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Hohe Investitionen in Russlands Stromnetze | Drucken |

Chancen für ausländische Hersteller / Besonderheiten bei den Geschäftsbedingungen beachten / Von Waldemar Lichter

Moskau (bfai) - Die russische Stromwirtschaft will bis 2010 umgerechnet 35 Mrd. Euro in die Modernisierung und den Neubau von Stromfernleitungen und Verteilnetzen investieren. Neben der föderalen Netzgesellschaft FSK EES sind dafür zahlreiche regionale und kommunale Netzbetreiber zuständig. Die Investitionen werden die Nachfrage nach elektrotechnischen Ausrüstungen und Baumaterial nach oben treiben. Auch für ausländische Anbieter bestehen Lieferchancen. Sie sollten dabei allerdings einige Hinweise beachten. (Kontaktanschriften)

Die föderale Netzgesellschaft OAO FSK EES wird ihre Investitionen 2007 gegenüber 2006 von 38 Mrd. Rbl (umgerechnet 1,1 Mrd. Euro) auf 98 Mrd. Rbl fast verdreifachen. Das kündigte Andrej Rappoport, Vorstandsvorsitzender des staatlichen Unternehmens, in Moskau an. Auch in den Folgejahren werden die Ausgaben für die Erneuerung, den Ersatz und den Bau von Infrastrukturobjekten für die Stromfernübertragung kräftig zulegen. Die hohen Investitionen sind auch deshalb notwendig, weil die russischen Kraftwerkskapazitäten in den nächsten Jahren deutlich aufgestockt werden sollen.

Der Investitionsplan des Mutterkonzerns RAO EES für seine nationale Netzgesellschaft (FKS EES plus acht regionale Filialen "Magistralnyje Elektritscheskije Seti - MES") sieht für 2006 bis 2010 Investitionen von rund 585 Mrd. Rbl vor. Ein beträchtlicher Teil des Programms von FKS EES, die nach der für 2008 geplanten Auflösung von RAO EES als natürliches Monopol in Staatshand verbleiben wird, wird aus dem Föderalbudget (2007 bis 2010: 159 Mrd. Rbl) finanziert.

Hinzu werden hohe Investitionen in die Verteilnetze der regionalen Gesellschaften (RSK) kommen. Rappaport gab diese für 2007 mit etwa 160 Mrd. bis 180 Mrd. Rbl an. Der technische Zustand der Verteilnetze sei deutlich schlechter als der des übrigen Stromtransportsystems. Bei den Fernnetzen liege die Überalterung bei durchschnittlich 65%, bei den Verteilnetzen dagegen bei 85%, so der Manager. RAO EES beziffert das Investitionsprogramm der RSK-Gesellschaften für 2006 bis 2010 auf insgesamt 701 Mrd. Rbl.

Regionale Schwerpunkte der Investitionen in die Stromübertragung werden Moskau und Sankt Petersburg plus Umland, die Gebiete Tjumen und Swerdlowsk sowie die südrussische Region Kuban mit dem Schwerpunkt Sotschi sein. Die Investitionen in Sotschi müssten noch weiter aufgestockt und beschleunigt werden, sollte die Stadt den Zuschlag für die Ausrichtung der olympischen Winterspiele 2014 erhalten.

Nach Schätzungen von FSK EES müssen bis 2010 rund 530 Leistungstransformatoren beschafft werden. Der Bedarf an Stahlkonstruktionen wird auf 650.000 t, der an Stahlbeton auf 350.000 t, an Kabel auf 150.000 t und an Hochspannungskabel auf 4.000 km beziffert. Die Investitionspläne der Stromnetzwirtschaft werden die Nachfrage nach entsprechenden elektrotechnischen Ausrüstungen und Material weiter steigen lassen.

Auch ausländische Hersteller haben dabei gute Chancen, bei Lieferungen zum Zuge zu kommen. Direkt und ohne eine russische Tochter, eine Vertretung oder einen Händler wird es aber schwer sein, ins Geschäft zu kommen. Denn in der Regel wird nicht direkt im Ausland beschafft, sondern meist über ein in Russland registriertes Unternehmen, geben FSK-Vertreter zu bedenken. Das sei zwar nirgendwo so vorgeschrieben, die Praxis sehe aber genau so aus.

