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Russland plant 20.000 Kilometer neue Schienenwege | Drucken |

400 Milliarden Euro Investitionen bis 2030 vorgesehen / Privatinvestoren sollen sich an Ausbauprojekten beteiligen

Moskau (bfai) - Das russische Eisenbahnnetz soll mit einem gigantischen Investitionsprogramm bis 2030 auf den neuesten Stand gebracht werden. Eine Anfang September 2007 von der Regierung gebilligte Entwicklungsstrategie sieht dafür Ausgaben von bis zu 400 Mrd. Euro vor. Geplant sind unter anderem Hochgeschwindigkeitsstrecken und der Anschluss rohstoffreicher Gebiete an das Bahnnetz. Dafür sollen auch 1 Mio. Güterwaggons und 20.000 Lokomotiven nötig sein. An der Finanzierung werden Privatinvestoren beteiligt.

Russlands Regierung hat am 6.9.07 das neue Entwicklungskonzept für die Russischen Eisenbahnen (RZhD) "Strategie der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs der Russischen Föderation bis zum Jahr 2030" gebilligt. Demnach könnten bis 2030 umgerechnet rund 400 Mrd. Euro in den Streckenausbau und Schienenfahrzeuge fließen, davon 78 Mrd. Euro aus dem Staatshaushalt. Das Transportministerium hatte vehement für das Investitionsvorhaben geworben, weil bereits über die Hälfte des Fahrzeugparks und des Schienennetzes verschlissen sei.

Insgesamt sind über 20.000 Kilometer neue Schienenwege geplant. Dabei steht der Anschluss von Rohstofflagerstätten und Häfen an die Eisenbahn im Vordergrund. Vorgesehen ist ein Ausbau in Richtung der Umschlagplätze an der Ostsee und in Murmansk sowie an die Häfen in Fernost. Für die Anbindung des bislang unerschlossenen polaren Uralgebietes mit seinen Kohle-, Eisenerz- und Buntmetallvorkommen hat Russland bereits das Programm "Ural promyschlennyj - Ural poljarnyj" ("Industrieller Ural - polarer Ural") entworfen.

Weiterhin ist eine völlig neue Eisenbahnlinie "Sewsib" (Nordsibirien) geplant, die von Surgut durch die Regionen Tjumen, Tomsk und Krasnojarsk bis nach Lensk führen soll. Ähnlich ambitioniert erscheint die neue Route Jakutsk-Magadan sowie Verbindungen vom Ural nach Archangelsk und Murmansk.

Ein wichtiges Anliegen der Autoren der Strategie ist die Beschleunigung des Eisenbahnverkehrs in Russland. Dafür setzt die Bahn im Personenverkehr vor allem auf ausgewählte Prestigestrecken. Künftig sollen 1.500 Kilometer mit Höchstgeschwindigkeiten von 300 km/h befahrbar sein, darunter die Hauptmagistrale des Landes Moskau - Sankt Petersburg (650 Kilometer). Für Geschwindigkeiten zwischen 160 bis 200 km/h werden bis 2030 laut Plan etwa 10.000 Kilometer ausgebaut sein (derzeit nur 650 Kilometer). Auch die Fahrtzeit in die künftige Olympiastadt Sotschi soll bis zu den Winterspielen 2014 deutlich verkürzt werden (bisher 24 Stunden für 1.700 Kilometer).

Derzeit bauen Russland und Finnland die Verbindung zwischen Sankt Petersburg und Helsinki für Höchstgeschwindigkeiten von 220 km/h aus. Die Fahrtzeit wird sich bis 2011 von fünfeinhalb auf gut drei Stunden verringern. Die französische Alstom hat dafür Anfang September einen Lieferauftrag für vier Schnellzüge bekommen (Vertragssumme: 120 Mio. Euro).

Mehr Tempo machen soll auch der Containerverkehr auf Russlands Schienen. Bislang liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit nach Angaben des Transportministeriums bei 270 Kilometern pro Tag (11,3 km/h). Künftig sollen die Container 1.000 Kilometer am Tag auf der Schiene zurücklegen, im Transitverkehr sogar 1.200 Kilometer.

