| Russische Eisenbahn baut Netz von Güterverteilzentren | | Drucken | |
Anschaffung von 10.000 zusätzlichen Waggons geplant / Cargo-Geschäft kommt erst 2010 an die Börse / Von Gerit SchulzeMoskau (bfai) - Die Reform der russischen Eisenbahn verzögert sich. Statt 2007 soll nun frühestens 2008 ein Tochterunternehmen für den Güterverkehr aus dem Staatsunternehmen RZhD ausgegliedert werden. Der Transportkonzern investiert aber schon jetzt weiter in Infrastruktur und rollendes Material. Unter anderem ist ein Netz von acht bis zehn Güterverteilzentren im Land geplant. Auch die Anschaffung von Waggons soll 2007 beschleunigt werden. (Kontaktanschrift) Russlands Regierung hat die ursprünglichen Reformpläne für den Eisenbahngüterverkehr verworfen. Eigentlich sollte schon 2007 aus der staatlichen Eisenbahn Rossijskie Zhelesnye Dorogi (RZhD) eine Frachttochter ausgegliedert werden und im kommenden Jahr an die Börse gehen. Mit dem dort eingesammelten Kapital wollte der Konzern Infrastruktur und rollendes Material modernisieren. Doch die Pläne haben sich geändert. Nun will das Transportministerium erst ab 2008/2009 einen Teil des Cargo-Geschäfts aus der RZhD ausgliedern. Die Anteile des Tochterunternehmens sollen zunächst zu 100% beim Schienenmonopolisten verbleiben und zwei Jahre später an die Börse gebracht werden. Anschließend soll ein zweiter Güterverkehrsanbieter aus der RZhD hervorgehen, um für Konkurrenz zu sorgen. Dieser wird aber in Obhut des Staates verbleiben. Die beiden Unternehmen bekommen je zur Hälfte den bisherigen Güterfuhrpark von ihrer Muttergesellschaft übertragen. RZhD-Präsident Wladimir Jakunin schätzt den Wert der Frachtsparte auf 4 Mrd. bis 9 Mrd. US$. Zumindest ein Teil davon soll 2010 durch den Börsengang der einen Frachttochter in das Unternehmen fließen. Mit einem Bestand von über 630.000 Güterwaggons hat die Russische Eisenbahn nach eigenen Angaben den weltweit größten Schienenfuhrpark (Deutsche Bahn AG: rund 100.000). Allerdings ist der Zustand der Transportmittel denkbar schlecht: Nur zwei Drittel der Waggons entsprechen den Anforderungen für den Gütertransport, teilte die russische Bahn jüngst mit. Zudem hätten über 600 Lokomotiven ihre vorgesehene Nutzungsdauer längst überschritten. Im Vorjahr hat RZhD 118 Dieselloks, 159 E-Loks und mehr als 8.500 Güterwaggons angeschafft. Für 2007 ist der Kauf von 10.000 offenen Güterwagen beim Hersteller Uralwagonsawod sowie von 1.000 Schüttgutwagen bei RusChimMasch (Mordowien) vorgesehen. Mit einem zusätzlichen Investitionsprogramm sollen darüber hinaus weitere 10.000 Güterwaggons gekauft oder geleast werden, um den Fuhrpark schneller zu erneuern. Auf den Strecken Richtung Westeuropa hätten vor allem Spezialwaggons eine gute Absatzchance, deren Spurbreite an der GUS-Außengrenze automatisch auf Breitspur oder Normalspur wechseln kann. Noch gehört RZhD als Aktiengesellschaft zu 100% dem russischen Staat. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Wedomosti bieten aber bereits 2.500 Unternehmen Güterverkehr auf der Schiene an, zum Teil mit eigenen Waggons und Lokomotiven. Sie müssen der RZhD Servicegebühren für die Nutzung des Netzes und - falls nicht vorhanden - von rollendem Material zahlen. Auch die Deutsche Bahn AG organisiert mit ihrer Tochtergesellschaft Railion Russija Services Gütertransporte nach Russland und über russische Schienenwege. Wegen der großen Entfernungen und der schlechten Straßenverhältnisse gibt es in Russland auf langen Strecken kaum Alternativen zum Schienenverkehr. Über 80% der Warenströme im Land werden mit der Bahn transportiert.
Anmerkung: nicht berücksichtigt sind Transporte über Pipelines Quelle: Russische Eisenbahn RZhD Die Eisenbahngesellschaft RZhD sucht derzeit geeignete Grundstücke für den Bau von acht bis zehn Güterverteilzentren mit großen Containerstellflächen und Logistiklagern im Land. Pilotprojekte sind im Nordwesten, bei Moskau und im Ural geplant. Später sollen an allen wichtigen Verkehrsknoten im Land, die Anschluss an internationale Transportkorridore haben, Umschlagplätze für den Eisenbahngüterverkehr entstehen. RZhD will dafür im Rahmen von Public Private Partnerships (PPP) auch private Investoren gewinnen. Unter anderem soll ein Joint Venture mit deutschen, polnischen und belarussischen Bahnunternehmen gegründet werden, "um die Transportprozesse zu optimieren, neue Bahnprodukte anzubieten und die Grenzabfertigung besser zu gestalten", teilte die Deutsche Bahn AG in Moskau auf bfai-Anfrage mit. Eine enge Zusammenarbeit sei außerdem zwischen Russland, der VR China und Deutschland geplant, um mehr Containertransporte zwischen Asien und Europa vom Schiff auf die Schiene zu locken.
Quelle: Russische Eisenbahn RZhD
Quelle: Prime-Tass nach Angaben der RZhD
Quelle: Prime-Tass nach Angaben der RZhD Neben dem rollenden Material investiert RZhD 2007 weiter in den Ausbau der Infrastruktur. So sollen allein in der Kohle-Region Kusbass für umgerechnet über 1 Mrd. US$ der Abtransport der Rohstoffe Richtung Nordrussland, Fernost und Schwarzes Meer auf dem Schienenweg optimiert werden. Unter der Rubrik "Dejatelnost / Otkrytye konkursy" veröffentlicht RZhD auf seiner Homepage regelmäßig Ausschreibungen für Anschaffungen von Waren und Dienstleistungen aller Art. Einige Großprojekte für den Güterverkehr in Russland werden inzwischen ohne die RZhD gestemmt. So möchte der Rohstoffkonzern Norilskij Nikel im Gebiet Tschita ein 375 km langes Eisenbahnnetz aufbauen, um neue Lagerstätten zu erschließen. Das Unternehmen wendet dafür 800 Mio. US$, weitere 1,7 Mrd. US$ sollen aus dem staatlichen Investitionsfonds kommen. Die Planungsarbeiten für die Schienenverbindung beginnen 2007, die Bauarbeiten sollen zwischen 2008 und 2013 stattfinden. Norilskij Nikel schätzt, dass auf der neuen Strecke jährlich 13,5 Mio. t Güter transportiert werden. KontaktanschriftOAO Rossijskie Zhelesnye Dorogi (RZhD) (Offene Aktiengesellschaft Russische Eisenbahnen) Nowaja Basmannaja 2, 107174 Moskau Tel.: 007 495/262 99 01 Internet: http://www.rzd.ru (S.Z.) |
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