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Neue Mobilfunkgeneration führt in Russland zu Milliardeninvestitionen | Drucken |

Für Aufbau des UMTS-Netzes bis zu 7,5 Mrd. US$ nötig / Zwölf Kandidaten bewerben sich um drei landesweite Frequenzen

Moskau (bfai) - Die Vergabe der UMTS-Lizenzen an russische Mobilfunkanbieter wird einen Investitionsboom in der Branche auslösen. Zum Aufbau der nötigen Netzinfrastruktur sind allein in den kommenden fünf Jahren rund 7,5 Mrd. US$ nötig, schätzen Marktteilnehmer. Die Mobilfunkbetreiber hoffen, durch die größeren Übertragungsraten mehr Dienstleistungen an ihre Kunden zu verkaufen und somit die sinkenden Durchschnittserlöse je Abonnent zu kompensieren. (Kontaktanschrift)

Mobilfunk der dritten Generation (3G/UMTS) sorgt auch in Russland für neue Dynamik im Telekomgeschäft. Datenübertragungsraten von bis zu 2 MB/sek. sollen das Geschäft mit Videoübertragung und Highspeed-Internetzugang per Handy in Schwung bringen. Für die drei föderalen Lizenzen zur Nutzung des neuen Mobilfunkstandards haben sich zwölf Unternehmen beworben (Entscheidung fällt am 20.4.07). Darunter sind die drei Marktführer MTS, Wympelkom und Megafon, aber auch kleinere Anbieter wie die Moskauer Awrora-Telekom oder die Kaliningrader Komtel Pljus.

Für die Lizenzvergabe entscheidend sind die Markterfahrung, die bisherige Netzabdeckung und die geplanten Investitionen in das 3G-Netz. Daher werden der führenden Troika die besten Chancen eingeräumt, zum Zuge zu kommen. MTS ist seit 14 Jahren am Markt und in 87 Regionen des Landes aktiv, Wympelkom arbeitet seit 15 Jahren im Mobilfunkgeschäft und deckt 76 russische Regionen ab, Megafon weist fünf Jahre Markterfahrung und Aktivitäten in 85 Regionen nach (Anmerkung: Durch eine Verwaltungsreform ist die Zahl der Subjekte der Russischen Föderation zum 1.1.07 auf 86 gesunken).

Den anderen acht Bewerbern werden eher Außenseiterchancen beim Rennen um die UMTS-Frequenzen eingeräumt. Kandidat Summa Telekom hat zum Beispiel schon landesweite Lizenzen für ein WiMax-Netz (Breitband-Internetzugang per Funknetz) und für IP-Telefonie bekommen. Allerdings erreicht das Unternehmen bislang kaum mehr als 100 Mio. US$ Jahresumsatz. Hinter der Firma steht der in der Erdöllogistik tätige Geschäftsmann Siawudin Magomedow. Laut russischen Zeitungsberichten soll Summa Telekom bereits ausländische Investoren suchen, die im Falle eines Zuschlags für das UMTS-Geschäft den Aufbau des Netzes finanzieren.

Der Bewerber Setewaja telekommunikationnaja kompanija wurde von Tele2, Smarts und Nowaja telefonnaja kompanija gegründet, um bei der 3G-Lizenzvergabe mit zu bieten. Alle drei Projektpartner bewerben sich aber auch noch einzeln um die Frequenzen (Tele2 über seine Tscheljabinsker Tochterfirma).

Kandidaten für eine UMTS-Lizenz in Russland
Unternehmen Homepage
MTS http://www.mts.ru
Wympelkom http://www.beeline.ru
Megafon http://www.megafon.ru
Smarts http://www.smarts.ru
Nowaja telefonnaja kompanija (Wladiwostok) http://www.vntc.ru
Inwestelektroswjas (gehört zu Korbina Telekom) http://www.corbina.ru
Summa Telekom http://www.sumtel.ru
Setewaja telekommunikationnaja kompanija (Joint Venture von Tele2, Smarts und Nowaja telefonnaja Kompanija) http://www.tele2.ru
Tscheljabinskaja sotowaja swjas (gehört zu Tele2) http://www.chelyabinsk.tele2.ru
Awrora-telekom k.A.
Astelkom http://www.astelcom.ru
Komtel Pljus k.A.