Wichtige Finanzierungsquelle für die Bahnerneuerung werden Privatinvestoren sein. Besonders der Bahnanschluss von Lagerstätten muss künftig von den interessierten Rohstoffkonzernen mitgetragen werden. Im Gegenzug will die Regierung die Tarifregulierung für Bahntransporte lockern. Im Güterverkehr sollen 2030 die Kosten für die Hälfte aller Transporte marktwirtschaftlich ermittelt werden. Aktuell beträgt dieser Anteil nur 15%. Im Personenverkehr sollen gar 70% aller Fahrten ohne Tarifregulierungen auskommen. Auf Strecken, deren Ausbau besonders teuer ist, werden individuelle Tarife eingeführt, um die Amortisierungsdauer der Investitionen zu verringern.

Ein Vorreiter für privates Engagement ist Norilskij Nikel. Der Rohstoffkonzern errichtet ab 2008 im Oblast Tschita auf eigene Kosten und mit Mitteln aus dem russischen Investitionsfonds einen 375 Kilometer langen Schienenanschluss zu neuen Lagerstätten.

Um auch im Exportgeschäft Marktanteile zu gewinnen, muss Russlands Bahn nach dem Willen des Transportministeriums in den Nachbarländern Logistikzentren errichten, zu denen Schienenwege mit der in Russland üblichen Spurweite von 1.520 Millimeter führen. Eine erste Strecke wird voraussichtlich über die Slowakei nach Wien führen.

Bislang ist die Netzdichte im größten Land der Erde sehr gering. Die insgesamt 85.500 Kilometer Schienenwege entsprechen nur fünf Kilometer je 1.000 Quadratkilometer (Deutschland: rund 100 Kilometer je 1.000 Quadratkilometer). Ganze Landstriche wie Kamtschatka, die Republik Altaj oder die Oblast Magadan haben keine Einsenbahnverbindungen. In den letzten 15 Jahren hat sich Russlands nutzbares Schienennetz um 2.500 Kilometer verringert.

Im 1. Halbjahr 2007 transportierte Russlands Eisenbahngesellschaft RZhD 658 Mio. Tonnen Waren, ein Plus von 4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit entfielen 87% des gesamten Güterverkehrs im Land auf die Schiene (Pipelinetransporte ausgenommen). Im Personenverkehr beförderte RZhD in den ersten sechs Monaten 2007 fast 600 Mio. Passagiere. Umgerechnet in Passagierkilometer (82,4 Milliarden) lag das Plus bei 2,2% gegenüber dem 1. Halbjahr 2006. Für das Gesamtjahr 2007 plant die russische Bahn Investitionen von über 6 Mrd. Euro.

Investitionsplan für die Russische Eisenbahn bis 2030
  Minimalvariante Maximalvariante
Nötige Investitionen in Mrd. Euro *) 324 395
..davon aus dem Staatshaushalt 52 78
..aus Regionalhaushalten 14 19
..Russische Eisenbahnen RZhD 143 168
..Privatinvestoren 115 128
Bau neuer Eisenbahnstrecken (in km) 15.730 20.462
Zuwachs der Durchschnittsgeschwindigkeit im Güterverkehr (in %) 16 26
Zahl der russischen Verwaltungsregionen, die 2030 ans Eisenbahnnetz angeschlossen sind (aktuell: 79) 82 83
Anschaffung neuer Güterwaggons (in Stück) k.A. 996.000
Anschaffung neuer Passagierwaggons (in Stück) k.A. 25.000
Anschaffung neuer Lokomotiven (in Stück) k.A. 22.000

*) Wechselkurs am 5.9.07: 1 Euro = 34,91 Rubel, Abweichungen durch Rundungen

Quellen: Prime-Tass, Transportministerium

Kontaktanschrift

OAO Rossijskie Zhelesnye Dorogi (RZhD)

(Offene Aktiengesellschaft Russische Eisenbahnen)

Nowaja Basmannaja 2, 107174 Moskau

Tel.: 007 495/262 99 01

Internet: http://www.rzd.ru

(S.Z.)

 
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