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Polyethylen in Russland stark nachgefragt | Drucken |

Wachsender Importanteil / Kapazitäten vor Ausbau / Usbekischer Hersteller mit Erweiterungsplänen / Von Waldemar Lichter

Moskau (bfai) - Die Nachfrage nach Polyethylen in Russland wächst dankt der guten Wirtschaftskonjunktur weiter. War das Land bis vor kurzem noch Nettoexporteur des Kunststoffes, so hat sich die Situation seit 2005 umgekehrt. Der Binnenbedarf wächst schneller als die lokale Produktion. Die Importe nehmen weiter zu, zumal die lokale Industrie die Nachfrage nach bestimmten Polyethylen-Marken noch nicht befriedigen kann. Zahlreiche Investitionsvorhaben sind auf dem Weg. Bis 2011 könnten sich die Kapazitäten mehr als verdoppeln. (Kontaktanschriften)

Polyethylen ist ein gefragter und inzwischen knapper Kunststoff in Russland. Der Binnenverbrauch stieg einer Analyse der Moskauer Marktforschungsfirma Creon von 704.300 t 2000 auf geschätzte 1.169.000 t im Jahr 2006. Und es geht weiter aufwärts. Der Markt nimmt zwar nicht mehr zweistellig wie 2003 bis 2005 zu. Mit einem Plus von 5,8% im Jahr 2006 bleibt die Nachfrage jedoch weiterhin dynamisch.

Die Entwicklung des russischen Polyethylenmarktes (in 1.000 t, wenn nicht anders angegeben)
2000 2003 2004 2005 2006
Produktion 918,9 1.035,1 1.065,8 1.048,1 1.074,5
Export aus Russland 315,3 300,0 249,5 158,5 188,5
Russische Importe 100,7 153,1 175,9 214,9 283,0
Verbrauch 704,3 888,2 992,2 1.104,5 1.169,0
Importanteil am Verbrauch 14,3 17,2 17,7 19,4 24,2
Exportanteil an der Produktion 34,3 29,0 23,4 15,1 17,5

Quelle: Creon, 4. Internationale Konferenz "Polyethylen 2007", Februar 2007, Moskau

Die starke Nachfrage und vorübergehende Produktionsausfälle führten zeitweise zu erheblichen Knappheiten und zu stark steigenden Preisen für den Kunststoff auf dem russischen Markt. Bedingt durch Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten haben einige lokale Hersteller ihre Erzeugung zurückgefahren. Nach Meinung einiger Marktteilnehmer sei das geschehen, um höhere Preise durchzusetzen. So stieg der Preis für Polyethylen auf dem Binnenmarkt von 840 US$/t (ohne Mehrwertsteuer) im Jahr 2004 auf 1.180 US$/t 2005 und 1.750 US$/t im Folgejahr. Die Frage der ausreichenden und kontinuierlichen Belieferung mit dem Kunststoff durch russische Hersteller bereitete den Verarbeitern und Händlern auch Anfang 2007 noch erhebliche Kopfschmerzen.

Am stärksten hat der Verbrauch von Polyethylen zwischen 2000 und 2006 nach Worten von Creon-Analystin Tamara Chazowa bei folgenden Anwendungen zugenommen:

- Isolierung von Metallrohrleitungen: 278,4%

- Polyethylenrohre und Rohrteile: 167,8%

- Folien: 105,4%

- Kabelisolierung: 49,7%

- Behälter und Verpackung: 28,8%

- Kunststofferzeugnisse für den täglichen Gebrauch (etwa für Bürobedarf, Haushalt, Spielzeug): 26,9%

Struktur des Polyethylenverbrauchs nach Anwendungsgebieten (Anteile in %)
Anwendungsgebiet 2000 2005 2006
Behälter und Verpackungen 29,0 24,1 22,5
Kunststofferzeugnisse für den täglichen Gebrauch (z.B. für den Bürobedarf, Haushalt, Spielzeug etc.) 23,4 19,5 17,9
Folien 18,5 22,3 22,9
Kabelisolierung und -schutz 11,2 9,3 10,1
Kunststoffrohre und Rohrteile 8,5 13,0 13,7
Erzeugnisse und Teile für industriellen Gebrauch 6,5 6,5 6,5
Isolierung von Metallrohren 2,5 4,7 5,7
Platten 0,2 0,4 0,5
Sonstiges 0,2 0,2 0,2

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau

Wegen hoher Binnennachfrage und Preise in Russland gehen die Polyethylenexporte zurück. Hatte Russland 2000 noch mehr als ein Drittel seiner Polyethylenproduktion exportiert, waren es 2006 nur noch circa 17,5%. Die Einfuhren haben sich dagegen zwischen 2000 und 2006 fast verdreifacht. Der Importanteil am Verbrauch stieg 2006 auf 24,2%. Deutschland hatte 2006 einen Lieferanteil von 5,5% bei HDPE, 6,1% bei LDPE, 5,8% bei LLDPE und 6,1% bei PE-Compounds.

Struktur der Polyethylenimporte 2006 (Anteil in %, Schätzung)
Produkt Anteil in %
HDPE 43,4
PE-Compounds 21,8
LDPE 16,9
LLDPE 15,1
Ethylen/Vinylacetat "Sevilen" 2,8

Quelle: Creon

Einige der russischen Polyethylenhersteller verfolgen ehrgeizige Pläne zum Ausbau und zur Modernisierung ihrer Kapazitäten. Auf den Polyethylenmarkt werden in den nächsten Jahren aber auch einige neue Anbieter kommen. Der größte Hersteller, Kazanorgsyntez, will seine Kapazitäten bis 2011 etwa verdoppeln. Creon-Expertin gibt aber zu bedenken, dass das Unternehmen mit einigen Problemen bei der Versorgung mit Vorprodukten für seine erweiterte Produktion zu kämpfen haben dürfte.

