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Russland Wirtschaft 2006/2007 | Drucken |

Russland Wirtschaft

Moskau (bfai) - Russland wird in den nächsten Jahren ein attraktiver Markt für die deutsche Wirtschaft bleiben. Das Wirtschaftswachstum liegt bei stabilen 6% pro Jahr. Die Einkommen steigen, der private Verbrauch boomt. Positiv für die deutsche Industrie: Die Investitionen nehmen zu und gewinnen an Breite. Die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern wird dabei auch in Zukunft zu einem großen Teil durch Importe gedeckt. Besonders im Maschinenbau und in der Elektrotechnik verfügen deutsche Unternehmen über eine gute Marktposition.

Russland Wirtschaft 

Deutsche Unternehmen werden in Russland auch in den nächsten Jahren einen schnell wachsenden Absatzmarkt für Investitions- und Konsumgüter vorfinden. Die deutschen Exporte in das größte osteuropäische Land nehmen seit einigen Jahren zweistellig zu, und die starke Dynamik hält an. Russland ist inzwischen auf Rang 13 der wichtigsten Abnehmer deutscher Erzeugnisse weltweit aufgestiegen.

russland-wirtschaft-2006-1Die Voraussetzungen für einen höheren Handelsaustausch und mehr Investitionen deutscher Firmen in Russland sind günstig: Die Wirtschaft wächst stabil mit rund 6% pro Jahr. Die Einkommen der Bevölkerung nehmen kräftig zu und heizen den Konsumboom weiter an. Die Investitionen der Unternehmen zeigen steil nach oben. Der durch sprudelnde Erlöse aus dem Öl- und Gasexport reich gewordene russische Staat gibt mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur und die Modernisierung der Wirtschaft aus.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) nimmt im achten Jahr in Folge zu. Für 2006 geht das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel von einem realen BIP-Wachstum von 6,9% (IWF: 6,5%) aus. Damit wurde nicht nur die Prognose vom Jahresanfang (6,0%), sondern auch die vom Oktober (6,6%) nach oben revidiert. Bis 2009 wird mit einem Wachstum von 5,9 bis 6,2% pro Jahr gerechnet.

Gesamtwirtschaftliche Prognosen
Indikator 1) 2005 2006 2007 2008
Bruttoinlandsprodukt 6,4 6,9 6,2 5,9
Bruttoanlageinvestitionen 10,7 13,2 11,0 9,7
Privater Verbrauch 2) 12,8 12,8 10,9 9,6
Wareneinfuhr (fob) 28,6 29,6 21,0 16,9
Warenausfuhr (fob) 33,0 24,8 3,5 -2,3
Reallohnsteigerung 12,6 13,4 10,9 8,8
Verfügbare Geldeinkommen 11,1 11,5 9,8 9,0
Inflationsrate 3) 10,9 9,0 6,5 bis 8,0 7,0
Arbeitslosenrate 4) 7,7 7,4 7,3 7,2
Refinanzierungssatz der Zentralbank 13,0 11,0 (seit Oktober 2006) k.A. k.A.
Staatsverschuldung (% des BIP) 5) 12 (30) 7 (29) k.A. k.A.

1) reale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in Prozent, 2006 Schätzungen, 2007 und 2008 Prognosen; 2) basiert auf der Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes; 3) Verbraucherpreise, Dezember-zu-Dezember-Vergleich; 4) nach ILO; 5) Außenschuld des Staates jeweils am 1.7. in Prozent des BIP des jeweiligen Jahres (gesamte Außenschuld von Staat, Banken und Unternehmen)

Quellen: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel der Russischen Föderation, Zentralbank der Russischen Föderation (Stand: Ende Dezember 2006)

Eine wichtige Veränderung: Der Beitrag der Nachfrage aus dem Ausland (Exporte, vor allem von Energieträgern), der bisher bedeutendsten Komponente des BIP-Wachstums, wird geringer. Eine immer größere Rolle spielt dagegen die Binnennachfrage (privater und staatlicher Verbrauch, Investitionen). Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die russische Wirtschaftskonjunktur mehr und mehr selbst trägt und von Impulsen aus dem Ausland unabhängiger wird.

