Zur russischen Version RU  
 
    ÜBER UNS | KONTAKTHome arrow Weitere Informationen arrow Wirtschaft arrow Muellverwertung wird zum heissen Thema in Russland  
Freitag, 18. 05. 2012. - 14:57
Menü
Handels- und Industriekammer Russland (HIK)
Weitere Informationen
Kontakt
Leipziger Str. 63
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 204 42 02
Fax: +49 (0)30 204 50 201
E-Mail: info∫@∫hik-russland.de
Newsletter



Suche
Login/Registrierung
Loggen Sie sich ein, um Ihre Einträge zu editieren.





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Hier erstellen
Muellverwertung wird zum heissen Thema in Russland | Drucken |

Deponien platzen aus allen Nähten / Abfalltechnologien aus Deutschland gefragt / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Die Abfall- und Abwasserentsorgung wird für russische Gemeinden ein immer dringenderes Problem. Die Deponien haben vielerorts ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, so dass Müllverbrennung, -sortierung und -verarbeitung stärker auf die Tagesordnung rücken. Im Abwasserbereich sind neue Anlagen zur Klärschlammentsorgung, aber auch dezentrale Lösungen gefragt, wie die Moskauer Fachmesse "WasteTech" Ende Mai 2007 gezeigt hat. (Kontaktanschriften)

Jährlich fallen in Russland rund 3,4 Mrd. t Abfall an, davon 36 Mio. t Hausmüll. Laut Branchenexperten wird nur ein Drittel davon recycelt oder thermisch aufbereitet. Bei Hausmüll soll diese Quote sogar nur bei 3 bis 4% liegen, in Moskau immerhin bei rund einem Viertel.

Russlands Hauptstadt ist mit jährlich über 3 Mio. t der größte Hausmüllproduzent des Landes. Eine Mülltrennung durch die Verbraucher findet derzeit nicht statt und ist auch mittelfristig nicht zu erwarten. Vielmehr setzen sich allmählich Bringsysteme durch, durch die zum Beispiel Getränkedosen und PET-Flaschen in Sammelbehältern erfasst werden (durch Zahlung eines kleinen Geldbetrages).

"Angesichts der hohen Weltmarktpreise für Schrott oder Kunststoffe kann man in Russland mit einigen Abfallarten durchaus Geld verdienen", glaubt Markus Heering von der Fachabteilung Abfall- und Recyclingtechnik beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Die Anschaffung entsprechender Maschinen zur Kunststofferfassung und -aufbereitung könnte sich da schon nach zwei bis drei Jahren amortisieren. Allerdings gebe es in Russland immer noch keinen gesetzlichen Rahmen, der die Abfallverwertung zwingend vorschreibe, sagte Heering am Rande der Moskauer Fachmesse "WasteTech-2007" (29.5. bis 1.6.07).

Große Zukunftschancen sieht der VDMA-Experte in Russland beim Einsatz von Abfällen als Ersatzbrennstoff, etwa zum Einsatz in Zementwerken. Dafür sei das Abfallaufkommen aber noch nicht sortenrein genug. Auch die Separierung und Kompostierung von Bioabfällen werde an Bedeutung gewinnen.

Ins Geschäft bei der ersten Stufe der Müllerfassung will das Unternehmen Syscon aus dem Siegerland kommen. Während in Russland bislang verzinkte Stahlbehälter zur Müllsammlung in Wohngebieten dominieren, bietet Syscon Kunststofftonnen an. Allerdings seien die Russen noch misstrauisch, was deren Frost- und Feuerbeständigkeit anbelangt, erklärt Geschäftsführer Lucian Rösler. Dabei kosteten die Polyethylenbehälter teilweise nur ein Viertel der Stahlvariante. Um den Verkauf in Russland anzukurbeln, plant Syscon nun eine eigene Vertretung in Russland. Einen Schritt weiter ist bereits die Otto Kunststoffverarbeitung GmbH, die ab 2007 in Nischnij Nowgorod Müllcontainer aus Kunststoff produzieren will.

Der Bedarf an Abfalltechnik in Russlands Regionen wird zunehmen, da die wachsenden Müllberge die Kommunen zum Handeln zwingen. Die tatarische Hauptstadt Kasan baut bis Mitte 2008 zwei Werke zur Müllsortierung und hat für 11 Mio. Euro Sieb- und Pressanlagen bei einem spanischen Unternehmen gekauft. Jährlich sollen 400.000 t Hausmüll aufbereitet und Wertstoffe wie Altpapier, Glas und Kunststoffe herausgefiltert werden.

