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Russische Banken im Visier der Auslandskonkurrenz | Drucken |

Immer mehr Kreditinstitute mit westlicher Beteiligung / Zentralbank begrüßt das Engagement

Moskau (bfai) - Russlands Bankensektor wird zunehmend attraktiv für ausländische Kreditorganisationen. An jeder zehnten Bank ist inzwischen Kapital aus dem Ausland beteiligt. Die Politik fördert den wachsenden Einfluss nichtrussischer Geldinstitute, will aber auch nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO die Eröffnung von Filialen nur nach russischem Recht erlauben. Deutsche Banken sind beim Übernahmepoker in Russland bislang zurückhaltend.

Der Finanzsektor war ein ganz heißes Eisen bei Russlands WTO-Verhandlungen. Moskau wollte unbedingt verhindern, dass ausländische Banken Filialen im Land eröffnen dürfen. Diese wären dann vor allem ihrer Mutterbank untergeordnet und damit den Gesetzen im Herkunftsland. Russische Finanzbehörden hätten kaum Mittel, Operationen zwischen Filiale und Dachorganisation zu kontrollieren, so die Befürchtungen Moskaus. Normative Vorgaben wie die Höhe der Mindesteinlage würden für Filialen nicht gelten.

Ausländische Banken sollen daher auch künftig Tochtergesellschaften nach russischem Recht gründen, um sich den gleichen Wettbewerbsbedingungen wie die einheimischen Geldinstitute zu unterwerfen. Diese Forderung konnte der Kreml bei den jüngsten WTO-Verhandlungen mit den USA durchdrücken.

Im Gegenzug öffnet Russland seinen Bankensektor weiter für ausländische Investoren. Als Obergrenze für die Beteiligung am Grundkapital aller russischen Banken gilt zwar eine Quote von 50%. Dennoch soll der Einstieg der "Nicht-Residenten" erleichtert werden. Die Staatsduma hat Ende November in erster Lesung Änderungen zum Gesetz "Über die Zentralbank" zugestimmt, nach denen In- und Ausländer beim Erwerb von Anteilen an Kreditorganisationen gleichgestellt werden.

Von den 1.174 Banken, die per 1.6.06 existierten, war bei 47 Unternehmen das Grundkapital komplett in ausländischer Hand. Weitere zehn Banken wiesen eine ausländische Beteiligung von mehr als 50% auf, so die Russische Zentralbank. Anfang November 2006 lag der Anteil der sog. Devisenausländer am registrierten Grundkapital der russischen Banken bei 14,4% und hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt (Zahl der Banken mit Auslandskapital: 148).

Laut einer aktuellen Untersuchung der russischen Investmentbank Renaissance Capital dieser Trend zunehmen. Viele westliche Geldinstitute wie BNP Paribas, Credit Agricole, KBC oder Erste Bank müssten ihre Position im Land verstärken, um die Konkurrenz nicht zu stark werden zu lassen. Das sei am besten über den Kauf russischer Banken möglich.

Die Investoren würden dabei vor allem auf das Filialnetz, die Diversifizierung des Kundenstammes (Anteil Privat- und Geschäftskunden) und die bisherige Eigentümerstruktur des Übernahmekandidaten schauen. Als besonders heiße Anwärter für einen Einstieg von ausländischen Banken sieht Renaissance Capital derzeit die Absoljut Bank sowie die Sibakadembank. Auch die Bank Sankt-Peterburg, Binbank, MKB, Bank Petrokommertz, Probisnisbank, AKB Sojus und Bank Zenit könnten nach Ansicht der Analysten in den nächsten zwei bis drei Jahren an einen strategischen Investor verkauft werden. Insgesamt listet Renaissance Capital in seiner Untersuchung 24 Übernahmekandidaten auf.

Für die großen Privatbanken wie Alfa, MDM und Uralsib sieht Renaissance Capital eher die Option eines Börsenganges, um frisches Kapital zur Stärkung der Wettbewerbsposition zu bekommen. Auch die großen, staatlichen beziehungsweise halbstaatlichen Unternehmen Gasprombank, Wneschtorgbank und Bank Moskwy wollen 2007 über die Börse kleinere Aktienpakete an Investoren verkaufen.

Zu den größten Übernahmen russischer Banken durch ausländische Institute in der jüngsten Zeit gehörte der 100-prozentige Einstieg der österreichischen Raiffeisenbank bei der Impexbank sowie die Beteiligung der französischen Societe Generale an der Rosbank.

Ausgewählte aktuelle Beteiligungen ausländischer Banken in Russland
Bank Käufer Anteil in % Preis in Mio. US$ Verhältnis Kaufpreis zum Eigenkapital Datum
Aval Raiffeisen International 93,5 1.036 1,93 Oktober 2005
Investsberbank OTP (Ungarn) 96,4 477 3,30 Juli 2006
Impexbank Raiffeisen International 100 550 2,44 Juli 2006
Rosbank Societe Generale 10 *) 317 3,23 Juli 2006
Promswjasbank Commerzbank 15,3 k.A. k.A. Herbst 2006
 
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