russland-wirtschaft-2007-21) geschätzt für 2006, IWF; 2) Außenschuld des Staates, gesamte Außenschuld, einschließlich Banken und Unternehmen: 287,4 Mrd. US$ (Stand: 1.7.2006); 3) Oktober 2006; 4) Einfuhrdeckung in Monaten = Devisen- und Goldreserven/geschätztes Importvolumen für 2006; 5) 2005, nach Angaben der staatlichen Zollstatistik (nach Angaben der Zahlungsbilanz - Einfuhren: 125,3 Mrd. US$; Ausfuhren: 243,6 Mrd. US$)

Quellen: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel der Russischen Föderation, Zentralbank der Russischen Föderation

Projekte

Projekt Wert Stand Anmerkung
Ostsee-Gaspipeline rund 10,5 Mrd. US$ (davon ca. 6 Mrd. US$ für den oberirdischen Teil) Baubeginn Ende 2005; vorgesehene Bauzeit: 6 Jahre Betreibergesellschaft: Nord Stream AG; Teilhaber: Gazprom (51%), E.ON und BASF (je 24,5%)
Mautautobahn Moskau - Sankt Petersburg geschätzte Baukosten: ca. 6 Mrd. US$ Baustart für 2007 geplant, Fertigstellung Ende 2010 PPP-Projekt
Neuer Autobahnring im Moskauer Gebiet (ZKAD) 14 Mrd. bis 15,5 Mrd. US$ Teil eines neuen Autobahnsystems; erste Prüfungsphase Gesamtlänge: 520 km, 326 km davon auf Basis des bestehenden "Kleinen Rings MMK" im Gebiet Moskau
Ölpipeline Ostsibirien-Pazifik (von Taischet über Skoworodino zur Perewosnaja-Bucht an der Pazifik-Küste, mit einer Abzweigung in die VR China) geschätztes Volumen: 11,5 Mrd. US$ Regierungsbeschluss u. Planungsphase (Machbarkeitsstudien); Verhandlungen mit potenziellen Kapitalgebern; Baustart: 2006; Abschluss der 1. Etappe der Bauarbeiten: für 2008 geplant Mit dem Bau ist der russische Pipelinebetreiber Transneft beauftragt worden.
Sachalin-2 (Öl- und Gasförderung) 20 Mrd. US$ bis 2014 zweite Projektphase; Fortsetzung beziehungsweise Fortführung durch die jetzigen Aktionäre wird derzeit in Frage gestellt Production Sharing Agreement-Projekt; Betreiber: Sachalin Energy; Aktionäre: Royal Dutch/Shell, Mitsui, Mitsubishi
Erdölverarbeitungs- und Petrochemiekomplex in Tatarstan (Nishnekamsk) 3,2 Mrd. US$ Baubeginn 2005, Fertigstellung bis 2010 Wichtigste Aktionäre: Swjazinvestneftechim, Tatneft, Tender für den Kauf von Lizenzen beendet
Automobilwerke von Toyota, VW, Nissan, GM und anderen westlichen Autokonzernen insgesamt rund 1,8 Mrd. US$ erwartet, zusätzliche Kapazitäten: mindestens 500.000 Pkw pro Jahr Baubeginn ab 2006 Toyota, Nissan und GM in beziehungsweise bei Sankt Petersburg; Volkswagen in Kaluga

Wachstumsbranchen und -märkte: Kfz, Bauwirtschaft, Baustoffe, Telekommunikation, IT, Konsumgüter, Handel, Pharma, Maschinenbau

Wechselkurs am 31.10.06: 1 Euro = 34,03 Rubel, 1 US$ = 26,75 Rubel

Ein großer Teil der gewachsenen Nachfrage wird weiterhin nur durch schnell steigende Importe gedeckt werden können. Diese Tendenz wird nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums mindestens bis 2008/09 anhalten. Dabei werden die Modernisierung der Wirtschaft und die steigenden Investitionen in die Infrastruktur dazu beitragen, dass der Anteil von Investitionsgütern an den Einfuhren weiter zunehmen wird.

