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Russlands Leasingmarkt waechst rasant | Drucken |

Fahrzeuge und Waggons besonders gefragt / Unklare Auslegung der Steuergesetzgebung / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Russlands Leasingmarkt ist 2006 so schnell gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr und hat einen neuen Rekordwert erreicht: Das Volumen der Neuabschlüsse lag bei 14,7 Mrd. US$. Die größten Zuwachsraten gab es bei Schienenfahrzeugen, Landtechnik, Straßenbaumaschinen und Fahrzeugen. Eine noch stärkere Dynamik wird derzeit durch verzögerte Steuererstattungen der Finanzbehörden verhindert. (Kontaktanschriften)

Wie die Ratingagentur Expert in einer aktuellen Analyse ermittelt hat, lag das summierte Portfolio der russischen Leasinggesellschaften Ende 2006 bei 19,5 Mrd. US$. Das Volumen der Neuabschlüsse von 14,5 Mrd. US$ bedeutete einen Anteil an den Gesamt-Bruttoanlageinvestitionen von 8,7% (2005: 5,7%). Der Verband der Leasinggesellschaften (Rosleasing) beziffert das Leasingneugeschäft 2006 auf 12,8 Mrd. US$ und damit um 42% höher als im Jahr zuvor.

Der hohe Verschleißgrad an Produktionsanlagen und die Kreditpolitik des Bankensektors, der in der Regel nur kurzfristige Darlehen mit hohen Zinssätzen zur Verfügung stellt, begünstigen die Leasingbranche in Russland. Allerdings könnte der Markt weitaus stärker wachsen, wenn das Problem des Vorsteuerabzuges geklärt wäre. Häufig verweigern die Steuerbehörden der Leasinggesellschaft die Erstattung der Umsatzsteuer beim Kauf des Leasingobjektes, wie sie im Steuerkodex eigentlich vorgesehen ist. Nach Berechnungen der Ratingagentur Expert warten die russischen Leasinggesellschaften dadurch insgesamt noch auf Steuerrückzahlungen von rund 1 Mrd. US$.

Die Auseinandersetzungen mit den Steuerbehörden und die langen Wartezeiten von mehreren Jahren bis zur Rückzahlung hätten eindeutig negative Auswirkungen auf das Geschäft, so Branchenanalysten. Die Hansabank hatte Anfang 2007 bereits angekündigt, ihren Leasingbetrieb in Russland einzustellen, wenn das Problem der Umsatzsteuererstattung nicht bald geklärt wird.

Das Wachstum des Leasingmarktes insgesamt stören die Steuerfragen aber nur marginal. Nach Prognosen des Verbandes Rosleasing wird der Markt bis 2015 um jährlich 20% zulegen und dann ein Volumen von 56 Mrd. US$ erreichen. Der Trend geht zu größeren Projekten mit längeren Laufzeiten und einer stärkeren regionalen Präsenz der Leasinganbieter. Noch 2006 entfielen fast 30% der Neugeschäfte auf Moskau, etwa 10% auf Sankt Petersburg und 19% auf die Wolgaregion. Großen Nachholbedarf haben Sibirien und der Ferne Osten, die zusammen nur auf 7% des Leasingvolumens kamen.

Aufteilung des russischen Leasingmarktes nach Geschäftsfeldern (2006, Auswahl) *)
Leasingobjekt Summe der Vertragsabschlüsse (in Mrd. Rubel)
Lkw 36,19
Pkw 26,52
Schienenfahrzeuge, Waggons 23,83
Landtechnik 17,56
Bautechnik 13,18
Energietechnik 10,70
Lufttechnik 9,41
Telekommunikationsausrüstungen 8,36
Straßenbautechnik 8,17
Maschinen 7,13
Ausrüstungen für die Nahrungsmittelindustrie 5,99
Fördertechnik für Erdöl und Erdgas 4,52
Computer und Peripheriegeräte 4,22
Drucktechnik 3,99
Gebäude 3,59
Handelseinrichtungen 3,20
Verladetechnik für Häfen und Lager 2,57
Ausrüstungen für die chem. Industrie 2,24
Holz- und Papierverarbeitung 2,18

*) Die Zahlen umfassen die Geschäfte von 102 Mitgliedsfirmen des Leasingverbandes Rosleasing (Neugeschäft 2006 insgesamt rund 200 Mrd. Rubel). Jahresdurchschnittskurs 2006: 1 Euro = 34,11 Rubel

Quelle: Russischer Verband der Leasinggesellschaften (Rosleasing)

Wichtige Triebkraft für das Geschäft 2006 war das Leasing von Schienenfahrzeugen, das in den letzten drei Jahren richtig Fahrt aufgenommen hat und nach Berechnungen der Discovery Research Group jeweils dreistellig gewachsen ist (2004: 249%, 2005: 147%, 2006: 121%). Etwa 40 Leasinggesellschaften sind derzeit in diesem Segment tätig.

