| Handel, Banken und Telekomsektor wachsen in Russland besonders schnell | | Drucken | |
Bauindustrie, Handel, Banken und Telekom wachsen besonders schnell / Rohstoffkonzerne dominieren InvestitionsgeschehenMoskau (bfai) - In Russlands Wirtschaft geht die Dominanz der großen Öl- und Gaskonzerne allmählich zurück. Im Anfang Oktober 2007 veröffentlichten Rating der 400 größten Unternehmen des Landes konnten die Bauindustrie, Banken, der Telekomsektor und der Einzelhandel deutlich aufholen. Dennoch ist der Weg zu einer diversifizierten Wirtschaft mit einem starken Mittelstand in Russland noch lang. Unter den größten Unternehmen des Landes befinden sich auch sieben Tochtergesellschaften deutscher Konzerne. Die jährlich von der Ratingagentur Expert durchgeführte Analyse der umsatzstärksten russischen Unternehmen gilt als ein Gradmesser für die Wirtschaftsentwicklung im größten Flächenstaat der Erde. Noch dominieren die Öl-, Gas- und Metallurgiekonzerne die vorderen Plätze, doch andere Branchen wie Telekommunikation, Bauwirtschaft oder Einzelhandel steigern ihre Umsätze deutlich schneller und rücken nach vorne. Dies wird von Experten als Beleg gewertet, dass sich Russlands Wirtschaft in den letzten Jahren etwas unabhängiger von Rohstoffförderung und -exporten gemacht hat. Die immens gestiegene Kaufkraft befördert die Binnennachfrage nach einheimischen Konsumgütern und Dienstleistungen.Besonders dynamisch entwickeln sich dabei Russlands Banken. Die 26 im Rating vertretenen Geldinstitute konnten ihr Geschäftsvolumen 2006 um 44% auf fast 35 Mrd. US$ ausbauen. Ein starker Impuls geht von der boomenden Kreditvergabe an Privatpersonen aus. Die Bauindustrie, die in Russland bislang nicht gerade durch Transparenz und Rechnungslegung nach internationalen Standards aufgefallen war, spielt im 2007er Rating ebenfalls eine wichtigere Rolle. Das liegt vor allem daran, dass viele Bauunternehmen auf westlichen Kapitalmärkten Finanzmittel beschaffen wollen und daher ihre Umsatz- und Gewinnentwicklung offen legen müssen. Entsprechend tauchen in der Liste der führenden russischen Unternehmen nun auch über 22 Baufirmen auf. Größter Branchenvertreter ist die auf Industriebauten spezialisierte Strojtransgas (Rang 65), die ihre Umsätze 2006 mit 46 Mrd. Rubel nahezu verdoppelt hat. Auffällig ist auch, dass sich der Umsatz nicht bei den Großkonzernen der ersten Reihe überdurchschnittlich stark entwickelt, sondern bei kleineren Unternehmen. So konnte der Kaliningrader Automobilhersteller Awtotor seine Erlöse 2006 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifachen von 2 Mrd. auf 7 Mrd. Rubel. Ihr Geschäftsvolumen in etwa verdreifacht haben ebenso der Kerosinhändler TOAP, der Agrarfinanzierer Rosselchosbank sowie die Ursa-Bank. Zu den besonders dynamischen Unternehmen im Land zählt die Ratingagentur Expert auch die russische Vertriebsgesellschaft von DaimlerChrysler, die 2006 einen Umsatzsprung von 15,5 Mrd. auf 32 Mrd. Rubel hingelegt hat. Über Russlands Weg zu einer mittelstandsgeprägten Wirtschaft sagt das aktuelle Rating freilich wenig aus. "Sorgen bereiten mir nicht die 400 führenden Unternehmen im Land, sondern jene Firmen, die weniger Umsätze machen", bemerkte Boris Titow, Chef des Unternehmerverbandes Delowaja Rossija, bei der Vorstellung des Ratings in Moskau. Gerade die kleineren Unternehmen fänden kaum noch bezahlbare Spezialisten, weil die Konzerne mit ihren hohen Gehältern den Arbeitsmarkt leer fegten. Die schnell steigenden Löhne und die immer komplizierteren Steuerregelungen behinderten den Mittelstand. Obwohl gerade kleine und mittlere Betriebe das größte Potenzial hätten, setze die Regierung vor allem auf riesige Branchenholdings. "Zehn Großprojekte in der Holzverarbeitung retten diesen Sektor aber nicht", führte Titow als Beispiel an. Eine solche Wirtschaftspolitik löse Probleme nur vorübergehend. Vielmehr benötige Russland Industriecluster ein breites Spektrum an spezialisierten Firmen. "Wir brauchen große Unternehmen. Aber ohne Konkurrenz haben die Konzerne kaum Antrieb zu mehr Wachstum", sagte der Chef des Unternehmerverbandes. Erstmals hat die Ratingagentur Expert 2007 auch die Investitionstätigkeit der größten russischen Unternehmen untersucht. Dabei kam heraus, dass auf die 50 führenden Konzerne über ein Drittel aller Bruttoanlageinvestitionen im Land entfallen. Kritisch sehen die Autoren der Studie, dass staatliche und vom Staat kontrollierte Holdings das Investitionsgeschehen im Lande dominieren. Die Erfahrung zeige jedoch, dass staatliche Investitionen nicht besonders effizient seien. Größter Investor 2006 war Gasprom mit über 500 Mrd. Rubel, vor der Eisenbahngesellschaft RZhD (263 Mrd. Rubel) und dem Ölkonzern Lukoil (212 Mrd. Rubel).
Quelle: Rating Expert-400 (veröffentlicht Anfang Oktober 2007)
Quelle: Rating Expert-400
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