Bei aller Euphorie über die hohe Wirtschaftsdynamik und die guten Aussichten - das Wachstum der russischen Wirtschaft wird derzeit auch durch einige Faktoren gebremst. Zu den wichtigsten gehört die mangelhaft ausgebaute Infrastruktur. Das gilt für den Transportbereich mit dem überlasteten Straßennetz und ausbaubedürftigen Schienenwegen. Noch mehr betrifft das aber die Energieversorgung (Strom, Erdgas). In vielen Regionen, vor allem in den schnell wachsenden Gebieten Zentralrusslands, wird das Wirtschaftswachstum durch Versorgungsengpässe und fehlende Kraftwerkskapazitäten erheblich behindert.

Probleme bereiten der fester notierende Rubel und die nach wie vor hohe Inflation. Die reale effektive Aufwertung des Rubel betrug 2006 cirka 9%, der Aufwertungsdruck hält an. Die Inflation konnte bestenfalls auf 9% begrenzt werden. Deutlich stärker als die Verbraucherpreise steigen jedoch die Erzeugerpreise. Sie haben 2006 (Januar bis September 2006: 13,9%, Januar bis September 2005: 19,1%) wieder deutlich zweistellig zugenommen. All das beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit russischer Unternehmen - nicht nur im Ausland, sondern vor allem auf dem eigenen Markt.

Investitionen

russland-wirtschaft-2007-3 Die Investitionen sind zu einer wichtigen Triebkraft der Konjunktur geworden. Für 2006 betrug das Plus 13,2% gegenüber dem Vorjahr. Impulse gehen dabei nicht nur von der Öl- und Gasindustrie aus. Gemessen an den Lieferverpflichtungen müsste diese ihre Anstrengungen eigentlich noch deutlich erhöhen. Inzwischen investieren die schwer reichen russischen Energie- und Rohstoffkonzerne aber nicht nur in ihren angestammten Branchen, sondern steigen auch in andere Bereiche ein. Ausgebaut und modernisiert wird zudem in zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen, wie in der Petrochemie, der Chemieindustrie, im Fahrzeugbau, Handel und Telekomsektor.

Die Beschaffung des für Investitionen benötigten Kapitals wird immer leichter. Als Kreditkunden sind russische Unternehmen bei ausländischen Banken hoch willkommen. Börsenplatzierungen in London oder New York sind nichts Ungewöhnliches mehr. Im Jahr 2006 waren auf in- und ausländischen Märkten 19 größere Initial Public Offerings (IPO) russischer Unternehmen mit einem Volumen von 18 Mrd. US$ vorgesehen, so die Investmentgesellschaft Deutsche UFG. Für 2007 werden 35 IPO für 19 Mrd. US$ erwartet.

Deutlich anziehen werden die Investitionen im Stromsektor. Angesichts der erwarteten Stromknappheit in industriellen Schlüsselgebieten in Zentralrussland und im Ural sowie des schlechten Zustands bestehender Kraftwerke und Übertragungsnetze hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass in dem Sektor in den nächsten Jahren dringend investiert werden muss. Es ist dabei zum einen die öffentliche Hand, die sich stärker engagieren will, zum Beispiel mit einem milliardenschweren Programm im Bereich Kernkraft. Hier ist von 100 Mrd. bis 200 Mrd. US$ bis zum Jahr 2030 die Rede. Im konventionellen Bereich wird die Investitionsbereitschaft durch Reformen gefördert, die derzeit in der Stromwirtschaft durchgeführt werden. Zum anderen wird erwartet, dass sich private russische und verstärkt auch ausländische Investoren im Stromsektor beteiligen werden.

Auch in anderen Bereichen, vor allem im Infrastruktursektor (Rohrleitungen, Straßen, Bahnverbindungen), in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen und Wohnungsbau, gehen wichtige Investitionsimpulse vom Staat aus. Für alle Föderalen Zielprogramme (einschließlich sog. Nationaler Projekte, Infrastruktur, Umwelt, Forschung und Regionalentwicklung) stehen 2007 cirka 500 Mrd. Rbl (2006: 364 Mrd. Rbl) zur Verfügung. Ein wichtiges Instrument ist der Staatliche Investitionsfonds, der aus Exporterlösen von Erdöl gespeist wird. Für 2006 bis 2008 werden aus diesem fast 300 Mrd. Rbl vor allem für Infrastrukturprojekte fließen. Sieben Vorhaben, die vom Staat mit Mitteln des Investitionsfonds kofinanziert werden, sind bereits auf dem Weg. Weitere sollen folgen.

