| Russland will Fackelgas besser nutzen | | Drucken | |
Zahlreiche Millionenprojekte zur Gasverarbeitung / Sibur und TNK-BP mit Joint Venture / Von Waldemar LichterMoskau (bfai) - Russland will das bei der Ölförderung anfallende Begleitgas stärker als bisher verwerten. Eine Reihe von Unternehmen realisiert derzeit größere Projekte, um das heute noch zum großen Teil abgefackelte Gas abzufangen, zu verarbeiten oder für die Stromerzeugung zu nutzen. Angetrieben werden die Investitionen auch durch die Kritik von Präsident Wladimir Putin, der ein Ende der Verschwendung und eine Verschärfung der Strafen in diesem Bereich fordert. Durch die Abfackelung gelangten rund 400.000 t Schadstoffe pro Jahr in die Luft. (Kontaktanschriften) Bei der Erdölgewinnung in Russland fallen jährlich fast 60 Mrd. cbm Begleitgas an. Ein großer Teil davon wird gar nicht genutzt. Etwa ein Viertel davon wird abgefackelt. Die daraus resultierenden Verluste gehen in die Milliarden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum Teil liegt das daran, dass das Gas von entlegenen Fördergebieten nicht transportiert werden kann, weil es dafür keine Sammelkapazitäten und Leitungen gibt oder weil die Beförderung über Hunderte von Kilometern zu unrentabel wäre. Es fehlt aber auch an ausreichenden Verarbeitungskapazitäten. Die existierenden großen Gasverarbeitungswerke hätten kein Interesse, das von anderen gestellte Begleitgas in deren Auftrag zu verarbeiten, beklagen Vertreter des russischen Antimonopolkomitees. Ein weiteres wichtiges Problem sei der Zugang der Ölunternehmen, bei denen Begleitgas anfällt, zum Gaspipelinenetz. Dieses gehört dem Monopolisten Gazprom, und die Transparenz lasse hier zu wünschen übrig, sagen die Fachleute. Besonders betroffen seien kleine Begleitgashersteller, die sich den Spielregeln der "Großen" unterwerfen müssten.
Quelle: Antimonopolkomitee der Russischen Föderation
Quelle: Antimonopolkomitee der Russischen Föderation Dennoch: Die stärkere Nutzung von Begleitgases in Russland ist anders als früher inzwischen kein Randthema mehr. Vor allem die großen russischen Ölkonzerne und der Chemiegigant Sibur melden neue große Vorhaben, die bereits angepackt wurden oder in den nächsten Jahren auf den Weg gebracht werden. So gab der Ölkonzern Lukoil kürzlich bekannt, das Begleitgas seiner Ölfelder in Westsibirien in einigen Jahren vollständig nutzen zu wollen. Dazu soll auch ein Kredit von 300 Mio. US$ beitragen, den Lukoil im Mai 2007 von der EBRD zur Finanzierung von Umwelt- und anderen Maßnahmen erhielt. Nach Angaben von Lukoil-Vertretern arbeitet der Konzern derzeit an einem Programm für Begleitgasnutzung bis zum Jahr 2016. Geplant ist, den Anteil des verwerteten Gases in zehn Jahren von derzeit 75 auf 95% zu bringen. Bei neuen Vorhaben sollen gar 100% erreicht werden. Im Gespräch sind der Bau eines Verarbeitungskomplexes bei der Lagerstätte Sewero-Gubkinkoje im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und die Rekonstruktion des Werkes Perm. In entfernten Gebieten sollen Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 400 MW gebaut werden. Die wichtigsten würden bei den Lagerstätten Tiwlinsko-Russkinskoje und Wateganskoje (Autonomer Kreis der Chanten und Mansen) und Jushnoje Chyltschoje (Autonomer Kreis der Nenzen) entstehen.
