik Tatarstan in der Sonderwirtschaftszone Alabuga ins Auge. Die notwendigen Investitionen werden auf 100 Mio. US$ beziffert. Auch das Unternehmen Awtotor will seine Produktionspalette ausbauen. Ab 2008 werden 15.000 Chevrolet "Lacetti" (GM, ckd-Montage) pro Jahr in Kaliningrad gebaut. In dem Werk findet bereits unter anderem die skd-Montage der Chevrolet-Modelle "Aveo", "Lacetti" und "Epica" sowie von Hummer und Cadillac statt. Awtotor baut außerdem einige BMW-Modelle (3er und 5er Reihe, 2007: auch X3; 2006: 4.000; Plan für 2007: 5.000). Mit Chery (VR China) beabsichtigt Awtotor den Bau eines Autowerkes für 200.000 Kleinwagen pro Jahr. Die Investitionen werden auf 300 Mio. US$ geschätzt. Mit massiver Kostensenkung, neuen Initiativen und zum Teil mit Hilfe ausländischer Partner bemüht sich auch die alteingesessene russische Automobilindustrie, den drohenden Niedergang abzuwenden. AwtoWAZ will seine Kosten in den nächsten drei Jahren um 30% senken. Ferner wird mit Renault über die gemeinsame Produktion von Pkw verhandelt. In einer der Montagehallen könnten nach Angaben von AwtoWAZ-Präsident Wladimir Artjakow Renault-Modelle (cirka 150.000 Pkw pro Jahr) gebaut werden. Anfang 2007 soll über mögliche neue Modelle (Chevrolet Niva) beim Joint Venture GM-AwtoWAZ entschieden werden. Entscheidend für die Entwicklung von AwtoWAZ könnte die Rahmenvereinbarung mit dem internationalen Automobilzulieferer Magna werden. Das Unternehmen wird dem russischen Autobauer helfen, eine neue Plattform der C-Klasse zu entwickeln. Auf der Plattform sollen bis zu zehn verschiedene Modelle produziert werden. Geplant ist, ein neues Werk mit einer Kapazität von 450.000 Pkw pro Jahr im Gebiet Samara zu errichten. In der ersten Phase ab 2009 sollen bis zu 250.000 Pkw von den Bändern rollen. In der zweiten Phase könnten in dem Werk Fremdfahrzeuge (möglicherweise Renault) montiert werden. Die gesamten Investitionen werden sich auf rund 1,6 Mrd. US$ belaufen. Gut voran kommt mit seinen verschiedenen Kooperations- und Lizenzprojekten das Unternehmen Sewerstal-Awto. Neben zwei SUV-Modellen von SsangYong ("Rexton", "Kyron"; Korea Rep.), werden seit Ende 2006 im ZMA-Werk in Tatarstan erste Fiat-Modelle ("Albea", 2007: 20.000; später "Linea") montiert. In die Pkw-Sparte investiert auch die GAZ-Gruppe. Derzeit werden in Nishnij Nowgorod die Produktionsanlagen für Chrysler "Sebring" und Dodge "Stratus" montiert. Das erste Auto soll 2008 vom Band rollen. Die Montagelinie stammt aus dem US-Werk Sterling Heights Automotive Plant von DaimlerChrysler. An dem Traditionsmodell "Wolga", das zum Teil mit einem Chrysler-Motor angeboten wird, soll vorläufig festgehalten werden. Kfz-ZulieferindustrieIn der russischen Kfz-Zulieferindustrie sind nach Angaben des Industrieministeriums rund 2.000 Unternehmen tätig, davon 75% in der Produktion von Komponenten und Teilen. Der Rest sind Lieferanten von Rohstoffen und Vorprodukten. Rund 300 Unternehmen werden als Tier-1-Zulieferer eingestuft. Die Qualität ist gering. Nur 5% aller Zulieferer wären nach Einschätzung des Ministeriums in der Lage, westliche Normen zu erfüllen. Die vielen neuen Automobilwerke, die derzeit in Russland entstehen, und die hohe Lokalisierung, die in kurzer Zeit erreicht werden muss, werden in nächster Zeit ein noch stärkeres Engagement ausländischer Zulieferer notwendig machen. Jüngstes Beispiel dafür ist der Einstieg von Magna in Russland. Außer mit AwtoWAZ hat das Unternehmen Ende 2006 auch eine Kooperation mit der GAZ-Gruppe vereinbart. In Nishnij Nowgorod wollen Magna und GAZ ein Unternehmen für Kunststoffteile, Module für den Innen- und Außenbereich sowie für die Blechumformung (Herstellung von Karosserieteilen, Komponenten, Karosseriebau) gründen. Partner von Magna wird die GAZ-Tochter OOO RM Systems sein. Beabsichtigt ist ferner, weitere Fertigungswerke in Sankt Petersburg