Vorhaben, die durch den Staatlichen Investitionsfonds kofinanziert werden
Vorhaben Gesamtinvestitionen (Mrd. Rbl) Finanzierungsanteil des Staatlichen Investitionsfonds (Mrd. Rbl)
Neuer Anschluss Ringautobahn Moskau - Fernstraße M-1 (Moskau-Minsk) 17,3 10,0
Transportinfrastruktur (vor allem Bahn) für Lagerstätten im Südosten des Gebiets Tschita 141,3 40,9
Straßentunnel unter der Newa in Sankt Petersburg ("Orlowskij Tunnel") 26,4 8,8
Maut-Stadtautobahn "Zapadnyj Skorostnoj Diametr" Sankt Petersburg 83,6 28,0
Infrastrukturmaßnahmen für Petrochemiekomplex in Nishnekamsk (Tatarstan) 130,3 16,5
Entwicklungsprogramm für das Untere Angara-Gebiet 213,9 34,2
Mautautobahn Moskau - Sankt Petersburg (Abschnitt 15-58) 54,9 25,8
Insgesamt 667,7 164,2

Quelle: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel der Russischen Föderation

Eine weitere Initiative des Staates ist die Gründung von Venture-Fonds zur Förderung der High-Tech-Industrie (breiter angelegte Dachfonds RVK und Fonds zur Finanzierung von Start-ups in der IT-Branche RIFIKT). Erheblichen Einfluss auf die Stärkung der Investitionstätigkeit in verschiedenen Regionen dürften ferner die neu gegründeten (bislang sechs) Sonderwirtschaftszonen haben. Weitere Sonderwirtschaftsgebiete, darunter auch Tourismus- und Hafenzonen, werden 2007 hinzukommen. Die öffentliche Hand investiert hier in den Aufbau der benötigten Infrastruktur.

Zur Dynamik der gesamten Investitionen tragen auch ausländische Unternehmen und repatriiertes russisches Kapital aus dem Ausland bei. Die ausländischen Direktinvestitionen erreichten nach Angaben des Föderalen Statistikamtes 2004 fast 10 Mrd. US$ und 2005 rund 13,1 Mrd. US$. Nach anderen Schätzungen (Economist Intelligence Unit - EIU, Wirtschaftsminister German Gref) waren es sogar 14,6 Mrd. US$. In den nächsten fünf Jahren wird Russland nach EIU-Prognosen im Schnitt 22 Mrd. US$ pro Jahr anlocken können. Für 2010 werden 25 Mrd. US$ erwartet.

Seit einiger Zeit stellt sich allerdings verstärkt die Frage, ob ausländische Investitionen in einigen besonders wichtigen Sektoren wirklich willkommen sind. Das gilt vor allem für die Energiewirtschaft. Über einer Reihe von Großvorhaben, an denen Investoren aus dem Ausland beteiligt sind oder bei denen ein Engagement geplant war, hängen aus verschiedenen Gründen dicke Fragezeichen, zum Beispiel über dem Product Sharing Agreement-Projekt "Sachalin-2". Auch das Gasfeld "Stockman", dessen kostspielige Erschließung gemeinsam mit einem ausländischen Partner bewerkstelligt werden sollte, will die russische Gazprom nun selbst durchführen.

In einigen anderen sog. strategischen Sektoren soll ausländischen Investoren ebenfalls der Zugang versperrt oder auf einen Minderheitsanteil reduziert werden. Um welche es sich dabei außer dem Energiebereich (Erdgas- und Erdölfelder bestimmter Größe) handeln wird, steht noch nicht endgültig fest. "Kandidaten" für solche Beschränkungen sind die Atomwirtschaft, der Flugzeugbau und Teile des Maschinenbaus (zum Beispiel Kraftwerksbau, Energiemaschinen).

