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Russlands Stahlkocher in Investitionslaune | Drucken |

Bau mehrerer Grosswalzwerke geplant / Binnennachfrage steigt zweistellig an

Moskau (bfai) - Russlands Stahlbranche bleibt weiter in Investitionslaune. Dank sprudelnder Gewinne und einer steigenden Binnennachfrage planen die großen Holdings neue Stahl- und Walzwerke im Land. Die Regierung rechnet bis 2010 mit einer Ausweitung der Kapazitäten um bis zu 30%. Für eine effizientere Produktion sind die russischen Metallurgieunternehmen auf Ausrüstungen und Anlagen aus dem Ausland angewiesen.

Die Kassen der russischen Metallurgiekonzerne sind infolge der hohen Weltmarktpreise für Metalle prall gefüllt. Allein die sieben größten Stahlholdings haben 2006 einen Umsatz von 26 Mrd. US$ erzielt und Gewinne von 8,5 Mrd. US$ eingefahren. Mit einem Gesamtausstoß von fast 71 Mio. t war Russland 2006 der viertgrößte Stahlproduzent nach der VR China, Japan und den USA.

Produktion von Erzeugnissen der Schwarzmetallurgie in Russland
  Produktion 2006 Zuwachs 2006 gegenüber 2005 in %
Roheisen und Ferrolegierungen, Mio. t 51,7 5,1
Ferrosilicium, 1.000 t 892 20,2
Ferrochrom, 1.000 t 556 -4,7
Stahl, Mio. t 70,8 6,8
..darunter: 41,7 6,1
..Konverterstahl    
..Elektrostahl 15,1 10,6
Stahlröhren, Mio. t 7,9 17,7
Metallcord, 1.000 t 24,2 -3,2
Stahlgeflechte, Mio. qm 40,9 8,7

Quelle: Prime-Tass nach Angaben des Föderalen Statistikdienstes

Durch Zukäufe und Kooperationen im Ausland hat Russlands Stahlbranche ihre internationale Position in den letzten Monaten deutlich gestärkt. Evraz hat 2006 die US-Konkurrenten Oregon Steel Mills und Stratcor sowie Anteile an der südafrikanischen Highveld Steel and Vanadium Corp. übernommen. Das Nowolipetzker Metallurgiekombinat NLMK hat die dänische DanSteel gekauft und ein Joint Venture mit der italienischen Duferco gegründet. Die Promyschlenno-metallurgitscheskij Holding konnte Anfang 2007 über ihre Tochter "Koks" für 105 Mio. Euro eine Mehrheit an Slovenian Steel übernehmen und will weitere 250 Mio. Euro in deren Werke investieren. Der slowenische Konzern kam 2006 auf ein Produktionsvolumen von 400.000 t und liefert vor allem nach Westeuropa und in die USA.

Im Inland ist die Konsolidierung der Branche weit fortgeschritten. Auf die vier größten Metallurgiekonzerne Russlands entfallen laut Ratingagentur Fitch rund 75% der Stahlproduktion. Russische Zeitungen schließen weitere Fusionen der einheimischen Stahlriesen nicht aus.

Immer wichtiger für die russischen Stahlkocher wird die Nachfrage auf dem Binnenmarkt. Analysten erwarten hier 2007 und 2008 jeweils Zuwächse von 15%, während weltweit der Stahlbedarf nur um rund 6% wachsen wird. Schon 2006 wurden in Russland über 33 Mio. t Walzgut (Schwarzmetalle) verbraucht, ein Zuwachs von 17% gegenüber dem Vorjahr. Bei verzinktem Walzgut gehen die Experten davon aus, dass die Binnennachfrage 2007 um bis zu 25% über dem Vorjahr liegt und 2 Mio. t erreicht. Bei Walzgut mit Polymerbeschichtung soll der Bedarf sogar um 35% auf 1 Mio. t wachsen.

Russlands größte Metallurgiekonzerne (Schwarzmetalle)
Nr. Unternehmen Stahlproduktion 2005 in Mio. t Stahlproduktion 2006 in Mio. t Umsatz 2005 in Mrd. US$ Umsatz 2006 in Mrd. US$ Zuwachs in %
1 Severstal 16,8 17,6 10,4 12,4 19
2 Evraz 13,9 16,1 6,5 k.A. k.A.
3 Magnitogorskij Metallurgitscheskij Kombinat (MMK) 11,4 12,4 5,4 6,4 19
4 Nowolipetzkij Metallurgitscheskij Kombinat (NLMK) 8,4 9,1 4,4 6,1 38
5 Metschel 5,9 6,0 3,8 k.A. k.A.

Quellen: Firmenangaben, russische Wirtschaftszeitungen

Finanziell gestärkt durch die hohen Gewinne hält die Investitionslaune der russischen Stahlkocher weiter an. Deutsche Ausrüster von Gießereien, Walzwerken und Eisenhütten profitieren davon. So hat das Metallurgiekombinat Magnitogorsk (MMK) Anfang 2007 einen Liefervertrag mit der SMS Demag bekannt gegeben. Das Düsseldorfer Unternehmen wird demnach Anlagen für eine Grobblechwalzstraße mit einer Jahreskapazität von 1,5 Mio. t nach Russland liefern.

