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Russlands Post braucht Milliardeninvestitionen | Drucken |

Russlands Post braucht Milliardeninvestitionen

Bau von Briefzentren und Modernisierung der Filialen geplant / Größter Umsatz mit Bankdienstleistungen / Von Gerit Schulze

Moskau (bfai) - Mit Milliardeninvestitionen aus dem Stabilitätsfonds soll Russlands Post in den nächsten Jahren konkurrenzfähiger werden. Dabei setzt das Staatsunternehmen vor allem auf Finanzdienstleistungen und sein engmaschiges Filialnetz. Um die Logistikprozesse zu optimieren, sind neue Briefverteilzentren, Frankierautomaten und Sortierstationen notwendig. Bislang ist der Konzern völlig unterfinanziert und schreibt große Verluste. (Kontaktanschrift)

Brief- und Paketdienstleistungen haben in Russland einen großen Nachholbedarf. Während die Deutsche Post pro Jahr über 20 Mrd. Briefe befördert, kommt die Russische Post nur auf 1,4 Mrd. Briefe. Bei Paketen ist die Diskrepanz noch auffälliger: Den 4,5 Mrd. Paketen der Deutschen Post stehen nur 38 Mio. Pakete in Russland gegenüber.

Russlands Post verdient ihr Geld heute vor allem mit Finanzgeschäften. In den rund 42.000 Zweigstellen (mehr als doppelt so viel wie die Sberbank als landesweit größte Bank hat) lassen sich Rentner ihre Pension auszahlen, nehmen die Russen Geldüberweisungen vor oder zahlen ihre Strom- und Telefonrechnungen. Nur ein Viertel des Postumsatzes entfällt auf Briefdienstleistungen, weitere 7% auf den Paketdienst.

Umsätze der Russischen Post nach Geschäftszweigen (in % von 100)
Geschäftszweig Anteil
Auszahlung von Renten und Beihilfen 26
Briefpost 25
Geldüberweisungen 13
Verkauf von Waren und Dienstleistungen 10
Pressevertrieb 9
Paketdienst 7
Gebühreneinzahlung für kommunale und munizipale Dienstleistungen (Strom, Gas, Telefon etc.) 5
Sonstige 5

Quelle: Zeitschrift Smartmoney gemäß Angaben der Russischen Post

Angesichts der guten Finanzgeschäfte verwunderte es daher nicht, dass Anfang Dezember 2007 ausgerechnet der ehemalige Sberbank-Präsident Andrej Kasmin zum neuen Chef der Russischen Post gewählt wurde. Der Bankexperte soll den Umbau des Unternehmens vorantreiben und möglichst in eine Aktiengesellschaft mit 100-prozentiger Staatsbeteiligung umwandeln. Außerdem wird angedacht, der Post die Lizenz für eine Universalbank zu erteilen.

Denn die klassischen Postgeschäfte sind bislang ohnehin nur ein Nebenverdienst, mit dem die Russische Post obendrein rote Zahlen schreibt. Grund sind die (politisch gewollten) geringen Tarife für Briefdienstleistungen bei gleichzeitig hohen logistischen Aufwendungen in dem riesigen Land. So kostet ein Brief von Moskau ins 9.300 Kilometer entfernte Wladiwostok aktuell nur 0,18 Euro, ein zwei Kilogramm schweres Päckchen 4,12 Euro.

Tarife für die Beförderung von Briefen und Paketen innerhalb von Russland (Stand Dezember 2007)
Produkt Kosten in Rubel Kosten in Euro 1)
Postkarte (bis 20 g) 4,75 0,13
Brief einfach (bis 20 g) 6,50 0,18
Einschreibebrief (bis 20 g) 9,90 0,28
Einschreiben mit Wertangabe (bis 20 g) 32,90 0,92
Päckchen bis 500 g (Entfernung bis 600 km) 2) 61,50 1,71
..für jeweils weitere 500 g Gewicht 5,50 0,15
Päckchen bis 500 g (Entfernung 601 bis 2.000 km) 2) 64,80 1,81
..für jeweils weitere 500 g Gewicht 5,90 0,16
Päckchen bis 500 g (Entfernung 2.001 bis 5.000 km) 2) 77,40 2,16
..für jeweils weitere 500 g Gewicht 7,40 0,21
Päckchen bis 500 g (Entfernung 5.001 bis 8.000 km) 2) 103,55 2,89
..für jeweils weitere 500 g Gewicht 9,45 0,26
Päckchen bis 500 g (Entfernung mehr als 8.000 km) 2) 116,65 3,25
..für jeweils weitere 500 g Gewicht 10,40 0,29

1) Offizieller Umrechnungskurs am 11.12.07: 1 Euro = 35,88 Rubel; 2) Tarife gelten für Versand ab Moskau, St. Petersburg und weiteren Gebieten im europäischen Teil Russlands. Für den Versand aus anderen Regionen gelten z.T. höhere Tarife.

