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Deutsche Möbelhersteller drängen auf russischen Markt | Drucken |

Auch kleinere Unternehmen sehen gute Geschäftschancen / Westliche Anbieter dominieren Premiumsegment / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Für den deutschen Mittelstand wird Russlands Möbelmarkt immer interessanter. Zwar können westeuropäische Firmen preislich nicht mit einheimischen Herstellern, belarussischen oder chinesischen Importen konkurrieren, doch im Premiumsegment vergrößern sich die Absatzchancen. In den ersten drei Quartalen 2006 sind die Möbeleinfuhren um über ein Drittel gestiegen. Ende November traf sich die Branche auf der "Mebel-2006" in Moskau.

Für den schwäbischen Möbelhersteller Wössner ist Russland die große Hoffnung. Erstmals hat das Unternehmen in diesem Jahr auf der internationalen Moskauer Möbelmesse "Mebel 2006" (21. bis 25.11.06) einen Teil seiner Produktpalette gezeigt. "In Deutschland ist das Wachstumspotenzial nahezu ausgeschöpft. Deshalb wollen wir mehr in den Export gehen und haben Russland als Fokusmarkt auserkoren", erzählt Exportmanager Jochen Wössner. Die 300 Mitarbeiter zählende Firma, die auf Esszimmer spezialisiert ist, agiert im mittleren bis gehobenen Preissegment. Einheimische Hersteller oder Billigimporteure aus Fernost sind daher in Russland keine Konkurrenz. "Russische Produkte kosten im Vergleich zu unseren Waren weniger als die Hälfte", so Wössner.

Das Unternehmen versucht über die Argumente Komfort, Qualität und Verarbeitung Kunden in Russland zu gewinnen. Mit Erfolg: Schon jetzt verkaufen sich nach Wössners Angaben Stuhlbankgruppen für die Essecke besonders gut im Land. Der Absatz habe sich bislang auf Moskau und St. Petersburg konzentriert, auf der jüngsten Möbelmesse gab es aber auch verstärkt Anfragen von Händlern aus anderen Regionen.

Um mit der Einfuhr nach Russland möglichst wenig bürokratischen Aufwand für Zoll und Zertifizierung betreiben zu müssen, verkauft Wössner seinen russischen Kunden die Möbel ab Werk (Handelsklausel "ex works"). Diesen Weg beschreitet auch "die Collection", ein Hersteller von Designmöbeln aus dem Odenwald. Seit drei Jahren verkauft das Unternehmen erfolgreich nach Russland. Eigens für den großen Markt adaptierte Entwürfe oder Produkte stehen dabei nicht auf dem Programm. "Das würde auch nichts bringen", meint Geschäftführer Franz Schwander. "Hier kommt gerade das deutsche Design sehr gut an. Das sollte man daher auch nicht an den russischen Markt anpassen."

Für den Bad Kreuznacher Polstermöbel-Hersteller Elastoform kommt das Russland-Geschäft ebenfalls immer besser in Schwung. "Hier will man vor allem Funktionsmöbel", erklärte Exportleiter Sören Sperlich eine Marktbesonderheit. Sofas müssten immer auch eine Schlafmöglichkeit bieten, um sich in Russland gut zu verkaufen. Während noch vor einigen Jahren nur die absolute Oberschicht als Kunde in Frage kam, verschiebe sich die Nachfrage inzwischen bis in die gehobene Mittelklasse, so Sperlich. Allerdings seien die russischen Produzenten viel besser geworden. "Die haben das westliche Angebot nachgeahmt und teilweise unsere Möbel nachgebaut", ärgert sich der Exportmanager. Dennoch sieht er als Wettbewerber auf dem russischen Markt eher die italienischen oder deutschen Hersteller.

Ein Nachteil im Russland-Geschäft seien die "aberwitzigen Einfuhrzölle" für Möbel. Elastoform hofft, dass sich mit dem bevorstehenden WTO-Beitritt die Situation verbessert. Eine eigene Produktion im Land kommt für Sperlich aber nicht in Frage: "Dafür ist die Lage hier immer noch zu instabil und die Rechtssicherheit viel zu gering", meint er.

