| Russlands Einzelhandel wächst weiter zweistellig | | Drucken | |
Umsätze 2006 auf über 300 Mrd. US$ gestiegen / Investitionen in neue Filialen und LadenausrüstungMoskau (bfai) - Russlands Einzelhandel hat das abgelaufene Jahr mit neuen Rekorden beendet. Die Umsätze sind 2006 nach Angaben des Statistikamtes um 13% auf 318 Mrd. US$ gestiegen. Doch noch immer ist der Markt im Vergleich zu Westeuropa ungesättigt. Neue Handelsketten stehen deshalb in den Startlöchern. Die bereits aktiven Unternehmen bereiten sich auf einen schärferen Wettbewerb vor. Sie investieren in neue Supermärkte oder kaufen bestehende Einzelhändler auf. Egal, wo in Russland ein neuer Supermarkt oder Hypermarkt eröffnet, die Bilder an den Kassen gleichen sich stets: lange Warteschlangen, volle Einkaufskörbe und hohe Umsätze. Der Ansturm auf die Handelszentren zeigt, dass der Markt noch lange nicht gesättigt ist. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde Rosstat lag der Einzelhandelsumsatz in Russland 2006 bei 8,63 Bill. Rubel (rund 318 Mrd. US$), was einen realen Anstieg um 13% bedeutet. Die Fachzeitschrift Moe Delo Magasin nennt in ihrer aktuellen Ausgabe ein Umsatzvolumen von 307 Mrd. $, wovon 141 Mrd. US$ auf den Lebensmittelhandel entfielen. Branchenanalysten rechnen damit, dass Russlands Retail-Markt bis 2010 einen Umfang von 555 Mrd. US$ erreicht (davon 245 Mrd. US$ Lebensmittel).
Quelle: Fachzeitschrift Moe Delo Magasin, 1/2007 Der Trend weg von den Märkten unter freiem Himmel, klapprigen Buden und muffigen Tante-Emma-Läden hin zu modernen Einkaufszentren, Super- und Hypermärkten in Russland hält an. Zu Jahresbeginn 2007 hat eine Regierungsverordnung den Einsatz von Gastarbeitern auf den Märkten im Land eingeschränkt, was dazu führte, dass viele Verkaufsstände leer blieben. Ein Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums sieht vor, dass bis 2010 alle offenen Märkte in überdachte Einkaufszentren umgewandelt werden müssen. Laut Statistikbehörde ist der Anteil offener Märkte am Gesamtumsatz des Einzelhandels im Dezember 2006 von 20,4 auf 19,1% gesunken. Den großen Einzelhandelsketten kann das nur Recht sein, sie werden ihre Marktanteile weiter ausbauen. Durch Zukäufe und Zusammenschlüsse von Wettbewerbern hat sich die Branche 2006 weiter konsolidiert. Bedeutendstes Ereignis war die Fusion der Supermarktketten Pyaterochka und Perekrestok zum nun größten russischen Einzelhändler X5 Retail Group. Ende Dezember gehörten zu dem Konzern 451 Pyaterochka-Filialen und 168 Perekrestok-Geschäfte. Hinzu kommen zahlreiche Franchise-Nehmer für beide Marken. Ein Kontrollpaket an X5 hat sich die Alfa-Gruppe gesichert. Der Retail-Konzern hat große Pläne für die Zukunft. Innerhalb von fünf bis sieben Jahren sollen bis zu 100 großformatige Hypermärkte eröffnet werden. Außerdem will X5 sein Sortiment umstellen, die Lebensmittelquote von derzeit 60 auf 40% senken und statt dessen mehr Non-Food-Artikel verkaufen. Auch in den Regionen setzt sich das Übernahme- und Fusionsfieber fort. Viele Händler kaufen Supermarktketten in benachbarten Oblasten, um ihre Position zu stärken, neue Märkte zu erschließen und durch höhere Umsatzgrößen attraktiver für den Kapitalmarkt zu werden. So sind in Nowosibirsk im Sommer 2006 die beiden Unternehmen Holiday Classic und Sibiriada mit ihren jeweils rund 30 Supermärkten verschmolzen. Der gemeinsame Umsatz soll von 350 Mio. US$ auf bis zu 3 Mrd. US$ im Jahr 2011 anwachsen, die Zahl der Geschäfte jährlich um mindestens 50% steigen. Mit der Fusion soll auch den anrückenden Retail-Giganten aus Moskau (Pyaterochka, Mosmart, Ramstore) in Sibirien die Stirn geboten werden.