bzw. im Gebiet Leningrad (Zulieferungen an Toyota, Nissan und GM) und in Kaluga (VW) zu bauen. Neben dem Umbau und der Entwicklung der Sparte Automobilkomponenten gehört der Motorenbau (Dieselmotoren) zu einem weiteren Schwerpunkt der GAZ-Gruppe. Außer dem Dieselmotor DCi11, der ab 2007 nach einer Lizenz von Renault Trucks produziert werden soll, will die Gruppe modernere mittlere und leichte Dieselmotoren anbieten. Das Tochterunternehmen JMZ (Jaroslawl) arbeitet mit der österreichischen Firma AVL an der Entwicklung des neuen Euro-4-Dieselmotors JMZ-536. Bei leichten Dieselmotoren, die derzeit nach Steyer-Lizenz gebaut werden, wird nach neuen Lösungen gesucht. Auch andere Unternehmen stärken ihre direkte und indirekte Präsenz in Russland. So zum Beispiel Siemens VDO Automotive durch den Erwerb von 51% der Aktien an Avtel (Kaluga), einem Hersteller von elektronischen Kfz-Komponenten. Hayes Lemmerz schloss über seine deutsche Tochtergesellschaft eine Lizenzvereinbarung mit dem russischen Unternehmen Togliattinskij Zawod Stalnych Koljos (Togliatti) ab. Gegenstand der Vereinbarung ist die Produktion und der Verkauf von Pkw-Stahlrädern an bestimmte russische Fahrzeughersteller. Der Klimaanlagen-Hersteller Halla (Korea Rep.) vertieft seine Kooperation mit der SOK-Gruppe, dem größten Unternehmen der russischen Zulieferindustrie. Die SOK-Tochter WAZinterService beginnt mit der Serienmontage von Halla-Klimanalagen für das Pkw-Modell "Kia Spectra" (Lizenzmontage bei IshAwto, ebenfalls SOK). Geplant ist, den Lokalisierungsanteil schrittweise zu erhöhen (zunächst Kunststoffdetails, später Alu-Wärmetauscher). Für 2007 ist die Auslieferung von 45.000 Geräten an IshAwto vorgesehen. Später soll die Montage 120.000 Einheiten pro Jahr erreichen. Eine wichtige Veränderung bei SOK: Das Tochterunternehmen OAO Plastik Syzran, ein bedeutender Hersteller von Kfz-Kunststoffteilen, ist Ende 2006 an die Gruppe GK Krista verkauft worden. Sewerstal-Awto möchteebenfalls seinen Zulieferbereich stärken und setzt hierbei auch auf Kooperation mit ausländischen Firmen. Mit Fiat Powertrain Technologies will das Unternehmen ein Joint Venture zur Herstellung von Dieselmotoren des Typs F1A gründen. Die Motoren sind unter anderem für die Nfz Fiat "Ducato" bestimmt, die ab 2007 in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan montiert werden. Mit der britischen Firma Stadco soll ebenfalls in Alabuga ein Joint Venture für große und mittlere Blechformteile (unter anderem für Fiat "Ducato") gegründet werden. Busse und LKWDie gute Wirtschaftskonjunktur lässt die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen kräftig steigen. Der Markt für leichte Lkw (2 bis 6 t) wird von der GAZ-Gruppe für 2006 auf rund 188.000 Fahrzeuge geschätzt (plus 18% gegenüber dem Vorjahr). Der Importanteil dürfte sich auf 41% belaufen, davon fast 35% gebrauchte Fahrzeuge. Der Markt für mittelgroße Lkw (6 bis 10 t) wird auf 35.000 Einheiten (plus 20%) taxiert, davon cirka 30% (22,5% gebrauchte) importierte Fahrzeuge. Für die in Russland gut gefragten Kleinbusse (bis 6 m Länge) wird das Absatzvolumen für 2006 auf 76.000 geschätzt (plus 8%). Der Anteil der Importe liegt bei 37%, davon über 30% gebrauchte Fahrzeuge. Hier zeigt die Tendenz gegenüber 2005 deutlich nach oben. Noch stärker ist nach Einschätzung des russischen Herstellers KAMAZ der Markt für schwere Lkw (14 bis 40 t) gewachsen. Das Absatzvolumen soll sich 2005 auf 67.784 Einheiten belaufen haben, davon rund 35% importierte (von außerhalb der GUS) neue und gebrauchte Fahrzeuge. Der Anteil importierter Lkw ist 2006 deutlich gestiegen.
*) Schätzung Quellen: Föderaler Statistikdienst, Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel, Kamaz
*) 2006: Schätzung, 2007: Prognose Quellen: Angaben der Unternehmen, Bank Moskwy (W.L.) |
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