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Russland will Europa auch mit Biokraftstoffen versorgen | Drucken |


Gesetz zur Förderung von Biodiesel und Bioethanol in Arbeit / Mehrere Investitionsprojekte angekündigt

Moskau (bfai) - Russland sieht gute Chancen, bei der Produktion von Biokraftstoffen international eine wichtige Rolle zu spielen. Bis 2010 will das Land einer der wichtigsten Lieferanten für die Europäische Union sein. Die Selbstkosten sollen in Russland ein Drittel unter denen in der EU liegen. Bislang existieren die Investitionsprojekte aber nur auf dem Papier. Sie konzentrieren sich vor allem auf den Süden rund um den Schwarzerdegürtel. Ohne staatliche Anreize wird die Branche nicht auf die Beine kommen, glauben Experten. (Kontaktanschriften)

Noch produziert Russland weder Biodiesel noch Bioethanol. Dafür gibt es rund 20 Investitionsprojekte für entsprechende Werke, so die Russische Biotreibstoff-Vereinigung. Auf einer Informationsveranstaltung des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation (VDW) wurden Anfang Juli 2007 die Perspektiven der Branche diskutiert.

Grund für die zurückhaltende Investitionsneigung bei Biotreibstoffen sind nicht nur die niedrigen Energie- und Benzinpreise in Russland. Auch fehlt ein Gesetz, das der Produktion von Ökosprit zum Durchbruch verhelfen würde. Es gibt weder vorgeschriebene Mindestmengen für die Beimischung von Bioethanol oder Biodiesel zu herkömmlichem Treibstoff, noch vergünstigte Verbrauchsteuern (Akzisen) für Biokraftstoffe.

Eine große Hürde ist die steuerliche Gleichbehandlung von alkoholischen Getränken und Bioethanol. Auf den ökologischen Treibstoff werden gleich hohe Verbrauchsteuern erhoben wie auf Alkohol für Lebensmittelzwecke (seit 1.1.07: 23,5 Rubel/l). Normalbenzin dagegen wird nur mit 2,66 bis 3,63 Rubel/kg besteuert. Damit kann Bioethanol preislich nicht konkurrieren, obwohl die Produktionskosten in Russland nur bei 10 Rubel/l liegen sollen (etwa 0,30 Euro).

Außerdem muss die Produktion von Benzin mit Bioethanolanteil nach den strengen Alkoholvorschriften lizenziert werden. Das Ökobenzin müsste zudem über das so genannte EGAIS-System registriert werden, das alle alkoholischen Produkte im Land erfasst, um so deren Weiterverkauf zu kontrollieren. Diese Prozedur wollen nur wenige Raffinerien über sich ergehen lassen und verzichten daher auf die Beimischung von Biosprit.

Immerhin hat der russische Föderationsrat unter Mithilfe des Landwirtschaftsministeriums inzwischen einen Gesetzesentwurf für die Entwicklung von Bioenergie erarbeitet. Darin sollen unter anderem Mindestquoten für die Beimischung von Bioethanol oder Biodiesel festgelegt und Steuererleichterungen für die Anschaffung von entsprechenden Produktionsausrüstungen festgelegt werden. Auch die Senkung der Verbrauchsteuern für Biosprit ist vorgesehen. Der Dumaabgeordnete Walentin Iwanow rechnet damit, dass Russlands Parlament im Herbst 2007 über das Gesetz berät.

Für das Landwirtschaftsministerium sind Biokraftstoffe ein wichtiger Baustein, der darbenden Agrarbranche im Land wieder auf die Beine zu helfen. Spekuliert wird weniger auf den Binnenmarkt als vielmehr auf den großen Bedarf in der EU, die 2010 nach russischen Schätzungen etwa 5 Mio. Tonnen alternative Treibstoffe importieren muss.

Russische und ausländische Unternehmen stehen daher längst in den Startlöchern, um in die Produktion von Biokraftstoffen zu investieren. So hat der Pflanzenölhersteller Efko im April 2007 angekündigt, für bis zu 20 Mio. US$ ein Biodieselwerk zu bauen, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen. Das Unternehmen könne innerhalb eines halben Jahres Kapazitäten von über 100.000 jato auf Basis von Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl aufbauen, erklärte ein Sprecher. Ähnliche Pläne haben auch die Agrarholdings Rasguljaj, Aston, Jug Rusi oder Nastjuscha.

