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Kapitalspritze für Russlands Landwirtschaft | Drucken |


Moskau subventioniert den Agrarsektor bis 2012 mit 16 Mrd. Euro / Ausrüstungen der Pflanzen- und Tierproduzenten stark verschlissen

Moskau (bfai) - Russland stockt seine Haushaltsmittel für die Landwirtschaft deutlich auf und stellt der Branche in den nächsten fünf Jahren umgerechnet fast 16 Mrd. Euro zur Verfügung. Damit will Moskau vor allem die Produktivität des Agrarsektors erhöhen, was Landtechnikherstellern gute Geschäftschancen eröffnet. Besonders bei der Viehzucht erhofft sich die Regierung hohe Wachstumsraten. Außerdem soll der Lebensstandard im ländlichen Raum steigen. (Kontaktanschrift)

Russlands Regierung will der darbenden Landwirtschaft in den nächsten fünf Jahren 551 Mrd. Rubel (rund 15,7 Mrd. Euro, Kurs am 17.7.07: 1 Euro = 35,07 Rubel) zur Verfügung stellen. Das wäre eine Verdreifachung der Subventionen im Vergleich zu den Vorjahren. Eine ähnlich große Summe soll aus den Regionalhaushalten dazu kommen, so dass die Landwirte mit Zuschüssen von 1 Billion Rubel rechnen können.

Der öffentliche Geldregen hat seinen Grund, denn seit Jahren bleibt das Wachstum des russischen Agrarsektors hinter der Dynamik der Gesamtwirtschaft zurück. So legte die Landwirtschaftsproduktion 2006 nur um 2,8% zu (BIP-Zuwachs 2006: 6,7%). Auch 2007 setzt sich die Entwicklung mit ähnlich schwachen Wachstumsraten fort. Das hat ernste Folgen für den ländlichen Raum, in dem die Lebenserwartung niedriger und die Zahl der unter dem Existenzminimum lebenden Menschen deutlich höher ist als in den Städten. Längst ist das Agrarbusiness größtes Sorgenkind in Russlands ansonsten stark boomender Wirtschaft.

Rückstand der Landwirtschaft am Beispiel wichtiger Indikatoren (2006)

in der Landwirtschaft in Russland insgesamt
Anteil der unrentablen Unternehmen, in % 35,1 29,7
Durchschnittsrendite der verkauften Produkte und Dienstleistungen, in % 9,5 12,3
Durchschnittliches Monatseinkommen, in Rubel 4.300 10.700
Lebenserwartung, 2005, in Jahren 63,4 66,0
Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, 2005, in % 48,1 28,2
Arbeitslosigkeit, 2005, in % 11,4 5,9

Quelle: Russisches Landwirtschaftsministerium

Das neue Fünfjahresprogramm bis 2012 legt einen Schwerpunkt auf die Entwicklung des ländlichen Raums, in den über 100 Mrd. Rubel fließen sollen. Die meisten Gelder werden aber für zinsvergünstigte Kredite zum Kauf moderner Landtechnik zur Verfügung stehen. Agrarminister Alexej Gordejew hatte im Juni 2007 angekündigt, dass die Landwirte ab 2008 langfristige Darlehen mit einem Zinssatz von 10% bei russischen Banken bekommen könnten. Zwei Drittel der Zinsen würden dabei aus dem föderalen Haushalt bezahlt, der Rest möglichst aus Regionalbudgets.

Auf die Kreditierung des Agrarsektors hat sich in Russland vor allem die zu 100% staatliche Rosselchosbank (www.rshb.ru) spezialisiert, die Darlehen mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren vergibt. Hersteller von Landtechnik, die den Kunden der Bank Ausrüstungen verkaufen wollen, müssen bei der Rosselchosbank als Lieferanten akkreditiert sein. Beim Leasing von Zuchtvieh und Landtechnik ist besonders die Gesellschaft Rosagroleasing (www.rosagroleasing.ru) aktiv, die seit 2002 rund 10.000 Mähdrescher und 7.000 Traktoren an russische Agrarbetriebe verleast hat.

