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Markt für Heiz- und Klimatechnik wächst zweistellig / Rekordbeteiligung bei Fachmesse in Moskau / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Russlands Markt für Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik wächst überdurchschnittlich. Deutsche Unternehmen profitieren stark davon und sind sowohl als Systemanbieter als auch als Zulieferer für russische Hersteller beliebt. In Zukunft werden Energiespartechnologien und erneuerbare Energien im Heizungs- und Klimabereich eine immer wichtigere Rolle spielen, wie die jüngste Fachmesse SHK in Moskau zeigte.

"Die Geschäfte in Russland wachsen exorbitant", freute sich Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer beim Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) auf der Moskauer SHK-Messe. Angetrieben durch den Boom beim Wohnungs-, Gewerbe- und Bürogebäudebau steigt der Bedarf an Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik im Land jährlich zweistellig. Da es gerade für moderne und energieeffiziente Anlagen kaum einheimische Hersteller gibt, wird ein Großteil der Nachfrage durch Importe gedeckt. Bei manchen Positionen hat sich der Einfuhrwert 2006 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt (siehe Tabelle).

Besonders gute Geschäftschancen haben laut Branchenexperte Lücke die Systemanbieter, die russischen Kunden ein Komplettsortiment und große Leistungen zum Beispiel im Heizungsbereich anbieten können. Für Spezialzulieferer bleiben aber Nischen, die sie in Russland zunehmend nutzen. Dazu gehört der Armaturenhersteller Mertik Maxitrol aus Thale im Harz, der unter anderem Gas-Wasserarmaturen für Durchlauferhitzer herstellt. "In Russland kommt uns entgegen, dass dieser Markt sehr gut mit Gas versorgt ist", erklärt Verkaufsmanager Friedhelm Jarsetz. Da der Druck in den Gasleitungen allerdings stark hin und her pendelt, sind Geräte gefragt, die diese Schwankungen mitmachen. Mertik Maxitrol liefert bevorzugt an Hersteller von Warmwasserboilern und Durchlauferhitzern. Den russischen Gesamtmarkt für Warmwasserboiler schätzt Jarsetz auf bis zu 500.000 Geräte pro Jahr, inklusive einheimischer Produktion. Von Durchlauferhitzern würden 350.000 bis 400.000 Einheiten verkauft.

Das zunehmende Absatzvolumen bekommt auch der Armaturenhersteller Oventrop aus dem Hochsauerland zu spüren. "Der Markt wächst hier jährlich um 25%", erklärt der Moskauer Vertreter des Unternehmens, Roman Naumow. Besonders lege der private Wohnungsbau zu, was die Nachfrage nach Heizkörper- oder Wasserarmaturen erheblich beschleunige. Russische Hersteller gebe es fast nur für Industriearmaturen. Im Gebäudebereich könnten die einheimischen Wettbewerber bei der Qualität mit westlichen Produzenten noch nicht mithalten.

Einen großen Zukunftsmarkt erhofft sich auch Spezialschalter-Produzent Jola aus der Pfalz. Mit seinen Leckagedetektoren und Füllstandsreglern hat das Unternehmen eine lukrative Nische in Russland ausgemacht. Schließlich sind gerade undichte Leitungen für Energieverluste hierzulande verantwortlich. "Wir müssen jedoch noch viel Überzeugungsarbeit für unsere Produkte leisten und ständig auf Messen präsent sein", so Jola-Verkaufsleiter Peter Paulus.

Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen setzen sich in Russland langsam als Thema durch. Auf der jüngsten SHK-Messe in Moskau wurde erstmals ein Focus auf diesen Bereich gelenkt, 18 Aussteller präsentierten spezielle Anwendungen für den russischen Markt.

Buderus zum Beispiel hat Sonnenkollektoren und holzbefeuerte Boiler in Moskau vorgestellt. Über Montagefirmen versucht das Unternehmen solche Anlagen beim privaten Hausbau zu etablieren, was angesichts der niedrigen Energiepreise im Land noch sehr schwierig ist, wie Produktmanager Viktor Komarow zugibt. Während sich in Sibirien besonders Gas sparende Heizkessel gut verkauften, hätten Sonnenkollektoren bislang höchstens in den südlicheren Regionen Russlands eine Chance, so Komarow.

Roman Naumow von Oventrop weist allerdings auf ein Problem hin: "Am sinnvollsten könnten erneuerbare Energiequellen in entlegenen russischen Regionen ohne Stromversorgung genutzt werden. Doch da fehlt die Kaufkraft für solche Anlagen."

Die sächsische Meibes System-Technik GmbH konzentriert sich daher bei der Vermarktung von Solarstationen oder Wärmepumpen auf finanzstarke Auftraggeber und Developer von Spezialprojekten, zum Beispiel beim Bau von Elitewohnungen. "Da spielen Kosten keine Rolle", erklärt Exportmanager Friedrich Brünig. Insgesamt sei das Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien in Russland aber noch recht gering.

Dennoch: Billige Energie gehört auch in Russland bald der Vergangenheit an. Nach Prognosen des Instituts für Energetiksysteme Irkutsk werde der Gaspreis im europäischen Teil des Landes bis 2010 von derzeit rund 40 US$/1.000 cbm auf 84 bis 110 $/1.000 cbm klettern, 2030 könnten die Tarife dann sogar 160 $/1.000 cbm erreichen. Etwas geringer werde der Anstieg im Ural und in Sibirien ausfallen, so die Wissenschaftler. Beim Strom rechnet das russische Industrie- und Energieministerium bis 2020 mit einer Verdoppelung der durchschnittlichen Verbrauchertarife von derzeit 0,04 $/kWh auf rund 0,08 $/kWh.

Der dynamische Markt für Heizungs- und Klimatechnik spiegelt sich auch in der Statistik der SHK Moskau wieder, die von der Messe Düsseldorf organisiert wird. Laut Projektmanagerin Elke Moebius hatten 2007 über 80 deutsche Unternehmen an der Ausstellung teilgenommen, so viele wie nie zuvor. Auch die Italiener - Deutschlands wichtigste Konkurrenten in der Branche - haben in Moskau von 12 auf 26 Stände aufgestockt. Insgesamt präsentierte sich die SHK 2007 auf rund 10.000 qm Netto-Ausstellungsfläche, ein Plus von 15% im Vergleich zum Vorjahr.

Einfuhr von ausgewählter Heizungs- und Klimatechnik nach Russland
Warenbezeichnung / HS-Position 2005 in Mio. US$ 2006 in Mio. US$ Zuwachs 2006 zu 2005 in %
Elektrische Durchlauferhitzer / 8516.1011 2,3 3,3 43
..davon aus Deutschland 0,5 0,6 20
Elektrische Geräte zum Raum- oder Bodenbeheizen / 8516.2 58,2 103,0 77
..davon aus Deutschland 4,3 5,8 35
Klimageräte / 8415 124,2 140,2 13
..davon aus Deutschland 14,8 13,6 -8
Druckminderventile / 8481.10 13,7 16,8 23
..davon aus Deutschland 2,5 2,6 4
Thermostatventile / 8481.8031 1,1 2,7 145
..davon aus Deutschland 0,3 0,8 166
Überdruckventile und Sicherheitsventile / 8481.40 32,6 28,5 -13
..davon aus Deutschland 4,1 4,9 20

Quelle: Föderaler Zolldienst (S.Z.)


 
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