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Bezahlautomaten setzen sich in Russland immer mehr durch

Zahl der Geräte innerhalb eines Jahres verdoppelt / Rund 100 Produzenten landesweit / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Russlands Markt für Bezahlautomaten hat sich zu einem Millionengeschäft entwickelt. Inzwischen sind landesweit rund 100.000 Geräte in Betrieb, was eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres bedeutet. Vor allem Mobilfunkbetreiber profitieren von den elektronischen Terminals, über die ein Großteil der Handygespräche bezahlt wird. Für die nächsten Jahre rechnen Experten mit Wachstumsraten von bis zu 20% beim Absatz der Automaten.

Bezahlautomaten erleben in Russland einen Boom. Die Zahl der aufgestellten Geräte hat sich 2007 gegenüber dem Vorjahr auf 100.000 verdoppelt, ermittelte die Zeitschrift Expert. Täglich werden über 10,5 Mio. Transaktionen an den elektronischen Terminals abgewickelt. Das Jahresvolumen der eingezahlten Summe liegt laut Verband für den elektronischen Handel (NAUET) bei 15,5 Mrd. US$. Zwar hat der Markt in einigen Regionen bereits Sättigungsgrenzen erreicht. Kenner rechnen beim Absatz der Automaten aber dennoch mit weiteren Wachstumsraten von 15 bis 20% in den nächsten drei Jahren.

Ob für das Aufladen des Handy-Guthabens oder die Begleichung der Stromrechnung - die elektronischen Terminals mit Touchscreen sind praktisch, rund um die Uhr verfügbar und ersparen lange Wartezeiten an den Schaltern von Post oder Sberbank. Da das Bankensystem und der bargeldlose Zahlungsverkehr im Land nach wie vor schwach entwickelt sind und das Vertrauen in Geldkarten gering ist, werden rund 90% aller Zahlungsvorgänge noch über Bareinzahlungen abgewickelt, schätzen Marktexperten.

In diese Lücke stoßen seit 2001 Bezahlautomaten, die in Supermärkten, Einkaufszentren, Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen aufgestellt werden. Der Betreiber der Automaten schließt einen Vertrag mit Mobilfunkprovidern, kommunalen Versorgern oder Internetanbietern und kassiert für diese von der Bevölkerung die fälligen Gebühren über Bargeldeinzahlungen. Meist müssen die Nutzer der Automaten eine Kommission für diese Dienstleistung zahlen. Auf diese Weise werden zum Beispiel 90% aller Mobilfunkrechnungen beglichen.

Und der Boom geht weiter: Anfang Dezember 2007 hat Russlands größter Handyverkäufer Ewroset bekannt gegeben, 1.200 Bezahlterminals für seine Filialen zu kaufen. Der Millionenauftrag ging an den Hersteller Unicum. Mehrere Hundert neuer Automaten wollen auch die beiden Wettbewerber Dixis und Swjasnoj in den kommenden Monaten anschaffen.

Größter Anbieter von Zahlungssystemen für Bezahlautomaten ist das Moskauer Unternehmen OSMP. Nach Angaben der Zeitung Business & Financial Markets bedient OSMP rund 65% der in Russland aufgestellten Geräte (wobei OSMP nicht immer Besitzer der Geräte ist). Danach folgen mit jeweils 12 bis 15% die Unternehmen e-port und Cyberplat.

Wie ein Verkäufer von Cyberplat der bfai mitteilte, gibt es derzeit schätzungsweise 100 Produzenten von Bezahlautomaten in Russland. Sie benutzen allerdings hauptsächlich Importkomponenten für die Montage. Wichtige Hersteller sind Unicum (www.unicum.ru), Unact (www.unactpay.ru) und Odin Touch (www.odintouch.ru), die häufig auch Vending-, Spiel- und andere Automaten produzieren. Die Verkaufspreise der Bezahlautomaten liegen je nach Ausstattung zwischen 70.000 Rubel (rund 2.000 Euro, offizieller Kurs am 28.12.07: 1 Euro = 35,73 Rubel) und 140.000 Rubel (rund 3.900 Euro).

Experten gehen davon aus, dass sich das Leistungsspektrum der Bezahlterminals künftig noch vergrößern wird. So können die Russen schon bald auch Steuern und Bußgelder am Automaten bezahlen, Flugtickets kaufen oder ihre Kredite tilgen. Solche neuen Funktionen werden den Bedarf an Automaten weiter ankurbeln. Da allmählich die Standorte zum Aufstellen der Geräte knapp werden, bieten erste Hersteller inzwischen wetterfeste Versionen an, die unter freiem Himmel dem russischen Frost widerstehen.

Gefahr für das Marktwachstum droht durch aktuelle Forderungen der Russischen Zentralbank, die den Wildwuchs bei den Automatenbetreibern eindämmen will. Zum 12.11.07 sollte ein Zusatzartikel zum Bankengesetz in Kraft treten, laut dem die Besitzer der Bezahlautomaten nur Bargeld von Privatpersonen annehmen dürfen, wenn sie einen Mittlervertrag mit einer Geschäftsbank abgeschlossen haben. Die Zentralbank will damit zwielichtige Anbieter vom Markt drängen, die keine Steuern entrichten.

Nach Protesten der Automatenbetreiber hat das Finanzinstitut die Anwendung der Verordnung um einige Monate verschoben, damit sich die betroffenen Unternehmen besser auf die neuen Anforderungen vorbereiten können. Nach Angaben der russischen Presse gibt es in 50.000 russischen Gemeinden keine Bankfilialen, wodurch viele Bürger auf die Bezahlterminals angewiesen sind, um ihre Handy- oder Stromrechnung zu bezahlen. (S.Z.)

 
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