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Russland bietet großes Absatzpotenzial für Maschinen zur Holzverarbeitung | Drucken |

Regierung fördert die Weiterverarbeitung von Holz / Deutsche Hersteller sind wichtigste Lieferanten / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Der russische Markt wird für Deutschlands Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen immer wichtiger. Die Ausfuhren sind in den ersten neun Monaten 2006 um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Starke Nachfrage herrscht derzeit in den Sägewerken, in Möbelfabriken und beim Bau von Holzhäusern. Um den Rohstoffnachschub zu sichern, plant die Regierung drastische Exportzölle für Rundhölzer.

Russland ist in den vergangenen Jahren nach den USA zum zweitwichtigsten Absatzmarkt für deutsche Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen geworden. In den ersten neun Monaten 2006 steigerten sie ihre Ausfuhren dorthin auf 125 Mio. Euro, gab der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bekannt. Das war ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Mit einem Importanteil von 41% waren Deutschlands Hersteller 2005 Marktführer bei Holzbearbeitungsmaschinen in Russland. Italienische Produzenten kamen auf 17,7%, finnische auf 10,5%, so der VDMA.

Sägewerkstechnik, Anlagen zur Herstellung von Holzwerkstoffen und von Möbeln werden derzeit in Russland am dringendsten gebraucht, erklärte Dennis Bieselt vom VDMA-Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen auf der Fachmesse Woodex 2006 in Moskau, auf der 33 deutsche Unternehmen ihre Produkte vorstellten. Das kann Uwe Wagner, Geschäftsführer der Delle Vedove Maschinenbau GmbH bei Gütersloh, bestätigen. Das Unternehmen stellt unter anderem Maschinen zur Profilummantelung her und erzielt bereits ein Fünftel seines Umsatz in Russland. "Hier erwarten wir in den nächsten Jahren das größte Wachstum", so Wagner. Sein Unternehmen liefert der Möbelindustrie Maschinen, mit denen sich zum Beispiel Holzleisten beschichten lassen.

Auf Oberflächenveredelung von Holz ist auch das Unternehmen Bürkle spezialisiert, das auf der Woodex in Moskau ein Einstiegsmodell zur Thermoformbeschichtung präsentiert hat. "Im Unterschied zu China ist in Russland eine Sättigung des Marktes noch lange nicht in Sicht", meint Verkaufsmanager Bernd Jochims. Kunden sind Möbelhersteller im ganzen Land. Selbst nach Omsk und Wladiwostok hat Bürkle schon Maschinen geliefert. Von Neukunden verlangt das Unternehmen in Russland ein Bankakkreditiv, um die Zahlung der Kaufsumme sicherzustellen.

Für eines der größten Unternehmen der Branche, die Homag AG, ist Russland längst zum Schwerpunktland geworden. Etwa 15% des Gesamtumsatzes werden hier erzielt, so Helmut Bohnet von der Homag GUS GmbH. Für 2006 erwartet das Unternehmen Verkaufserlöse von 25 Mio. Euro in Russland, ein Plus von 6 bis 7% im Vergleich zum Vorjahr. Am dynamischsten entwickelt sich derzeit der Holzhausbau. Da würden Anlagen gesucht, mit denen komplette Hausseiten hergestellt werden können. Auch der Markt für die Produktion von Baumaterialien wie Laminat wachse sehr schnell, erzählt Bohnet. Stagnation dagegen herrscht nach seinen Beobachtungen in der Möbelfertigung. Eine wichtige Tendenz auf dem Markt seien die immer individuelleren Kundenwünsche. "Die Serien werden kleiner und die Maschinenfertigung wird immer flexibler", so der Branchenexperte.

Eine interessante Nische besetzt das schwäbische Unternehmen Vollmer Werke in Russland. Es liefert unter anderem Maschinen zur Schärfung von Sägeblättern und ist damit ein wichtiger Ausrüster der Holzverarbeiter. "Überall im Land werden neue Sägewerke gebaut", berichtet Vertriebsleiter Lothar Reinhardt über das große Geschäftspotenzial. Bei der Holzverarbeitung werde Russland viel wichtiger werden als die VR China, glaubt der Unternehmer. Konkurrenz für die Vollmer-Maschinen gibt es nicht vor Ort, die Mitwettbewerber kommen aus der Schweiz oder aus Italien.