Prekär ist das Müllproblem auch für die Region Kaliningrad aufgrund ihrer Lage als Exklave Russlands. Da die offiziell über 160 Hausmülldeponien der Oblast aus allen Nähten platzen, investiert die Gebietsverwaltung verstärkt in die Müllverarbeitung. Geplant sind unter anderem 65 Vorsortierstationen sowie eine Recyclinganlage zur Aufbereitung von Wertstoffen. Die Ausschreibungen dafür laufen bereits.

Radikaler will die Hauptstadt Moskau das Abfallproblem angehen. Bis 2011 sollen in jedem der zehn Stadtbezirke Müllverbrennungsanlagen stehen und 90% des anfallenden Hausmülls verarbeiten, so ein Plan des Bürgermeisters. Derzeit arbeiten drei solcher Werke in der Metropole.

Das südrussische Gebiet Krasnodar will bis 2014 gleich 14 Müllverbrennungsanlagen errichten. Ein erstes Projekt mit einer Jahreskapazität von 100.000 t soll ab diesem Jahr laut Presseberichten für 25 Mio. Euro in dem Schwarzmeerort Tuapse gebaut werden.

Lieferchancen bietet auch die Abwasseraufbereitung, die ähnlich dringend wie das Müllproblem von Russlands Kommunen angegangen werden muss. Über gute Geschäfte berichtet zum Beispiel das bayerische Unternehmen Flottweg. Während bislang vor allem russische Industriekunden aus der Ölverarbeitung Zentrifugen zur Fest-Flüssigtrennung gekauft haben, gebe es jetzt ein steigendes Interesse von städtischen Entsorgungsunternehmen, sagt Verkaufs- und Verfahrensingenieur Klaus Peisl und ergänzt: "Hier wird jetzt richtig Geld in die Hand genommen." So habe Flottweg unter anderem einen Auftrag aus Sankt Petersburg bekommen.

Die Newa-Metropole ist auch Vorreiter bei der Klärschlammverbrennung. Im Südwesten der Stadt gehen Mitte 2007 zwei Linien in Betrieb, die von der Bamag GmbH aus dem hessischen Butzbach geplant und geliefert wurden. Die Anlage mit einem Tagesdurchsatz von 44 Tonnen wurde über das Tacis-Projekt der Europäischen Union finanziert und hat rund 35 Mio. Euro gekostet.

Klärschlamm wurde in Sankt Petersburg bislang in die Ostsee geleitet, in Moskau wird er deponiert. Doch allmählich findet zumindest in großen Kommunen des Landes ein Umdenken statt. "Die Deponieflächen wachsen immer stärker in die Städte hinein und der Abtransport von Müll wird angesichts der Verkehrsprobleme schwieriger", begründet Gerd Garlipp, Senior Ingenieur Verfahrenstechnik bei Bamag.

Auf dezentrale Lösungen für Russlands Abwasserentsorgung setzen die Buxtehuder Unternehmen Köver und Delphin Water Systems. Deren Kleinkläranlagen können in abgelegenen Häusern oder ganzen Dörfern ohne zentrale Abwasserentsorgung eingesetzt werden. Auch mobile Systeme, zum Beispiele für Siedlungen im ölreichen Norden Russland, haben die Unternehmen schon verkauft. Jetzt hoffen die Niedersachsen auf Aufträge aus dem Kurort Sotschi, der die Abwässer aus den besiedelten Kaukasushängen nicht mehr unkontrolliert ins Schwarze Meer fließen lassen will.

Laut den Veranstaltern der Fachmesse "WasteTech" hat Russlands Markt für Umwelttechnologien und -ausrüstungen ein Volumen von 640 Mio. US$., bei jährlichen Wachstumsraten von 65%. Nur 40% des Geschäfts wickeln einheimische Hersteller ab. Wichtigster Lieferant von Umwelttechnologien für die russische Abfall- und Abwasserwirtschaft ist Deutschland, auf das ein Fünftel der Einfuhren entfallen. Es folgen italienische, schwedische und US-amerikanische Unternehmen.

Kontaktanschriften

Ekotechprom

(zuständig für Hausmüllentsorgung in Moskau)

Uliza Bolschaja Poljanka 42, 109180 Moskau

Tel.: 007/495/238 40 00, Fax: -238 57 10

E-Mail: , Internet: http://www.eco-pro.ru

Promotchody

(zuständig für Entsorgung von Industrieabfällen in Moskau)

Uliza Bolschaja Jakimanka 5/6, Gebäude 1, 119180 Moskau

Tel.: 007/495/230 01 01, Fax: -959 13 68

Internet: http://www.promotkhody.ru

(S.Z.)


 
< zurück   weiter >