Konsum

russland-wirtschaft-2007-4 Russland gehört zu den attraktivsten Einzelhandelsmärkten weltweit. Ob bei verpackten Lebensmitteln (2006: rund 60 Mrd. US$, Schätzung: Euromonitor; neuntgrößter Markt) oder Kosmetika (7,9 Mrd. US$, Schätzung: Staraja Krepost), Handys oder Elektrohausgeräten - in vielen Segmenten zählt das Land zu den volumengrößten und wachstumsstärksten Märkten der Welt. Im Global Retail Development Index des Consultingunternehmens A.T. Kearney, der die Attraktivität des Retailsektors in 30 Emerging Markets beschreibt, belegt Russland 2006 den zweiten Rang - nach Indien, aber noch vor der VR China.

Die Konsumfreude der Russen ist ungebrochen. Der Boom wird durch kräftig steigende Einkommen angeheizt. Wichtige Impulse steuert auch die boomende Vergabe von Verbraucherkrediten bei. Prognosen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel zufolge werden die realen Einkommen der russischen Bevölkerung 2009 rund 46% über dem Niveau von 2005 liegen. Für 2006 wird der Anstieg auf 11,5% gegenüber dem Vorjahr geschätzt (2005: 11,1%). Die Reallöhne schnellten im gleichen Zeitraum um 13,4% nach oben (2005: 12,6%). Einen großen Beitrag dazu leistet der Staat, der seinen größer gewordenen Spielraum nutzt, um die Löhne im öffentlichen Dienst, aber auch soziale Transfers aufzustocken.

Allerdings nähert sich der russische Einzelhandelsmarkt einer neuen Phase, in der die Wachstumsdynamik langsam abflachen und die Konkurrenz im Handel deutlich zunehmen wird. Zwischen 2002 und 2005 stiegen die Gesamtumsätze im russischen Einzelhandel nach Schätzungen von A.T. Kearney um 28% pro Jahr. Sie erreichten 2005 ein Volumen von 250 Mrd. US$ (2002: 118 Mrd. US$), davon 115 Mrd. US$ (55 Mrd. US$) im Lebensmittelbereich und 135 Mrd. US$ (63 Mrd. US$) bei dauerhaften Konsumgütern. Für 2010 werden insgesamt 423 Mrd. US$ erwartet, was einem Wachstum von "nur noch" 11% pro Jahr entspricht. Der Non-Food-Sektor wird dabei stärker an Gewicht gewinnen und mit 15% p.a. schneller wachsen als der Lebensmittelsektor, der jährlich um 7% zulegen wird.

Die Grafik wird im nachfolgenden Text erläutert.

russland-wirtschaft-2007-5Die Chancen für einen raschen Einstieg in den noch wachsenden russischen Markt werden von immer mehr ausländischen Handelsketten wahrgenommen. Ganz vorne dabei sind deutsche Unternehmen wie Metro, Obi, Rewe (Billa) und Globus. Auch Ikea, Auchan, Castorama, Kesko (Finnland) und Home Center (Israel) verstärken ihr Engagement in Russland. Carrefour und andere sind Pressemeldungen zufolge ebenfalls auf dem Weg. In den Fokus ihrer Investitionen rücken dabei zunehmend expandierende Regionen außerhalb der Ballungsräume Moskau und Sankt Petersburg. Einige Handelsketten, beispielsweise Castorama, haben ihren Einstieg von vornherein nicht in Moskau, sondern in den Regionen (Samara, Sankt Petersburg) begonnen.

Auch die russischen Einzelhandelsketten expandieren weiter und investieren kräftig in die Erweiterung ihres Filialnetzes. Der Anteil moderner Retail-Formen, wie Hyper-, Super- und Diskontmärkte, nimmt zu. Bis 2010 wird dieser nach Angaben von A.T. Kearney 45% erreichen - gegenüber 17% im Jahr 2005. Zugleich beginnt im russischen Handelssektor eine Konsolidierungsphase. Übernahmen und Zusammenschlüsse, wie die Fusion zwischen den zwei großen Einzelhandelsketten Piatorotschka und Perekrostok zu X5 Retail mit einem Gesamtumsatz von etwa 3 Mrd. US$ (nach eigenen Angaben), sind an der Tagesordnung.

