| Deutsche Büromöbel in Russland immer beliebter | | Drucken | |
Markt wächst 2007 wieder zweistellig / Einheimische Hersteller nur im Niedrigpreissegment aktiv / Von Gerit SchulzeMoskau (bfai) - Russlands Markt für Büromöbel wächst nach Prognosen von Branchenexperten auch 2007 wieder zweistellig. Deutsche Lieferanten profitieren davon besonders. Sie konnten ihre Zuwächse im Vorjahr um rund 50% steigern. Der Boom beim Bau von Bürogebäuden und die hohe Wirtschaftsdynamik wird die Nachfrage nach modernen Schreibtischen, Karteischränken oder Regalsystemen weiter nach oben treiben. Nach Untersuchungen von RBK Research (RosBusinessConsulting) hat der russische Markt für Büromöbel 2006 um mehr als 13% zugelegt und ein Volumen von bis zu 1,3 Mrd. US$ erreicht. Für 2007 rechnen die Analysten mit weiteren Zuwächsen um 13 bis 14%. Damit würden die Verkäufe noch stärker als in den letzten fünf Jahren zulegen. Auf Büromöbel entfällt ungefähr ein Viertel des gesamten russischen Möbelgeschäfts. Frühere Untersuchungen der russischen Consulting-Agentur Prado hatten ein Marktvolumen von 600 Mio. US$ und jährliche Wachstumsraten von 8% ergeben. Westliche Händler bestätigten auf Anfrage der bfai aber eher die Schätzungen von über 1 Mrd. US$ Marktgröße.
Quelle: RosBusinessConsulting Anbieter von Büromöbeln profitieren dabei sowohl von der allgemein sehr guten Wirtschaftsverfassung und der Investitionsfreude der russischen Unternehmen. Speziell kommt ihnen aber auch der Bauboom bei Bürokomplexen zugute. Nach Schätzungen von Cushman & Wakefield Stiles & Riabokobylko wurden 2006 in Russland rund 4 Mrd. US$ in neue Büro-, Lager- und Handelsimmobilien investiert (2005: 1,5 Mrd. US$). Davon entfiel ein Drittel auf Bürogebäude. Insgesamt sind in Russland 2006 nach ersten Schätzungen etwa 5 Mio. qm zusätzliche Büroflächen entstanden. Schwerpunkt ist dabei traditionsgemäß Moskau, in deutlichem Abstand folgen Sankt Petersburg und andere Millionenstädte. Während Mitte der 90er Jahre ausländische Anbieter den größten Teil des Geschäfts mit modernen Büromöbeln besetzten, konnten russische Hersteller in den letzten Jahren Marktanteile gewinnen. Vor allem bei Metallmöbeln sind sie gut vertreten. "Hauptsächlich kaufen aber staatliche Behörden und Institutionen einheimisches Mobiliar", erklärte ein Händler gegenüber der bfai. Russische Büromöbel seien immer noch im Niedrigpreissegment angesiedelt und hätten Nachteile in der Qualität. Das erklären Marktkenner zum einen mit der kurzen Tradition einer Büromöbelproduktion in Russland und damit mit zu geringen Erfahrungen bei der Herstellung. Zum anderen verfügen viele Unternehmen noch nicht über moderne Produktionsanlagen. Außerdem entspreche das Design kaum heutigen Ansprüchen. Kunden für russische Büromöbel sind neben den staatlichen Stellen hauptsächlich kleinere Unternehmen und finanzschwache Firmen ohne ausländische Kapitalbeteiligung.
Die immer zahlreicheren Auslandsinvestoren und die großen Konzerne in Russland setzten dagegen in der Regel auf importierte Büromöbel für die Ausstattung ihrer Verwaltungsgebäude. Unter den Importeuren führen Frankreich, Italien und Deutschland bei Metallmöbeln. Bei Holzmöbeln kommen die meisten Einfuhren aus Italien, Österreich und der VR China. Deutsche Hersteller konnten in beiden Segmente im Jahr 2006 mit die größten Zuwächse erzielen. Sie weiteten ihre Verkäufe laut russischer Zollstatistik um fast die Hälfte aus.
"Dabei laufen eigentlich alle Produktgruppen gut - von Schreibtischen über Chefsesseln bis hin zu Aktenschränken verschiedener Höhen", erzählt Alexander Zilko von Assmann Büromöbel in Russland. Das Unternehmen verkauft bis in den Ural und nach Murmansk Büroeinrichtung. "Inzwischen statten die Kunden, die Mitte der 90er Jahre bei uns eingekauft haben, ihre Büros schon wieder neu aus", so Zilko.
Laut den Untersuchungen von RBK Research lag der Anschaffungswert bei Büromöbeln aus Holz zuletzt in einer Spanne zwischen 7.000 und 10.000 US$. Auffallend sei, dass immer mehr verschiedene Farbtöne nachgefragt würden.
Bei Metallmöbeln haben russische Hersteller eine starke Marktposition, vor allem bei einfachen Regalgestellen und Archivschränken. Unter den Produktkategorien dominieren Garderobenschränke (Spinde, 35% Marktanteil), vor Archivschränken (24%) und leichten Regalgestellen (22%). Führender Produzent im Land ist PAKS-Metall, der in der Moskauer Oblast angesiedelt ist. Da die Investitionen in große Industriebetriebe zunehmen, rechnen die Marktforscher mit einem verstärkten Bedarf an Metallmöbeln (zum Beispiel Spinde für Umkleidekabinen). Dabei werden chinesische Anbieter mit ihren niedrigen Preisen besonders aktiv in den Markt drängen.
Quelle: RBK Research
Vorteile für ausländische Anbieter könnten sich ergeben, wenn Russland nach dem geplanten WTO-Beitritt seine Einfuhrzölle für Büromöbel senken muss. Bislang verlangt Moskau für Büromöbel in der Regel 20% Einfuhrzoll (mindestens 0,50 Euro je Kilogramm bei Metallmöbeln und mindestens 0,60 Euro je Kilogramm bei Holzmöbeln).
Quelle: Föderaler Zolldienst (S.Z.) |
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