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Russlands Industrie kann auf mehr Staatsmittel für Forschung und Entwicklung hoffenWerften, Flugzeugbau und Landtechnik Schwerpunktbranchen / Nur jedes zehnte Unternehmen investiert in InnovationenMoskau (bfai) - Bei Forschung und Entwicklung haben russische Unternehmen einen enormen Rückstand gegenüber Westeuropa. Sie investieren kaum eigene Mittel in Innovationen, sondern verschaffen sich vor allem durch den Ankauf von Maschinen und Ausrüstungen neue Technologien. Das Industrieministerium will diese Situation nun ändern und Milliardenbeträge für die Entwicklung neuer Produkte bereit stellen. Auch Steuervorteile für forschende Industriebetriebe sind geplant. Nur jedes zehnte russische Unternehmen investiert in Forschung und Entwicklung (FuE). Der Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt gerade mal bei 1,2%, so Analysen des Wirtschaftsforschungszentrums Zentr Raswitija. Etwa 61% der FuE-Mittel kommen allerdings vom Staat (OECD-Durchschnitt: 30%). Die Industriebetriebe im Land finanzieren selten eigene Entwicklungen, sondern kaufen zum großen Teil fremdes Know-how durch die Anschaffung neuer Maschinen und Ausrüstungen ein. Während Produktionsbetriebe in Deutschland über 50% ihrer FuE-Ausgaben in interne Forschungsarbeit stecken, sind es in Russland nur 11,5%. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Ministeriums für Industrie und Energetik (Minpromenergo) hervor. Forschung findet in Russland meist noch außerhalb der Unternehmen in Hochschuleinrichtungen oder spezialisierten Instituten statt, die Markteinführung und kommerzielle Nutzung der Ergebnisse gelingt selten.
Quelle: Ministerium für Industrie und Energetik (Minpromenergo) Russlands Regierung will der Industrieforschung nun wieder auf die Beine helfen, damit die Wirtschaft mehr weltmarktfähige Produkte entwickelt. Wie Vertreter des Industrieministeriums bei einer Anhörung Ende November 2007 erklärten, seien die meisten Betriebe ohne staatliche Unterstützung finanziell nicht in der Lage, ihre FuE-Aktivitäten auszubauen. Daher müsse der Staat den Unternehmen unter die Arme greifen. Als Schwerpunktbranchen wurden der Flugzeugbau, die Werften, die Weltraumindustrie sowie die Mikroelektronik genannt, für die bereits eigene staatliche Zielprogramme existieren. Allein für FuE im zivilen Flugzeugbau will Moskau im nächsten Jahr 10,5 Mrd. Rubel (rund 290 Mio. Euro, Kurs am 24.11.07: 1 Euro = 36,15 Rubel) öffentliche Mittel zur Verfügung stellen. Die Summe steigt in den Folgejahren auf 13,7 Mrd. Rubel (2009) und 14,9 Mrd. Rubel (2010). Besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung von Antriebstechnik (Gasturbinen). Ziel ist es, Flugzeuge auf den Markt zu bringen, die den Sicherheits- und Umweltstandards der EU und der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO entsprechen. Eine weitere wichtige Kernbranche für öffentliche Forschungsgelder ist die Landtechnik. Von 2006 bis 2008 sind hier Budgetmittel von 800 Mio. Rubel eingeplant, die unter anderem für die Entwicklung von Dieselmotoren mit Wasserkühlung, von Kettentraktoren, von Erntemaschinen und Tierzuchtanlagen eingesetzt werden. Zu den Vorrangprojekten des Industrieministeriums gehört die Weiterentwicklung des Mähdreschertyps "RSM 181" beim russischen Landtechnikhersteller Rostselmasch. Das Fahrzeug soll nur halb so teuer wie westliche Konkurrenzmodelle sein, bei wichtigen Parametern