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Russland investiert Milliarden in neue Strassen | Drucken |

Russland investiert Milliarden in neue Straßen

Moskau plant Autobahntrassen oberhalb von bestehenden Eisenbahnlinien / Immer mehr Mautstraßen / Von Bernd Hones

Moskau (bfai) - Russlands Straßennetz ist nach wie vor unterentwickelt und kostet den größten Flächenstaat der Welt jährlich drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Das soll sich jedoch bald ändern: Die Staatsausgaben für den Straßensektor steigen und allmählich freundet sich die russische Politik auch mit Mautsystemen an. Neun große Projekte befinden sich im Moment in Planung oder stehen kurz vor Baubeginn. Das Moskauer Straßenbauamt will vier Eisenbahnlinien mit Hochstraßen überdachen. (Kontaktanschrift)

Moskau erstickt im Stau. Weil die Ringstraßen um die Stadt nicht den erhofften Ausweg aus dem täglichen Verkehrschaos gebracht haben, geht das Straßenbauamt der russischen Hauptstadt neue Wege: Mehrere Meter über bereits bestehenden Eisenbahnlinien sollen bis zu 30 Kilometer Straßen gebaut werden. Das haben die Straßenbaubehörde und die Russische Staatsbahn beschlossen. Vier Bahnlinien - in Richtung Kursk, Pawelezk und Riga sowie ein Abschnitt der Metro-Linie Filewsk - sollen für 1,4 Mrd. bis 3 Mrd. US$ mit einer Straße überdacht werden. Das Geld soll von privaten Investoren kommen, die wiederum Konzessionen erhalten und für Teile der neuen Strecke Gebühren erheben.

Das Konzept zum Bau neuer Autotrassen eine Etage über den Bahnstrecken gibt es seit Februar 2007. Der Plan sah allerdings nur eine vierspurige Trasse über der Zugverbindung in Richtung Kursk vor. Die überarbeitete Projektversion geht mit vier neuen Hochstraßen wesentlich weiter. Die Bauzeit dürfte fünf Jahre betragen und könnten beginnen, sobald die Russische Staatsbahn im Frühjahr 2008 den Entwicklungsplan für die Moskauer Bahntrassen vorlegt. Wer den Auftrag für die Bauarbeiten erhält, steht noch nicht fest.

Laut Angaben des Moskauer Verkehrsamtes ist das Moskauer Straßennetz 4.800 Kilometer lang (Stand: Januar 2008). Im ersten Halbjahr 2007 waren in diesem Bereich 3 Mio. Fahrzeuge in Betrieb. Auf 1.000 Bürgerinnen und Bürger kamen 300 Autos. Auf dem zuletzt fertig gestellten Autobahnring, dem so genannten Mkad, fahren täglich 480.000 bis 560.000 Autos. Bis 2017 dürfte der Moskauer Fuhrpark auf 5 Mio. Fahrzeuge wachsen.

Darum soll laut Angaben der Föderalen Straßenbaubehörde Rosawtodor ein vier- bis achtspuriger zentraler Autobahnring rund um die Hauptstadt entstehen. Dieses größte Straßenbauprojekt der nächsten Jahre soll 520 Mrd. Rbl (mehr als 21 Mrd. US$; 1 US$ = 24,53 Rbl; Stand: 21.1.08) kosten. Das berichtete die Tageszeitung Wedemosti. Allein die Grundstücke, die im Vorfeld der Baumaßnahmen aus Privatbesitz gekauft werden müssen, kosten 1,6 Mrd. US$. Für die Finanzierung sollen private Investoren, das Gebiet Moskau sowie Mittel aus dem russischen Investitionsfonds herangezogen werden.

In Russland flossen 2006 etwas mehr als 15 Mrd. US$ in den Bau und die Modernisierung neuer Straßen, 2007 waren es 20,8 Mrd. US$. Das reicht nicht, um die ungeheuren Qualitätsmängel der russischen Straßen zu beseitigen. Dazu seien jährlich mindestens 40 Mrd. US$ notwendig, heißt es im russischen Wirtschaftsministerium. Zum Vergleich: Japan investierte 2006 rund 80 Mrd. US$ und die USA sogar 120 Mrd. US$ neue Straßen.

Um den Straßenbau anzukurbeln, will die russische Regierung künftig verstärkt auf Mittel aus dem staatlichen Investitionsfonds zurückgreifen - wie etwa beim zentralen Autobahnring in Moskau. Zusätzlich sieht das föderale Programm "Straßenbau Russland" für 2008 Mittel von 212 Mrd. Rbl (etwa 8,6 Mrd. US$) und für 2009 knapp 224 Mrd. Rbl (rund 9,1 Mrd. US$) aus des Staatshaushalt vor.

