Zur russischen Version RU  
 
    ÜBER UNS | KONTAKTHome arrow Weitere Informationen arrow Wirtschaft arrow Deutsche Anbieter in Russlands Bausektor willkommen  
Freitag, 18. 05. 2012. - 14:44
Menü
Handels- und Industriekammer Russland (HIK)
Weitere Informationen
Kontakt
Leipziger Str. 63
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 204 42 02
Fax: +49 (0)30 204 50 201
E-Mail: info∫@∫hik-russland.de
Newsletter



Suche
Login/Registrierung
Loggen Sie sich ein, um Ihre Einträge zu editieren.





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Hier erstellen
Deutsche Anbieter in Russlands Bausektor willkommen | Drucken |

Chancen als Subunternehmer und Lieferant / Mittelständische Baufirmen scheuen aber oft den Weg nach Osten / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Der russische Bauboom bietet für kleine und mittlere Betriebe aus Deutschland enorme Geschäftsmöglichkeiten. Bislang nutzen sie ihre Chancen aber nur unzureichend. Bürokratische Hürden und Scheu vor dem unbekannten Markt sind die Hauptgründe. Das wurde bei der Mittelstandskonferenz am 12.12.06 in Moskau deutlich, die gemeinsam vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, vom Verband und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation und vom Unternehmerverband Delowaja Rossija organisiert wurde. (Kontaktanschriften)

Ob Wohnungsbau, Infrastruktur oder neue Industrieanlagen - Russland Bauindustrie prosperiert. Von Januar bis Oktober 2006 betrug das Volumen der Bauleistungen 1.713 Mrd. Rubel (fast 50 Mrd. Euro, Stand 13.12.06: 1 Euro = 34,76 Rubel). Das entspricht einem Plus von 13,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2006 ist deshalb von einem neuen Rekord von über 2 Billionen Rubel beim Bauvolumen auszugehen. Treibende Kraft ist der Wohnungsbau, der vor allem durch öffentliche Investitionen angekurbelt wird. In den ersten zehn Monaten 2006 wurden 330.000 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 29,4 Mio. qm in Russland gebaut (Vergleichszeitraum 2005: 26 Mio. qm).

Die Ankündigung zahlreicher Investitionsprojekte verspricht schon jetzt eine Fortsetzung des Booms 2007 und weit darüber hinaus. Deutsche Firmen sind in der Projektierungsphase, als Lieferanten von Baustoffen und Baumaterialien aber auch in der Bauabwicklung häufig vertreten. Doch sie profitieren längst noch nicht in dem Maße, wie es das Volumen des russischen Marktes eigentlich hergeben würde, meint der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Besonders bei öffentlichen Aufträgen in Russland seien kleinere Bauunternehmen noch sehr unterrepräsentiert, sagte Hasso von Pogrell, Leiter der Abteilung Außenwirtschaftspolitik und internationale Märkte beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie auf der Konferenz in Moskau. Die Mittelständler arbeiteten in Russland bislang eher für private Auftraggeber oder als Subunternehmer.

Eine Hürde sei die ausufernde Bürokratie. "Für den Bau eines Hochhauses können hier bis zu 263 Genehmigungen nötig sein", erklärt von Pogrell. Zusammen mit dem Verband der Bauarbeiter Russlands soll nun eine Arbeitsgruppe gegründet werden, um eine Annäherung der russischen an die westeuropäischen Bauvorschriften zu erreichen. Der russische Bauverband sieht eine Reform bei der technischen Regulierung denn auch als Kernpunkt für die Entwicklung der Branche. "Wir studieren bereits funktionierende Systeme. Deutschland ist dabei besonders interessant für uns", sagte Verbandspräsident Nikolai Koschman auf der Mittelstandskonferenz in Moskau. Er verwies auf die deutschen Erfahrungen beim Aufbau der fünf neuen Bundesländer, die ein hervorragendes Testfeld für einen Einsatz deutscher Baufirmen in Russland gewesen seien.

Dafür müssten gerade kleinere Unternehmen aber ihre Scheu vor dem Schritt Richtung Osten ablegen, glaubt Hasso von Pogrell. Viele Firmen würden ihre Chancen in Russland nicht nutzen, weil sie Land, Kultur und Sprache nicht kennen. Dabei könnten sie gerade bei Projekten, die moderne Bautechnologien erforderten, an Aufträge kommen. Wichtig ist aber ein Partner, der die Gegebenheiten vor Ort kennt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie schlägt eine stärkere Kooperation bei der Ausbildung von Bauingenieuren und Baufachleuten vor, um so die Beziehungen deutscher Baufirmen nach Russland zu stärken.

