| Russland - Bauwirtschaft | | Drucken | |
Verfasser: Gerit Schulze, Moskau (Januar 2007)Moskau (bfai) - Die Bauindustrie profitiert vom Wirtschaftsaufschwung in Russland besonders stark. Bei Bauleistungen von rund 65,9 Mrd. Euro dürfte die Branche 2006 nach Angaben der staatlichen Statistkbehörde Rosstat real um etwa 15,7% zugelegt haben. Über ein Fünftel des Baugeschäfts wird im Großraum Moskau abgewickelt. Daneben war das rohstoffreiche Gebiet Tjumen in den ersten zehn Monaten 2006 wichtigster regionaler Markt, noch vor St. Petersburg. Für westliche Unternehmen bestehen vor allem bei Spezialaufträgen oder als Zulieferer gute Geschäftschancen. Marktentwicklung/-bedarf
Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik (Rosstat; http://www.gks.ru) WohnungsbauDas Regierungsprogramm "Erschwinglicher und komfortabler Wohnraum" sieht bis 2010 die Fertigstellung von jährlich 80 Mio. qm Wohnraum vor. Davon ist Russland bislang weit entfernt. Im Jahr 2006 wurden laut Rosstat etwa 50,2 Mio. qm neu übergeben, für 2007 werden 55 Mio. qm angestrebt. Trotz Rekordpreisen für Eigentumswohnungen (Ende 2006 durchschnittlich 4.200 US$/qm) stagniert der Wohnungsbau auf dem wichtigsten Markt Moskau, weil Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und Grundstücke knapp werden. Die Dynamik kommt aus den Regionen. Besonders hohe Zuwächse im Wohnungsbau erzielten 2006 die Regionen Kaliningrad (+88% gegenüber dem Vorjahr), Iwanowo (+67%), die Altai-Republik (+59%) und Nowosibirsk (+52%). Als interessantes Marktsegment bezeichnen deutsche Unternehmen in Russland den Bau von Eigenheimen und Blockhäusern im Moskauer Umland. Das jährliche Verkaufsvolumen der Gebäude soll laut Schätzungen inzwischen bei 8,5 Mrd. US$ liegen. Geschäftschancen versprechen auch die Abrissarbeiten an fünfstöckigen Gebäuden aus den 1950er und 1960er Jahren ("Chruschtschowki"). Bis 2009 werden in Moskau jährlich 1 Mio. qm zurückgebaut und statt dessen 17 Stockwerke hohe Neubauten errichtet. Anschließend ist der Abriss von neunstöckigen Plattenbauten vorgesehen. Von den 169 Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern in Russland haben 94 Kommunen neue Generalpläne zum Stadtumbau in Angriff genommen. Teilweise sollen ganze Stadtviertel (Mikrorajony) neu entstehen, unter anderem in der Moskauer, der Swerdlowsker und der Brjansker Oblast. WirtschaftsbauLokomotive beim Bau von Büro-, Lager- und Handelsflächen bleibt die Hauptstadt Moskau. Für 2007 erwarten Marktexperten in diesem Geschäftsfeld Investitionen von 4 Mrd. US$, wodurch unter anderem 1,4 Mio. qm Büroflächen entstehen sollen. Dennoch deckt das Angebot längst nicht die Nachfrage. Auch die Regionen brauchen mehr hochwertige Bürogebäude. Das gilt ebenso für moderne Handelszentren, die aufgrund der rasant steigenden Kaufkraft (erwarteter realer Zuwachs 2007: +10%) überall im Land knapp sind. Wenn auch Wal-Mart und Carrefour, wie angekündigt, auf dem russischen Markt einsteigen, wird der Bau großer Hypermärkten neue Impulse bekommen. Daneben entstehen rund um Moskau und St. Petersburg sowie an wichtigen regionalen Knotenpunkten wie Nowosibirsk oder Jekaterinburg riesige Lager- und Logistikkomplexe. Beste Perspektiven verspricht der Hotelbau. Immer mehr internationale Hotelketten drängen nach Russland, besonders in die lange vernachlässigte Touristenklasse mit 3- und 4-Sterne-Häusern. Neben Moskau und St. Petersburg sind die Schwarzmeerregion um Sotschi und die altrussischen Städte des "Goldenen Rings" Schwerpunkte des Hotelbaus. InfrastrukturbauBis 2010 läuft ein föderales Zielprogramm zur Modernisierung der Transportsysteme im Land. Dafür sind Investitionen von über 800 Mrd. Rubel (Rbl; Wechselkurs am 1.2.07: 1 Euro = 34,39 Rbl) für Straßen, Schienenwege, Häfen und Flughäfen vorgesehen, die zum Teil von privaten Kapitalgebern aufgebracht werden sollen. Zu den größten Infrastrukturvorhaben gehören eine Mautautobahn und eine Schnellbahntrasse von Moskau nach St. Petersburg, ein weiterer Autobahnring rund um Moskau sowie der Ausbau der drei Moskauer Großflughäfen. Verstärkt wird Russland beim Infrastrukturbau in Zukunft auf Public Private Partnerships (PPP) setzen. Ausländische Investoren sind dabei mit Kapital und Know-how willkommen.
