| Guter Markt für Kraftwerksausrüster in Russland | | Drucken | |
Gleiche Chancen für ausländische Anbieter / Russische Industrie wird investieren / Von Waldemar LichterMoskau (bfai) - Russland wird in den nächsten Jahren enorme Chancen für Anbieter von Kraftwerksanlagen, elektrotechnischen Ausrüstungen und ingenieurtechnischen Dienstleistungen bieten. Die russische Stromwirtschaft will bis 2010 rund 90 Mrd. Euro investieren. Das wird einen Nachfrageschub auslösen. Davon werden im hohen Maße auch ausländische Hersteller profitieren. Sie können sich gleichberechtigt um Aufträge bemühen. Gewinnen sollen die Besten, Präferenzen für russische Hersteller werde es nicht geben, versicherte Anatolij Tschubais, Chef der Stromholding RAO EES Rossii. Die russische Stromwirtschaft hat im Dezember 2006 unter Beweis gestellt, dass es ihr mit der Gleichberechtigung ernst ist. Es ging um den Bau eines 420-MW-Kraftwerks für die Moskauer RAO-EES-Tochter Mosenergo. Den Tender gewann ein Konsortium unter Führung von Alstom. Den 280 Mio. Euro starken Auftrag teilen sich die Franzosen mit der russischen Elektrogruppe EMAlliance. Der wichtigste russische Hersteller von Kraftwerksausrüstungen, Silowyje Maschiny (St. Petersburg), der pikanterweise RAO EES Rossii gehört, ging dagegen leer aus. So oder ähnlich könnte es auch in Zukunft aussehen. Die russische Stromwirtschaft wird in den nächsten vier Jahren rund 90 Mrd. Euro investieren. Das meiste wird in neue Erzeugungskapazitäten und in die Netzwirtschaft gehen. Alle Aufträge sollen dabei streng auf Tenderbasis vergeben werden, betonte Tschubais. Auch Silowyje Maschiny wird sich dem gleichen Prozedere unterwerfen müssen. Nur wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme, dann werde es Aufträge geben. "Dieser Logik werden wir auch in Zukunft anwenden", sagte der RAO-EES-Chef. "Wir setzen auf den Markt und werden keine Präferenzen gewähren". Es geht um viel. Allein für die Grundanlagen der geplanten neuen Wärmekraftwerke beziehungsweise Blöcke, die verschiedene Tochtergesellschaften von RAO EES (OGK und TGK) bis zum Jahr 2010 bauen werden, sollen rund 700 Mrd. Rbl (umgerechnet 20,5 Mrd. Euro; 1 Euro = 34,09 Rubel; Jahresdurchschnittskurs 2006)) ausgegeben werden. Noch stärker wird das Nachfragewachstum bei elektrotechnischen Ausrüstungen sein. Allein bei Hochspannungsausrüstungen soll der Umfang der Beschaffungen von 8 Mrd. Rbl 2006 auf fast 20 Mrd. Rbl pro Jahr steigen. Insgesamt werden von 2007 bis 2011 rund 97,5 Mrd. Rbl dafür ausgegeben. Hinzu kommen Beschaffungen in ähnlicher Höhe (97,2 Mrd. Rbl) für sonstiges Material, von Kabel bis zu Transformatoren.
Quelle: RAO EES Rossii, Anatolij Tschubais Die von dem jetzt beschlossenen Investitionsprogramm von RAO EES ausgehende Nachfrage könnte sich wie ein Konjunkturprogramm auch für andere Industriezweige auswirken. So zum Beispiel für den Kohlebergbau. RAO EES schätzt den zusätzlichen Bedarf an Energiekohle im Vergleich zu heute auf etwa 38 Mio. t pro Jahr (2006: 121 Mio. t, 2010: 159 Mio. t). Den Kohlegruben wird so ein höherer Absatz zugesichert. Investitionen in Modernisierung und Ausbau der Bergwerke könnten die Folge sein. Ein anderes Beispiel sind Baustoffe: Der durch den Kraftwerksbau bedingte Bedarf an Zement wird von derzeit 0,3 Mio. t auf 1,8 Mio. t pro Jahr zwischen 2007 und 2011 steigen. Die Ausgaben dafür steigen von 0,6 Mrd. Rbl auf durchschnittlich 4,8 Mrd. Rbl pro Jahr. Einen ähnlichen Impuls erhalten Projekt-, Montage- und Bauunternehmen. Die Ausgaben für Projektarbeiten nur im Bereich Wärmekraftwerke werden nach Angaben von Tschubais von 3,9 Mrd. Rbl 2006 auf durchschnittlich 10,9 Mrd. Rbl bis 2010 steigen. Für Bau- und Montagearbeiten wird die Stromwirtschaft 2007 bis 2010 insgesamt 265 Mrd. Rbl ausgeben. Zum Vergleich: 2006 waren es nur 10 Mrd. Rbl gewesen. Wie bei den Ausrüstungen so auch hier werden alle Aufträge über die bereits existierende elektronische Tenderplattform von RAO EES B2B-Energo ( http://www.b2b-energo.ru) vergeben. RAO EES erhofft sich von dem Mega-Investitionsprogramm einen Impuls für die Wiedergeburt des russischen Kraftwerksbaus und der lokalen elektrotechnischen Industrie. Damit das Feld nicht nur ausländischen Anbietern überlassen wird, muss in diesen Industriezweigen investiert werden. Tschubais kündigte für Silowyje Maschiny für die Jahre 2007 bis 2010 ein Investitionsprogramm von 1 Mrd. US$ an. Es müssen neue und effektive Produkte her. Das Programm soll demnächst von der Geschäftsführung verabschiedet werden. Das Geld soll durch eine Kapitalerhöhung (bis zu 500 Mio. US$), über Bankkredite, Anleihen (300 Mio. bis 400 Mio. US$) und den Verkauf von Aktiva (200 Mio. US$) beschafft werden. Das Unternehmen soll dadurch in die Lage gebracht werden, seine Erlöse bis 2010 auf 1,5 Mrd. US$ (2006: 680 Mio. US$) und die Produktionskapazitäten von Anlagen von 8 GW auf 17 GW pro Jahr zu erhöhen. Der hohe Exportanteil von derzeit 80% wird bis 2010 auf 40% sinken, der Serviceanteil von 10% auf 15% steigen.
Quelle: Investitionsgesellschaft Energokapital, Moskau
Quelle: Silowyje Maschiny (W.L.) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| < zurück | weiter > |
|---|
RU
Weitere Informationen 