Quelle: Russische Post

Insgesamt gilt die Russische Post als ineffizient, unterfinanziert und wenig kundenfreundlich. Für 2007 wird bei einem Gesamtumsatz von 69 Mrd. Rubel ein Verlust von 5,7 Mrd. Rubel erwartet (2006: 56,4 Mrd. Rubel Umsatz, 2,6 Mrd. Rubel Verlust). Aus dem Staatshaushalt wurden 2007 lediglich 1,5 Mrd. Rubel für die Entwicklung der Postinfrastruktur bereit gestellt. Insgesamt lag das Investitionsvolumen der Post 2007 bei 4 Mrd. Rubel. Zur Modernisierung des Konzerns wären laut dem zuständigen Post- und Telekomminister Leonid Rejman 17,5 Mrd. Rubel nötig gewesen.

Der Investitionsbedarf bei der Post ist unübersehbar: Immer noch werden fast alle Briefe per Hand sortiert. Die maximale Zustelldauer liegt bei 20 Tagen, und selbst innerhalb dieser Frist erreichen nur 80% aller Sendungen den Empfänger. Die durchschnittlichen Wartezeiten in den Schalterhallen des Staatskonzerns liegen bei 30 Minuten. Geldüberweisungen dauern mindestens drei Arbeitstage. Immer noch haben 8% der Postfilialen keinen Telefonanschluss, ein Geldautomat steht nur in jeder 100. Zweigstelle der Post, heißt es in einem Sitzungsprotokoll der russischen Regierung.

Mit dem Personalwechsel an der Führungsspitze soll nun die Reform der Post endlich beginnen. Russische Zeitungen berichteten, dass der neue Postchef Kasmin dafür mit 200 Mrd. Rubel (rund 5,5 Mrd. Euro) Unterstützung aus dem Stabilitätsfonds rechnen kann. Ein entsprechendes Entwicklungsprogramm wird die Regierung im 1. Halbjahr 2008 beraten.

Der Umbau der Russischen Post bietet deutschen Unternehmen gute Geschäftschancen. Laut einem Modernisierungsplan, der schon Ende 2006 von Russlands Regierung genehmigt wurde, ist zwischen 2007 und 2009 der Bau von zwölf hochmodernen Sortierzentren für Briefe und Pakete vorgesehen. Nach Angaben der Russischen Post werden derzeit erst drei davon realisiert; die ersten beiden gehen 2008 in Betrieb. Für den Bau eines Briefzentrums bei Sankt Petersburg hat die Siemens AG einen Auftrag bekommen. Weiterhin soll der Fuhrpark zu 40% erneuert und 20.000 Postfilialen umgebaut und modernisiert werden. Ab 2009 entstehen laut den Plänen noch einmal weitere 15 Briefsortierzentren. Die Gesamtinvestitionen sollen sich auf über 50 Mrd. Rubel belaufen, davon ein Drittel aus dem Staatshaushalt.

In und zwischen den Postfilialen muss die gesamte IT-Infrastruktur erneuert werden, um moderne Bankdienstleistungen schnell und effizient anbieten zu können. Im ländlichen Raum gehören dazu auch öffentliche Internetzugänge. Außerdem soll der Schalterbetrieb durch mehr Automaten entlastet werden. Allein dafür müssten laut Entwicklungsprogramm der Post fast 19 Mrd. Rubel zur Verfügung gestellt werden. Das Filialnetz soll nicht verkleinert, sondern vor allem in neuen Wohngebieten sogar um 5% erweitert werden (zusätzlich 2.000 Zweigstellen).

Die Konkurrenten der Russischen Post agieren heute vor allem in lukrativen Nischen wie dem Pressevertrieb, dem Expressversand oder Kurierdiensten in und zwischen den Großstädten. Die Russische Post erreicht als einziger Anbieter nach eigenen Angaben 99% des Landesterritoriums. Dennoch gibt es im Land kein Briefmonopol wie in Deutschland, so ein Sprecher des Konzerns. Vielmehr sei das Unternehmen verpflichtet, das gesamte Spektrum an Postdienstleistungen auch in der Fläche anzubieten. Im Gegenzug werden die Beförderungstarife staatlich subventioniert und Verluste aus dem Staatshaushalt beglichen.

Private ausländische Anbieter wie DHL könnten theoretisch in Russland auch alle Postdienste anbieten. Allerdings kostet die Beförderung eines rund 250 g schweren Briefes von Moskau nach Petropawlowsk auf Kamtschatka nach DHL-Angaben fast 1.700 Rubel (rund 47 Euro) und ist damit nur für Geschäftspost eine Alternative. Dafür ist der Brief innerhalb von zwei Tagen in der 12.000 Kilometer entfernten Gebietshauptstadt.

Kontaktanschrift

Potschta Rossii (Post Russlands)

Warschawskoje schosse 37, 131000 Moskau

Tel.: 007 495/956-20 67, Fax: -99 51

E-Mail: , Internet: www.russianpost.ru

(S.Z.)

 
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