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Donnerstag, 09. 02. 2012. - 14:31
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Russland will Nanotechnologie verstaerkt kommerziell nutzen | Drucken |

Russland will Nanotechnologie verstärkt kommerziell nutzen

Ministerien erarbeiten Investitionsprogramm bis 2015 / Institute erhalten Milliarden für neue Technik / Von Bernd Hones

Moskau (bfai) - Die russische Regierung hat sich hohe Ziele für die Entwicklung der Nanotechnologie gesteckt: Der Umsatz mit Produkten auf Nanotechnologiebasis soll bis 2015 auf 25 Mrd. Euro steigen. Dafür will Russland in die Forschung investieren: Allein 2008 soll es rund 550 Mio. Euro für neue Technik und Laborausrüstung aus dem Staatshaushalt geben. Auch die kommerzielle Nutzung der Patente aus der Nanoforschung soll bis 2015 massiv unterstützt werden. Das dürfte die Nachfrage nach deutscher Mess-, Regel- und Steuertechnik erhöhen. (Kontaktanschriften)

In der Russischen Föderation existieren 150 Institute mit 20.000 Wissenschaftlern, die auf dem Gebiet der Nanotechnologie forschen. Nicht nur die Quantität der Einrichtungen, sondern auch die Qualität der Ergebnisse kann sich sehen lassen. Russlands Grundlagenforschung befindet sich auf einem hohen Niveau und ist breit gefächert.

So gut Universitäten und private Institute auch arbeiten mögen, auf die kommerzielle Nutzung hat das bis dato kaum positive Auswirkungen. Denn in ganz Russland gibt es gerade einmal 75 Hersteller von Nanotechnologie-Produkten. Deren Umsatz belief sich 2007 auf 7 Mrd. Rbl (rund 195 Mio. Euro, 1 Euro = 35,9 Rbl). Das soll sich jedoch schon bald ändern: Präsident und Regierung wollen, dass sich das Produktionsvolumen bis 2015 auf 900 Mrd. Rbl (etwa 25 Mrd. Euro) pro Jahr erhöht.

Dazu arbeiten das Wissenschafts- und das Wirtschaftsministerium bis Ende März 2008 ein genaues Entwicklungsprogramm für die Branche aus. Soviel steht bereits heute fest: Bis 2011 wird eine genaue Analyse bestehender Forschungsinstitute angefertigt, Marktforschung betrieben und der Nanotechnologie-Sektor umstrukturiert. Das scheint auch angebracht. Schließlich arbeiten oftmals Wissenschaftler unterschiedlicher Institute an ein- und derselben Aufgabenstellung. Für den Zeitraum 2012 bis 2015 wäre dann der Weg frei für den Ausbau der Produktionskapazitäten.

Der russische Staat will Projekte rund um die Nanotechnologie bis 2015 mit insgesamt 107 Mrd. Rbl (rund 2,97 Mrd. Euro) bezuschussen. Premierminister Subkow möchte Russland mit diesen Investitionen an die Spitze unter den Herstellerländern von Nanotechnologieprodukten führen.

Das erste Geld soll bereits 2008 fließen. Noch in diesem Jahr will Russland kräftig in den Ausbau einer konkurrenzfähigen Nanotechnologie-Industrie investieren. So stellt der Staatshaushalt allein 9,5 Mrd. Rbl (265 Mio. Euro) für neue Ausrüstung bereit. Für die Grundlagenforschung gibt es eine zusätzliche Finanzspritze von 10,5 Mrd. Rbl (292 Mio. Euro).

Experten glauben, dass 50 bis 70% sämtlicher Investitionen in die Nanotechnologie bis 2015 von der Privatwirtschaft aufgebracht werden. Weil in Russland zwar Know-how vorhanden ist, es bis dato aber kaum Unternehmen gibt, die dieses Wissen kommerziell nutzen können, kaufen sich einige russische Firmen in den Vereinigten Staaten von Amerika oder bei ihren europäischen Nachbarn ein. So hatte die russische Industrieholding Renova 2006 für rund 420 Mio. US$ ein 10,3%-Aktienpakt des Schweizer Oerlikon-Konzerns übernommen. Im September 2007 erhöhte Renova seinen Anteil auf insgesamt 21,4%. Oerlikon wendet Nanotechnologie im Halbleitersektor und bei der Datensicherung an.

