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Moskauer Energieversorger baut neue Gaskraftwerke | Drucken |

Lieferchancen bei Rohrleitungen und Heizkostenzählern / Ausnutzung der Kraft-Wärmekopplung / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Das Moskauer Vereinigte Energieunternehmen MOEK will zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten im Großraum der russischen Hauptstadt schaffen sowie bestehende Heizkraftwerke sanieren. Dafür sollen in den nächsten Jahren mehr als 5 Milliarden Euro investiert werden. Außerdem erneuert das Unternehmen mit Hochdruck die Wärmeleitungstrassen der Metropole und rüstet die Gebäude mit Heizkostenzählern aus.

Das Moskauer Vereinigte Energieunternehmen MOEK plant große Investitionen in die Errichtung von Kraftwerken auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung, um so der Stromknappheit in der Stadt zu begegnen. Dafür sollen auf den bestehenden Grundstücken der Moskauer Heizkraftwerke zusätzliche Kapazitäten zur Elektrizitätserzeugung durch Gasturbinen entstehen. Von den rund 70 Heizkraftwerken, die MOEK betreibt, sollen 14 erweitert werden. Die Leistung der zusätzlich installierten Stromerzeugung wird knapp 1.200 MW betragen. Neben dem Einbau von Gasturbinen wird gleichzeitig auch die Erzeugung von Heizenergie optimiert und erneuert.

Für weitere sieben Standorte in Moskauer Industriegebieten hat MOEK eine potenzielle Leistung von 3.550 MW für neue Kraftwerke errechnet, die innerhalb von drei bis fünf Jahren entstehen könnten. Alle Vorhaben an den 21 Standorten zusammen ergäben eine Investitionssumme von mehr als 5 Mrd. Euro.

Moskauer Heizkraftwerke, die für eine Sanierung und den Einbau von Gasturbinen vorgesehen sind
Bezeichnung/Standort Leistung Geplanter Abschluss der Umbauarbeiten Vorläufige Kostenplanung in Mio. Rubel*)
Nowomoskowskaya 146 MW + 47 Gcal/h 2009 1.200
Juschnoje Butowo 36 MW + 69 Gcal/h 2008 1.800
Lenino Datschnoje 146 MW + 47 Gcal/h 2009 6.700
Nischnije Kotly 24 MW + 240 Gcal/h 2015 1.400
Tuschino-1 24 MW + 40 Gcal/h 2008 1.200
Tuschino-2 219 MW + 70 Gcal/h 2009 10.000
Wolchonka-SIL 80 MW + 25 Gcal/h 2010 3.700
DTS-11 80 MW + 25 Gcal/h 2009 3.700
Freser 12 MW + 24 Gcal/h 2011 600
Krylatskoje 24 MW + 40 Gcal/h 2008 1.200
Otradnoje 24 MW + 480 Gcal/h 2010 1.300
Sewernaja 146 MW + 35 Gcal/h 2010 6.700
Krasny stroitelj 90 MW + 240 Gcal/h 2013 4.200
RTS-1 Selenograd 146 MW + 47 Gcal/h 2011 6.700
Insgesamt 1.197 MW + 1.420 Gcal/h 50.400

*) 1 Euro = 34,71 Rubel, Stand: 22.12.06

Quelle: MOEK

Geplante Gaskraftwerke in Moskauer Industriegebieten
Bezeichnung/Standort Leistung Geplanter Abschluss der Umbauarbeiten Vorläufige Kostenplanung in Mio. Rubel*)
Juschnoje Butowo (Eisenbahntestgelände) 370 MW + 200 Gcal/h 2010 13.500
Juschnoje Butowo (an der Kreuzung Warschawskoje Schosse und Eisenbahnlinie nach Kursk) 370 MW + 200 Gcal/h 2010 13.500
Kosino-Uchtomskij 370 MW + 200 Gcal/h 2010 13.500
Presnenskij 370 MW + 200 Gcal/h 2010 13.500
Ostankinskij 700 MW + 500 Gcal/h 2010 25.500
Fileewskij 370 MW + 200 Gcal/h 2009 13.500
Podreskowo 1.000 MW + 550 Gcal/h 2010 36.500
Insgesamt 3.550 MW + 2.050 Gcal/h 129.500

