| Immer mehr russische Investoren entdecken den Hotelbau | | Drucken | |
Rohstoffkonzerne diversifizieren ihr Geschäft / Internationale Ketten drängen in die Regionen / Von Gerit SchulzeMoskau (bfai) - Russlands Hotelbusiness wird eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Trotzdem kommt der Bau neuer Herbergen nur langsam in Gang. Investoren hatten ihr Geld bislang lieber in Handels- oder Wohnimmobilien angelegt, die kurzfristig höhere Renditen versprachen. Auch die Ausbildung von Hotelfachpersonal steckt noch in den Kinderschuhen. Dennoch gibt es einige viel versprechende Projekte, die auch interessant für deutsche Lieferanten sein könnten. Investoren haben Russlands Hotelsektor lange gemieden. Der Grund ist einfach: Laut Experten dauert es sieben bis zehn Jahre, bis sich die Baukosten amortisiert haben. Bei Büro- oder Handelszentren ist das Kapital in der Regel bereits nach vier bis fünf Jahren wieder eingespielt. Als Folge entstanden in den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg in den letzten Jahren fast ausschließlich Luxushotels im oberen Preissegment, die einen schnelleren Kapitalrückfluss versprachen. Alexej Wolow, Verkaufsmanager der Intercontinental Hotels Group (IHG), führt gleich eine ganze Liste von Problemen auf, die den Bau von Hotels in Russland behindern. Dazu gehören unter anderem teure Grundstücke, ein intransparenter Immobilienmarkt, die geringen Renditen im Vergleich zum Bau von Wohn- oder Bürogebäuden, fehlende öffentliche Investitionsanreize in Form von Steuervorteilen oder Zollvergünstigungen für die Einfuhr von Hotelausstattung. Großer Vorteil für Investoren im russischen Hotelsektor ist der immense Nachholbedarf. "Paris hat 1.500 Hotels, London 1.000 und Moskau nur 200", führt Experte Wolow als Beweis an. "Derzeit gibt es in Moskau nur halb so viele Betten wie zur Deckung der Nachfrage nötig wären", sagte der Manager Ende April 2007 auf einer Veranstaltung des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation. Laut Stadtverwaltung verfügt Moskau über 190 Hotels mit 69.000 Betten. Das klingt viel, doch die Mehrzahl der Häuser hat einen so niedrigen Servicestandard, dass sie weder Touristen noch Geschäftsreisenden zuzumuten sind. Die Zimmergröße liegt oft nur bei 12 bis 14 qm und damit weit unter europäischen Standards. Besonders im Drei-Sterne-Sektor (nach westlicher Kategorisierung) ist der Markt völlig unterversorgt. Die Moskauer Stadtregierung will bis 2010 den Bettenbestand in der Metropole auf bis zu 200.000 nahezu verdreifachen. Allein 2007 und 2008 sollen 75 neue Hotels entstehen. Gleichzeitig trennt sich die Stadt von ihren Anteilen an bestehenden Hotels, wobei die Käufer sich verpflichten müssen, die Häuser auf ein Niveau von "Drei-Sterne-Plus" zu bringen. Den Anfang sollen im Sommer dieses Jahres die beiden Hotels "Tourist" (520 Zimmer) und "Altai" (655 Zimmer) machen. Experten rechnen mit nötigen Investitionen von bis zu 27.000 US$ je Zimmer. Mehrere Großinvestoren haben in jüngster Zeit Projekte für Russlands Regionen angekündigt. Dabei entdecken zunehmend auch Rohstoffkonzerne das Hotelbusiness als lukrativen Nebenerwerb, um ihr Geschäft zu diversifizieren. So hat der Großunternehmer Oleg Deripaska die Firma "Russkie oteli" (Russische Hotels, http://www.ruhotels.ru) gegründet, die als Developer und Betreiber agieren und deren Portfolio bis 2011 etwa 25 Objekte umfassen soll. Die Renova-Holding (die unter anderem Beteiligungen in der Öl- und Aluminiumindustrie besitzt), will