Weil die Forschung in der Russischen Föderation sehr breit gefächert ist, dürfte das Land in den kommenden Jahren in fast allen Bereichen, in denen Nanotechnologie zum Einsatz kommt, Patente auf den Markt bringen. Dazu zählen vor allem die Sektoren Bionanostrukturen sowie neue Materialien und Medizin. Zusätzlich könnten sich aber gerade in der Erdöl- oder der Textilbranche neuartige Produkte ergeben, an die heute noch niemand denkt.

Mittlerweile gibt es erste Anzeichen, dass einige Konzerne in Russland künftig Produkte auf Nanotechnologie-Basis produzieren wollen. Jüngstes Beispiel dafür ist die Onexim-Gruppe. Sie investiert in eine wissenschaftlich-technische Forschungsstätte für den Bereich Nanotechnologie in Moskau. Dieses Labor soll in der Lage sein, mit den besten Instituten der Welt Schritt zu halten. Die Kosten für das Projekt belaufen sich voraussichtlich auf über 100 Mio. $. Allein der Bau des neuen Institutsgebäudes dürfte drei Jahre dauern und 60 Mio. $ erfordern. Zusätzlich fallen noch Kosten für die Ausrüstung von über 40 Mio. $ an.

Onexim hat ein Team aus 20 Wissenschaftlern und einem renommierten Professor an der Spitze zusammengestellt, das entscheiden soll, an welchen Projekten geforscht wird. Eine erste Richtung bei der Entwicklung dieses Geschäftszweiges hat der Expertenrat bereits vorgegeben. Erforscht werden sollen funktionale Nanoverbundwerkstoffe sowie Nanokatalysatoren (kleine Metallcluster). Science Global Management, ein Partnerunternehmen von Onexim, will eigens für dieses Projekt ein Fünf-Sterne-Hotel für die Forscher bauen. Solange der Komplex allerdings noch nicht errichtet ist, soll auf anderen Feldern der Nanotechnologie geforscht werden.

Onexim-Firmeneigentümer Michail Prochorow gab bei der Vorstellung des Projektes zwar zu bedenken, dass sich der Markt für die kommerzielle Nutzung von Nanotechnologie erst noch entwickeln müsse. Aber seine Firma wolle künftig Nanotechnologie in der Produktion einsetzen.

Bei Onexim könnte deutsche Technologie gefragt sein, ebenso bei der staatlichen Universität Sankt Petersburg. Die Hochschule hat die erste Ausbaustufe eines Zentrums zur Erforschung von Nanosystemen abgeschlossen (Kostenpunkt: 130 Mio. Rbl, etwa 3,6 Mio. Euro). Dazu gehörte auch der Kauf von elektronischen Mikroskopen der Firma Carl Zeiss. Dieser ersten Etappe sollen weitere Ausbaustufen folgen, sodass das Institut bis 2010 zur Weltspitze im Bereich Nanosysteme gehören könnte, glaubt die Universitätsleitung. Bis dahin sollen knapp 780 Mio. Rbl (knapp 22 Mio. Euro) investiert werden. Ab 2010 könnten jährlich 30 bis 40 Projekte in Kooperation mit russischen und ausländischen Einrichtungen durchgeführt werden.

In solchen Kooperationen sieht Dr. Wolfram Scharff, Geschäftsführer der Ifu GmbH, eines privaten Instituts für Umweltanalysen, gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen: "Know-how aus Russland, Mess-, Steuer- und Regeltechnik aus Deutschland - das wäre für beide Länder von Vorteil". Daneben sieht der Nanotechnologie-Experte auch den reinen Export von Anlagen-, Mess- und Kontrolltechnik als lukratives Geschäftsfeld an. Schließlich bräuchten russische Unternehmen moderne Maschinen und Anlagen, wenn sie das wissenschaftliche Know-how kommerziell nutzen wollen.

Kontaktanschriften

Rusnanotech

ul. Krschischanowskowo 14, Kor. 3, 117218 Moskau, Russische Föderation

Tel.: 007 495/642 73 35

E-Mail: , Internet: www.rusnanotekh.ru

IfU Diagnostic Systems GmbH

Gottfried-Schenker-Straße 18, 09244 Lichtenau, Deutschland

Tel: 037208/88 90, Fax: -88 929

E-Mail: , Internet: www.ifu.de

(H.B.)

 
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