Einer der russischen Vorreiter bei der Herstellung von Biotreibstoffen ist die Omsker Holding Titan. Bislang produziert das Unternehmen nur in Kasachstan, weil Russlands Nachbarland die Herstellung von Biosprit aktiver unterstützt als Moskau. Die Ausrüstungen für die Fabrik kamen zum größten Teil aus Deutschland (unter anderem Flottweg, Greif-Velox und Alfa-Laval). Ende 2006 hat Titan aber auch im russischen Omsk mit dem Bau einer Bioethanol-Anlage begonnen. Wie Moskauer Zeitungen berichteten, sollen die Investitionen bei 150 Mio. Euro liegen und eine Jahreskapazität von 150.000 t erreicht werden. Eine ähnlich große Investition für Bioethanol plant ab Mitte 2008 die Agroindustrie-Gruppe Pawa im Altai-Gebiet. Um das nötige Kapital zu bekommen, soll ein Teil der Unternehmensaktien an westlichen Handelsplätzen an die Börse gebracht werden.

Die Gruppe Masloprodukt will bis 2009 im Gebiet Woronesch für umgerechnet rund 30 Mio. Euro eine Biodiesel-Produktion aufbauen.

Auch Russlands Ölkonzerne setzen auf Treibstoffe aus Pflanzen. So baut Lukoil, allerdings in seiner Raffinerie im bulgarischen Burgas, eine Linie zur Herstellung von Biodiesel. Die Petroholding Aljans hat eine eigene Tochterfirma "Aljans Bioprom" gegründet, um beim Geschäft mit Biotreibstoffen in Russland mit dabei zu sein.

Die derzeit geltenden GOST-Standards für Benzin erlauben eine Beimischung von maximal 5 bis 10% Bioethanol, allerdings ohne Mindestvorgabe. Fünf Prozent würden nach Berechnungen des Landwirtschaftsministeriums einem Jahresbedarf von 1,25 Mio. t Bioethanol entsprechen. Allein in Südrussland soll das Produktionspotenzial aber bei 6 Mio. bis 7 Mio. jato liegen, so dass Spielraum für Exporte bestünde.

Bei Biodiesel fehlt bislang noch die Rohstoffbasis (unter anderem Raps, Sonnenblumen). Nach Angaben der Nationalen Bioenergie-Vereinigung wird 2007 in Russland auf rund 860.000 Hektar Raps angebaut. Die Anbaufläche soll sich bis 2010 auf 5 Mio. Hektar erhöhen. Dafür wären in den nächsten drei Jahren Investitionen von rund 3,65 Mrd. Euro notwendig, wie die folgende Tabelle zeigt.

Investitionskosten für die Ausweitung des Rapsanbaus in Russland *)
Ausgabeposten 2008 2009 2010
Traktoren mit Aussaat- und Bodenbearbeitungstechnik, Stück 700 1.050 1.575
.Investitionen in Mio. Euro 200 300 450
Mähdrescher, Stück 1.700 2.550 3.825
.Investitionen in Mio. Euro 400 600 900
Förderbänder für Rapslagerung mit spezieller Hubtechnik, Anzahl 22 33 50
.Investitionen in Mio. Euro 60 90 135
Ölpressen mit einer Jahreskapazität von 100.000 t, Anzahl 14 21 32
.Investitionen in Mio. Euro 60 90 135
Saatgut und Mineraldünger, in Mio. Euro 48 72 109

*) unter Annahme einer Ausweitung der Anbaufläche von 2 Mio. ha (2008) über 3,5 Mio. ha (2009) auf 5 Mio. ha (2010)

Quelle: Andrej Schapowaljanz, Vorsitzender des Direktorenrates bei Navtop

Auf die wachsenden Ernteerträge bei Raps setzt das Unternehmen Navtop, das in den Regionen Tambow, Wolgograd, Stwaropol, Kostroma und Rjasan jeweils große Anlagen zum Pressen und Trocknen von Rapsöl plant. "Für die Investitionskredite bekommen wir Subventionen vom Landwirtschaftsministerium", erklärte ein Firmenmanager auf bfai-Anfrage. Die Projekte seien politisch gewollt und würden daher finanziell unterstützt. Da sich eine Weiterverarbeitung zu Biodiesel heute in Russland nicht lohnt, will Navtop seine Produktion vorerst exportieren.

Kontaktanschriften

Rossijskaja Biotopliwnaja Assoziazija

(Russische Biotreibstoff-Vereinigung)

Tel.: 007/495/5 85 51 67, Fax: -5 85 54 49

E-Mail: info@biotoplivo.ru, Internet: www.biotoplivo.ru

OAO Navtop

Generaldirektor: Andrej Petrowitsch Koslow

Uliza Semljanoj Wal 7, 105064 Moskau

Tel.: 007/495/9 16 30 31, Fax: -9 16 36 35

E-Mail: info@navtop.ru, Internet: www.navtop.ru

Verband der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation

1-j Kasatschij per. 7, 119017 Moskau, Russische Föderation

Tel.: 007 495/2 34 49 53, Fax: -2 34 49 54

E-Mail: buero@vdw.ru, Internet: www.vdw.ru

(S.Z.)

 
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