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Neue Pipelines und Raffinerien in Russland verschaffen Anlagenbauern gute AufträgeÖlkonzerne wollen Verarbeitungstiefe des Rohöls vergrößern / Milliardenauftrag für deutsches GroßrohrwerkMoskau (bfai) - Russlands Reichtum an Öl und Gas sorgt auch in den kommenden Jahren für Milliardeninvestitionen in neue Raffinerien und Pipelines. Häufig setzen die Rohstoffkonzerne dabei auf ausländische Partner, um die gewaltigen Projekte zu stemmen. Deutsche Unternehmen sind als Lieferanten für Anlagen und Rohre gut im Geschäft. Sie produzieren zum Beispiel die Röhren für die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream. Russische Ölkonzerne wollen in Zukunft mehr Wertschöpfung durch Verarbeitung in Raffinerien erzielen, statt einfach Rohöl zu exportieren. Im 1. Halbjahr 2007 lag der Anteil des verarbeiteten Rohöls in Russland bei 45,9% der Gesamtförderung. Das war ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum (44,9%). Die Regierung könnte die Vergabe von Lizenzen für neue Lagerstätten künftig mit der Verpflichtung verbinden, auch Verarbeitungskapazitäten für Öl aufzubauen. Größter Raffineriebetreiber im Land ist Lukoil. Der Konzern will in den nächsten fünf bis sieben Jahren seine Rohölverarbeitung um bis zu 12 Mio. jato (Jahrestonnen) erhöhen. Laut Experten liegen die nötigen Investitionen dafür in Russland bei 150 bis 200 US$ je Tonne. Das Unternehmen will auch die Produktqualität verbessern und unter anderem Benzin herstellen, das den Normen Euro-3 bis Euro-5 entspricht. Aktuell steht zum Beispiel die Modernisierung der Raffinerien Kstowo bei Nischnij Nowgorod und Perm im Ural an. Wettbewerber TNK-BP steckt bis 2012 über 1 Mrd. US$ in die Raffinerien Saratow und Rjasan sowie im ukrainischen Lisitschansk. Ziel ist es, den Ausstoß an Kraftstoffen deutlich zu erhöhen. Pläne für eine neue Raffinerie hat die britische Imperial Energy, die über mehrere Lagerstätten in Russland verfügt. In der Oblast Tomsk will das Unternehmen laut Presseberichten Verarbeitungskapazitäten von mindestens 1 Mio. jato aufbauen. Rund 1 Mrd. US$ beabsichtigt die Ölgesellschaft Alliance in die Modernisierung ihrer Raffinerie in Chabarowsk zu stecken. Dafür hat die spanische Técnicas Reunidas bereits einen Großauftrag unter anderem für Anlagen zur Hydroraffination bekommen. Ölkonzern Rosneft will nach Angaben der Gebietsverwaltung von Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus eine neue Raffinerie bauen. Die Jahreskapazität soll bei 3 Mio. Tonnen Benzin liegen. Rosneft liegt bei der Verarbeitungsquote seines Rohöls derzeit noch deutlich hinter Lukoil und will diesen Rückstand in den nächsten Jahren aufholen. Neben dem Ausbau der Verarbeitungskapazitäten für Rohstoffe forciert Russland den Pipelinebau. Um mehr Öl und Gas ins Ausland zu verkaufen, ist das Land auf eine Erweiterung des Leitungsnetzes angewiesen. Beim Öltransport gibt es derzeit Pläne für eine Leitung von Unetscha (Oblast Brjansk) zum russischen Ostseehafen Primorsk (Projektname BTS-2). Von Primorsk aus soll das Öl auf Tanker verladen und nach Westeuropa verschifft werden. Das Vorhaben umfasst eine über 1.100 Kilometer lange Trasse mit einer Transportkapazität von 35 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Geplant ist auch ein Abzweig zum Hafen Ust-Luga, der weitere 15 Millionen Tonnen aufnehmen könnte. Die Gesamtkosten werden auf rund 2,3 Milliarden US$ geschätzt. Derzeit laufen im Industrieministerium Überlegungen, in Ust-Luga zusätzlich eine Raffinerie zu bauen. Das Projekt wäre eine Alternative zur "Druschba"-Trasse, die derzeit über belarussisches Territorium nach Europa führt. In östlicher Richtung soll