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Einzelhändler nehmen russische Regionen ins Visier | Drucken |

Große Ketten regionalisieren ihr Russlandgeschäft / Mit den Reallöhnen steigt auch der Konsum / Von Bernd Hones

Köln (bfai) - Der Einzelhandel in Russland wächst Jahr für Jahr im zweistelligen Bereich - das ist kein Geheimnis. Das Entscheidende dabei: Mittlerweile stehen nicht nur Moskau oder St. Petersburg auf der Expansionsliste großer Handelsketten. Viele der food- und non-food-Unternehmen zieht es in die anderen elf Millionenmetropolen, in mittlere oder kleine Städte der Russischen Föderation. Auf diese Entwicklung wies Ilya Konyukhov von der RosEuroGroup beim Internationalen Handelskongress 2007 in Köln hin. (Kontaktanschrift)

Die Reallöhne der russischen Bevölkerung sind 2006 um 13% gestiegen. "Damit hat auch die Kaufkraft um mehr als 10% zugelegt", betonte Kornyukhov. Die Zusatzeinnahmen beim Gehalt werden kräftig verkonsumiert. Die Folge für den Einzelhandel: Die Umsätze sind 2006 um real 13% auf 253 Mrd. Euro gestiegen. Der Einzelhandelsspezialist prognostiziert auch für die kommenden Jahre eine ähnliche Entwicklung.

Aktuelle Tendenzen des Einzelhandels in Russland (in Mrd. Euro)
Einzelhandelsumsatz 2004 2005 2006
Moskau 45,5 49,8 52,9
Russische Föderation, gesamt 157,5 200,2 252,9

Quelle: RosEuroGroup

Vor allem in den Regionen ist das Potenzial für Handelsketten groß: Das Lebensniveau der Bevölkerung steigt rasant. Gebiete wie die Ural-Region oder das westliche Südrussland holen kräftig auf. Der Anteil der Hauptstadt am Gesamtumsatz im Einzelhandel sinkt beständig, der kleiner und mittlerer Städte dagegen wächst. Der Markt reagiert: "Große Einzelhändler verfolgen mittlerweile eine aktive Regionalpolitik", erläutert der Handelsexperte. Beliebte Städte für neue Hypermärkte sind Ekaterinburg, Samara, Nischnij Nowgorod, Tjumen, Ufa, Rostow, Krasnodar und Krasnojarsk. Obi beispielsweise hat fünf neue Standorte in Südrussland erschlossen, die Metro Cash and Carry Group dringt mit immer neuen Filialen in den Osten des Landes vor.

Diese Marktchancen ergeben sich insbesondere deshalb, weil sich das Konsumentenverhalten vieler Russen ändert. Noch vor wenigen Jahren wurden nahezu sämtliche Lebensmittel auf kleinen Märkten gehandelt. "Dieser unzivilisierte Handel wird mehr und mehr zurück gedrängt", erwartet Kornyukhov. Einer Studie seines Konzerns zufolge beträgt der Hypermarktanteil im Einzelhandelsumsatz im Bereich Lebensmittel und Getränke in Städten mit über 100.000 Einwohnern bereits 6,3%. Zum Vergleich: In Moskau liegt die Quote sogar bei 14,4%.

Einkaufspräferenzen für Lebensmittel in Russland (in %) *)
Hypermärkte Lebensmittelmärkte Supermärkte
Moskau 46 37 70
St. Petersburg 37 29 65
Städte mit über 500.000 Einwohnern 26 50 67

Quelle: RosEuroGroup

*) Bei der Erhebung ging es um die Frage, in welchen Lebensmittelgeschäften die Kunden regelmäßig einkaufen, Mehrfachnennung möglich

So wie der Lebensmittelsektor blühen auch andere Einzelhandelssparten. Insbesondere Unterhaltungselektronik ist gefragt wie nie. Dem nicht genug: "Bei Gartencentern, Möbeln und der Haushaltsbranche haben wir sogar einen Angebotsmangel", sagt der Experte. Darum sieht er den Einzelhandel auch in den kommenden Jahren auf dem aufsteigenden Ast. Das wird auf künftig große Konzerne anziehen: So plant beispielsweise Carrefour ein Netz von Handelszentren. Die Markterschließung solle über die Regionen erfolgen. "Auch Wal-Mart interessiert sich für Russland. Viele Mitarbeiter des Handelskonzerns haben schon mehrmals Moskau mit Geschäftszwecken besucht."

Dabei bedarf es zum florierenden Handelsgeschäft in Russland nicht viel: Vom Student zum Millionär - innerhalb von neun Jahren haben zwei junge Leute das Start-up-Unternehmen Euroset zu einem Branchenriesen für Mobiltelefonzubehör entwickelt. "Die beiden Firmengründer fingen mit 5.000 Euro Startkapital an", erzählt Kornyukhov. Im Jahr 2006 habe das Unternehmen bereits 4,6 Mrd. US$ Umsatz erwirtschaftet. Im Jahr 2005 waren es 2,6 Mrd. US$ und in den zwölf Monaten davor 968 Mio. US$.

Aber Vorsicht: Für den erfolgreichen Markteintritt sind vor allem auf die Russische Föderation spezialisierte Manager wichtig. Russische Mitarbeiter hätten ein Gespür für den Markt und für den Aufbau des richtigen Sortiments, sagt Kornyukhov. Der Fachmann stellte seine Branchenanalyse auf dem Internationalen Handelskongress Mitte März 2007 in Köln vor. Das Management Forum Bad Homburg organisiert diesen Handelskongress.

Kontaktanschrift

RosEuroGroup

Ansprechpartner: Ilya Kornyukhov

Tel.: 007 985/766 86 42

E-Mail:

(B.H.)

 
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