Quelle: Föderale Agentur für Telekommunikation (Rosswjas)

Innerhalb von zwei bis drei Jahren müssen die bei der Lizenzvergabe bedachten Firmen ein landesweites UMTS-Netz mit mindestens 2.000 Basisstationen aufbauen, so eine Vorgabe der Föderalen Agentur für Telekommunikation (Rosswjas). MTS-Präsident Leonid Melamed glaubt, dass die russischen Mobilfunkprovider in den kommenden fünf Jahren über 7 Mrd. US$ in die nötige Infrastruktur stecken. Ingesamt sollen nach Prognosen von MTS in diesem Zeitraum über 14,7 Mrd. US$ Investitionen in Russlands Mobilfunksektor fließen. Unabhängige Marktbeobachter schätzen den Finanzbedarf für den Aufbau des 3G-Netzes je Provider auf 200 Mio. bis 300 Mio. US$ jährlich.

MTS will bei erfolgtem Zuschlag für die neuen Frequenzen schon in diesem Jahr in der Moskauer Region mit dem Aufbau des Netzes beginnen. Der Ausrüster soll in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Bislang liefern vor allem Siemens, Motorola, Nokia und Ericsson Netzwerktechnik an den größten Mobilfunkprovider im Land.

Die russischen Mobilfunkbetreiber stoßen allmählich an ihre Wachstumsgrenzen. Durch die zunehmende Marktdurchdringung des Mobilfunks in Russland (im Februar 2007 lag die Penetrationsrate bei 106% hinsichtlich der im Umlauf befindlichen SIM-Karten), sinken die Durchschnittserlöse je Abonnent. Sie lagen Anfang 2007 bei rund 7,5 US$ und gehörten damit weltweit zu den niedrigsten. In den benachbarten GUS-Ländern haben sich MTS, Wympelkom und Megafon bereits Aktiva gesichert, so dass einer weiteren Auslandsexpansion Grenzen gesetzt sind.

Deshalb hoffen die Mobilfunkbetreiber auf die neuen Dienstleistungen durch UMTS, mit denen sie die Umsätze ihrer Kunden deutlich steigern wollen. Bislang stammen 90% der Erlöse aus gewöhnlichen Telefongesprächen. Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass in Russland 2012 etwa ein Drittel der Handybenutzer UMTS-Dienste nutzen werden.

Experten setzen die Kosten für die Nutzung des 3G-Netzes mit mindestens 50 bis 80 US$ pro Monat und Handybesitzer an. Bei den derzeitigen Durchschnittseinkommen in Russland (Ende 2006 rund 420 US$ pro Monat) wird die neue Mobilfunkgeneration damit allerdings kaum zum Massengeschäft. Die Provider hoffen deshalb besonders auf Geschäftskunden, die zwar nur ein Fünftel der Abonnentenzahl stellen aber schon jetzt für 80% der Umsätze sorgen.

Russlands größte Mobilfunkbetreiber (am 28.2.07)
Unternehmen Zahl der Abonnenten (Nutzer von SIM-Karten) in Mio.
MTS *) 77,158
..davon in Russland 51,220
Wympelkom *) 56,022
..davon in Russland 47,958
Megafon *) 30,658
..davon in Russland 30,501
Tele2 6,900
Uralswjasinform 4,415
Smarts (Wolgaregion) 3,700
Sibirtelekom 3,302
Nischegorodskaja Sotowaja Swjas (Nischnij Nowgorod) 1,269
Ekaterinburgskaja Sotowaja Swjas (Jekaterinburg) 1,144
Nowaja Telefonnaja Kompanija/NTK (Fernost) 0,818

*) Die Gesamtzahl schließt auch die ausländischen Tochtergesellschaften mit ein

Quelle: Nachrichtenagentur Prime-Tass nach Angaben von AC&M Consulting

 

Kontaktanschrift

Ministerstwo informazionnych technologij i

swjasi Rossijskoj Federazii

(Ministerium für Informationstechnologien und

Telekommunikation der Russischen Föderation)

Uliza Twerskaja 7, 125375 Moskau

Tel.: 007 495/771 81 00, Fax: -771 87 18

Internet: http://www.minsvyaz.ru

(S.Z.)

 
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