| Russische Software im Ausland immer gefragter | | Drucken | |
Programmierer steigern Exporte jährlich um 40 bis 50% / Weitere Niederlassungen in Deutschland geplantMoskau (bfai) - Die russische Softwareindustrie profitiert zunehmend vom weltweiten Trend zur Auslagerung komplexer Programmieraufträge. Nach einer aktuellen Studie des Branchenverbandes Russoft sind die Exporte der Softwareentwickler 2006 um über 50% gestiegen. Die Regierung plant nun Steuererleichterungen für die Branche, um die IT-Ausfuhren weiter zu stimulieren. Außerdem wollen viele Softwareunternehmen ihre Präsenz im Ausland erweitern. Deutschland ist dabei ein Schwerpunktland. (Kontaktanschrift) Russlands Softwareindustrie erzielte 2006 rund 1,5 Mrd. US$ Umsatz im Ausland, ein Plus von 54% im Vergleich zum Vorjahr. Für 2007 erwartet der Branchenverband Russoft einen weiteren Anstieg der Exporte um 40% auf 2,1 Mrd. $.Die Experten sehen das Potenzial der russischen Softwareexporte bei weitem noch nicht ausgeschöpft: Angesichts der verfügbaren Programmierkapazitäten könnten bis zu 10 Mrd. $ mit Exporten verdient werden.
*) Schätzung Quelle: Russoft-Jahresbericht 2007 zum russischen Software-Export Wie Russoft in seiner aktuellen Jahresstudie berichtet, erwarten die russischen Softwarehäuser allerdings auch auf dem Binnenmarkt mehr Dynamik. Das hat eine Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen ergeben. Aufträge von russischen Kunden seien demnach inzwischen genauso lukrativ und profitabel wie von ausländischen Kunden. Ein Nachteil der russischen Softwarehersteller auf dem Weltmarkt ist die relativ geringe Kenntnis von Fremdsprachen unter den Programmierern. Laut Russoft spricht in kleinen Unternehmen nur jeder Zweite Englisch, bei großen Häusern liegt dieser Anteil immerhin bei 75 bis 80% (Deutsch: 7 bis 10%). Geografisch konzentriert sich Russlands Exportindustrie auf die beiden Zentren Moskau und St. Petersburg, wo mehr als die Hälfte der Softwareumsätze generiert werden und bekannte internationale Konzerne wie Intel, Motorola, Borland, Samsung oder Sun eigene Software-Entwicklungslabors betreiben. Für die Standorte sprechen die gute Infrastruktur und die Konzentration von Export orientierten Unternehmen. Allerdings führt diese Ballung an zwei Standorten auch zu Problemen am Arbeitsmarkt. Die Softwareentwickler werden knapp und ihre Löhne steigen überdurchschnittlich. Daher werben die Unternehmen zunehmend Mitarbeiter in benachbarten GUS-Staaten (vor allem in der Ukraine und in Belarus) oder in der russischen Provinz an. Außerdem haben fast alle wichtigen Branchenvertreter Niederlassungen in anderen Regionen des Landes gegründet. Besonders populär sind dabei laut der Russoft-Studie Nowosibirsk, die großen Metropolen an der Wolga sowie Woronesch, Rostow-am-Don, Rjasan, Dubna, Omsk, Tomsk und Nowokusnetzk. Doch egal ob in der Provinz oder in den Metropolen: Besonders kleinen Unternehmen fällt es zunehmend schwer, gute und bezahlbare Programmierer zu finden. Nur etwa ein Zehntel der Umfrageteilnehmer gab an, keine Personalsorgen zu haben. Besonders dringend werden Entwickler für die Programmiersprachen C/C++ und Java gesucht. Größere Unternehmen mit Jahresumsätzen ab 4 Mio. $ kooperieren mit Hochschulen, um Nachwuchs zu gewinnen. Etwa ein Drittel der Firmen finanziert eigene Fortbildungskurse. Im Unterschied zu anderen russischen Branchen ist die Mitarbeiterfluktuation im Softwaresektor relativ gering und schwankt jährlich zwischen 6 und 8% des Personalbestandes (bei kleinen Firmen 10 bis 14%). Nach Angaben von Russoft sei dies ein erheblicher Wettbewerbsvorteil gegenüber Indien, wo jedes Jahr etwa 70% der Programmierer den Arbeitgeber wechselten. Die Gehälter in der Softwarebranche sind 2006 bei den großen Häusern (über 120 Mitarbeiter) um rund ein Viertel gestiegen, bei kleineren Unternehmen sogar um bis zu 50%. Durchschnittlich verdienen Programmierer in Russland inzwischen deutlich mehr als 1.000 $ pro Monat. In Moskau liegen die Durchschnittsgehälter bei 1.850 $, in Sankt Petersburg bei 1.400 $ und in Nowosibirsk bei 1.100 $.