MMK ( http://www.mmk.ru) plant bis 2013 Investitionen von 5,2 Mrd. US$. Neben dem erwähnten Walzwerk setzt das Unternehmen auf eine größere Verarbeitungstiefe und will auch verzinkte Bleche, Bleche mit Polymerbeschichtung und Biegeprofile herstellen. Geplant ist zudem eine Ausweitung der Produktion von kaltgewalztem Stahl. Wie die Wirtschaftszeitung RBK Daily berichtet, soll auch die Förderung von Eisenerzen ausgebaut werden.

Das Nowolipetzker Metallurgiekombinat NLMK ( http://www.nlmk.ru) will zwischen 2007 und 2011 etwa 4,4 Mrd. US$ in die Erweiterung seiner Kapazitäten stecken. So soll die Stahlproduktion um 40% auf 12,4 Mio. t pro Jahr steigen und der Walzblechausstoß nahezu verdoppelt werden. NLMK hat 2006 mit einem Reingewinn von 2,07 Mrd. US$ abgeschlossen, ein Plus von 50% gegenüber 2005.

Das Tscheljabinsker Metallurgiekombinat CHMK, das zum Metschel-Konzern ( http://www.mechel.ru) gehört, sieht bis 2011 eine Versechsfachung der Produktion von rostfreiem Flachstahl vor (auf dann 300.000 jato). Die russische Nachfrage nach diesem Produkt werde nach CHMK-Prognosen von 140.000 t (2006) auf 190.000 t (2011) steigen. Dafür sorge vor allem die wachsende Produktion von Stahlröhren, Kraftwerkstechnik und Kfz-Teilen wie Kraftstoffbehälter und Schalldämpfer.

Die Jekaterinburger Maxi Group ( http://www.maxi-group.ru) beginnt in diesem Jahr mit den Bauarbeiten für ein 500 Mio. Euro teures Walzwerk bei Woronesch (Jahreskapazität: 4 Mio. t).

Evraz ( http://www.evraz.com) investiert in den nächsten vier Jahren eine halbe Milliarde US-Dollar in eine Fabrik zur Herstellung von Eisenbahnschienen. Dabei soll japanische Technologie zur Stahlhärtung genutzt werden, die Evraz im Zuge der Übernahme von Oregon Steel mit erworben hatte. Der russische Konzern ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Schienenproduzent mit einem Jahresausstoß von 1,7 Mio. t.

In neue Produktionsanlagen des Metallurgiewerks STAKS in Krasny Sulin (Gebiet Rostow am Don) sollen bis 2010 etwa 77 Mio. US$ fließen. Dadurch würden die Kapazitäten für Stahlrohlinge und Eisenpulver deutlich erhöht werden. In der Region hat auch die türkische Kurum Holding Pläne für ein Metallurgiewerk.

Die Industrieholding Metalloinvest ( http://www.metallinvest.ru) plant nach Zeitungsmeldungen bei der Tochtergesellschaft OEMK (Stary Oskol, Gebiet Belgorod) eine Fertigung von Stahlblechen für die Automobilindustrie. Bei Investitionen von rund 300 Mio. US$ soll bis 2010 eine Jahreskapazität von 3 Mio. t aufgebaut werden. Die endgültige Entscheidung über den Bau fällt bis Mitte 2007.

Bis 2009 möchte die UGMK-Holding ( http://www.ugmk.com) in Tjumen ein Werk zur Produktion von 550.000 jato Formstahl errichten, in dem auch Stahlschrott aufbereitet werden soll. Nach Unternehmensangaben hat vor allem die große regionale Nachfrage der Bauindustrie zu der Standortentscheidung beigetragen. Die Investitionen belaufen sich auf geschätzte 370 Mio. Euro. Als Hauptlieferant ist die italienische Danieli im Gespräch.

Russlands Einfuhren von Ausrüstungen für die Metallurgie
Warenbezeichnung / HS-Code Import 2005 in Mio. US$ Import 2006 in Mio. US$ Zuwachs 2006 zu 2005 in %
Konverter für Gießereien, Stahlwerke od. andere metallurgische Betriebe / 8454.10 8,8 6,4 -27
..davon aus Deutschland 8,3 0,4 -95
Rohrwalzwerke / 8455.10 4,3 7,3 70
..davon aus Deutschland 0,2 0,01 -95
Warmwalzwerke und kombinierte Warm- und Kaltwalzwerke / 8455.21 64,0 83,7 31
..davon aus Deutschland k.A. 1,2 -
Kaltwalzwerke /8455.22 3,4 4,0 18
..davon aus Deutschland 0,3 1,5 400
Walzen für Walzwerke aus Gusseisen / 8455.3010 71,8 55,4 -23
..davon aus Deutschland 5,6 4,3 -23
Arbeitswalzen für Warmwalzwerke; Stützwalzen für Warm- u. Kaltwalzwerke aus Stahl, freiformgeschmiedet / 8455.3031 29,4 25,1 -15
..davon aus Deutschland 3,1 4,9 58
Arbeitswalzen für Kaltwalzwerke, aus Stahl, freiformgeschmiedet / 8455.3090 6,4 6,2 -3
..davon aus Deutschland 4,8 4,4 -8
Öfen zum Rösten, Schmelzen oder anderem Warmbehandeln von Erzen, Schwefelkies oder Metallen / 8417.10 21,1 27,0 28
..davon aus Deutschland 3,8 17,5 361

Quelle: Föderaler Zolldienst

(S.Z.)


 
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