über ihre Tochter Renova-Stroygroup ( http://www.renova-sg.ru) innerhalb von zehn Jahren 50 Drei-Sterne-Hotels mit jeweils 200 Zimmern bauen. Weitere wichtige Projektentwickler und Investoren für Hotelbauten in ganz Russland sind "City-Hotel" ( http://www.cityhotel.ru) oder die Tashir Group ( http://www.tashir.com). Der Reiseveranstalter Intourist ( http://www.intourist.ru) will zusammen mit dem Fonds zur Entwicklung des Zentralen Föderalbezirks (http://fund-invest.ru) ein Netz von Drei-Sterne-Hotels aufbauen. Für insgesamt 200 Mio. US$ sollen in 17 Städten Objekte mit 120 Zimmern entstehen. Ein ähnlich große Summe steckt die Moskauer Finanzholding IFD Kapital laut Pressemeldungen in neue Hotels auf der Krim (Ukraine) und im Großraum Moskau. Daneben hat die britische London & Regional Properties für 2007 bis 2010 etwa 500 Mio. US$ Investitionen in 20 neue Hotels in Russland angekündigt. Den internationalen Hotelketten kommt die Investitionswelle gerade recht. Sie wollen verstärkt in die Millionenstädte außerhalb Moskaus und Sankt Petersburgs gehen und brauchen dafür geeignete Immobilien. Die namhaften Ketten betreiben die Hotels in Russland entweder selbst oder verkaufen Namen und Konzept per Franchising. Die Swissotel-Gruppe hat im April mit Sibinveststroy einen Managementvertrag für ein neues Hotel in Nowosibirsk abgeschlossen. Die Luxusherberge mit 200 Zimmern soll 2009 eröffnet werden. Die Intercontinental Hotels Group (IHG) konzentriert sich in Russland auf Hotels der oberen Mittelklasse und betreibt bereits vier Häuser unter dem Label "Holiday Inn" in Moskau. Im Juni soll ein weiteres Objekt in Samara eröffnet werden. Perspektivisch will die IHG in allen Millionenstädten Russlands Hotels dieser Preiskategorie betreiben - von Sankt Petersburg, über Zentral- und Südrussland, den Ural bis nach Sibirien und Fernost. Diese Standortstrategie ähnelt der Planung der Rezidor-Gruppe. Neben Moskau, Sotschi und Sankt Petersburg ist das Unternehmen bereits in Jekaterinburg vertreten (dort mit dem Mittelklasse-Label "Park Inn"). Als nächstes stehen Rjasan, Rostow-am-Don und Kasan auf dem Programm. Die Kempinski-Gruppe plant ein City Resort Ferienhotel im Moskauer Gebiet sowie Hotels in Nischnij Nowgorod, Kasan, Rostow-am-Don, Sotschi und Nowosibirsk. Bei aller Investitionseuphorie muss aber auch das Personalproblem gelöst werden, um die Hotellandschaft in Russland nachhaltig zu entwickeln. Besonders die internationalen Ketten klagen über das Ausbildungsniveau der Hotelfachkräfte, die oft über zu wenig Praxiserfahrungen verfügen. Auch die unzureichenden Fremdsprachenkenntnisse sind ein großer Mangel. Die Hotelketten müssen daher viel Zeit und Geld in die Weiterbildung ihres Personals investieren. Nach Angaben von Colliers International lag die Auslastung der Moskauer Hotels in den Jahren 2005 und 2006 bei etwa 74%, wobei jeweils im Mai und September mit fast 90% die stärkste Frequentierung zu verzeichnen war. In den Luxus-Herbergen der obersten Preisklasse ist die Auslastung 2006 um 5,3 Prozentpunkte auf 72,4% gesunken. Das lag zum einen an der Neueröffnung von vier neuen Häusern mit insgesamt 1.000 Zimmern, zum anderen aber auch am immer höheren Preisniveau. Je Zimmer und Nacht mussten 2006 im Durchschnitt 276 US$ bezahlt werden, ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. (S.Z.) |
| < zurück | weiter > |
|---|
RU
Weitere Informationen 








Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der Russischen Föderation. Stand: September 2009