Zur russischen Version RU  
 
    ÜBER UNS | KONTAKTHome arrow Weitere Informationen arrow Wirtschaft arrow Ausbau der Methanolkapazitaeten in Russland  
Freitag, 18. 05. 2012. - 14:38
Menü
Handels- und Industriekammer Russland (HIK)
Weitere Informationen
Kontakt
Leipziger Str. 63
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 204 42 02
Fax: +49 (0)30 204 50 201
E-Mail: info∫@∫hik-russland.de
Newsletter



Suche
Login/Registrierung
Loggen Sie sich ein, um Ihre Einträge zu editieren.





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Hier erstellen
Ausbau der Methanolkapazitaeten in Russland | Drucken |

Zwei große neue Anlagen auf dem Weg / Verbrauch auf dem Binnenmarkt wird wachsen / Hohe Exporte / Von Waldemar Lichter

Moskau (bfai) - Russlands Methanolindustrie baut ihre Kapazitäten aus. Bestehende Produktionsanlagen werden erweitert, zwei neue Großanlagen für je über 400.000 t/Jahr sollen 2008 in Betrieb gehen. Doch die Zukunftsaussichten sind nicht eindeutig: Die Branche exportiert viel und profitiert dabei von den niedrigen Erdgaspreisen auf dem Binnenmarkt. Der Wettbewerbsvorteil wird aber bald schwinden. Eine Alternative wäre der Binnenmarkt. Dort steigt der Verbrauch (nur) langsam. Experten erwarten, dass die Verarbeitung von Methanol vor Ort in nächster Zeit zunehmen wird. (Kontaktanschriften)

Ein großes neues Vorhaben zur Methanol-Produktion in Russland kündigten kürzlich der unabhängige russische Erdgasförderer NGK Itera und die Chemiegruppe Uralchimplast an. In Nishnij Tagil (Gebiet Swerdlowsk), dem Stammsitz von Uralchimplast, beabsichtigen beide Unternehmen, einen Erdgaschemiekomplex zu errichten. Im ersten Schritt soll die Herstellung von Methanol aufgenommen werden. Damit wird sich das neu gegründete Joint Venture UralMethanolGroup befassen.

Geplant ist, in Nishnij Tagil eine neue Methanol-Anlage für 400.000 t pro Jahr zu bauen. Die Inbetriebnahme ist für 2008 geplant. Die Investitionskosten werden auf 110 Mio. bis 120 Mio. US$ geschätzt. Die Lizenz sowie das Engineering für die erste Phase des ergaschemischen Großvorhabens werden laut einem Ende 2006 unterzeichneten Vertrag von der Lurgi AG stammen.

Ein ähnlich großes Projekt zur Erweiterung seiner Methanol-Produktion packt jetzt auch Schtscholkino-Azot (Gebiet Tula) an. Einer Mitteilung des Unternehmens zufolge soll eine neue Anlage mit einer Kapazität von 450.000 t pro Jahr errichtet werden. Die Dauer der Bauphase wird mit 33 Monaten angegeben. Der große Vorteil der neuen Anlage sei der deutlich geringere Verbrauch von Energie (40% weniger) und Erdgas (200 cbm je Tonne Methanol) im Vergleich zu bestehenden Anlagen, so das Unternehmen.

Zuvor hatten bereits Metafrax (Gubacha) und Togliattiazot ihre Methanol-Anlagen erweitert. Beide verfügen jetzt als einzige in Russland über Kapazitäten von 1 Mio. t pro Jahr.

Interesse an Investitionen im Methanolbereich haben nach Informationen von Branchenbeobachtern auch Unternehmen aus der Republik Tatarstan. Für den Mineraldüngerkonzern Eurochem gehört Methanol zwar nicht zu den Schwerpunkten seiner Aktivitäten. Nach Angaben von Unternehmensvertretern werden aber Überlegungen angestellt, wie die Sparte weiter entwickelt werden sollte. Eurochem verfügt über Methanol-Kapazitäten an zwei Standorten: bei Nowomoskowskij Azot und bei Newinomysskij Azot.

Der Verbrauch von Methanol auf dem Binnenmarkt nimmt zwar kontinuierlich zu. Die Nachfrage aus dem Ausland ist jedoch wichtiger geworden. Inzwischen übersteigt das Volumen der Methanol-Ausfuhren die Lieferungen bzw. die Weiterverarbeitung auf dem lokalen Markt. Zwischen 2001 und 2006 haben sich die Exporte fast verdoppelt von 808.400 t auf rund 1,6 Mio. t. Der Binnenverbrauch nahm im Vergleich dazu deutlich schwächer von 1,32 Mio. t auf 1,55 Mio. t zu.

Der allergrößte Teil der Ausfuhren geht in die Europäische Union und dort vor allem in das Transitland Finnland (2006: 55,4%). In andere Länder wurden nur 17,1% des russischen Methanols exportiert, darunter in die Türkei 13,1%. Die Exporterfolge stehen aber auf wackligen Füssen, geben Experten zu bedenken. Denn die russischen Hersteller profitieren von den vergleichsweise geringen Preisen für Erdgas auf dem Binnenmarkt. Werden diese nach oben angepasst, wie von der Regierung geplant, dann könnte dieser Wettbewerbsvorteil schwinden.

