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Russland investiert in Erdoelraffinerien | Drucken |


Höhere Verarbeitungstiefe angestrebt / Kraftstoffqualität muss steigen / Von Waldemar Lichter

Moskau (bfai) - Die Investitionen in der russischen Mineralölindustrie werden bis 2010 um 6 bis 7% pro Jahr steigen. Das größte Vorhaben ist in Tatarstan auf dem Weg - der Bau eines Erdölverarbeitungs- und Erdölchemiekomplexes in Nischnekamsk. Eine neue Ölraffinerie ist in Fernost im Gespräch. Bestehende Werke müssen modernisiert und erweitert werden, um die steigende Nachfrage nach hellen Produkten befriedigen zu können. Die Investitionen in dem Sektor könnten sich nach Schätzungen der Regierung 2008 bis 2010 auf rund 8,4 Mrd. Euro belaufen.

Nach Prognosen des Wirtschaftsministeriums wird die Verarbeitung von Erdöl in russischen Raffinerien bis zum Jahr 2010 auf zwischen 228 Mio. und 235 Mio. t steigen. Zum Vergleich: 2006 belief sich diese auf 220 Mio. t - ein Plus von 5,7% gegenüber dem Vorjahr. Wichtiger als die reinen Mengen ist für die Regierung aber, einen höheren Anteil von hellen Ölprodukten zu erreichen und die Qualität der Erzeugnisse zu verbessern. Wird die Verarbeitungstiefe 2006 mit 71,7% angegeben, so sollen 2010 bereits 74,6% erreicht werden.

Erwartet wird eine stärkere Nachfrage nach russischen Mineralölprodukten aus dem Ausland. Die Exporte werden der Prognose des Wirtschaftsministeriums zufolge bis 2010 auf 112 Mio. t steigen, gegenüber 94,5 Mio. t im Jahr 2006. Dabei soll der Anteil von hellen Erdölprodukten steigen, der von Heizöl sinken. Wichtige Impulse werden jedoch auch vom steigenden Bedarf und höherer Nachfrage nach besseren Kraftstoffen (höhere Euro-Normen für Kraftstoffe) auf dem Binnenmarkt erwartet.

Das größte Investitionsvorhaben in dem Industriezweig wird derzeit in Tatarstan realisiert. Die Investitionen in den Raffinerie- und Erdölchemiekomplex in Nishnekamsk werden auf mindestens 130 Mrd. Rbl (rund 3,8 Mrd. Euro) beziffert. Geplant sind mehrere Großanlagen, darunter eine für die Primärverarbeitung von 7 Mio. t Rohöl pro Jahr. Die föderale Regierung unterstützt das Projekt mit etwa 16 Mrd. Rbl vor allem für Infrastrukturmaßnahmen aus dem staatlichen Investitionsfonds. Hauptinvestor und Koordinator des Projekts ist die tatarische Ölgesellschaft Tatneft.

Die tatarische Regierung brachte kürzlich den Bau einer weiteren Raffinerie mit einer Kapazität von 5 Mio. t pro Jahr ins Gespräch. Dort soll hochschwefelhaltiges Rohöl verarbeitet werden, das von etwa 32 kleinen tatarischen Unternehmen gefördert wird. Die gesamte Rohölgewinnung in Tatarstan beläuft sich derzeit auf 31 Mio. t pro Jahr. Davon entfallen 25 Mio. t auf Tatneft und 6 Mio. t auf kleine Förderunternehmen. Die Regierung der Republik plant, die Ölgewinnung bei ca. 30 Mio. t pro Jahr bis 2020 zu stabilisieren.

Der Bau eines neuen Erdölverarbeitungswerkes mit einer Kapazität von 20 Mio. t pro Jahr erwägt der staatliche russische Ölkonzern Rosneft in Fernost. Das Werk könnte am Endpunkt der sich im Bau befindlichen Ölpipeline Sibirien-Pazifik entstehen. Die russische Regierung bekundete Interesse an einer Beteiligung japanischer Firmen an diesem Vorhaben.

Rosneft modernisiert bereits seit einigen Jahren die konzerneigene Raffinerie in Komsomolsk am Amur (Verarbeitungsvolumen 2006: 6,5 Mio. t). Die Kapazität soll dadurch um 25% erhöht und die Verarbeitungstiefe verbessert werden. Modernisiert wird auch die zweite Raffinerie in Tuapse. Die Kapazität dort soll von 5 Mio. t auf 12 Mio. t pro Jahr, die Verarbeitungstiefe von 56% auf 95% steigen. Als Lizenzgeber für diverse Technologien dafür seien nach Angaben des Unternehmens UOP, Chevron Lummus Global, Technip und Lengiproneftechim (Russland) ausgewählt worden.

Umfangreiche Modernisierungspläne für seine Ölraffinerien verfolgt Lukoil. Der Konzern will die Eigenverarbeitung von Rohöl von derzeit 49 Mio. t (vier russische Raffinerien plus Werke im Ausland) auf mindestens 75 Mio. t und in weiterer Perspektive sogar auf 100 Mio. t pro Jahr erhöhen, so Branchenbeobachter. Die Konzernleitung will im Mai 2007 konkrete Maßnahmen dazu erörtern. Nach Schätzungen könnten sich die Investitionen des Unternehmens in der Sparte Erdölverarbeitung auf 6,2 Mrd. US$ belaufen.