Eine der größten russischen Bauholdings in der Premium- und Business-Klasse, die Mirax Group, setzt schon jetzt stark auf deutsche Firmen, so Sprecher Michail Dworkowitsch. Beim Bau des Federazija-Turms in Moskau, dem höchsten Gebäude Europas, seien vier deutsche Auftragnehmer beteiligt. So kommen Turmdrehkrane aus dem Liebherr-Werk in Biberach zum Einsatz. Thyssen-Krupp liefert Fahrstühle. Außerdem hat das Hamburger Architekturbüro NPS Tschoban Voss die Entwürfe für das Projekt erstellt.

Wie sehr sich ein Investment in Russlands Bausektor lohnt, veranschaulicht dieses Vorhaben sehr gut. Laut Mirax betragen die Selbstkosten für die Errichtung des bis zu 448 Meter hohen Wolkenkratzerkomplexes rund 3.000 US$/qm. Die Marktpreise für die dort entstehenden Büro- und Geschäftsflächen liegen nach Angaben von Dworkowitsch aber derzeit bei 15.000 bis 30.000 US$/qm. Allerdings räumt er ein, dass solche Megaprojekte mit Risiken verbunden seien. Dazu gehörten die komplizierte Bautechnologie, die Sicherheitslage, die Konjunkturentwicklung, der richtige Funktionsmix aus Büros, Hotels und Apartments sowie die Einrichtung einer professionellen Verwaltung.

Für die Zukunft plant die Bauholding weitere Großprojekte wie ein Gesundheitszentrum in Moskau oder einen Wohnkomplex mit 230.000 qm am Moskwa-Ufer. Die Mirax Group arbeite dabei auch in Zukunft gern mit deutschen Unternehmen zusammen, weil sie deren Qualität sehr schätze, versichert Sprecher Dworkowitsch. Auf der Webseite http://www.mirax-tenders.ru veröffentlicht das Unternehmen eine umfangreiche Liste mit den aktuell gesuchten Produkten und Leistungen für seine Bauvorhaben.

Vom Bauboom in Moskau profitieren möchte auch der deutsche Unternehmer Roland Lipp aus Sachsen-Anhalt. Der Spezialist für Technologieberatung und Bauwesen stellte auf der Mittelstandskonferenz in Moskau sein Projekt "Straßenhaus" vor. Dafür will er in Moskau ein System von vier- bis fünfstöckigen Gebäuden errichten, auf deren Dächern kreuzungs- und ampelfrei der Verkehr rollt. Die darunter liegenden Etagen könnten für Leitungsgänge, unbemannte Transportkabinen, Wohnungen, Büros und Parkplätze genutzt werden. Lipp verspricht sich von der Idee eine Entlastung des Moskauer Straßennetzes und plant ein Netz von 210 km Straßen und 26 Parkhäusern. Die Investitionen je Kilometer würden 25 Mio. US$ betragen. Lipp meint, dass diese Kosten durch Verkauf der Geschäftsflächen unter den Straßen leicht refinanziert werden könnten. Derzeit prüft die Moskauer Stadtverwaltung, ob Sie dem deutschen Unternehmer ein Testgelände zur Erprobung seines Vorhabens zur Verfügung stellt.

Große Bauvorhaben in Russland (Auswahl)
Vorhaben Ort Investor Investitionsvolumen Geplanter Baubeginn
Errichtung einer neuen Stadt für 500.000 Einwohner "Bolschoje Domodedowo" Domodedowo, Gebiet Moskau Coalco 11 Mrd. US$ Sommer 2007
Wohn- und Geschäftszentrum "Krasnojarsk-City" Krasnojarsk Monolitholding, Mirax Group 3 bis 5 Mrd. US$ k.A.
Verwaltungs- und Geschäftszentrum "Gasprom-City" auf 66,8 Hektar Sankt Petersburg Stadt St. Petersburg, Gasprom-Neft 2 Mrd. US$ Sommer 2007
Wohn- und Geschäftsquartal auf 41 Hektar Sankt Petersburg Industrial Buildings Corporation (IBC) 1 Mrd. US$ Sommer 2007
Wohn-, Handels- und Lagerkomplex "Megapolis LenKAD" Wsewoloschsk bei Sankt Petersburg Pantikapej 0,65 Mrd. US$ Mitte 2007
Büro- und Hotelkomplex "Chimki-Gate" Chimki, Gebiet Moskau Michaniki Russia (griechisches Kapital) 0,3 Mrd. US$ Mitte 2007
 
< zurück   weiter >