Geplante Anpassung der Binnenmarktpreise für Erdgas in Russland
Zeitpunkt Preis in US$
01.01.2007 58
01.08.2008 72
01.01.2009 81
01.07.2009 92
01.01.2010 104
01.07.2010 117
dann 120 bis 130

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon

Das zweite Problem, das auf die russische Methanol- bzw. Methanol verarbeitende Industrie zukommt, ist die Chemieverordnung REACH der EU, die im Juni 2007 in Kraft tritt. Die damit verbundene Verpflichtung zur Registrierung und Zulassung chemischer Stoffe wird auch die russische Exportindustrie treffen. "Entweder wir springen in das Boot und machen alles mit, was gefordert ist, oder wir sollten über eine Veränderung unserer Exportströme nachdenken", empfiehlt Tamara Chazowa vom Moskauer Marktforschungsunternehmen Creon russischen Unternehmen. Die russische Chemieindustrie scheint sich jedenfalls auf die REACH-Verordnung noch nicht eingestellt zu haben.

Als Alternative zu den ungewiss werdenden Exportmärkten sollte der Binnenmarkt entwickelt werden, meint Chazowa. Sie sieht gute Chancen, dass die Nachfrage nach Methanol in Russland selbst in nächster Zeit deutlich steigen wird. Viele Unternehmen, wie etwa Metafrax oder Schtschokinoazot, setzen auf eine höhere Eigenverarbeitung zu Formaldehyd, Harnstoff-Formaldehydkonzentrat und anderen Folgeprodukten.

Gute Aussichten für einen steigenden Methanol-Verbrauch sieht die Creon-Expertin bei Anwendungen in der russischen Erdgasindustrie. Ein großer Teil des Methanols im Land (20%) wird für Inhibitoren verwendet, die beim Erdgastransport eingesetzt werden - eine russische Besonderheit. Da mehr Erdgas gefördert und transportiert werden soll, werde der Bedarf an Inhibitoren steigen, sagt Chazowa. Weiteres Wachstum werde es ferner beim Einsatz von Methanol-Folgeprodukten im Agrarsektor (Methylmercaptan, Methionin) und bei der Kunststoffproduktion geben.

Entwicklung der Nachfrage nach Methanol zur Weiterverarbeitung bzw. bei der Herstellung anderer chemischer Produkte (in 1.000 t)
Produkt Nachfrage nach Methanol 2006 Nachfrage nach Methanol 2010 (Prognose)
Formaldehyd 580 800
Essigsäure 97 120
MBTE 250 300
Methylmethacrylat 25 35
Methylmercaptan, Methionin 22 105
Isopren 175 250
Urotropin 64 80
Inhibitoren für die Erdgasindustrie 310 350

Quelle: Marktforschungsfirma Creon, Moskau

Methanolproduktion in Russland - wichtigste Hersteller (Anteile an der russischen Produktion 2006 in %)
  Kapazitäten in 1.000 t Kapazitätsauslastung 2006 (in %) Anteil an der gesamten russischen Produktion 2006 (in %) Eigenverbrauch der hergestellten Produktion 2006 (in %)
??? Sibmetachim (früher Methanol; Tomsk, gehört RAO Gazprom) 820 98,2 25,6 8,2
??? Metafrax (Gubacha) 1.000 78,8 25,1 37,0
NAK Azot (Nowomoskowsk) 550 77,6 13,5 0
??? Togliattiazot (Togliatti) 282,56 k.A. 12,9 20,0
??? Schtschekinoazot (Schtschekino) 264,83 k.A. 11,6 8,6
??? Azot (Newinnomyssk) 90,23 k.A. 4,0 75,6
??? Akron 72,7 k.A. 3,1 86,6
??? NZSP (Nowotscherkassk) 71,75 k.A. 3,2 18,8
??? Angraskij NChK 23,75 k.A. 1,0 0

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau

Kennziffern des Methanol-Marktes
Kennziffer 2001 2004 2005 2006
Produktion (1.000 t) 2.129 2.913 2.901 3.156
Export (1.000 t) 808 1.514 1.444 1.601
Verbrauch auf dem Binnenmarkt (1.000 t) 1.321 1.399 1.457 1.555
Exportanteil (in %) 38,0 52,0 49,8 50,7

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau

Prognose über die Entwicklung des Methanol-Verbrauchs weltweit (in Mio. t)
  2001 2005 2010 2014
Welt, insgesamt 31,6 35,5 40,7 45,4
.davon:        
..Asien 9,5 13,9 19,7 22,4
..Amerika 11,3 10,1 8,0 8,3
..Europa (außer ex-Sowjetunion) 7,3 7,3 7,8 8,6
..Nachfolgestaaten der Sowjetunion 1,6 1,8 2,5 2,9
.darunter: Russland 1,3 1,5 2,1 2,3
..Naher Osten 1,8 2,2 2,5 3,1
..Afrika 0,14 0,16 0,19 0,25

Quelle: Marktforschungsunternehmen Creon, Moskau

Kontaktanschriften

OAO Metafrax

618250 Gubacha, Gebiet Perm, Russische Föderation

Tel.: 007/34248/408 98, Fax: -471 21

E-Mail: , Internet: http://www.metafrax.ru

 

OOO Sibmetachim

Sewernyj Promuzel Plotschadka TNChK, 624067 Tomsk, Russische Föderation

Tel.: 007/3822/73 00 34, Fax: -73 00 13

E-Mail:

 

Schtschokinoazot

ul. Simferopolskaja 17

301212 Pos. Perwomajskij, Schtschokinskij Rayon, Gebiet Tula, Russische Föderation

Tel.: 007/48751/967 81, Fax: -922 21

E-Mail: , Internet: http://www.n-azot.ru

 

ZAO Creon

Präsident: Dr. Fares Kilzie

Prospekt Universitetskij 9

119296 Moskau, Russische Föderation

Tel.: 007/495/797 49 07, Fax: -938 00 08

E-Mail: ; Internet: http://www.creon-online.ru, http://www.rcc.ru

(W.L.)


 
< zurück   weiter >