Quelle: Eigene Zusammenstellung nach russischen Pressemeldungen Produktion/BranchenstrukturLaut staatlicher Baubehörde Rosstroj gibt es in Russland insgesamt 112.000 Bau ausführende Unternehmen. Im internationalen Vergleich sind Russlands Baubetriebe noch relativ klein. Selbst die größten Branchenkonzerne erzielen "nur" rund 1 Mrd. US$ Jahresumsatz. Besonders bei Großprojekten kommen daher häufig ausländische Baukonzerne zum Zuge. Deutsche Baufirmen werden für ihre Zuverlässigkeit und Qualitätsstandards geschätzt, spielen bislang aber insgesamt eher eine untergeordnete Rolle im Markt. Gut positioniert ist die Hochtief AG, die einige Großaufträge für Flughafen-, Stadien- und Hypermarkt-Bauten bekommen hat. Auch Österreichs Strabag arbeitet erfolgreich im Land. Gut aufgestellt in Russland sind türkische Baufirmen und Unternehmen aus Osteuropa. Nicht nur in Sibirien, sondern selbst in Moskau und St. Petersburg drängen mehr und mehr chinesische Baufirmen auf den russischen Markt. Immer häufiger treten sie als Investoren großer Bauprojekte auf den Plan.
Anmerkung: Jahresdurchschnittskurs 2004: 1 Euro = 35,82 Rubel, 2005: 1 Euro = 35,19 Rubel Quelle: Ratingagentur Expert GeschäftspraxisVon einem transparenten Markt kann im russischen Bausektor kaum die Rede sein. Oft sind die Vergabekriterien gerade bei öffentlichen Auftraggebern nicht nachvollziehbar. Die Verquickung großer lokaler Baufirmen mit der örtlichen Verwaltung ist in Moskau ebenso offenkundig wie in anderen russischen Regionen. Im öffentlich finanzierten Wohnungsbau an Aufträge zu kommen ist daher gerade für Neuankömmlinge sehr schwer. Der Markt verlangt ein eng geknüpftes Beziehungsgeflecht zu den Genehmigungsbehörden. Für mittelständische deutsche Baufirmen bietet der russische Markt deshalb bislang lediglich Geschäftschancen als Subunternehmer. Die bürokratischen Vorschriften für die Bauausführung gelten als äußerst kompliziert, Genehmigungsprozesse dauern lange. Ohne russischen Partner ist die Akquisition oder Abwicklung von Großaufträgen kaum möglich. Besonders bei Spezialaufträgen mit komplizierter Technologie (Wolkenkratzer, Ressourcen schonende Gebäude, Bauten in klimatisch extremen Regionen) sind westliche Bauunternehmen dennoch im Vorteil. Auch die auf so genannte Elitebauten spezialisierten russischen Konzerne wie Mirax Group oder Don-Stroj bevorzugen ausländisches Know-how. Immer häufiger lassen sich öffentliche Ausschreibungen per Internet recherchieren. Unter Ägide des Wirtschaftsministeriums entsteht derzeit eine zentrale Plattform für Beschaffungen auf allen Verwaltungsebenen ( http://pgz.economy.gov.ru). Aktuelle Ausschreibungen sind außerdem unter "www.bob.ru" abrufbar. Die Stadt Moskau veröffentlicht ihre Tender unter der Adresse " http://www.tender.mos.ru". Auf der Webseite finden sich unter anderem Ausschreibungen zur Wohnhaussanierung, zum Bau von sozialen Einrichtungen oder Parkhäusern. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| < zurück | weiter > |
|---|
RU
Weitere Informationen 