Quelle: Russoft-Jahresbericht 2007 zum russischen Software-Export Um näher an den wichtigen Absatzmärkten im Ausland zu sein, bauen die russischen Softwarehersteller dort ihre Präsenz aus. Jedes zweite befragte Unternehmen will 2007 bereits eine Niederlassung in Nordamerika oder in der EU haben. Deutschland ist dabei hinter den USA offenbar der attraktivste Absatzmarkt. Hatten 2006 erst 16% der russischen Programmierhäuser hier ein Verkaufsbüro, so wollen 2008 bereits 23% der befragten Unternehmen in der Bundesrepublik präsent sein. Überwiegend kritisch bewerten die Software-Firmen gemäß der Russoft-Studie das Engagement des Staates für die Branche. Besonders kleinere Unternehmen vermissen finanzielle Unterstützung, Marketingaktivitäten und Hilfe bei der Zertifizierung ihrer Produkte nach internationalen Standards. Derzeit hat erst rund ein Viertel der russischen Softwarehersteller eine Zertifizierung nach ISO 9000/9001 oder CMM/CMMI durchlaufen. Bemängelt wird auch, dass die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten für Softwareexporteure bislang nicht umgesetzt wurde. Allerdings hat das Haushaltskomitee der Staatsduma Anfang Oktober 2007 dem Parlament empfohlen, nun endlich einer entsprechenden Änderung des Steuerkodexes für die IT-Branche zuzustimmen. Demnach sollen Gewinn-, Vermögens-, Mehrwert- und Einheitliche Sozialsteuer für Export orientierte Hersteller von Informationstechnologien wegfallen. Stattdessen müssten Unternehmen, die mehr als die Hälfte ihrer Erlöse im Ausland erzielen, nur noch eine Einheitssteuer von 6% auf den erzielten Umsatz zahlen. Das würde die Softwarehersteller erheblich entlasten. Branchenvertreter begrüßen daher die Pläne. Außerdem hat die Regierung beschlossen, bis Ende 2009 auf allen Schulcomputern des Landes einheimische Software zu installieren. Dafür sollen russische Softwareunternehmen Betriebssysteme, Office-Pakete, Grafik- und Antiviren-Programme entwickeln. Die Kosten werden auf umgerechnet rund 100 Mio. $ geschätzt. Bislang ist der Prozentsatz nicht lizenzierter Software in Russland sehr hoch und erreicht selbst in staatlichen Einrichtungen nach Regierungsangaben mehr als 70%.
Quelle: Russoft-Jahresbericht 2007 zum russischen Software-Export
*) Berücksichtigt sind nur die Umsätze mit der Entwicklung von Software, Durchschnittskurs 2006: 1 Euro = 34,11 Rubel Quelle: Ratingagentur Expert KontaktanschriftBranchenverband Russoft Birschewaja Linija 16 199034 St. Petersburg Tel.: 007 812/3 31 75 60, Fax: -3 31 75 43 E-Mail: info@russoft.org, Internet: www.russoft.org (S.Z.) |
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Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der Russischen Föderation. Stand: September 2009