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Hohe Investitionen geben Russlands Holzindustrie Impulse

Lieferchancen für Anbieter holzverarbeitender Maschinen / Staatliche Hilfe bei Krediten, Energie und Transport / Von Bernd Hones

Moskau (bfai) - Russlands Holzindustrie sitzt am aufsteigenden Ast. Gewaltige Investitionen sollen in den kommenden Jahren die Branche stärken. Trotzdem verkauft sich die Branche noch immer unter Wert. Nach wie vor importiert das holzreichste Land der Welt ein Drittel aller weiterverarbeiteten Holzprodukte. Das will die Regierung ändern. Geht es nach Premierminister Wiktor Subkow, sollen dank kräftiger Subventionen bis 2011 knapp 18 Mrd. US$ in die Holzverarbeitung investiert werden. (Kontaktanschrift)

Sewerstal-Eigentümer Aleksej Mordaschow will sein Geschäft mit Holz erweitern und kräftig investieren. Sein Holzkonzern Sweza plant zusammen mit dem finnischen Unternehmen UPM bis 2011 ein Sägewerk, eine Fertigungsstätte für Spanplatten und eine Papierfabrik. Das Megaprojekt im Gebiet Wologodsk soll 1,8 Mrd. US$ kosten. Die Produktionskapazitäten sind gigantisch: Rund 800.000 Tonnen Papier, 300.000 cbm Echtholzplatten und 450.000 cbm Grobspanplatten sollen jährlich hergestellt werden. Laut Plan werden die drei Werke vom ersten Tag an die maximalen Kapazitäten ausreizen.

Das neue Mega-Holzkombinat benötigt jährlich 4 Mio. cbm des nachwachsenden Rohstoffes. Im Gebiet Wologodsk seien jährlich rund 18 Mio. cbm Holz verfügbar, genutzt würden jedoch nur 6 Mio. cbm, teilte das finnische Partnerunternehmen mit. Darum sei die Standortwahl auch auf die nordrussische Region gefallen, betonte die Geschäftsführung. Das Gros der Erzeugnisse sei für den russischen Markt bestimmt. Lediglich ein Teil der Papierprodukte soll exportiert werden.

Ebenfalls in Wologodsk will die belgische Spano-Gruppe mit Hilfe der Gebietsadministration eine Fabrik zur Holzverarbeitung bauen. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen in dem Werk in Scheksninsk Holzfaser- und Holzspanplatten sowie Laminatböden hergestellt werden. Die Investitionssumme liegt danach bei über 440 Mio. US$, der erwartete Ausstoß bei 600.000 cbm Holzplatten im Jahr.

Das russisch-amerikanische Joint-Venture Midway United will bis 2010 knapp 67 Mio. US$ in eine Fabrik zur Herstellung von Furnierholz in Ust-Kut im Gebiet Irkutsk investieren. Die Produktion soll 2009 starten, die vollen Kapazitäten von 100.000 cbm Furnierholz jährlich dürften Ende 2010 erreicht werden, plant das Unternehmen.

Der größte Holzverarbeiter im Gebiet Tomsk, Chjonda-Sibir, will Sägewerke und Holzfabriken für 1,57 Mrd. US$ bauen. Neben Papier sollen jährlich 80.000 cbm Furnierholz und 400.000 cbm Spanplatten hergestellt werden. Die Endausbaustufe des Megaprojektes soll 2016 erreicht sein. Das Geld bringen der chinesische Eigentümer Chjonda-Sibir, die Yantai Forest Wood Industry, sowie einige weitere Unternehmen aus China auf.

In Russland sind rund 25.000 Unternehmen in der Holzerzeugung tätig. Insgesamt verfügen sie über Kapazitäten für die Produktion von 34,6 Mio. cbm jährlich. Das Marktvolumen für Holzprodukte wird auf über 14 Mrd. US$ geschätzt. Über die Hälfte aller in Russland produzierten Holz-, Furnier-, Sperrholz- und Spanplatten wird in Minisägewerken mit einem Output von bis zu 5.000 cbm pro Jahr hergestellt. Auf größere Holzfabriken (bis zu 100.000 cbm jährlich) entfällt ein Marktanteil von gerade einmal 5%. Nur jeder 20. Betrieb in Russland verfügt über eine Bandsäge zur Verarbeitung kompletter Baumstämme, gerade einmal 8% aller Holzverarbeiter haben eine Kreissäge, die ganze Baumstämme schneiden kann. Deshalb sind Investitionen in neue und die Modernisierung alter Sägewerke längst überfällig.

Innerhalb der Grenzen Russlands steht ein Viertel aller Bäume weltweit. Damit ist das größte Land der Erde gleichzeitig das holzreichste. Gleichwohl: Während in den Vereinigten Staaten von Amerika 2006 rund 270 Mrd. US$ mit Holz- und Holzprodukten umgesetzt wurden, waren es in Russland gerade einmal 19 Mrd. US$. Und das, obwohl es in den USA viel weniger Wald gibt. Finnland, dessen Waldbestand gerade einmal mit dem der russischen Republik Karelien vergleichbar ist, exportierte 2006 doppelt so viel Produkte der holzverarbeitenden Industrie wie sein riesiges Nachbarland.

