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Erste deutsche Pkw-Fabrik in Russland eroeffnet | Drucken |


Erste deutsche Pkw-Fabrik in Russland eröffnet

Volkswagen startet Fahrzeugproduktion in Kaluga / Marktvolumen verdoppelt sich bis 2011 / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Die Volkswagen AG hat Ende November 2007 als erster deutscher Automobilhersteller eine eigene Fertigungsstätte in Russland eröffnet. In der Fabrik bei Kaluga sollen ab 2008 rund 66.000 Fahrzeuge produziert werden. Ab 2009 ist ein Jahresvolumen von 150.000 Pkw geplant. Der Konzern reagiert damit auf den dynamischen Anstieg der Verkaufszahlen in Russland, das spätestens 2011 größter Absatzmarkt in Europa sein könnte. Bislang rangieren deutsche Hersteller bei den Neuzulassungen nur im Mittelfeld.

Volkswagen hat in Russland enormen Nachholbedarf. In den ersten neun Monaten 2007 belegten Pkw der Marke VW nur Rang 14 der Zulassungsstatistik für ausländische Neuwagen. Konzertochter Skoda lag auf Rang 16. Selbst der chinesische Hersteller Chery setzt in Russland mehr Neufahrzeuge ab als Volkswagen (nicht Gesamtkonzern). Insgesamt wurden von Januar bis September 2007 im Land 1,15 Mio. Neuwagen ausländischer Hersteller verkauft, ein Plus von 65% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Von den Marktführern Chevrolet, Ford und Toyota sind die deutschen Modelle weit entfernt. Hersteller wie General Motors, Ford oder Renault profitieren davon, dass sie in Russland bereits über eigene Fertigungsstätten verfügen und damit preisgünstige Wagen anbieten können.

Die Fabriken ausländischer Produzenten sind das Zugpferd der russischen Automobilindustrie. Sie wachsen äußerst dynamisch, während die traditionellen einheimischen Unternehmen wie AvtoVaz oder GAZ ihren Ausstoß verringern. Die Montage ausländischer Modelle ist in den ersten drei Quartalen 2007 deutlich mit 74% gewachsen, die Produktion russischer Pkw sank um fast 9%.

Von Januar bis September 2007 wurden in Russland 936.000 Pkw produziert, ein Plus von 9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits ein Drittel davon waren Fahrzeuge ausländischer Marken, wobei allein auf die russischen Fabriken von Ford und Renault zusammen über 100.000 Autos entfielen.

Russische Pkw-Produktion (Januar bis September 2007)
Hersteller Produktionsvolumen Januar bis September 2007 Veränderung gegenüber Vorjahresperiode in %
Russische Modelle

AvtoVAZ 538.366 -5,4
IschAwto 55.962 44,9
GAZ (nur Pkw) 30.847 -20,0
AMO ZIL 6.614 37,8
Serpuchowski awtosawod 3.022 -62,8
Produktion ausländischer Modelle in Russland

Awtotor (u.a. BMW und Kia) 72.276 199,1
Ford 53.675 29,9
Awtoframos (Renault) 48.887 42,4
TAGAZ (Hyundai) 46.209 79,5
GM-AvtoVAZ 39.523 13,7
IschAwto (Kia) 38.587 116,2
Zawod mikrolitraschnych awtomobilej (Fiat, SssangYong) 16.941 802,1
GM Awto (Chevrolet, Opel) 3.709 k.A.

Quelle: Prime-Tass nach Angaben der Awtoselchosmasch-Holding

Trotz des Engagements ausländischer Investoren deckt die Inlandsproduktion bei weitem noch nicht den Bedarf an Neuwagen. Die Pkw-Importe steigen daher weiter beachtlich. Von Januar bis September 2007 legten sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 55% auf 1,125 Mio. Fahrzeuge zu. Das Wertvolumen erhöhte sich von 8,7 Mrd. US$ auf 15 Mrd. $.

Analysten von PricewaterhouseCoopers (PWC) rechnen bis 2011 mit einer Verdoppelung des russischen Marktvolumens für Pkw von 45 Mrd. $ (2007) auf 96 Mrd. $. Die Verkaufszahlen dürften bis dahin auf jährlich 4,5 Mio. Fahrzeuge steigen und Russland zum größten Pkw-Markt in Europa machen (Prognose für 2008: 2,7 Mio. Neuwagen). Gründe sind vor allem die schnell wachsenden Realeinkommen und der Anstieg der per Kredit verkauften Fahrzeuge (von 25 auf 50%). In den letzten fünf Jahren ist der durchschnittliche Verkaufspreis von Neuwagen in Russland von 7.500 $ auf 17.000 $ angewachsen. Bis 2011 rechnet PWC hier mit einem Wert von 20.000 bis 22.000 $.

