| Ausbau der Methanolkapazitaeten in Russland | | Drucken | |
Zwei große neue Anlagen auf dem Weg / Verbrauch auf dem Binnenmarkt wird wachsen / Hohe Exporte / Von Waldemar LichterMoskau (bfai) - Russlands Methanolindustrie baut ihre Kapazitäten aus. Bestehende Produktionsanlagen werden erweitert, zwei neue Großanlagen für je über 400.000 t/Jahr sollen 2008 in Betrieb gehen. Doch die Zukunftsaussichten sind nicht eindeutig: Die Branche exportiert viel und profitiert dabei von den niedrigen Erdgaspreisen auf dem Binnenmarkt. Der Wettbewerbsvorteil wird aber bald schwinden. Eine Alternative wäre der Binnenmarkt. Dort steigt der Verbrauch (nur) langsam. Experten erwarten, dass die Verarbeitung von Methanol vor Ort in nächster Zeit zunehmen wird. (Kontaktanschriften) Ein großes neues Vorhaben zur Methanol-Produktion in Russland kündigten kürzlich der unabhängige russische Erdgasförderer NGK Itera und die Chemiegruppe Uralchimplast an. In Nishnij Tagil (Gebiet Swerdlowsk), dem Stammsitz von Uralchimplast, beabsichtigen beide Unternehmen, einen Erdgaschemiekomplex zu errichten. Im ersten Schritt soll die Herstellung von Methanol aufgenommen werden. Damit wird sich das neu gegründete Joint Venture UralMethanolGroup befassen. Geplant ist, in Nishnij Tagil eine neue Methanol-Anlage für 400.000 t pro Jahr zu bauen. Die Inbetriebnahme ist für 2008 geplant. Die Investitionskosten werden auf 110 Mio. bis 120 Mio. US$ geschätzt. Die Lizenz sowie das Engineering für die erste Phase des ergaschemischen Großvorhabens werden laut einem Ende 2006 unterzeichneten Vertrag von der Lurgi AG stammen. Ein ähnlich großes Projekt zur Erweiterung seiner Methanol-Produktion packt jetzt auch Schtscholkino-Azot (Gebiet Tula) an. Einer Mitteilung des Unternehmens zufolge soll eine neue Anlage mit einer Kapazität von 450.000 t pro Jahr errichtet werden. Die Dauer der Bauphase wird mit 33 Monaten angegeben. Der große Vorteil der neuen Anlage sei der deutlich geringere Verbrauch von Energie (40% weniger) und Erdgas (200 cbm je Tonne Methanol) im Vergleich zu bestehenden Anlagen, so das Unternehmen. Zuvor hatten bereits Metafrax (Gubacha) und Togliattiazot ihre Methanol-Anlagen erweitert. Beide verfügen jetzt als einzige in Russland über Kapazitäten von 1 Mio. t pro Jahr. Interesse an Investitionen im Methanolbereich haben nach Informationen von Branchenbeobachtern auch Unternehmen aus der Republik Tatarstan. Für den Mineraldüngerkonzern Eurochem gehört Methanol zwar nicht zu den Schwerpunkten seiner Aktivitäten. Nach Angaben von Unternehmensvertretern werden aber Überlegungen angestellt, wie die Sparte weiter entwickelt werden sollte. Eurochem verfügt über Methanol-Kapazitäten an zwei Standorten: bei Nowomoskowskij Azot und bei Newinomysskij Azot. Der Verbrauch von Methanol auf dem Binnenmarkt nimmt zwar kontinuierlich zu. Die Nachfrage aus dem Ausland ist jedoch wichtiger geworden. Inzwischen übersteigt das Volumen der Methanol-Ausfuhren die Lieferungen bzw. die Weiterverarbeitung auf dem lokalen Markt. Zwischen 2001 und 2006 haben sich die Exporte fast verdoppelt von 808.400 t auf rund 1,6 Mio. t. Der Binnenverbrauch nahm im Vergleich dazu deutlich schwächer von 1,32 Mio. t auf 1,55 Mio. t zu. Der allergrößte Teil der Ausfuhren geht in die Europäische Union und dort vor allem in das Transitland Finnland (2006: 55,4%). In andere Länder wurden nur 17,1% des russischen Methanols exportiert, darunter in die Türkei 13,1%. Die Exporterfolge stehen aber auf wackligen Füssen, geben Experten zu bedenken. Denn die russischen Hersteller profitieren von den vergleichsweise geringen Preisen für Erdgas auf dem Binnenmarkt. Werden diese nach oben angepasst, wie von der Regierung geplant, dann könnte dieser Wettbewerbsvorteil schwinden.
Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon Das zweite Problem, das auf die russische Methanol- bzw. Methanol verarbeitende Industrie zukommt, ist die Chemieverordnung REACH der EU, die im Juni 2007 in Kraft tritt. Die damit verbundene Verpflichtung zur Registrierung und Zulassung chemischer Stoffe wird auch die russische Exportindustrie treffen. "Entweder wir springen in das Boot und machen alles mit, was gefordert ist, oder wir sollten über eine Veränderung unserer Exportströme nachdenken", empfiehlt Tamara Chazowa vom Moskauer Marktforschungsunternehmen Creon russischen Unternehmen. Die russische Chemieindustrie scheint sich jedenfalls auf die REACH-Verordnung noch nicht eingestellt zu haben. Als Alternative zu den ungewiss werdenden Exportmärkten sollte der Binnenmarkt entwickelt werden, meint Chazowa. Sie sieht gute Chancen, dass die Nachfrage nach Methanol in Russland selbst in nächster Zeit deutlich steigen wird. Viele Unternehmen, wie etwa Metafrax oder Schtschokinoazot, setzen auf eine höhere Eigenverarbeitung zu Formaldehyd, Harnstoff-Formaldehydkonzentrat und anderen Folgeprodukten. Gute Aussichten für einen steigenden Methanol-Verbrauch sieht die Creon-Expertin bei Anwendungen in der russischen Erdgasindustrie. Ein großer Teil des Methanols im Land (20%) wird für Inhibitoren verwendet, die beim Erdgastransport eingesetzt werden - eine russische Besonderheit. Da mehr Erdgas gefördert und transportiert werden soll, werde der Bedarf an Inhibitoren steigen, sagt Chazowa. Weiteres Wachstum werde es ferner beim Einsatz von Methanol-Folgeprodukten im Agrarsektor (Methylmercaptan, Methionin) und bei der Kunststoffproduktion geben.
Quelle: Marktforschungsfirma Creon, Moskau
Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau
Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau
Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau KontaktanschriftenOAO Metafrax 618250 Gubacha, Gebiet Perm, Russische Föderation Tel.: 007/34248/408 98, Fax: -471 21 E-Mail: metafrax@permonline.ru, Internet: http://www.metafrax.ru
OOO Sibmetachim Sewernyj Promuzel Plotschadka TNChK, 624067 Tomsk, Russische Föderation Tel.: 007/3822/73 00 34, Fax: -73 00 13 E-Mail: common@smd-chem.ru
Schtschokinoazot ul. Simferopolskaja 17 301212 Pos. Perwomajskij, Schtschokinskij Rayon, Gebiet Tula, Russische Föderation Tel.: 007/48751/967 81, Fax: -922 21 E-Mail: azot@azot.net, Internet: http://www.n-azot.ru
ZAO Creon Präsident: Dr. Fares Kilzie Prospekt Universitetskij 9 119296 Moskau, Russische Föderation Tel.: 007/495/797 49 07, Fax: -938 00 08 E-Mail: info@creon-online.ru; Internet: http://www.creon-online.ru, http://www.rcc.ru (W.L.) |
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