*) 1 Euro = 34,71 Rubel, Stand: 22.12.06

Quelle: MOEK

Nach Angaben von MOEK-Vizedirektor Alexander Remesow kann ein Teil der Investitionen aus den laufenden Gewinnen des Unternehmens aufgebracht werden. Außerdem suche der Energieversorger strategische Investoren für das Großprojekt. Mehrere ausländische Banken - unter anderem aus Skandinavien und der Schweiz - seien bereits an der Finanzierung der Vorhaben interessiert.

Schon 2006 hat MOEK rund 8,3 Mrd. Rubel (etwa 240 Mio. Euro, Stand 22.12.06: 1 Euro = 34,71 Rubel) in die Modernisierung seiner Heizkraftwerke und in Wärmetrassen investiert. Letztere sollen auch künftig ein Schwerpunkt der Investitionstätigkeit sein. Nach Angaben von MOEK müssten in Moskau noch 4.435 Kilometer Versorgungsnetz durch moderne Rohre aus Polyethylen und rostfreiem Wellblechstahl mit Isolierung aus Schaumpolyurethan ersetzt werden. Dafür seien 34 Mrd. Rubel notwendig. Zurzeit investiert das Unternehmen pro Jahr 2 Mrd. Rubel in neue Wärmeleitungen, wobei durch die Verringerung von Havarien und Transportverlusten ein jährlicher Einspareffekt von 800 Mio. Rubel entsteht.

Bei der weiteren Erneuerung der Leitungen will sich MOEK zunächst auf die Rohre mit kleinerem Durchmesser bis 200 mm konzentrieren. Nach Unternehmensangaben erfüllen derzeit nur drei Moskauer Hersteller von Schaumpolyurethan die Qualitätsanforderungen. Die neuen Leitungen müssen eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren haben. Die bisherigen waren in der Regel nach sieben bis zehn Jahren verschlissen.

Weiterhin plant MOEK, an 2.000 von insgesamt 8.000 Heizstationen neue frequenzgeregelte Pumpenantriebe für die Wasserversorgung der Moskauer Haushalte zu installieren. Dafür sind 1,4 Mrd. Rubel vorgesehen. Da bei dieser Technik der Einspareffekt durch geringeren Energieverbrauch und weniger Wasserverluste besonders hoch sei, rechnet MOEK damit, dass sich die Investitionen bereits nach einem halben Jahr amortisieren.

Das Energieunternehmen MOEK entstand Ende 2004, um die Wärmeversorger der russischen Hauptstadt in einem Unternehmen zu bündeln und so die Investitionstätigkeit zu optimieren. Die Aktiengesellschaft gehörte bislang zu 100% der Stadt Moskau. Durch eine 2007 anstehende Kapitalerhöhung wird dieser Anteil nach russischen Presseberichten auf rund 80% sinken. Im Gegenzug soll MOEK die Kontrolle des Wärmeleitungsnetzes in Moskau von den Konzernen RAO EES und Gasprom erhalten.

Die Heizkosten für Endverbraucher in Moskau steigen 2007 um 13,6% gegenüber dem Vorjahr. Laut MOEK müssen Privathaushalte mit Heizkostenzählern dann 620 Rubel/Gcal für die Wärmeversorgung zahlen, Einzelunternehmer und Hausbesitzer 786 Rubel/Gcal und Großverbraucher 542 Rubel/Gcal. Wie MOEK-Vizedirektor Remesow Ende Dezember 2006 mitteilte, seien in 20.000 der rund 24.000 Moskauer Gebäude inzwischen Heizkostenzähler eingebaut. Der Rest der Häuser soll möglichst schnell nachgerüstet werden.

 
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