Das bestätigen Vertreter ausländischer Unternehmen, die den Energiesektor beliefern. Einer der Gründe: Der Käufer will sich nicht mit der lästigen Zollabfertigung und Zertifizierung der gelieferten Ausrüstungen befassen. Diese übernehmen der Hersteller über seine Vertretung in Russland oder dessen Händler. Ein weiterer: Die Käufer wollen ihre Aufträge in Rubel und nicht in einer ausländischen Währung vergeben.

Ein weiterer Hinweis: FSK EES vergibt in der Regel Aufträge an Generalunternehmen, die ein Projekt komplett abwickeln. Diese beschaffen bei Herstellern die benötigten Ausrüstungen, die in die zu errichtenden Anlagen und Objekte eingebaut werden. An FSK EES direkt liefern zu wollen, habe deshalb wenig Sinn, sagt ein für Beschaffung zuständiger Manager der Gesellschaft.

Der bessere Weg sei, bei potenziellen Generalunternehmern vorstellig zu werden. Wer in Frage kommt, kann beispielsweise anhand bereits durchgeführter Tender ermittelt werden. Informationen darüber sind auf Tenderplattformen von RAO EES, http://www.b2b-energo.ru (Anmeldung notwendig) und http://tzselektra.ru/ verfügbar. Manchmal schreibt der Käufer allerdings auch die Verwendung von Ausrüstungen bestimmter Hersteller vor.

Die Aufträge werden meist offen ausgeschrieben, so Sergej Kartajew, bei FSK EES für Tender und Beschaffungen zuständig. In einigen Fällen, die aber besonders genehmigt werden müssen, können Angebote bei den Herstellern bzw. deren Vertretern in Russland direkt abgefragt werden. Anschließend werden diese nicht nur nach dem Kriterium Preis, sondern auch nach Qualität, Service, Liefer- und anderen Bedingungen geprüft. Bei der Angebotsabfrage besteht allerdings keine Kaufverpflichtung der Beschaffungsstelle.

Zu einem immer wichtigeren Entscheidungskriterium für die Auftragsvergabe gerät die Lieferzeit. Bei der Modernisierung und dem Ausbau im Stromsektor wird jetzt ein Gang höher geschaltet, weil sonst Knappheiten bei der Stromversorgung drohen. Folge ist, dass derjenige den Zuschlag bekommt, der schneller liefern kann als die anderen. Qualität und Preis spielen dann eine zweitrangige Rolle. Unternehmen, darunter aus Deutschland, die wegen des weltweiten Nachfragebooms am Rande ihrer Kapazitäten arbeiten, kostete das schon manch einen Auftrag.

Ob die Tender im russischen Stromsektor wirklich sauber, fair und transparent ablaufen, darüber geben sich Vertreter ausländischer Unternehmen in Moskau zurückhaltend. "Das ist eher Wunschdenken, so schnell wird sich das hier nicht ändern", bedauert ein im Russland-Geschäft tätiger Manager. Korruption sei nach wie vor ein großes Thema im Land, und das Problem habe in den vergangenen Jahren eher noch zugenommen.

Kontaktanschriften

OAO FSK EES (Föderale Netzgesellschaft)

Zentrale Tenderkommission

Ansprechpartner: Sergej Dsharaschowitsch Kartajew

Tel.: 007 495/710 90 43

E-Mail: , Internet: http://www.fsk-ees.ru, Tenderinformation und jährliche Beschaffungspläne unter http://www.fsk-ees.ru/ru/main/custom/custom/

OAO Energostroisnabkomplekt EES (100%-ige Tochter von RAO EES, unter anderem zuständig für die technische Abwicklung von Tendern)

Mitschurinskij Prospekt 49 A, 119607 Moskau /Russische Föderation

Tel.: 007 495/231 24 06, Fax: -231 11 76

E-Mail: , Internet: http://www.essk.ru (Tenderinformation unter: "Zakupki")

Das aufgeschlüsselte Investitionsprogramm von FSK EES bis 2010 (in russischer Sprache) ist abrufbar unter: http://www.rao-ees.ru/ru/info/about/invest_inov/inv_programm/show.cgi?fsk.htm

(W.L.)


 
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