wie Treibstoffverbrauch, Aufnahmevermögen oder Lärmbelastung aber besser abschneiden. Für die Entwicklung des Mähdreschers sind im Zeitraum 2006 bis 2008 rund 300 Mio. Rubel Haushaltsmittel und 450 Mio. Rubel aus nichtstaatlichen Quellen eingeplant. Das Industrieministerium rechnet für die Jahre 2009 bis 2011 mit Verkaufserlösen von 2 Mrd. Rubel für dieses Erntefahrzeug. Der Nutzfahrzeughersteller Kamaz bekommt zwischen 2006 und 2010 rund 300 Mio. Rubel Budgetmittel, um Lkw-Motoren zu entwickeln, die den Normen Euro-2 bis Euro-4 entsprechen. Hier rechnet das Ministerium mit Verkaufseinnahmen von bis zu 6 Mrd. Rubel. Ebenso kann Russlands größter Autohersteller AvtoVaz (Lada) mit einem Milliardenzuschuss für seine Entwicklungsabteilung rechnen, berichtete die Zeitung RBK Daily. Hauptvoraussetzung für die öffentliche Finanzierung der Forschungsarbeit ist, dass mindestens die Hälfte des Gesamtbudgets nicht aus staatlichen Quellen stammt. Damit soll erreicht werden, dass tatsächlich nur solche Innovationen entwickelt werden, die später auch Verkaufschancen auf dem Markt haben. Außerdem müssen die erwarteten Verkaufserlöse der neu entwickelten Technik mindestens um das Fünffache über dem Volumen der staatlichen Zuwendungen liegen. Wichtiger als die öffentlichen Zuschüsse könnten jedoch die Steuervorteile werden, die Unternehmen ab 1.1.08 erwarten, wenn sie in FuE investieren. Dann tritt das Föderale Gesetz Nr. 195 vom 19.7.07 in Kraft. Es sieht unter anderem kürzere Abschreibungsfristen für Sachanlagen vor, die für Forschungszwecke genutzt werden. Außerdem lassen sich die Forschungsausgaben künftig einfacher zu den Selbstkosten der Produktion hinzurechnen. Zur Unterstützung innovativer Firmen hatte Russland bereits 2006 einen Dachfonds für Wagniskapital gegründet, die Rossijskaja Ventschurnaja Kompanija (RVK, Internet: www.rusventure.ru). Er wird mit 15 Mrd. Rubel vom Staat und weiteren 15 Mrd. Rubeln von privaten Geldgebern ausgestattet und soll in acht bis zwölf Venture-Fonds investieren, die wiederum Kapital für FuE-Projekte in kleinen Unternehmen bereit stellen. Der erste dieser Fonds unter Verwaltung der Vneshtorgbank hat Ende September 2007 das nötige Volumen von 3 Mrd. Rubel erreicht. Das Geld soll nun in IT-Vorhaben, Nano- und Biotechnologie investiert werden. Für Einzelprojekte stehen zwischen 50 Mio. und 400 Mio. Rubel mit einer Laufzeit von drei bis sieben Jahren bereit. Der Risikokapital-Fonds wird von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mitfinanziert. Impulse für die Entwicklung von Hochtechnologien verspricht sich die Regierung auch vom Aufbau von Technoparks in Russland, die Start-up-Unternehmen die nötige Infrastruktur zur Markteinführung neuer Produkte bieten. Derzeit sind acht große Vorhaben im Bau, in die bis 2012 mindestens 190 Mrd. Rubel öffentliche und private Investitionen fließen (Moskauer Oblast, Sankt Petersburg, Kasan, Tjumen, Obninsk bei Kaluga, Nischnij Nowgorod, Nowosibirsk). Ihre Spezialisierung reicht von IT, über Chemie und Petrochemie bis hin zu Radiomedizin, Biotechnologie, Materialforschung und Gerätebau. Um die Technologieförderung zu bündeln, hat die Duma Anfang November 2007 der Gründung des neuen Staatskonzerns Rostechnologii zugestimmt. Das Unternehmen soll der einheimischen Industrie bei der Ausarbeitung, Produktion und dem Export von Hightech "Made in Russia" helfen. (S.Z.) |
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