| Pharmamarkt in Russland um ein Drittel gewachsen | | Drucken | |
Staatliche Einkäufe sorgen für starke Nachfrage / Bedeutung von Naturheilmitteln und Heilkosmetik wächstMoskau (bfai) - Russlands Pharmamarkt ist 2006 um ein Drittel gewachsen. Die Verkäufe erreichten laut dem Marktforschungsinstitut DSM Group ein Volumen von 12,2 Mrd. US$. Besonders die verstärkten Einkäufe des Staates zur Versorgung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen trugen zu dem Boom bei. Außerdem wächst die Bedeutung von Parapharmazeutika. Beim Handel mit Arzneimitteln spielen die Apothekenketten eine immer wichtigere Rolle. Die Zuwächse im russischen Pharmageschäft lagen 2006 weit über dem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes. Nach Berechnungen der DSM Group stieg das Marktvolumen um 30% auf einen Wert von 331 Mrd. Rubel. Auf Dollar-Basis betrug das Plus sogar 35% (Gesamtvolumen: 12,2 Mrd. US$). Die höchsten Umsätze erzielten die Unternehmen Sanofi-Aventis, Novartis und F. Hoffmann-La Roche. Für 2007 erwartet die DSM Group einen Anstieg der Pharma-Umsätze in Russland auf 360 Mrd. Rubel beziehungsweise 14 Mrd. US$. Eine Parallelstudie des Marktforschungsunternehmens Pharmexpert ergab für Russlands Pharmageschäft 2006 ein Umsatzvolumen von 11,5 Mrd. US$. Demnach gab jeder Russe durchschnittlich 81 US$ für Medikamente aus. Das entspricht 2% des verfügbaren Einkommens (zum Vergleich: Europäische Union 7%, USA 9%). Wachstumstreiber war das Programm zur zusätzlichen Arzneimittelversorgung (DLO), durch das einkommensschwache Bevölkerungsgruppen Medikamente vom Staat bezahlt bekommen. Die staatlichen Einkäufe von Arzneimitteln (inklusive Einkäufe der Krankenhäuser) lagen 2006 mit 97,8 Mrd. Rubel (2,87 Mrd. Euro, Jahresdurchschnittskurs 2006: 1 Euro = 34,11 Rubel) deutlich über den ursprünglichen Planungen. Unter den Herstellern profitieren überwiegend ausländische Anbieter wie Janssen-Cilag, Roche und Novartis vom DLO-Programm, über das der Staat pro Empfangsberechtigten etwa 8.000 Rubel zahlte. Darüber hinaus hat nach Angaben der DSM Group im vergangenen Jahr jeder Russe aus eigener Tasche statistisch 1.150 Rubel für Medikamente ausgegeben. Auf die Apotheken entfiel ein Anteil von 49% an den verkauften Arzneimitteln in Russland. Sie verbuchten einen Umsatzzuwachs von 11% auf 163,5 Mrd. Rubel. Gleichzeitig sank die Zahl der verkauften Medikamentenpackungen um 5% auf 3,7 Mrd. Einheiten, was auf einen Trend zu hochwertigeren Arzneimitteln hinweist. Wichtiger Wachstumstreiber sind die Verkäufe von Parapharmazeutika, die 2006 um 37% stiegen und damit bei 64 Mrd. Rubel (1,88 Mrd. Euro) lagen. Zu dieser Gruppe gehören bioaktive Präparate ebenso wie Heilkosmetika und Naturheilmittel. Sie spielen bei den Umsätzen der Apotheken in Russland eine immer wichtigere Rolle. Gleichzeitig nimmt die Konzentration in der Apothekenlandschaft zu. Auf die zehn größten Ketten entfielen 2006 bereits 20% der Umsätze (2002: 5%). Die DSM Group prognostiziert, dass sich ihr Anteil bis 2010 auf 60% erhöhen wird. Marktführer 36,6 gab Anfang 2007 bekannt, die 45 Geschäfte von Atoll-Farm im Ural zu kaufen. Zuvor hatte die Protek-Gruppe, zu der bereits die zweitgrößte Kette Rigla gehört, die Filialen von O3 übernommen. Darüber hinaus plant Rigla in diesem Jahr die Eröffnung von mindestens 15 neuen Apotheken im Ural. Das bislang auf den Raum St. Petersburg konzentrierte Unternehmen Farmakor will 2007 vor allem in Südrussland wachsen und dort 25 neue Filialen eröffnen. Neue Geschäftsfelder erschließt sich Russlands führende Apotheke 36,6. Das Unternehmen hatte im Sommer 2006 nicht nur vier Konkurrenten mit über 160 Filialen aufgekauft, sondern auch eine Privatklinik in Moskau. Außerdem will der Marktführer kleinere Arztpraxen in seinen Apotheken einrichten, beispielsweise für Zahnbehandlungen, Blut- oder Ultraschalluntersuchungen. Das Unternehmen ist ebenso am Arzneimittelhersteller Werofarm beteiligt, der für 36,6 Medikamente mit eigener Handelsmarke produziert. Insgesamt gibt es im Land rund 15 Apothekenketten mit jeweils mehr als 50 Filialen. In der Hauptstadt Moskau ist die Apothekendichte im Zentrum und den angrenzenden Stadtbezirken inzwischen so stark, dass auf ein Geschäft nur noch 1.500 potenzielle Kunden kommen, berichtet Pharmexpert. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens gehören immer noch 25 bis 30% aller russischen Apotheken den Kommunen oder anderen Gebietskörperschaften, die nur langsam ihre Filialen privatisieren.
1) Zum Ende des 3. Quartals 2006; 2) Die Netto-Verkäufe des Marktführers 36,6 lagen im 1. Halbjahr 2006 bei 217,6 Mio. US$; 3) gehört inzwischen zusammen mit Rigla zur Protek-Gruppe Quelle: Marktforschungsunternehmen ZMI Pharmexpert
Quelle: ZMI Pharmexpert
Für die Importeure von Arzneimitteln in Russland aber auch für einheimische Hersteller haben sich zum 1.1.07 die Regeln geändert. Die Produkte benötigen nun statt der Pflichtzertifizierung eine Konformitätserklärung des Lieferanten. Darin muss die Qualität und Ungefährlichkeit der Medikamente bestätigt und durch Dokumente nachgewiesen werden. Die russischen Behörden begründeten diesen Schritt mit der Annäherung an die Normen der Welthandelsorganisation (WTO). |
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