| Russlands Versandhandel-Markt waechst zweistellig | | Drucken | |
Otto Group mit Expansionsplänen / Zoll und Postversand größte Hürden/Von Waldemar LichterMoskau (bfai) - Die Bestellung von Produkten per Katalog oder Internet kommt bei den russischen Verbrauchern immer besser an. Seit Jahren nehmen die Umsätze des Versandhandels zweistellig zu. Die Prognosen für die nächsten Jahre sind Erfolg versprechend. An der positiven Entwicklung möchten große ausländische Versandhäuser teilhaben. So will die Hamburger Otto Group ihre Umsätze in wenigen Jahren vervielfachen und Millionen in Logistik und Vermarktung investieren. Auch Quelle und La Redoute bauen ihr Versandgeschäft in Russland aus. (Kontaktanschrift) Otto Group, das nach eigenen Angaben weltgrößte Versandhandelshaus, verfolgt in Russland ehrgeizige Ziele. In fünf Jahren sollen die Umsätze in dem osteuropäischen Land auf 500 Mio. US$ steigen, kündigte Michael Otto, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, bei einer Präsentation Mitte Mai 2007 in Moskau an. Schätzungen zufolge ist das zehn bis zwanzig Mal so viel wie heute. In allen Ländern Mittel- und Osteuropas (einschließlich Österreich) erzielte die Gruppe im Finanzjahr 2006/07 vergleichsweise einen Umsatz von 450 Mio. Euro, ein Plus von 12% gegenüber der Vorjahresperiode. Bisher konnten Otto-Kataloge über mehrere Partner in Russland bestellt und Aufträge über diese erteilt werden. Nun treibt die Otto Group ihre Expansion über ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem der führenden Versandhändler im Land, der PPE Group, Moskau, voran. Der Anteil der Hanseaten liegt bei 70%, der von PPE bei 30%. Zwei Gesellschaften des Joint Ventures, Direct Catalogue Service und Business Service, befassen sich mit dem Modevertrieb von Moskau aus und dem Aufbau der Lagerlogistik in Twer. In Twer, etwa 170 km von Moskau entfernt, hat PPE bereits vor einigen Jahren ein eigenes Abwicklungszentrum errichtet. An diesem Standort bauen Otto und PPE nun ein großes Logistikzentrum, das bis Ende 2007 fertig gestellt werden soll. Die Kosten für die erste Etappe des Vorhabens werden auf 20 Mio. $ beziffert. Eine Erweiterung auf dem vorhandenen Grundstück sei ohne Probleme möglich, heißt es. Hinzu kommt ein Call-Center für Bestellungen per Telefon, IT-Infrastruktur und anderes. Die gesamten Investitionen gab Otto mit 35 Mio. bis 40 Mio. $ an. Neben der Otto Group bauen zwei weitere große Versandhäuser, Quelle und La Redoute, ihr Mailorder-Geschäft in dem osteuropäischen Land aus. Bei Quelle ist die eigenständige Expansion in Russland ein besonderer Schwerpunkt der Aktivitäten im Auslandsgeschäft. La Redoute ist ebenfalls mit einer eigenen Tochter in Moskau und einem russischsprachigen Katalog auf dem Markt vertreten. "Leider trauen sich andere, kleinere Unternehmen derzeit noch nicht, auf den russischen Markt zu gehen", bedauert Horst Klüver von der Bernhard Unternehmensberatung. Zu den führenden russischen Versandhäusern gehören nach seinen Angaben neben dem Otto-Partner PPE das Buchversandhaus Mir Knigi. Die Expansionspläne der ausländischen Versandhandelsunternehmen werden von Branchenkennern als gerechtfertigt eingeschätzt. Das Potenzial des Landes mit seinen über 142 Mio. Einwohnern sei riesig, der Konsum nehme stark zu. Der stationäre