bis Ende 2008 ein erster Abschnitt der geplanten Ölleitung Ostsibirien-Pazifik (WSTO) fertig gestellt sein. Dieser führt über 2.700 Kilometer von Tajschet (Oblast Irkutsk) bis nach Skoworodino (Amurskaja Oblast). Von dort wird das Öl über die Transsib-Eisenbahntrasse bis an den Pazifikhafen Kosmino bei Nachodka weitertransportiert. Die Gesamtlänge der WSTO beträgt damit über 4.770 Kilometer, die erwartete Transportkapazität liegt bei 80 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Derzeit gibt es allerdings Verzögerungen beim ersten Bauabschnitt, so dass unklar ist, ob der Zeitplan eingehalten wird. Die nötigen Investitionen für das Gesamtvorhaben mussten zuletzt immer wieder nach oben korrigiert werden. Inzwischen rechnen die Projektinitiatoren mit einem Finanzbedarf der WSTO von 12,5 Milliarden US$. Ähnlich große Vorhaben gibt es für den Gastransport. Zusammen mit dem italienischen Konzern Eni will Gasprom die so genannte South Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer bis an die bulgarische Küste bauen. Von dort soll ein Abzweig in die Balkanländer bis nach Österreich und Tschechien führen, ein anderer durch Bulgarien bis nach Süditalien. Das Projekt kostet nach derzeitigen Berechnungen rund 10 Milliarden US$ und wird eine Transportkapazität von 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr haben. Die Machbarkeitsstudie soll bis Sommer 2008 abgeschlossen sein. Eines der wichtigsten Vorhaben ist die Ostsee-Pipeline (Nord Stream) von Wyborg nach Lubmin bei Greifswald. Die 1.200 Kilometer lange Trasse ist ein Gemeinschaftsprojekt von Gasprom, der BASF-Tochter Wintershall und Eon Ruhrgas. Seit Herbst 2007 ist auch die niederländische Gasunie an dem Konsortium beteiligt. Die rund 5 Milliarden Euro teure Rohrleitung hat laut den Plänen in einer ersten Ausbaustufe ab 2010 eine Jahreskapazität von 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Ab 2013 könnte die Pipeline dann sogar bis zu 55 Milliarden Kubikmeter von Russland nach Europa transportieren. Der Boom beim Pipelinebau verhilft russischen Metallurgiekonzernen zu steigenden Absatzzahlen. In den ersten neun Monaten ist die Produktion von Stahlrohren im Land um über 15% gestiegen. Schon 2006 wurden in Russland laut Statistikbehörde etwa 7,9 Millionen Tonnen Röhren gefertigt und damit zweistellige Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Um ihre Kapazitäten zu erhöhen und die verschlissene Technik zu ersetzen, müssen die russischen Walzwerke kräftig investieren. Davon profitieren deutsche Anlagenbauer wie SMS Meer besonders, da es in Russland kaum Anbieter von entsprechender Ausrüstung gibt. Laut Branchenexperten investieren russische Röhrenhersteller im Zeitraum 2005 bis 2010 insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro in ihre Produktion. Deutsche Unternehmen liefern aber nicht nur die Fertigungsausrüstungen, sondern zum Teil auch die Rohre selbst. So hat das Nord Stream-Konsortium Anfang November 2007 einen Lieferauftrag im Wert von rund 1 Milliarde Euro an Europipe aus Mühlheim an der Ruhr vergeben. Das Unternehmen wird 860.000 Tonnen hochwertige Stahlrohre für den ersten Leitungsstrang liefern, was etwa 75% des für die Strecke nach Lubmin benötigten Materials entspricht. Das restliche Viertel bezieht Nord Stream beim russischen Metallurgieunternehmen OMK. Für Europipe war es der bisher größte Einzelauftrag, der für 18 Monate eine Kapazitätsauslastung des Mühlheimer Werkes von 40% bedeutet. Auch die Deutsche Bahn profitiert vom Pipelinebau in Russland: Sie wird den Transport der Röhren Richtung Saßnitz/Mukran sowie zur Verschiffung nach Bremen übernehmen. (S.Z.) |
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