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Russlands Süßwarenindustrie baut Kapazitäten ausNachfrage wächst zweistellig / Internationale Hersteller investieren in neue Fabriken / Von Gerit SchulzeMoskau (bfai) - Russland ist weltweit einer der wichtigsten Märkte für Süßwaren. Die Umsätze legen zum Teil zweistellig zu. Das veranlasst die führenden internationalen Konzerne, ihre Produktionskapazitäten im Land auszubauen. Doch auch die einheimischen Traditionshersteller verteidigen erfolgreich ihre Positionen und modernisieren ihre Fertigungsstätten. Deutschland ist bei Maschinen für die Süßwarenindustrie der mit Abstand wichtigste Lieferant. (Kontaktanschrift) Russlands Süßwarenproduktion entwickelte sich 2007 etwas langsamer als die Wirtschaft insgesamt. Das Herstellungsvolumen stieg zwischen Januar und November um 3,9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,41 Mio. Tonnen. Dafür wächst der Gesamtmarkt überdurchschnittlich stark. Nach Schätzungen des Marktführers Objedinennye konditery wurden in Russland 2007 Süßwaren für 12,1 Mrd. US$ verkauft (2006: 10,5 Mrd. $). Für 2008 wird ein Umsatz von 13,2 Mrd. $ erwartet. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Süßwaren lag 2006 in Russland bei 18 Kilogramm.
Quelle: Objedinennye konditery (zitiert nach Zeitschrift Witrina, Dezember 2007) Wichtigste Produktgruppe sind Schokoladenerzeugnisse. Sie hatten 2006 hinsichtlich des physischen Volumens einen Anteil von 45% an den Süßwarenverkäufen im Land, hinsichtlich des Wertvolumens einen Anteil von 60%. Nach Prognosen von ACNielsen werden die Umsätze mit Schokoladenwaren bis 2011 um jährlich 14% in Russland wachsen (wobei das physische Volumen nur um 5% pro Jahr zulegen wird). Analysten schätzen den Jahreskonsum an Schokoladenerzeugnissen in Russland auf 770.000 Tonnen. Internationale und einheimische Unternehmen bauen angesichts der guten Wachstumsaussichten ihr Engagement in der Süßwarenindustrie aus. So plant die Holding Objedinennye konditery, zu der 15 Werke in Russland gehören, für 2008 weitere Investitionen von knapp 20 Mio. $ in neue Produktionsanlagen. Außerdem nimmt der Konzern nun auch seine Rohstoffversorgung selbst in die Hand. Im Sommer 2007 hat Objedinennye konditery die Zuckerfabrik Promsachar und den Zuckerrübenhersteller Rylskaja gekauft. Damit will sich das Unternehmen unabhängiger machen von Preisschwankungen und Versorgungsengpässen. Nestlé hat 2007 seine Russlandexpansion verstärkt und zum Jahresende die Ruzskaja konditerskaja fabrika (RKF) gekauft, die vor allem Premiumpralinen produziert (Marken "Comilfo", "Rusanna"). RKF hatte 2006 einen Umsatz von 51 Mio. $ realisiert, für 2007 war ein Zuwachs um 40% erwartet worden. Nestlé will die Kapazitäten der Fabrik erweitern. Ferrero hat im Dezember 2007 eine Investitionsvereinbarung mit dem Gebiet Wladimir abgeschlossen, nach der der Süßwarenkonzern für fast 300 Mio. $ eine Fabrik in der Region errichten lässt (Jahreskapazität in der ersten Ausbaustufe: 25.000 Tonnen Schokoladenprodukte). Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2008 beginnen und zweieinhalb Jahre dauern. Ebenfalls im Gebiet Wladimir plant der US-Konzern Kraft Foods eine neue Produktionsstätte für 30.000 Tonnen Gebäck im Jahr. Dort will das Unternehmen unter anderem die russische Gebäcksparte von Danone ansiedeln (Marke "Bolschewik"), die Kraft Foods im Herbst 2007 übernommen hatte. Die Bauarbeiten sollen im 1. Quartal 2008 beginnen (Investitionen: rund 30 Mio. US$). Kraft betreibt in der Region bereits ein Werk in Pokrow, in dem Schokoladentafeln und Pralinen hergestellt werden. Die Jahresproduktion dort betrug 2007 rund 80.000 Tonnen. Eine große Süßwarenfabrik plant das Unternehmen Krasnaja Sarja in Iwanowo. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll eine Produktionsstätte für Pralinen und Waffeln aufgebaut werden (Jahreskapazität: 14.200 Tonnen). Dafür stellt der russische Agrarfinanzierer Rosselchosbank einen Kredit über umgerechnet fast 80 Mio. $ zur Verfügung. Nach Abschluss der Bauarbeiten will Krasnaja Sarja bei Pralinen einen Marktanteil von 3% in Russland erreichen, bei Waffeln von 1%. Der US-Konzern Mars beginnt im 2. Quartal 2008 mit den Bauarbeiten an einer Süßwaren- und einer Tierfutterfabrik im Gebiet Uljanowsk. Das wurde auf einem Investitionsforum im Herbst 2007 bekannt gegeben. Demnach plant Mars Investitionen von rund 90 Mio. $ in die beiden Werke, wovon 60 Mio. $ in die Produktion von Schokoriegeln fließen sollen. Die Anfangskapazität wird mit 35.000 Tonnen Süßwaren pro Jahr angegeben.
*) nach Wertvolumen Quelle: Agentur Step by Step (zitiert nach Zeitschrift Expert 45/2007) Gegen den Trend wird die Alfred Ritter GmbH & Co. KG nach Zeitungsberichten ihre Produktion in Russland ab 2008 wieder einstellen und die Schokolade künftig aus Deutschland importieren. Bislang hatte das Unternehmen in der Odinzowskaja konditerskaja fabrika (Premium-Marke "A. Korkunov"), das Anfang 2007 vom US-Konzern Wrigley übernommen wurde, Schokoladentafeln herstellen lassen. Beobachter gehen davon aus, dass der neue Eigentümer die Süßwarenproduktion am Standort Odinzowo ausbauen will und daher mehr Produktionskapazitäten benötigt. Außerdem plant Wrigley laut Zeitungsberichten den Neubau einer Süßwarenfabrik in Russland für rund 100 Mio. $. Für deutsche Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen bieten die zahlreichen Investitionspläne in Russland weiterhin gute Absatzmöglichkeiten. Sie sind bei Ausrüstungen zum Herstellen von Süßwaren, Kakao und Schokolade der wichtigste Lieferant. Allein im 1. Halbjahr 2007 haben russische Unternehmen von dieser Maschinenposition (HS-Code 8438.20) mehr im Ausland eingekauft als im gesamten Jahr zuvor. Positiv wirkt sich der Boom in der Süßwarenindustrie auch auf die Importe von Verpackungsmaschinen und auf Maschinen zum Herstellen von Zucker aus. Europäische Produzenten können bislang ihre Führungspositionen verteidigen.
Anmerkung: Die russische Zollstatistik weist unter der Herkunftsbezeichnung "Europäische Union" bedeutende Einfuhrvolumina aus, die aber keinen Ländern konkret zugeordnet sind. Quelle: Föderaler Zolldienst KontaktanschriftAssoziazija predprijatij konditorskoj promyschlennosti - ASKOND (Verband der Unternehmen der Süßwarenindustrie) 1. Twerskoj-Jamskoj pereulok 18/3, 125047 Moskau Telefon: 007 495/978 34 43, Fax: -250 06 88 Internet: www.ascond.ru E-Mail: info@ascond.ru (S.Z.) |
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