Regionale Absatzschwerpunkte bei Maschinen für die Möbelindustrie ist das Umland von Moskau und Südrussland. Maschinen für die Holzgewinnung und -bearbeitung werden vor allem nördlich von St. Petersburg und in Sibirien gekauft. Eine eigene Produktion von Holzbearbeitungsmaschinen in Russland ist trotz der großen Nachfrage für deutsche Unternehmen derzeit kein Thema. Zu kompliziert seien die Rahmenbedingungen im Land, erklärten Branchenvertreter auf der Woodex 2006. Konkurrenz aus Russland fürchten die deutschen Hersteller nicht. Die russischen Maschinenbauer konzentrieren sich meist auf Sägewerkstechnik und sind dort im unteren Preissegment dem Wettbewerb aus der VR China oder Taiwan ausgesetzt.

Die große Nachfrage nach Holzbearbeitungsmaschinen in Russland werde noch über viele Jahre anhalten, sind sich die Experten einig. Dafür sorgen auch administrative Eingriffe. Denn die riesigen Waldbestände sollen dem Land endlich auch ökonomischen Segen bringen, so ein Wunsch der Regierung. Um die Verarbeitungstiefe zu steigern, sind drastische Zollerhöhungen für Rundhölzer geplant, die bis 2010 praktisch einem Ausfuhrverbot nahe kommen könnten. Die Exportzölle für unbearbeitetes Rohholz sollen stufenweise von derzeit 6,5% des Verkaufspreises oder mindestens 4 Euro/cbm auf 20% oder mindestens 24 Euro/cbm steigen, so ein Plan des Wirtschaftsministeriums.

Derzeit exportiert Russland über 50 Mio. cbm Rundholz pro Jahr. Die Forstbetriebe fürchten einen Produktionseinbruch, wenn mit der Erhöhung der Exportzölle nicht gleichzeitig die Investitionen in die Holzverarbeitung gefördert werden. Derzeit könnten die Sägewerke nicht einmal die Hälfte der geschlagenen Bäume verarbeiten.

Immerhin entdecken Russlands Rohstoffkonzerne die Holzindustrie als neue Zukunftsbranche, mit der sie ihre Geschäfte diversifizieren können. So ist einer der Gründer der Stahl- und Bergbauholding Evraz, Alexandr Katunin, inzwischen in die Holzwirtschaft gewechselt und hat mehrere Betriebe in Sibirien gekauft. Bis 2009 will der Unternehmer im Gebiet Krasnojarsk zudem eine Fabrik mit einer Jahreskapazität von 500.000 cbm Furnierholz und 200.000 cbm Schnittholz bauen lassen. Ein zweites Werk soll im Irkutsker Oblast entstehen. Für beide Betriebe plant Katunin zusammen mit einem amerikanischen Partner Investitionen von 200 Mio. US$, berichtete die Tageszeitung Wedomosti. Ein Großteil der Produktion soll in die USA, nach Japan und in die VR China exportiert werden.

Der Öl- und Gaskonzern Belrusneftegas will im Gebiet Wologda für 100 Mio. US$ eine Spanplatten-Produktion errichten. Bis Ende 2006 soll mit der Regionalverwaltung eine Investitionsvereinbarung getroffen werden. Weiterhin hat das Gasunternehmen Itera den Bau einer Holzverarbeitungsfabrik in Nischnij Tagil angekündigt. Bei Krasnodar plant die ukrainische Industrialny sojus Donbassa die Fertigung von MDF-Platten. Solche Investitionsprojekte werden den Bedarf an Holzbearbeitungsmaschinen weiter steigen lassen.

Ausgewählte Einfuhren von Holzbearbeitungsmaschinen nach Russland
Bezeichnung (HS-Code) Importe 2005 in Mio. US$ Importe 1. Halbjahr 2005 in Mio. US$ Importe 1. Halbjahr 2006 in Mio. US$
Werkzeugmaschinen, bei denen das Werkstück bei jedem Bearbeitungsvorgang von Hand zugeführt wird (84651010) 5,056 2,086 2,563
..aus Deutschland 0,275 0,669 0,209
Werkzeugmaschinen, bei denen das Werkstück zwischen jedem Bearbeitungsvorgang automatisch zugeführt wird (84651090) 26,408 12,872 12,867
..aus Deutschland 14,877 9,012 6,329
Bandsägen (84659110) 5,271 1,686 2,720
..aus Deutschland 0,632 0,144 0,246
Kreissägen (84659120) 35,938 8,431 10,854
..aus Deutschland 7,165 3,716 4,184
andere Sägemaschinen (84659190) 41,246 18,668 12,747
..aus Deutschland 1,236 0,583 2,441
Hobel-, Fräs- und Kehlmaschinen (84659200) 25,056 16,862 8,253
..aus Deutschland 13,724 11,901 4,044
Spaltmaschinen, Hackmaschinen, Schälmaschinen (84659600) 10,023 2,959 4,552
..aus Deutschland 1,871 0,949 0,453
 
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