| Deutscher Marktführer sorgt für Bewegung in Russlands Elektronikhandel | | Drucken | |
Media Markt eröffnet erste Filialen in Moskau / Einheimische Wettbewerber bereits gut positioniert / Von Gerit SchulzeMoskau (bfai) - Das Geschäft mit Haushaltselektronik in Russland wächst unaufhaltsam. Im Einzelhandel werden 2006 Elektrogeräte, Audio- und Videotechnik für 17 Mrd. US$ verkauft. Der deutsche Metro-Konzern will den Trend nicht verpassen und hat Anfang Dezember seine ersten zwei Media Märkte in Moskau eröffnet. Allerdings hat die russische Konkurrenz einige Jahre Vorsprung. Internationale Hersteller von Haushaltselektronik entdecken Russland als Produktionsstandort. Für die erfolgsverwöhnte Metro-Tochter Media-Saturn-Holding ist der russische Markt ein hartes Pflaster. Zur Eröffnung ihrer ersten beiden Filialen in Moskau verteilten die Wettbewerber ausgerechnet vor den neuen Media Märkten Prospekte für die eigenen Schnäppchenangebote. An den Zubringerstraßen parkten Busse mit Werbung für die Konkurrenz. Alles im bekannten Media Markt-Design, denn schon im April 2006 hatte Russlands Marktführer Eldorado seine traditionellen Farben Gelb und Blau gegen das Rot und Weiß des anrückenden Giganten aus Deutschland getauscht. Immer wieder betonten die Russen auf ihren Plakaten "Wir sind die Nummer Eins im Land." Selbst das frisch eingestellte Verkaufspersonal der Media Märkte sollte mit hohen Geldsummen abgeworben werden. Außerdem drohten die russischen Handelsketten jenen Herstellern mit Boykott, die den Deutschen günstigere Preiskonditionen einräumten. Doch für Roland Weise, den Vizechef der Media-Saturn-Holding, ist das ungewohnt raue Wettbewerbsklima kein Grund zur Sorge. "Wir wollen auch hier die Nummer Eins werden", erklärte er im Gespräch mit der bfai. Angesichts der harten Konkurrenz plant er dafür aber eine Expansionszeit von bis zu 15 Jahren ein. "In Russland können wir 200 Märkte unserer Größe bauen", beschreibt Weise das Potenzial des Landes. Auf die dreisten Kopierversuche anderer Ketten hat Media Markt in Russland schnell reagiert und seine Läden auf Pink statt Rot getrimmt. Auch bei der weiteren Expansion machen die Deutschen Tempo. Am 21.12.06 wollen sie in St. Petersburg den dritten Media Markt im Land eröffnen. "Ab 2007 sind dann die Städte des Goldenen Rings an der Reihe", so Weise. Die beiden ersten Märkte sind mit rund 6.000 Quadratmeter Verkaufsfläche größer als im Durchschnitt des Unternehmens. Der Umsatz in den Moskauer Märkten wird sich "in den Größenordnungen anderer europäischer Metropolen wie Amsterdam bewegen", prognostiziert Manager Weise. Dennoch sind die großen russischen Elektronikhändler gut gerüstet für den Markteintritt der Metro AG. Marktführer Eldorado hat in Russland und der Ukraine bereits fast 1.000 Filialen und erwartet für 2006 einen Gesamtumsatz von 4,1 Mrd. US$. Auch M-Video und Technosila werden in diesem Jahr Haushaltstechnik für mehr als eine Milliarde US$ verkaufen (Umsatz von Media Markt in Deutschland 2005: 4,8 Mrd. Euro). Bei den Umsatzgrößen je Quadratmeter Ladenfläche sind die Moskauer Händler schon jetzt effizienter als Media Markt, so die Wirtschaftszeitung Wedomosti.
Quelle: Tageszeitung Wedomosti v. 13.9.06 Im Unterschied zu Media Markt setzen russische Elektronikketten auch auf Eigenmarken. So baut Technosila die beiden Brands Tehno und Wellton auf, mit denen bis zu 20% des Gesamtumsatzes erzielt werden sollen. M-Video hat unter anderem das Label Novex für das mittlere und untere Preissegment entwickelt. Die Kette lässt in Russland Elektrogeräte mit Komponenten aus Südostasien fertigen. Laut Branchenexperten sollen die Margen für solche Eigenmarken höher sein als bei herkömmlichen Markenprodukten. Dennoch will Media Markt auch in Russland keine Eigenmarken ins Programm nehmen, erklärt Manager Weise. "Die Kunden hier haben eine große Vorliebe für Technik. Sie stehen vor allem auf High-End-Produkte."
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