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Energiesparen rueckt in Russland auf die Tagesordnung | Drucken |

Deutsch-Russisches Energieforum in Moskau diskutiert Kooperationsmöglichkeiten / Einige Projekte bereits auf dem Weg

Moskau (bfai) - Russland will verstärkt in Energieeffizienz investieren, um den zumehmenden Stromengpässen zu begegnen und das Potenzial für Öl- und Gasexporte zu erhalten. Das erklärten russische Regierungsvertreter beim Deutsch-Russischen Energieforum Mitte April 2007 in Moskau. Der deutschen Wirtschaft könnte das Aufträge in Milliardenhöhe verschaffen. Das Forum wurde von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Russlands Industrie- und Energieminister Wiktor Christenko geleitet. (Kontaktanschrift)

Die Energieintensität der russischen Wirtschaft ist mehr als dreimal so hoch wie im EU-Durchschnitt. Rund 30 bis 40% der in Russland verbrauchten Energie könnten durch Effizienzmaßnahmen eingespart werden, erklärte Industrieminister Wiktor Christenko anlässlich des Energieforums in Moskau. Das jährliche Einsparpotenzial betrage demnach rund 360 Mio. bis 400 Mio. t Brennstoffäquivalent. Allerdings benötige Russland dafür den Zugang zu modernen Technologien, Materialien und Ausrüstungen.

Als Gründe für den hohen Energieverbrauch nennt Anatolij Janowskij, Chef des Brennstoff- und Energiedepartments im russischen Industrie- und Energieministerium, die klimatischen Bedingungen (strenge Winter), den großen Anteil der Industrie an der Entstehung des Bruttoinlandsproduktes (60%) und die verschlissenen Stromerzeugungskapazitäten. Die Folgen: hohe Schadstoffemissionen, hohe Verluste an Energieträgern, die nicht mehr als Exportgut zur Verfügung stehen, und hohe Kosten für die Umrüstung der Kraftwerke.

Der Trend zum effizienteren Umgang mit Energie in Russland bietet gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. "Wir haben seit Jahrzehnten große Erfahrung, Energie einzusparen. Davon kann auch Russland profitieren", sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos in Moskau. Für mehr Zusammenarbeit warb ebenso Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Die deutsche Industrie verfüge über viel Know-how auf dem Gebiet Energieeffizienz. Es könnte angeboten werden, gegenseitig davon zu profitieren.

Einige Kooperationsprojekte zwischen russischen und deutschen Unternehmen sind inzwischen auf dem Weg. Wie Alfred Tacke, Vorstandsvorsitzender des Stromerzeugers Steag AG, mitteilte, ist eine Kooperation mit Sewerstal Resurs (Tochterfirma des Stahlherstellers Sewerstal) zur Verwertung von Grubengas geplant. Das aus Kohlebergwerken in Workuta abgesaugte Gas soll bis 2008 für die Stromerzeugung verwendet werden. Die Leistung der Anlage beträgt 60 bis 65 MW, sagte Tacke. Durch das Projekt könnte der Ausstoß von Treibhausgasen um 12 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente verringert werden. Weitere Projekte in Russland sind laut Tacke geplant.

Harry Roels, Vorsitzender des Vorstands beim Energiekonzern RWE, verwies auf eine Vereinbarung mit dem russischen Strommonopolisten RAO EES. In einem ausgewählten Kraftwerk sollen zunächst die Emissionen gemessen und anschließend Maßnahmen zur Effizienzsteigerung durchgeführt werden. "Dieses Projekt ist erst der Anfang, wir hoffen auf mehr", so Roels in Moskau.

Instrument für solche Kooperationen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes wären zum Beispiel Joint-Implementation-Projekte im Rahmen des Kyoto-Protokolls: Deutsche Unternehmen, wie in diesem Falle RWE, investieren in Klimaschutz-Maßnahmen in Russland und bekommen dafür Emissionsrechte. Diese Zertifikate können sie entweder für ihren eigenen Kohlendioxid-Ausstoß verrechnen oder an Spezialbörsen verkaufen.