Weil Russland trotz seines Rohstoffreichtums 2007 ein Drittel aller weiterverarbeiteten Holzprodukte importieren musste, versucht der russische Staat mit aller Kraft, die Verarbeitungstiefe in Russland zu erhöhen. Als ersten Schritt erhöhten die Behörden schrittweise die Exportzölle auf unverarbeitetes Rundholz: von 2,50 Euro/cbm im Juni 2006 steigen die Abgaben bis Anfang 2009 auf 50 Euro/cbm.

Der russische Premierminister Wiktor Subkow will die Branche zusätzlich mit staatlichen Hilfen in den Bereichen Transport und Energie stärken. Das soll nach dem Plan der Regierung von 2008 bis 2011 bis zu 20 Megaprojekte für knapp 18 Mrd. US$ fördern. Darunter falle die Modernisierung alter Säge- und Spanplattenfabriken sowie Papierwerke. Ob sich diese Pläne umsetzen lassen, bleibt abzuwarten. Bis dato hat die Regierung noch kein einziges dieser Projekte konkretisiert.

Im Augenblick wird ferner darüber diskutiert, ob der Staat der Holzindustrie zusätzlich mit einer Reihe von Subventionen unter die Arme greifen soll. Die Vertreter der größten russischen Holzerzeuger forderten im Dezember 2007 auf einer Fachkonferenz 1,1 Mrd. Rbl (45 Mio. US$) für neue Ausrüstung zum Holzeinschlag. Mit dem Geld sollen Teile der Kredite für neue Geräte übernommen werden. Auch die Kredite für Investitionsprojekte sollen bezuschusst werden. Dafür fordern die Holzerzeuger 2 Mrd. Rbl. (82 Mio. US$) Und schließlich hoffen die Unternehmen darauf, dass sie Zuschüsse für den Ausbau von Holzlagerstätten im Umfang von 800 Mio. Rbl (33 Mio. US$) erhalten.

Fehlendes Kapital für Investitionen, schlechte Ausrüstung und veraltete Lagerstätten sind jedoch nicht die einzigen Probleme, mit denen die Holzerzeuger zu kämpfen haben. Ein riesiger Hemmschuh der Branche ist die fehlende Infrastruktur. Immerhin sollen 2008 dreimal so viele Waldwege angelegt werden als noch im Jahr 2006. Im Vergleich zu Sowjetzeiten ist das wenig: Damals wurden allein in der Republik Komi jährlich 550 Kilometer Waldwege angelegt. Das ist mehr als während der vergangenen 20 Jahre in ganz Russland. Kurzum: Für neue Waldwege und auch für die Wiederaufforstung gerodeter Waldflächen fehlt es den russischen Unternehmen am nötigen Kapital.

Holzimporte in die Russische Föderation (in Tausend US$)
Holzvarianten (nach HS) 2005 2006 1. Hj. 2007
Rohholz (4403) 2.356,9 1.860,2 929,9
Holzwolle, Holzmehl (4405) 291,5 442,8 225,5
Holz, in Längsrichtung gesägt, Dicke über 6 mm (4407) 6.468,7 6.401,9 3.891,0
Furnierblätter für Sperrholz, Dicke unter 6 mm (4408) 11.321,1 16.654,9 15.431,7
Spanplatten (4410) 100.454,8 143.411,5 77.821,5
Faserplatten aus Holz (4411) 119.968,0 152.964,9 87.647,7
Sperrholz (4412) 12.126,8 14.767,6 15.354,4
Verdichtetes Holz: Blöcke Platten, Bretter, Profile (4413) 956,0 1.020,5 371,3

Quelle: Föderaler Zolldienst Russlands

Importe von Holzbearbeitungsmaschinen in die Russische Föderation (in Mio. US$)
Holzbearbeitungsmaschinen (nach HS) 2005 2006 Jan. bis Sept. 2007
Werkzeugmaschinen, die unterschiedliche Bearbeitungen ohne Werkzeugwechsel zwischen den Vorgängen durchführen können (846510) 31,4 37,7 46,8
.davon aus Deutschland 15,1 13,3 20,8
Bandsägen (84659110) 5,3 9,2 12,2
.davon aus Deutschland 0,6 0,8 3,8
Kreissägen (84659120) 35,9 28,7 32,0
.davon aus Deutschland 7,2 10,8 9,2
Hobel-, Fräs- und Kehlmaschinen (84659200) 25,0 27,0 27,2
.davon aus Deutschland 13,7 11,4 11,5
Schleif- und Poliermaschinen (84659300) 7,5 15,8 11,2
.davon aus Deutschland 1,9 2,1 1,1
Biege- und Zusammenfügemaschinen (84659400) 13,3 30,4 24,4
.davon aus Deutschland 3,5 10,9 6,2
Bohr- und Stemmmaschinen (84659500) 2,9 5,5 4,4
.davon aus Deutschland 1,1 2,6 1,5
Spalt-, Hack- und Schälmaschinen (846596) 10.0 19,5 25,1
.davon aus Deutschland 1,9 3,4 1,9

Quelle: Föderaler Zolldienst Russlands

Kontaktanschrift

OOO Sweza-Les

ul. B. Akademitscheskaja 5a, 127299 Moskau / Russische Föderation

Tel.: 007495/783 00 35, Fax: -783 00 34

E-Mail: (Entwicklungsabteilung), Internet: www.sveza.ru

(H.B.)

 
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