Quelle: Sibur
Quelle: Sibur Einige größere Vorhaben zur Verwertung von Begleitgas bringt die Chemieholding Sibur (gehört mehrheitlich dem Gaskonzern Gazprom) auf den Weg. Nach Worten von Boris Walerjewitsch Lim, stellvertretender Leiter des Departments für Kohlenwasserstoffe bei Sibur, sollen die eigenen Gasverarbeitungskapazitäten von derzeit etwa 14 Mrd. cbm auf 20,4 Mrd. cbm pro Jahr bis 2011 erhöht werden. Es müssten neue Kapazitäten für die Gasverarbeitung errichtet werden, weil die bestehenden (vier eigene Werke, zwei gemeinsame mit TNK-BP) voll ausgelastet seien, so Lim bei einer Fachkonferenz des Moskauer Consultingunternehmens Creon Mitte Mai 2007 in Moskau. Geplant sind vier große Projekte, die mit Partnern aus der Ölindustrie (TNK-BP, Gazprom Neft, Rosneft) realisiert werden. Wie hoch die Investitionen insgesamt sein werden, wird nicht bekannt gegeben. Nach Worten von Lim müsse bei der Errichtung eines neuen Gasverarbeitungswerkes mit zwischen 150 Mio. und 200 Mio. $ gerechnet werden. Die Kosten hängen davon ab, ob die notwendige Infrastruktur (beispielsweise Leitungen) bereits vorhanden ist oder ebenfalls gebaut werden muss. Einige der Vorhaben davon stehen bereits vor Baubeginn oder befinden sich in der abschließenden Planungsphase. Bis Ende 2007 soll bereits die Rekonstruktion der ersten Linie des Gasverarbeitungskomplexes Jushno-Balykskoje beendet sein. Die zweite Etappe wird 2009 vollendet sein. Die Verarbeitungskapazität wird dann etwa 3 Mrd. cbm/Jahr betragen gegenüber 1,07 Mrd. cbm heute. Die anderen drei Vorhaben sind die Erweiterung des Gasverarbeitungskomplexes Nishnewartowsk, die Modernisierung der Kapazitäten von OOO Njagangazpererabotka einschließlich einer Bahnverladeeinrichtung für leichte Kohlenwasserstofffraktionen und der Bau des Gasverarbeitungswerkes Wyngapurowskij GPZ. Bei dem letztgenannten ist die französische Firma Technip mit der Erstellung des Generalplans beauftragt worden. Der Baubeginn ist hier für das erste Quartal 2008 vorgesehen. Die Kapazität des Werkes, das Begleitgas von Gazprom Neft nutzen soll, wird 3 Mrd. cbm/Jahr betragen. Im April 2007 gründeten Sibur und TNK-BP das Joint Venture Jurgagazpererabotka (Sibur: 51%, TNK-BP: 49%), das sich mit Begleitgasverarbeitung befassen soll. TNK-BP liefert das Gas von seinem Ölfeld Nishnewartowsk (2006: 7,7 Mrd. cbm), das in zwei Gasverarbeitungswerken, Nishnewartowskij GPZ und Belozernyj GPZ, verwertet wird. TNK-BP und Sibur teilen sich anschließend die jeweils benötigten Folgeprodukte. Die Begleitgasvorräte in der Region werden auf 150 Mrd. cbm beziffert. TNK-BP verfolgt auch noch andere Projekte zur Verwertung von Begleitgas, darunter den Bau des dritten Blocks des Kraftwerks Nishnewartowskaja GRES (830 MW, Investitionen rund 800 Mio. $) sowie die Modernisierung und den Neubau von Sammel-, Transport- und Verarbeitungsanlagen in den Regionen Orenburg, Nowosibirsk (Lagerstätte Werch-Tarskoje) und Ostsibirien (Lagerstätte Werchnetschonkoje). Kontaktanschriften:TNK-BP Ul. Arbat 1, 119 019 Moskau, Russische Föderation Tel.: 007/495/777 77 07, -745 89 58, Fax: -787 96 68; Tel.: -916 72 77, -777 77 07 (-34 02; Technologie), -745 23 70 (Verarbeitung und Vertrieb), -777 77 07 (-1320, PR-Abteilung für Gasprojekte von TNK-BP) E-Mail: company@tnk-bp.com, Internet: http://www.tnk-bp.ru
Sibur Holding Ul. Krshishanowskogo 16/1, 117997 Moskau, GSP-7, Russische Föderation Tel./Fax: 007/495/777 55 00 Internet: http://www.sibur.ru
OOO Jurgagazpererabotka Ul. Omskaja 1, 628616 Nishnewartowsk, Gebiet Tjumen, Autonomer Kreis der Chanten und Mansen/ Russische Föderation Generaldirektor: Denis Alexandrowitsch Solomatin 007/3466/49 42 03, Fax: -39 43 83
OAO Lukoil Sretenskij Bulv. 11, 101000 Moskau, Russische Föderation Tel.: 007/495/627 44 44, -625 70 16, Fax: -625 70 16, -627 49 99 Internet: http://www.lukoil.ru (W.L.) |
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