Einzelhandel entwickele sich zwar gut, erreiche aber auch angesichts der territorialen Ausdehnung des Landes bei weitem nicht alle Verbraucher. Dem Versandhandel wird daher eine gute Zukunft vorhergesagt. Das Versandhandel-Geschäft in Russland übersprang 2006 erstmals die Milliarden-Grenze. Nach Schätzungen der Nationalen Assoziation für Distanzhandel (NAMO) erzielten die Versandhäuser und Direktvermarkter Umsätze von mindestens 1,24 Mrd. $ (943 Mio. Euro), gegenüber 980 Mio. $ im Jahr davor. Das sind fast sechs Mal so viel wie im Jahr 2001. PPE-Chef Pascal Clement sieht den Markt bis 2020 sogar auf mindestens 15 Mrd. bis 30 Mrd. $ steigen. Es gibt allerdings auch eine Menge Hürden. Da wären zum einen die Probleme mit der Zollabwicklung und der Zertifizierung der Waren, die aus dem Ausland kommen, klagt ein Branchenvertreter. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Katalog-Versand haben sich für die Versandbranche eher ungünstig entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel das Gesetz über den Schutz von persönlichen Daten, das im Januar 2007 in Kraft trat und der Nutzung zum Beispiel von Adressdateien enge Grenzen setzt. Eine Engstelle ist auch die staatliche russische Post ("Potschta Rossii"), ohne die ein erfolgreicher Versandhandel kaum möglich ist. Dem Unternehmen haftet immer noch der Ruf an, besonders langsam und wenig zuverlässig zu sein. So sollen früher einfache Briefsendungen selbst innerhalb der Hauptstadt Moskau Wochen gebraucht haben, um den Empfänger zu erreichen. Geldtransfers konnten schon mal 90 Tage gedauert haben, erzählt ein Branchenvertreter. Vieles sei jedoch inzwischen besser geworden. Die langen Schlangen bei den Postämtern und die bürokratischen Prozeduren beim Empfang der Sendung bremsen jedoch die Lust an der Katalogbestellung. An der Post kommt jedoch keiner vorbei. "Derzeit können Päckchen nur bei der Post empfangen werden, eine Alternative gibt es nicht", so eine schlecht gelaunte Dame im Call-Center von La Redoute. Auf den Katalog des Unternehmens muss zwei bis drei Wochen gewartet werden und dafür sind 145 Rbl (rund 4,14 Euro) zu bezahlen. Bei allen Unzulänglichkeiten hat die Post aber einen Riesenvorteil: Sie verfügt über ein landesweites Netz von über 40.000 Filialen und erreicht damit auch die sonst schwer zugängliche Provinz. Und sie modernisiert. Bis zum Jahr 2012 sollen rund 50 Mrd. Rbl (rund 1,4 Mrd. Euro), davon fast 33 Mrd. Budgetmittel, investiert werden. Bis 2009 sollen im Rahmen des Modernisierungsprogramms 12, bis 2012 weitere 26 automatisierte Sortierzentren entstehen. Nach Worten von Igor Syrzow, Generaldirektor der Postgesellschaft FGUP Potschta Rossii, sollen 2007 und 2008 zwei moderne Anlagen in Moskau und St. Petersburg in Betrieb genommen werden. Als nächstes würde der Bau entsprechender Kapazitäten für das Gebiet Twer erwogen, kündigte Syrzow an. Kontaktanschrift:Nationale Assoziation für Distanzhandel (NAMO) Präsident: Alexandr Wjatscheslawowitsch Iwanow Geschäftsführender Direktor: Michail Waleriewitsch Jazenko Suschtschewskij Wal 9, 127 018 Moskau, Russische Föderation Tel.: 007/495/9 81 29 87 (Iwanow), -7 88 41 07 (Jazenko) E-Mail: ivanov@cea.ru, info@namo.ru, Internet: http://www.namo.ru (W.L.) |
| < zurück | weiter > |
|---|
RU
Weitere Informationen 