Geplant ist, die Raffinerien in Wolgograd und in Nischnij Nowgorod (NORSI) zu modernisieren. Die Kapazität der ersten wird von etwa 10 Mio. auf 12 Mio. t, der zweiten von 15 Mio. t auf 20 Mio. t steigen. Allein für NORSI seien Investitionen von 1 Mrd. $ vorgesehen. Vorgesehen ist ferner, die Produktion von Motorölen bis 2017 um 50% zu erhöhen. Damit befasst sich LLK-International, eine für dieses Segment gegründete Lukoil-Tochter. Die benötigten Investitionen werden auf 300 Mio. $ geschätzt. Die Motorölproduktion bei allen Lukoil-Unternehmen beläuft sich heute auf 670.000 t pro Jahr.

Zwei kleine Erdölraffinerien mit einer Kapazität von zusammen 800.000 t/Jahr sollen Pressemeldungen zufolge im Gebiet Kemerowo (Anshero-Sudshensk) gebaut werden. Als Investoren wird die Holding Kem-Oil und die Gesellschaft OOO Sewernyj Kuzbass genannt. Die Investitionskosten werden von der Oblast-Adminstration von Kemerowo mit 3,5 Mrd. Rbl angegeben. Die Inbetriebnahme ist bereits für Mitte/Ende 2007 vorgesehen.

Prognose über die Produktionsentwicklung in der erdölverarbeitenden Industrie in Russland (in Mio. t)
Produkt 2006 2007 (erwartet) 2010 (Prognose)
Benzinkraftstoff 34,4 36,0 38,5 bis 40,2
Dieselkraftstoff 64,2 66,7 68,5 bis 71,7
Heizöl ("mazut topotschnyj") 59,3 60,4 57,0 bis 57,2

Quelle: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel (MERT)

Wichtigste Erdölverarbeiter in Russland

2005 (in Mio. t) 2006 (in Mio. t) 2006/2005 in %
??? Lukoil 37,3 39,5 6,0
??? Jukos 32,5 34,3 5,3
??? TNK-BP 21 21,8 3,8
OAO Surgutneftegaz 18,4 20,2 9,9
NK Baschneftechim 19,2 19,1 -0,4
AO Gazpromneft 14,5 16,3 12,3
??? Slawneft 12,8 12,8 0,4
??? Rosneft 10,6 10,9 2,6
Moskauer Raffinerie MNPZ 9,4 9,7 3,2
Salawatnefteorgsintez 7,1 6,8 -4,2

Quelle: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel der Russischen Föderation

Rohölförderung und -verarbeitung in Russland, Binnenverbrauch von Ölprodukten (in Mio. t)
Produkt 2004 2005 2006
Förderung von Rohöl und Gaskondensat 458,8 470,0 480,5
Primärverarbeitung von Rohöl 194,1 207,8 219,6
Wichtigste Ölprodukte


Benzinkraftstoff 30,5 32,0 34,4
Dieselkraftstoff 55,4 60,0 64,2
Heizöl 53,3 56,7 59,3
Binnenverbrauch


Benzinkraftstoff 25,6 27 28,6
Dieselkraftstoff 24,6 30,3 32,4
Heizöl 18,3 21,6 24,5

Quelle: OAO AK Transnefteprodukt

Wichtigste Kennziffern der Erdöl- und erdölverarbeitenden Industrie in Russland (2006)
Erdölförderung
.Neun Vertikal integrierte Erdölgesellschaften ("VINK") Lukoil, Jukos, Surgutneftegas, Rosneft, TNK-BP, Slawneft, Tatneft, Baschneft, RussNeft: 85% der Förderung
.Gazprom, einschl. Gazprom neft 10%
.160 kleine und mittlere Unternehmen 4%
.PSA-Projekte (Product-Sharing-Agreement) 1%
Erdölraffinerien
.27 große Erdölraffinerien Kapazitäten: 273 Mio. t/Jahr
Tankstellennetz 22.000 öffentlich zugängliche Tankstellen
..Tankstellen, die "VINK"-Konzernen gehören 6.000
..private Tankstellen 16.000

Quelle: OAO AK Transnefteprodukt

Erdölraffinerien in Russland - was gehört wem?
Gruppe/Konzern Raffinerie
Lukoil Wolgogradskij NPZ

Nishegorodskij NPZ

Permnefteorgsintez

Uchtaneftepererabotka
Rosneft Komsomolskij NPZ

Tuapskinskij NPZ
Russneft Orsknefteorgsintez

Krasnodarskij NPZ
Surgutneftegaz Kirischinefteorgsintez
Slawneft Jaroslawnefteorgsintez
TAIF-NK TAIF-NK
TNK-BP Rjasanskaja NPK

Saratowskij NPZ
Jukos Angarskaja NChK

Atschinskij NPZ

Kujbyschewskij NPZ

Nowokujbyschewskij NPZ

Syzranskij NPZ
Gazprom Astrachangazprom

Surgutgazprom

Omskij NPZ

Salawatnefteorgsintez
AO Baschneftechim Nowoufimskij NPZ

Ufaneftechim

Ufimskij NPZ
OAO MNGK Moskowskij NPZ
OAO NK Alians Chabarowskij NPZ
Ausgewählte andere (kleine) Raffinerien
. Bazowyj Element Afipskij NPZ
. OOO Marijskij NPZ-Finans Marijskij NPZ
. Tatneft Mini-Raffinerien von Tatneft
..Neftechimitscheskije Technologii Antipinskij NPZ

Quelle: OAO AK Transnefteprodukt (W.L.)


 
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