Starkes Wachstum wird auch weiterhin dem Leasing von Lkw und Pkw vorausgesagt. Das Neugeschäft hat 2006 laut Ratingagentur Expert einen Wert von rund 3,5 Mrd. US$ erreicht und sich damit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Nach Angaben der Leasinggesellschaft Kamaz stellten Fahrzeuge 2006 einen Anteil von über 25% am Gesamtportfolio aller russischen Leasinganbieter. Dieser Wert werde bis 2010 auf fast 29% steigen und dann 7,4 Mrd. US$ erreichen (davon Lkw: 4,2 Mrd. US$). Derzeit werde nach Kamaz-Prognosen (auf einer Veranstaltung der Adam Smith Conferences in Moskau) jeder fünfte in Russland verkaufte Schwerlastwagen (14 bis 40 t) über Leasing finanziert. Schon 2010 soll fast ein Drittel des Absatzes darüber erfolgen. Impulse für das Fahrzeugleasing kommen aktuell auch von den russischen Kommunen, die verstärkt Busse für den Stadtverkehr über Leasing finanzieren und so ihren Fuhrpark modernisieren.

Das Pkw-Leasing lohnt sich für große Leasinggesellschaften dagegen häufig nicht. Sie verweisen auf die aufwändigen Regeln für Registrierung, Versicherung und Dokumentation der Geschäfte, die in keinem Verhältnis zum Umsatz stünden. Das Pkw-Leasing wird daher zunehmend von spezialisierten Anbietern oder Autoherstellern übernommen. Insgesamt sind laut russischer Presse etwa 130 Unternehmen in diesem Marktsegment aktiv.

Mehr Umsatz und Marge bringen Produktionsgüter, auf die sich unter anderem die Deutsche Leasing Vostok konzentriert (Russland-Tochter der Deutsche Leasing Gruppe). Ohne das Filialnetz einer Bank sei es allerdings schwierig und teuer, in einem so großen Land flächendeckende Vertriebsstrukturen aufzubauen, erklärt Exekutivdirektor Jonas Roever. Das Unternehmen setzt daher besonders auf das Vendorleasing, also die Exportfinanzierung für westeuropäische Maschinenbauer. Schwerpunkte sind Druck-, Verpackungs-, Kunststoff- und Baumaschinen. "So können wir das Vertriebsnetz unserer Vendorpartner nutzen, und die Maschinenhersteller können ihren Kunden gleich eine Finanzierungslösung anbieten", berichtet Roever über die Vorteile der Kooperation.

Interessant ist auch der Bereich Kraftwerksausrüstungen, dem Marktkenner ein riesiges Potenzial für Leasinggeschäfte einräumen. Das Unternehmen IR Leasing hat für 59 Mio. US$ Wasserturbinen und Generatoren für ein Wasserkraftwerk in der Amurregion finanziert.

Einen Schub könnte es daneben im Schiffbau geben. Der Staat will die großen Werften zu einer einheitlichen Holding zusammen fassen und der Branche mehr öffentliche Mittel für Investitionen zur Verfügung stellen. Ein Entwicklungsplan sieht vor, dass der russische Schiffbau bis 2020 international wieder Anschluss findet. Dafür sollen bis Mitte 2007 auch Leasinggesellschaften gegründet bzw. per Ausschreibung ausgewählt werden, die russischen Reedern Transportschiffe aus einheimischer Produktion verleasen.

Nicht recht in Schwung kommt das Immobilienleasing. Nur 2,3% des Volumens für Neuabschlüsse entfielen laut Ratingagentur Expert 2006 auf diese Leasingform. Die unklare Rechtslage mit abweichenden Auslegungen in den einzelnen Regionen und die starke Überhitzung am Immobilienmarkt lässt vor allem ausländische Leasinggesellschaften derzeit Abstand von diesem Geschäftsfeld nehmen.

Russlands größte Leasinggesellschaften 2006 (in Mrd. Rubel)
Unternehmen Neugeschäfte 2006 Leasingbestand am 1.1.2007 Einnahmen durch Leasingzahlungen
VTB-Leasing 30,10 32,64 4,88
Magistral Finans 21,63 22,75 3,32
Alfa-Leasing 19,76 28,23 3,72
LK Uralsib 15,90 18,45 4,67
Rosagroleasing 12,00 k.A. k.A.
RTK-Leasing 10,18 25,72 8,67
Ewroplan 9,66 8,48 3,62
Iljuschin Finans Ko 8,93 19,19 0,95
Russko-germanskaja lisingowaja kompanija 8,31 21,72 6,89
LK MMB 7,85 10,85 4,02

Anmerkung: Die Gesamtliste mit 100 Firmen umfasst nur Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Es fehlen wichtige große ausländische Gesellschaften wie Deutsche Leasing oder Südleasing.

Quelle: Ratingagentur Expert

Kontaktanschriften

Rossijskaja Assoziazija lisingowych kompanii (Rosleasing)

(Russischer Verband der Leasinggesellschaften)

103070 Moskau, Staraja ploschtschad 10/4

Tel.: 007/495/606 21 19

E-Mail: , Internet: http://www.rosleasing.ru

ZAO Deutsche Leasing Vostok

125252 Moskau, Tschapajewskij pereulok 14

Tel.: 007/495/363 32 22, Fax: -937 63 11

E-Mail: , Internet: http://www.deutsche-leasing.com/ru/de/index_de.html

SAO Expert RA

Büroanschrift: Moskau, Bumaschnyj projesd, d. 14, et. 12

Postanschrift: 123015 Moskau, a/ja 49

Tel.: 007/495/225 34 44, Fax: -225 36 43

E-Mail: ,

Internet: Firmenhandbuch - http://www.raexpert.ru/thematic/shorthandbooks/leasinghb2/, Rating von Leasingfirmen - http://www.raexpert.ru/ratings/leasing/2006/

(S.Z.)


 
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