Verteilung der geplanten staatlichen Subventionen für die Landwirtschaft

Mittel aus dem Staatshaushalt 2008 bis 2012 in Mrd. Rubel
Gesamt 551,28
..Entwicklung des ländlichen Raums 112,37
..Effizienzsteigerungen in der Landwirtschaft, u.a. Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit 66,55
..Vorrangige Untersektoren der Landwirtschaft entwickeln (Verarbeitungsbetriebe etc.) 72,66
..Sicherung der Finanzkraft von Agrarbetrieben, u.a. erleichterter Zugang zu Krediten 292,69
..Regulierung des Absatzmarktes für Agrarprodukte, u.a. finanzieller Ausgleich von Preisschwankungen 7,01

Quelle: Russisches Landwirtschaftsministerium

Das Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass durch das Staatsprogramm die Agrarproduktion bis 2012 um 22% wächst, die Fleischerzeugung sogar um 28% (im Vergleich zu 2007). Im Zeitraum 2008 bis 2012 sollen die Anlageinvestitionen in den Sektor um zwei Drittel zulegen und sich die Einkommen der Landbevölkerung verdoppeln. Nach den Plänen der Regierung wird sich der Anteil einheimischer Hersteller bei Fleisch- und Fleischprodukten von 59% (2007) auf 70% (2012) erhöhen, bei Milch- und Milchprodukten von 78 auf 81%.

Doch der Weg dorthin ist steinig, weil die Landtechnik stark veraltet und verschlissen ist. Von den etwa 76.500 Mähdreschern in Russland ist nur gut die Hälfte einsatzfähig. Hinzu kommt der geringe Mechanisierungsgrad. Laut Landwirtschaftsministerium setzen Agrarbetriebe in der EU zwanzigmal mehr Traktoren auf 1.000 ha Nutzfläche ein als Russlands Landwirte (106 statt 5). Bei Mähdreschern liegt das Missverhältnis bei 21 zu 4. Dank des ab 2008 laufenden Investitionsprogramms soll daher auch die Arbeitsproduktivität in der Branche steigen (bis 2012 um 28%), wobei der Schwerpunkt auf der Anschaffung neuer Traktoren, Mähdrescher und Feldhäcksler liegt.

Ausrüstung des russischen Agrarsektors mit Landtechnik (per 1.6.07)

Stückzahl Davon einsatzfähig (in %)
Traktoren 444.900 86
Mähmaschinen 43.500 72
Schwadmäher 28.900 66
Mähdrescher 76.500 56
Feldhäcksler 21.500 66

Quelle: Rosstat nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums

Die Landwirtschaft ist neben dem Wohnungsbau, dem Gesundheitswesen und der Bildung eines der vier nationalen Vorrangprojekte Russlands, die 2005 aus der Taufe gehoben wurden. Das Projekt "Entwicklung des agrarindustriellen Komplexes" verfolgt drei Ziele: die Entwicklung der Tierproduktion, die Förderung von kleinen Landwirtschaftsbetrieben und die Schaffung von 1,4 Mio. qm Wohnraum für Agrarfachkräfte und deren Familien.

Experten kritisieren, dass bei allen Anstrengungen die Entwicklung der ländlichen Transportinfrastruktur vergessen wurde. So sei jedes dritte russische Dorf nicht über eine feste Straße mit den Hauptmagistralen des Landes verbunden. Auch der Aufbau von Verarbeitungskapazitäten, etwa für die steigende Fleischproduktion, sei in den Programmen unzureichend berücksichtigt.

Kontaktanschrift

Ministerstwo selskogo chosjajstwa Rossijskoij Federazii

(Landwirtschaftsministerium der Russischen Föderation)

Orlikow pereulok 1/11, 107139 Moskau

Tel.: 007 495/207-81 10, Fax: -83 62

E-Mail: info@gov.mcx.ru, Internet: www.mcs.ru

(S.Z.)

 
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