Außenhandel

Die gute Wirtschaftskonjunktur, der Konsumboom und die hohen Investitionen werden die Einfuhren auch in den nächsten Jahren kräftig anheizen. Da die russische Industrie mit dem Wirtschaftswachstum nicht Schritt halten (Industrieproduktion 2005 bis 2009: plus 4,0 bis 4,7% pro Jahr) und den steigenden Bedarf kaum befriedigen kann, wird sich ein großer Teil der Nachfrage auf das Importangebot richten. Hinzu kommt, dass mit der Zunahme der Einkommen und der Finanzkraft von Unternehmen nicht nur der Preis, sondern zunehmend auch Qualität und moderne Technologie zu den wichtigsten Entscheidungskriterien für den Kauf eines Konsum- oder Investitionsguts werden.

Die Grafik wird im nachfolgenden Text erläutert.

russland-wirtschaft-2007-6Die Importe werden deshalb in den nächsten drei Jahren kaum an Dynamik verlieren. Im Jahr 2006 betrug das Volumen geschätzte 162,4 Mrd. US$ (2005: 125,3 Mrd. US$, nach Angaben der Zahlungsbilanz). Bis 2009 werden die Einfuhren schon einen Wert von 262 Mrd. US$ erreichen - mehr als doppelt so viel wie 2005. Dazu trägt auch die reale Aufwertung des Rubel bei, welche die Importe verbilligt. Für eine lange Liste von Ausrüstungen und Maschinen sowie Komponenten, darunter für den Bedarf der Automobilindustrie und des Flugzeugbaus, hat die Regierung die Einfuhrzölle deutlich reduziert (Liste ist bei der bfai verfügbar). Das wird die Importe von Investitionsgütern weiter stimulieren. Auf Maschinen, Ausrüstungen und Transportmittel entfielen in den ersten acht Monaten 2006 rund 46,8% (2005: 42,5%) der Gesamteinfuhren.

Russlands Exporte werden dagegen nach dem kräftigem Wachstum seit Anfang des Jahrzehnts eher abnehmen. Das Jahr 2006 sah noch mit eine starke Steigerung von 243,6 Mrd. US$ (2005) auf cirka 304 Mrd. US$. Danach werden die Exporterlöse eher stagnieren und bis 2009 auf 300 Mrd. US$ absacken. Das hängt mit der erwarteten Stabilisierung oder dem Rückgang der Weltmarktpreise für Brenn- und Rohstoffe, die ein deutliches Übergewicht in der Struktur der russischen Exporte bilden, zusammen.

Der Anteil von Brennstoffen und Energie an den russischen Exporten in Länder außerhalb der GUS betrug in den ersten drei Quartalen 2006 bedrohlich hohe 70,8% (Vorjahreszeitraum: 66,1%; entsprechender Anteil im Handel mit der GUS: 48,8%). Auf Metalle entfielen 13,4% (Januar bis September 2005: 15,6%), auf Chemie- und Kautschukerzeugnisse 5% (5,7%). Maschinen und Ausrüstungen (2,9% bzw. 3,3%) spielen in der Exportstruktur eine geringe Rolle.

Deutschland ist Handelspartner Nummer eins für Russland. Der Warenaustausch in beide Richtungen zeigt seit Jahren zweistellig nach oben. Deutschland ist mit großem Abstand das wichtigste Lieferland mit einem Anteil von 13,3% (Januar bis November 2006) an den russischen Importen, gefolgt von der VR China (9,3%) und der Ukraine (6,8%; Quelle: russische Zollstatistik). Die Einfuhren aus Deutschland stiegen im Zeitraum Januar bis November 2006 um 36,8% (Gesamtjahr 2005: 25,4%), die Ausfuhren dorthin wegen des hohen Anteils von Brennstoffexporten 23,3% (48,3%). Bemerkenswert ist der sehr starke Anstieg der Importe aus der VR China und Korea (Rep.) sowie aus Frankreich.

Sie können die ganze Broschüre "Russland-Wirtschaft 2006-2007 " hier herunterladen. (pdf-Datei, 22 Seiten) 

 
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