Das neue Volkswagen-Werk kommt damit zur rechten Zeit, ist aber nur eines von etwa einem Dutzend Produktionsstätten ausländischer Marken, die derzeit in Russland geplant oder im Bau sind (siehe Tabelle). VW vervollständigt in Kaluga zunächst nach dem SKD-Modell (Semi-Knocked-Down) importierte Bausätze für den VW Passat und den Skoda Octavia (geplante Stückzahl 2008: 66.000). Russische Komponenten stecken noch nicht in diesen Fahrzeugen. Volkswagen muss aber laut der Investitionsvereinbarung mit dem russischen Wirtschaftsministerium (so genannte Promsborka-Regelung, "industrielle Fertigung") schrittweise den Lokalisierungsgrad erhöhen. Dafür sollen neben der neuen Fabrik in Kaluga internationale Zulieferer angesiedelt werden.

Ab 2009 will VW in Kaluga 150.000 Autos produzieren und die Fertigungstiefe deutlich erweitern, zum Beispiel mit eigener Lackiererei und Karosseriebau. Schwerpunkt soll ein speziell für den russischen Markt entwickeltes Stufenheck-Modell der Polo-Klasse sein. Weil dann rund 3.000 Mitarbeiter in der Fabrik arbeiten sollen, muss sich Volkswagen auch um die Nachwuchsausbildung kümmern, da die Fachkräfte vor Ort knapp werden. Daher will das Unternehmen unter anderem den Aufbau eines Studienganges für Fertigungstechnik an der örtlichen Universität unterstützen.

Bei der Finanzierung der Investition in Kaluga hat die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) geholfen, die an Volkswagen Rus vorübergehend mit 20% beteiligt ist. Für das VW-Engagement in Russland hat die EBRD einen Konsortialkredit auf Rubelbasis bei elf Banken organisiert hat (Volumen umgerechnet rund 750 Mio. Euro). Die EBRD will nun auch mittelständische Hersteller von Kfz-Komponenten beim Aufbau einer Produktion in Russland unterstützen. Sie sieht den Automobilsektor als Schlüsselbranche für die Diversifizierung der russischen Wirtschaft.

Verkaufszahlen ausländischer Pkw-Marken in Russland
Rang Hersteller verkaufte Stückzahlen Januar bis September 2007 Zuwachs gegenüber Vorjahresperiode in %
1 Chevrolet *) 131.653 70
2 Ford 120.410 76
3 Toyota 110.484 62
4 Hyundai 95.685 38
5 Nissan 81.832 62
6 Renault 71.351 46
7 Mitsubishi 69.917 35
8 Daewoo 66.941 32
9 Kia 56.636 28
10 Opel 45.027 270
11 Mazda 33.182 40
12 Chery 27.670 463
13 Honda 23.842 115
14 Volkswagen 21.859 61
15 Suzuki 20.406 79
16 Skoda 19.444 105
19 Mercedes-Benz 11.702 74
20 Audi 11.608 59
23 BMW 10.633 61

*) inklusive Fahrzeuge des Joint Venture GM-AvtoVaz

Quelle: Prime-Tass gemäß Analysen der Association of European Businesses (AEB)Laufende oder geplante Investitionsvorhaben ausländischer Pkw-Marken in Russland
Hersteller / Investor Vorhaben Geplanter Produktions-beginn Jahreskapazität (Fahrzeuge) Investitions-volumen in Mio. US$
Avtotor (Kaliningrad) / Chery (VR China) Komplette Fahrzeugproduktion inklusive Press- und Stanzwerk Baubeginn 2009 bis zu 250.000 k.A.
Magna / Russkie maschiny Produktion von Pkw der Marke Chrysler k.A. 150.000 500
PSA Peugeot Citroën / Mitsubishi Greenfield-Fabrik 2010 150.000 k.A.
Hyundai Greenfield-Fabrik in der Leningrader Oblast oder bei Nowgorod Baubeginn 2008 100.000 390
General Motors Autofabrik in der Leningrader Oblast Ende 2008 70.000 300
Nissan Greenfield-Fabrik in Sankt Petersburg Frühjahr 2009 50.000 200
Toyota Bei Sankt Petersburg Ende 2007 50.000 150
SeverstalAvto / Fiat Gemeinschaftsproduktion von Pkw in Alabuga (Tatarstan) 2008 50.000 k.A.
Autofabrik TagAZ in Taganrog Geländewagen-Montage vom Typ SsangYong unter anderer Marke 2008 35.000 5 *)
Suzuki Pkw-Produktion bei Sankt Petersburg 2. Halbjahr 2009 30.000 115
Eleks-Poljus (russ. Pkw-Importeur und Händler) Montage des chinesischen Kleinwagens Haima3 im Werk Amur (Gebiet Swerdlowsk) 2008 20.000 k.A.
Irito (Pkw-Importeur), Brilliance (VR China) Bausatzmontage von chinesischen Pkw der Marke Brilliance in Gschel bei Moskau Frühjahr 2008 20.000 k.A.

*) Schätzungen, TagAZ hat bei SsangYong in Korea (Rep.) gebrauchte Produktionsanlagen gekauft.

Quelle: Russische Zeitungen, bfai-Recherchen

(S.Z.)


 
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