| Russisches Unternehmen kauft ukrainische Lokomotivfabrik | | Drucken | |
Teile des lokalen "Big Business" wenig entzückt / Von Harald MeyerKiew (bfai) - Der Maschinen- und Fahrzeugbau der Ukraine gerät zunehmend in den Begehrskreis russischer Interessenten. Zuletzt hat die TransMaschHolding des Milliardärs Iskander Mahmudow vom ukrainischen Staat die Lokomotivfabrik LuhanskTeplowos übernommen. Bereits in der Ukraine investiert ist russisches Kapital in größerem Stile in der Erdölverarbeitung, in der Erdgas- und Elektrizitätswirtschaft, im Erzbergbau, in der Baustoffindustrie (Zement) sowie in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (Milch und Milchprodukte, Fruchtsäfte). Im ukrainischen Maschinenbau haben vor Mahmudow erst einige wenige russische Tycoons "zugeschlagen": Igor und Oleg Tschurkin erwarben Kapitalbeteiligungen in der Werftindustrie (Schwarzmeer-Schiffsbaubetrieb Mykolajiw) und im Straßenfahrzeugbau (Automobilfabrik Lwiw; Omnibusse). Der Moskauer Elektro-Konzerns "Dynamo" übernahm die Fabrik für Apparatebau "Parus" in Sewastopol (Krim). Der führende russische Hersteller von Diamant- und Rollenmeißeln für schweres Bohrgerät WolgaBurMasch (Samara) kaufte das Werk für Bohrmeißel Drohobytsch (Region Lwiw). Von Seiten ukrainischer Analysten ist zu hören, dass der Kaufpreis für das bisher vom ukrainischen Staat gehaltene LuhanskTeplowos-Aktienpaket (292,5 Mio. Hrywnja, umgerechnet 57,9 Mio. US$) und damit einer 76%-Mehrheitsbeteiligung an der Lokomotivfabrik zu niedrig liege. Der Zuschlag an die Russen war nur geringfügig oberhalb des Mindestpreises von 292 Mio. Hrywnja erfolgt. Die Markt-Kapitalisierung der gesamten Lokomotivfabrik soll, ausgehend von den aktuellen Börsennotierungen für die im Umlauf befindlichen Aktien, bei 600 Mio. Hrywnja liegen, das heißt umgerechnet bei knapp 120 Mio. US$. Auf heftige Kritik in Wirtschaft und Politik stößt die Informationspolitik des Staatsvermögens-Fonds (FDM). Der Kiewer Treuhandanstalt wird vorgehalten, sie habe den Bieter-Wettbewerb um die Lokomotivfabrik nach der durch einen Rechtsstreit bedingten Unterbrechung de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgeführt, beziehungsweise ohne potenzielle Käufer des Aktienpakets davon in Kenntnis zu setzen. Dabei hätten ihn die Veranstalter vom Staatsvermögensfonds ursprünglich als "offenen internationalen, Auktions-Elemente aufweisenden Bieter-Wettbewerb" deklariert. Die Preisgebote waren offen abzugeben. Der Erwerber muss eine Reihe von Auflagen erfüllen. Dazu zählen die Entschuldung der Lokomotivfabrik binnen dreier Monate (LuhanskTeplowos hat ein Obligo gegenüber dem Industrieministerium in Höhe von umgerechnet knapp 34 Mio. US$) und jährliche Steigerungen der Umsatzerlöse um jeweils 20% während der ersten drei Jahre nach der Übernahme. Die offensichtliche Präferenz des Staatsvermögensfonds für einen russischen Erwerber mag daher rühren, dass man sich einen besseren Zugang von LuhanskTeplowos auf den wichtigen russischen Absatzmarkt erhofft. Die ukrainischen Eisenbahngüterwagen- und Lokomotivenbauer produzieren in erster Linie für russische Abnehmer. Die staatliche Ukrainische Eisenbahn (UkrSalisnyzja) musste ihre jährlichen Ersatzbeschaffungs-Programme stets drastisch zusammenstreichen, weil ihr Regierung und Parlament entgegen geltenden gesetzlichen Bestimmungen in den Budgets keine Staatshaushaltsmittel für die Erneuerung des Schienenfahrzeugparks bewilligten. Eine nicht zum Zuge gekommene ukrainische Gruppe will, wie verlautete, die Vorgehensweise des Staatsvermögensfonds und das Auktions-Ergebnis vor Gericht anfechten und beim Generalstaatsanwalt der Ukraine Strafanzeige erstatten. LuhanskTeplowos ist nach eigenen Angaben der größte Diesellokomotiven-Hersteller im Raum der GUS. Die Fabrik baut auch in größerem Stile Diesel- und Elektrotriebzüge sowie Elektro-Loks. Das Unternehmen erzielte Jahre 2005 Umsatzerlöse in Höhe von 77 Mio. US$. Aufgrund des Umsatzergebnisses im Zeitraum Januar bis September 2006 (52 Mio. US$) dürfte im Gesamtjahr 2006 eine Erlössumme in ähnlicher Größenordnung erreicht worden sein. LuhanskTeplowos arbeitete in den letzten Jahren knapp in der Verlustzone. Die Führung des Unternehmens zeigt sich über die Transaktion hoch zufrieden; sie hatte bereits bei früherer Gelegenheit ihre Präferenz für eine Übernahme durch die TransMaschHolding kundgetan. Der Vorstandschef von LuhanskTeplowos, Wiktor Bykadorow, ließ jetzt verlauten: "Für uns ist es die Hauptsache, dass der Erwerber des Kontrollpakets ein brancheneinschlägiger Investor ist. Wir werden daher nicht nur unsere finanziellen Ressourcen, sondern auch unsere Ingenieur-Kapazitäten bündeln können. Die künftige Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Brjansk gibt uns neuen Schub und wird uns vorwärts bringen." (H.M.) |
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