Bislang allerdings fehlt in Russland noch eine gesetzliche Grundlage zur Umsetzung von Kyoto-Projekten, kritisierten deutsche Firmenvertreter beim Energieforum in Moskau. Dadurch verzögern sich Dutzende Vorhaben zur Modernisierung von Kraftwerken oder Heizungssystemen. Laut Industrieminister Christenko befinde sich das entsprechende Gesetz in der "finalen Abstimmungsphase" in der Regierung. Allein bei der Stromholding RAO EES Rossii seien an die zwanzig "Kyoto-Projekte" vorbereitet worden, so ein Vertreter des Unternehmens. Der Kohlekonzern Suek hat ein Pilotvorhaben zur Nutzung von Grubenmethan "im Köcher". Die Investitionen würden sich hier auf 40 Mio. US$ belaufen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, erklärte in Moskau: "Energieeffizienz ist kein technisches Problem, sondern vor allem ein Problem der Markteinführung und Umsetzung." Die dena versucht mit Pilotprojekten in Russland Beispiele für erfolgreiche Energieeinsparung zu etablieren. So wird in Sankt Petersburg ein Plattenbau saniert und mit innovativen Dämmstoffen versehen, wodurch sich der Energiebedarf des Gebäudes um 80% verringert. "Rechtliche Schwierigkeiten mit Eigentumsfragen und die Kostenübernahme sind die Hauptprobleme", so dena-Chef Kohler. "Die niedrigen Energiepreise in Russland spiegeln nicht die tatsächlichen Kosten wider und senden nicht die richtigen Signale für Einsparungen."

Dabei bietet der russische Gebäudesektor enormes Potenzial. Unzureichende Wärmedämmung, undichte Fenster und ineffiziente Lüftungssysteme sind bislang die Schwachpunkte vieler Häuser. Nach Angaben der dena könnten im Land jährlich Brennstoffe im Äquivalent von 72 Mrd. cbm Erdgas eingespart werden, wenn der Wohnbestand nach westeuropäischen Standards modernisiert würde. Das entspricht der Hälfte der russischen Gasexporte.

Ein wichtiger Schritt zu mehr Energieeffizienz in Russland wäre eine Anhebung der Binnenmarktpreise für Strom und Wärme. Nur so können Einsparungen und Investitionen in Ressourcen schonende Technologien stimuliert werden. Russlands Regierung hat das inzwischen erkannt. So sollen die Gaspreise für einheimische Verbraucher von derzeit rund 55 US$ je 1.000 cbm schrittweise auf 125 US$ erhöht werden.

Vom Modernisierungsbedarf der russischen Energiebranche profitiert schon jetzt besonders die Siemens AG. Das Unternehmen ist mit 25% plus einer Aktie am Maschinenbauer Silowye Maschiny beteiligt, der zu den wichtigsten Herstellern von Kraftwerkstechnik im Land gehört. Am Rande des Energieforums in Moskau hat Siemens außerdem die Gründung eines Joint Venture mit dem russischen Kraftwerksausrüster Elektrosawod beschlossen. Das neue Gemeinschaftsunternehmen (51% der Anteile wird Siemens halten, 49% Elektrosawod) soll kleinere Heiz- und Wärmekraftwerke in Russland umrüsten bzw. neue Energiekapazitäten errichten. Laut dena stehen landesweit in den kommenden Jahren 100.000 kommunale Heizwerke zur Modernisierung an.

In der Wolgametropole Samara unterstützt die dena ein Modernisierungsprogramm für 42 Heizwerke, die mit motorgetriebenen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet werden sollen. Dadurch ließen sich nach Angaben von dena-Geschäftsführer Kohler bis zu 40% Energie einsparen.

Laut Industrieminister Christenko will Russland auch regenerative Energiequellen stärker entwickeln - von Biomasse bis Wind. Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch liegt derzeit noch bei weniger als 1%. Ein entsprechendes Gesetz zu staatlicher Unterstützung und eventueller Einspeisevergütung wird derzeit in der Regierung diskutiert. Ein Pilotprojekt ist im Bereich Biobrennstoffe unter Federführung des Industrie- und des Landwirtschaftsministeriums vorgesehen.

Energiesparpotenzial in Russland nach Verbrauchern
Verbraucher Jährliches Einsparpotenzial in Mio. t Kohleäquivalent
Brennstoff- und Energiesektor 120 bis 135
Transportsektor 23 bis 30
Staatssektor 18 bis 22
Landwirtschaft 12 bis 15
Energieintensive Industrie 110 bis 140
Privathaushalte und Wohnungswirtschaft 95 bis 110

Quelle: Russisches Industrie- und Energieministerium (Minpromenergo)

Kontaktanschrift

dena - Deutsche Energie-Agentur

Chausseestrasse 128a, 10115 Berlin

Tel.: 030/72 61 65 - 600, Fax: 030/72 61 65 - 699

E-Mail:

Internet: http://www.dena.de/themen/international/schwerpunkt-russland/ , http://www.energieforum.ru

(S.Z./W.L.)


 
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