Zuversichtlich über die Realisierung ihres seit über zehn Jahren verfolgten Vorhabens gaben sich Vertreter von OOO Nowourengojskij Gazochemitscheskij Kompleks. Nach Angaben von Walerij Wasilenko, Marketingchef des Unternehmens, ist der Bau einer Anlage für 400.000 t Polyethylen pro Jahr geplant. Die erste Produktion werde es 2010 geben. Das Projekt steht bereits, die Finanzierung der Infrastruktur für 2007 auch. Derzeit würden noch Gespräche über die Finanzierung und über kleinere technische Kennziffern des Vorhabens geführt, darunter auch mit Linde und BASF.

Von umfangreichen Investitionsplänen berichteten auf der Creon-Fachkonferenz "Polyethylen 2007" Mitte Februar 2007 in Moskau auch Vertreter des usbekischen Polyethylenherstellers UDP Schurtanskij Gazo-Chimitscheskij Komplex. In den nächsten Jahren ist die Erweiterung der bestehenden Anlage auf 250.000 t/Jahr und einer weiteren für HDPE oder Polypropylen im Südwesten Usbekistans. Das Unternehmen verfügt über eine kleine Anlage für Kunststoffrohre. Dort wird es um die das Sortiment erweitert. Der lokale usbekische Polyethylenmarkt entwickelt sich gut. Der Binnenbedarf wird auf 90.000 t/Jahr geschätzt. Etwa 70% davon entfallen auf Folienproduktion, 15% auf PE-Rohre, der Rest auf Behälter und Verpackung.

Kapazitäten wichtigster russischer Polyethylenhersteller (2005)
Unternehmen Produktionskapazitäten 2006 in 1.000 t
LDPE insgesamt 618,6
.OAO Kazanorgsintez 198,0
.OAO Tomskij Neftechimitscheskij Kombinat 200,0
.OAO Ufaorgsintez 88,4
.OAO Angarskij Zawod Polimerow 76,8
.OAO Salawatnefteorgsinez 41,0
.OAO NefteChimSevilen 14,4
HDPE insgesamt 735,0
.OOO Stavrolen (Lukoil-Neftechim) 300,0
.OAO Kazanorgsintez 435,0

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon

Prognose für die Entwicklung von Produktionskapazitäten für Polyethylen in Russland (in 1.000 t)
Unternehmen 2006 2008 2011
OOO Stavrolen (Lukoil-Neftechim) 300 300 300
OAO Salawatnefteorgsyntez 41 120 120
OAO Ufaorgsyntez 88,4 88,4 88,4
OAO Kazanorgsyntez 633 858 1.208
OAO Neftechimsevilen 26,4 26,4 26,4
OAO Angarskij Zawod Polymerow 76,8 76,8 76,8
OAO Tomskij NChZ 200 220 220
OAO Nishnekamskneftechim k.A. 230 230
Nowo-Urengojskaja GChK (Gazprom) k.A k.A. 300 *)
OAO Orenburgneftegaz k.A. k.A. 250
OAO Astrachangazprom k.A. k.A. 250

*) nach anderen Angaben 400.000 t

Quelle: Creon

Kontaktanschriften

Kasanorgsintez

ul. Belomorskaja 101, 420051 Kasan, Republik Tatarstan / Russische Föderation

Tel.: 007 843/533 99 75, -533 98 09

E-Mail: , Internet: http://www.kazanorgsintez.ru

 

OOO Salawatnefteorgsintez

ul. Molodogwardejzew 30, 453256 Salawat, Republik Baschkortostan / Russische Föderation

Tel.: 007 34763/528 99, -522 07, Fax: -520 24

E-Mail: , Internet: http://www.snos.ru

 

OAO Nishnekamskneftechim

423574 Nishnekamsk, Republik Tatarstan / Russische Föderation

Tel.: 007 8555/37 70 65, -37 93 09

E-Mail: , Internet: http://www.nknh.ru

 

OOO Nowourengoiskij Nefte-Chimitscheskij Komplex (NGChK)

ul. Jushnaja 2a, 629300 Nowyj Urengoi, Gebiet Tjumen / Russische Föderation

Tel.: 007 34949/401 27, Fax: -403 13

 

OAO Ufaorgsintez

Ordhsonikidzewskij Rayon, 450037 Ufa, Republik Baschkortostan / Russische Föderation

Tel.: 007 347/235 88 37, Fax: -260 52 00

Internet: http://www.uos-rb.ru

 

OAO Orenburgneftegaz

ul. Tereschkowoj 49, 460002 Orenburg / Russische Föderation

Tel.: 007 3532/57 51 52, Fax: -73 11 10

 

Nationale Holdinggesellschaft Uzbekneftegaz (Schurtanskij Gazo-Chimitscheskij Komplex)

ul. Achunbabajewa 21, 70047 Taschkent / Republik Usbekistan

Tel.: 00998 71/133 57 57, -136 02 10, Fax: -136 77 71

E-Mail: , Internet: http://www.uzneftegaz.uz

 

ZAO Creon

Präsident: Dr. Fares Kilzie

Prosp. Universitetskij 9, 119296 Moskau / Russische Föderation

Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08

E-Mail: , Internet: http://www.creon-online.ru, http://www.rcc.ru

(W.L.)

 
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