Investitionen in den Straßenbau in Russland (in Mrd. US$)
  2003 2004 2005 2006 2007 1) 2008 2) 2009 2)
Investitionssumme 7,3 7,3 8,8 15,1 20,8 23,5 25,7

1) Schätzung, 2) Prognose

Quellen: Rosawtodor, IK Finam

Neu gebaute Straßen in Russland (in Kilometer)

  2003 2004 2005 2006 2007 *)
Bau neuer Straßen 2.868 1.837 2.285 2.400 2.500

*) Schätzung

Quelle: Regierung der Russischen Föderation

Ein weiterer Motor des russischen Straßenbaus könnten Konzessionsvereinbarungen und Public Private Partnership-Projekte sein. Bei den PPP-Projekten wird die Finanzierung staatlicher Projekte einem oder mehreren privaten Investoren übertragen, die nach der Fertigstellung der Baumaßnahme an den künftigen Einnahmen beteiligt werden. Die russische Regierung setzt in letzter Zeit verstärkt auf Mautstraßen, die teilweise oder gänzlich von privaten Investoren finanziert werden.

Ende 2007 waren zwar erst drei solcher Mautstraßen in Betrieb: eine Bundesstraße im Gebiet Lipezk, sowie Regionalstraßen im Gebieten Pskow und Altai. Neun weitere gebührenpflichtige Straßen befinden sich bereits im Bau oder werden gerade geplant. Dazu zählen neben dem zentralen Autobahnring um Moskau unter anderen die neue Autobahn zwischen St. Petersburg und Moskau, eine Schnellstraße im Westen St. Petersburgs und eine 170 Kilometer lange Magistrale in der Republik Tatarstan.

Geplanter Neubau von Mautstraßen in Russland
Projekt Region Länge in km Kosten (in Mrd. US$) Bauzeit Investor / Stand
Westliche Schnellstraße St. Petersburg 46,6 3,4 2008 bis 2010 Vier Konsortien
Moskau-St. Petersburg Moskau, St. Petersburg 670 7,3 2008 bis 2011 Angebote von Investoren werden eingeholt
Zentraler Autobahnring Gebiet Moskau 520 21,2 *) 2008 bis 2011 Prüfung der Ausschreibungsunterlagen
Orlowski Tunnel St. Petersburg 1,6 1,1 2008 bis 2011 Wahl der Investoren
Schali-Sorotschi Gor Republik Tatarstan 55 0,5 2006 bis 2009 ZAO Mosti i dorogi Tatarstana
Alkseewskoe Almetjewsk Republik Tatarstan 170 0,7 bis 2010 OAO Awtostrada
Krasnodar-Abinsk-Kabardinka Krasnodar 147 4,9 2009 bis 2013 Prüfung der Ausschreibungsunterlagen
Anschluss der Stadt Odinzowo an die Trasse Moskau-Minsk Gebiet Moskau 19,5 0,5 Bis 2010 Vorbereitung der Ausschreibung
Moskau-Jaroslawl (M8), bis Pereslawl-Zalesskij Gebiete Moskau und Jaroslawl k.A. 0,4 k.A. Suche nach Investoren

*) einschließlich der Kosten für den Grundstückserwerb

Quellen: Business-Journal, bfai-Recherchen

Die steigenden Investitionen in den russischen Straßenbau treiben auch die Nachfrage nach neuen Maschinen. Vor allem die Importe steigen rasant. Deutsche Hersteller profitieren jedoch nur in bestimmen Segmenten von diesem Wachstum. So kam mehr als die Hälfte der Importe von Straßenwalzen und anderen Bodenverdichtern von Januar bis September 2007 aus Deutschland. Während deutsche Produzenten 2006 entsprechende Maschinen im Wert von 17,2 Mio. US$ nach Russland verkauften, waren es in den ersten neun Monaten 2007 bereits 58,4 Mio. US$. Andererseits verdoppelten sich von 2005 bis 2007 die russischen Importe von Baggern mit um 360 Grad drehbarem Oberwagen. In derselben Zeit gingen die Lieferungen deutscher Maschinenbauer in die Russische Föderation leicht zurück. Die russischen Importe von Planiermaschinen lagen in den ersten drei Quartalen 2007 bei knapp 270 Mio. US$. Deutsche Anbieter spielten dabei praktisch keine Rolle

Importe von Straßenbaumaschinen (in Mio. US$)

Straßenbaumaschinen (nach HS) 2005 2006 Jan. bis Sept. 2007
Planiermaschinen (84291) 96,8 150,3 269,9
.davon aus Deutschland 0,3 0,3 0,6
Straßenwalzen und andere Bodenverdichter (84294) 22,5 30,1 58,4
.davon aus Deutschland 10,5 17,2 34,9
Frontschaufellader (8429519) *) 99,6 179,1 272,0
.davon aus Deutschland 4,2 5,3 5,6
Bagger mit um 360 Grad drehbarem Oberwagen (842952) *) 281,3 433,6 533,2
.davon aus Deutschland 54,1 49,7 24,0
andere Bagger (842959) *) 8,3 15,6 19,3
.davon aus Deutschland 2,3 0,5 0,6

*) nicht ausschließlich für den Straßenbau bestimmt

Quelle: Föderaler Zolldienst Russlands

Kontaktanschrift

Rosawtodor

ul. Bochkowa 4, 129085 Moskau / Russische Föderation

Tel.: 007495/686-20 33, Fax: -29 88

E-Mail: , Internet: www.rosavtodor.ru

(Veröffentlichung von Ausschreibungen im Straßenbausektor)

(H.B.)

 
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