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Russlands PVC-Markt eilt zu neuen Rekorden | Drucken |

Bauwirtschaft gibt wichtige Impulse / Importe sehr stark gestiegen / Von W. Lichter

Moskau (bfai) - Die Nachfrage auf dem russischen Markt für Polyvinylchlorid und Erzeugnisse daraus schlägt derzeit alle Rekorde. Der Verbrauch schießt dank der Impulse aus der Bauwirtschaft regelrecht nach oben. Trotz der stark gestiegenen Produktion im Land selbst ist Russland immer mehr auf Einfuhren von PVC angewiesen. Der Importanteil ist inzwischen um fast ein Viertel gestiegen. Für die kommenden Jahre rechnen Experten mit einem weiteren jährlichen Wachstum des Verbrauchs in zweistelliger Höhe.

Der russische Markt für Polyvinylchlorid (PVC) wird 2006 einen neuen Höchststand erreichen. Der Verbrauch des Kunststoffes (Granulat) stieg von 485.000 t im Jahr 2004 auf 569.400 t im Jahr 2005. Im 1. Halbjahr 2006 sollen es nach Schätzungen der Moskauer Marktforschungsfirma Creon bereits 391.900 t gewesen sein. Insgesamt wird der PVC-Binnenverbrauch 2006 mindestens dreimal so hoch liegen wie im Jahr 2000.

Die Prognosen für die nächste Zeit sind ebenfalls positiv. "Bis 2010 rechnen wir mit einer Zunahme des Verbrauchs von 12 bis 15% pro Jahr", so Creon-Vizepräsidentin Tamara Chasowa auf der 3. Fachkonferenz "Polyvinylchlorid 2006" Ende November 2006 in Moskau. Nach pessimistischen Schätzungen werde der Verbrauch bis 2010 rund 950.000 t, nach optimistischeren sogar rund 1,1 Mio. t erreichen, glaubt die Creon-Expertin.

Die lokale Produktion kann dabei mit dem Wachstumstempo des Binnenbedarfs nicht Schritt halten. Die Kapazitäten der PVC-Hersteller nehmen zwar zu und betrugen Anfang 2006 rund 635.800 t. Bestimmte PVC-Sorten werden aber in Russland immer noch nicht produziert, etwa das gefragte Mikrosuspensions-PVC. Bei anderen können die russischen Produzenten den Bedarf der Abnehmer in punkto Qualität nicht decken.

Das Ergebnis der stark steigenden Nachfrage: Die PVC-Einfuhren nehmen seit Anfang 2006 explosionsartig zu, die Exporte sind dagegen fast zum Erliegen gekommen. Im 1. Halbjahr 2006 wurde mit 93.000 t deutlich mehr importiert als im ganzen Jahr 2005 (73.400 t). Im Zeitraum Januar bis September 2006 sollen es sogar über 165.000 t gewesen sein. Dabei entfällt der größte Teil der Einfuhren auf Mikrosuspensions-PVC (2005: 28,8%) und Suspensions-PVC (33,3%). Der Anstieg der Importe kommt auch deutschen Anbietern entgegen. Deutschland ist PVC-Lieferland Nummer eins (Anteil an den Gesamtimporten 2005: 45,6%) gefolgt von Schweden (12,3%), Frankreich (11,4%) und Belgien (9,1%).

Erstaunlich hoch bleiben weiterhin die russischen Einfuhren von PVC-Fertigerzeugnissen. Sie beliefen sich 2005 auf 294.000 t. Für 2006 werden nicht weniger zu erwarten sein. Allein im 1. Halbjahr 2006 wurden schon 152.800 t importiert. Die größten Gruppen bilden Kunststoffprofile, -paneele u.Ä. (2005: 42,1% der Importe), PVC-Folien (21%), Bodenbeläge (13,2%), Kunststoffplatten (8,2%), Kabelisolierung, Schläuche u.Ä. (4,0%) und PVC-Rohre (3,5%).

Das starke Marktwachstum veranlasst einige russische Hersteller, ihre Investitionen im PVC-Segment zu verstärken. "Wenn alle angekündigten Pläne realisiert werden, dann werden die Kapazitäten bis 2010 auf 976.100 t pro Jahr, mindestens aber 737.900 t pro Jahr steigen", so Chasowa. Beispielsweise beabsichtigt OAO Sajanskchimplast (Sajansk) seine Kapazitäten bis 2011 auf 400.000 t pro Jahr zu steigern. Voraussetzung ist allerdings eine ausreichende Versorgung mit Erdgas, das aus der Lagerstätte Kowykta (2,5 Mrd. cbm/Jahr) kommen soll. Erweiterungspläne für ihre PVC-Produktion von derzeit 60.000 t (ab 2007: 90.000 t ) auf 150.000 t pro Jahr verfolgt die Gruppe Nikochim (Plastkard Wolgograd).

Der Chemie-Konzern Sibur Holding plant den Bau eines neuen Produktionskomplexes für PVC im Gebiet Nishnij Nowgorod (Kstowo oder Dshershinsk). Die Kapazitäten sollen 330.000 t PVC für den Bedarf der Baustoffindustrie (Fensterprofile, Sandwich-Paneele etc.) pro Jahr betragen. Die Kosten des Vorhabens werden nach Agenturmeldungen auf insgesamt 560 Mio. Euro geschätzt. Der Bau soll 2008 beginnen. In Kstowo will Sibur im Zusammenhang mit dem geplanten PVC-Werk 126 Mio. Euro in eine Ethylen-Anlage mit einer Produktionskapazität von 300.000 t pro Jahr und einer Erweiterungsoption auf bis zu 430.000 t pro Jahr investieren.

Entwicklung der PVC-Produktion in Russland (in 1.000 t)
Suspensions-PVC Emulsions-PVC PVC-Polymere Insgesamt
2000 424,69 53,07 2,14 479,9
2003 497,73 47,82 1,41 546,9
2004 514,98 47,64 1,18 564,8
2005 535,10 43,95 2,03 581,1
 
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