Am deutschen Gemeinschaftsstand auf der Moskauer Möbelmesse hatten in diesem Jahr 37 Unternehmen ihre Produkte gezeigt. Für viele war es der erste Messeauftritt in Russland. Vor allem die gestiegene Kaufkraft, die immer breiteren Bevölkerungsschichten die Anschaffung von Importmöbeln ermöglicht, lockt sie in das Land. Der Nachholbedarf ist enorm: Laut russischem Industrieministerium liegt der Pro-Kopf-Konsum von Möbeln bei rund 3% des EU-Durchschnitts. Jeder Russe kauft statistisch gesehen pro Jahr lediglich Möbel für 12 Euro. Teure Importmöbel bleiben deshalb ein Privileg einer immer noch relativ kleinen Gruppe. Branchenkenner schätzen, dass sich etwa 5% der Bevölkerung Wohnungseinrichtungen der gehobenen Preisklasse leisten können.

In diesem Segment hat Russlands Möbelindustrie derzeit noch wenig anzubieten. Sofas, Sessel oder Sideboards im Premiumbereich kommen durchweg aus dem Ausland. Dabei wirkt die russische Möbelbranche mit ihren 5.770 Herstellern und 150.000 Beschäftigten auf den ersten Blick gewaltig. Doch das Produktionsvolumen lag 2005 lediglich bei umgerechnet 1,41 Mrd. Euro (Deutschland: 17,2 Mrd. Euro). In den ersten sechs Monaten 2006 hatte die Fertigung einen Wert von 23,8 Mrd. Rubel (rund 700 Mio. Euro).

Die Importzahlen für das 1. Halbjahr 2006 zeigen, dass Deutschlands Möbelhersteller bei wichtigen Positionen den Anschluss verlieren. So haben ihre Lieferungen zum Beispiel bei den besonders umsatzstarken Holzmöbeln für Ess- und Wohnzimmer (HS-Pos. 94036010) nur um 16,1% zugelegt, während die gesamten russischen Importe um 21,1% gestiegen waren. Marktanteile konnten sie hingegen bei Polstermöbeln mit Metallgestellen gewinnen.

Insgesamt sind Russlands Möbeleinfuhren im Zeitraum Januar bis September 2006 um über ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Nach Angaben des Föderalen Zolldienstes erreichten die Importe ein Volumen von 595,8 Mio. US$ (Januar bis September 2005: 444,2 Mio. US$). Nach Schätzungen von Branchenexperten haben Importmöbel in Russland einen Marktanteil von rund 40%. Angesichts der deutlichen Einfuhrzuwächse sollte auch die deutsche Möbelindustrie künftig wieder zulegen können.

Ausgewählte Möbelimporte Russlands
Warenbezeichnung / HS-Pos. Importe 1. Hj. 2005 in 1.000 US$ Importe 1. Hj. 2006 in 1.000 US$
In Liegen umwandelbare Sitzmöbel (außer Garten u. Campingmöbel) / 94014000 5.492,9 7.037,7
..darunter aus Deutschland 276,4 258,1
Sitzmöbel aus Stuhlrohr, Flechtweiden, Bambus od. ähnl. Stoffen / 94015000 1.404,9 2.484,5
..darunter aus Deutschland 1,2 6,1
Sitzmöbel mit Gestell aus Holz, gepolstert / 94016100 13.790,1 18.079,7
..darunter aus Deutschland 522,1 585,6
Sitzmöbel mit Gestell aus Holz, andere / 946900 3.472,5 5.193,2
..darunter aus Deutschland 115,8 86,8
Andere Sitzmöbel, mit Gestell aus Metall, gepolstert / 94017100 13.339,5 15.626,8
..darunter aus Deutschland 876,1 1.053,6
Andere Sitzmöbel, mit Gestell aus Metall, andere / 94017900 6.547,6 9.836,6
..darunter aus Deutschland 385,9 306,8
Andere Sitzmöbel / 94018000 6.547,6 9.836,6
..darunter aus Deutschland 385,9 306,8
Schreibtische aus Holz bis 80 cm Höhe / 94033011 5.372,5 6.716,5
..darunter aus Deutschland 295,8 328,9
Andere Holzmöbel bis 80 cm Höhe / 94033019 6.494,7 6.962,1
..darunter aus Deutschland 317,1 481,4
Holzschränke mit mehr als 80 cm Höhe / 94033091 5.555,9 6.712,3
..darunter aus Deutschland 278,7 493,5
Einbauküchenelemente aus Holz / 94034010 9.898,9 12.122,9
..darunter aus Deutschland 1.569,8 2.178,2
Holzmöbel für Ess- und Wohnzimmer / 94036010 52.506,6 63.565,3
..darunter aus Deutschland 2.743,7 3.185,2

Quelle: Föderaler Zolldienst (S.Z.)

 
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