*) davon entfallen 50 Mio. US$ auf das Einzelhandelsgeschäft Quellen: Fachzeitschrift Moe Delo Magasin, 1/2007; bfai-Recherchen Auffallend ist, dass ausländische Handelskonzerne im Vergleich zu anderen osteuropäischen Märkten in Russland immer noch relativ zurückhaltend sind. Bislang können beim Umsatz nur Auchan und die Metro Group mit den russischen Marktführern mithalten. Trotz der Dynamik und des Potenzials haben z.B. Wal-Mart oder Carrefour ihr Russland-Engagement bislang hinausgezögert. Wal-Mart verwies bislang immer wieder auf die administrativen Hürden und Probleme bei der Logistik, die den Konzern von einem Investment abhielten. Experten erwarten, dass die noch fehlenden westlichen Branchengrößen nur durch Übernahmen russischer Einzelhandelsketten den Anschluss finden können. Die deutsche Marktkauf hat ihr einziges SB-Warenhaus in Moskau im Vorjahr an Metro verkauft, weil die Expansion in Russland offenbar zu große Finanzmittel erfordert hätte. Dafür ist die deutsche Globus-Warenhauskette seit Dezember 2006 mit einem ersten Hypermarkt in Schelkowo bei Moskau vertreten und will das Russland-Geschäft weiter ausbauen. Das gilt auch für den Rewe-Konzern, der bereits über 20 Billa-Supermärkte im Land eröffnet hat. Das Unternehmen setzt bei seiner Expansion auf die russische Marta-Holding als Partner, weil die den Markt kennt und besseren Zugang zu neuen Standorten hat. Außerdem plant Rewe mit Selgros-Warenhäusern den Einstieg in das Großhandelsgeschäft (Cash & Carry) in Russland. Einen Sonderweg geht die Swiss Realty Group, die in Russland laut Presseberichten ein Netz von 3.000 kleinen Lebensmittelgeschäften in Wohngebieten aufbauen will. Damit würde sich das Unternehmen von den großen Einkaufszentren und Hypermärkten an der Peripherie absetzen. Die Läden mit 150 bis 200 qm Verkaufsfläche sollen das Grundsortiment an Waren des täglichen Bedarfs anbieten. Erwarteter Durchschnittsumsatz je Kunde: 10 US$. Marktbeobachter sehen das Vorhaben skeptisch, da gerade in Moskau geeignete Immobilien kaum zu finden oder zu teuer seien. Außerdem dürfte es schwierig sein, einen geeigneten Logistikdienstleister für ein solches Projekt zu finden. Auf Größe setzt dagegen der bislang vor allem in den Regionen erfolgreiche Discounter Magnit aus Krasnodar. Er will 2007 auch in das Hypermarkt-Geschäft einsteigen und 12 bis 15 Warenhäuser bauen. Um dem wachsenden Konkurrenzdruck in Zukunft Stand halten zu können, müssen Russlands Einzelhändler weiter investieren. Das betrifft neben der Erweiterung des Filialnetzes vor allem die Modernisierung der bestehenden Geschäfte mit neuen Kassenbereichen, Regalsystemen und einer Optimierung der Sortimentsverwaltung. Der steile Anstieg der Löhne im Einzelhandel (November 2006: 8.554 Rubel, nominal +27% gegenüber dem Vorjahreszeitraum), der auch durch die zunehmende Personalknappheit besonders im Großraum Moskau bedingt wird, verlangt nach einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Die Einführung der RFID-Technik (Radio Frequency Identification, Funketiketten) mit Selbstzahlerkassen wäre eine Entwicklung, die auch in Russland enorme Geschäftschancen verspricht. Um an das nötige Kapital für ihre Expansionspläne zu kommen, planen Handelsunternehmen wie Lenta, Kopejka oder Dixi Börsengänge. Marktführer X5 ist bereits in London notiert, die Aktien von Konkurrent Magnit werden in Moskau gehandelt. (S.Z.) |
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